Unfall im Melittabad hat folgenschweres Nachspiel im Internet Stefan Koch Minden (mt). Ein Junge stürzt vom drei Meter hohen Sprungturm, der Rettungsdienst bringt ihn ins Klinikum, dort behandeln ihn die Ärzte wegen eines Handgelenkbruchs. Dieser Vorfall ereignete sich am 2. Januar im Melittabad. Doch seit Mitte vergangener Woche setzt er sein Leben im Internet mit wachsender Intensität fort. Der Vater des Kindes veröffentlichte nämlich seine Sicht der Dinge auf der Bewertungsseite von Google Maps. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen das Personal des Bades. Das wiederum sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Ein Fall von digitaler Öffentlichkeit, zu der Plattformbetreiber jeden einladen. So möchte beispielsweise Google auf seinen Karten Informationen zu Städten, Restaurants, Attraktionen und vielem mehr erhalten. Dabei darf jeder als „Local Guide" mitmachen. Wer aktiv ist, kann in einem Belohnungssystem Punkte sammeln. Und schon seit einigen Jahren beteiligt sich auch der Mindener mit meist positiven Rezensionen zu unterschiedliche Themen bei Google Maps. Warum? „Einfach so", bekennt er auf MT-Nachfrage. Zu der kam es, weil er den Vorfall vom 2. Januar ausführlich schilderte. An dem Tag war er mit seiner Familie im Melittabad zu Gast, als sein Sohn „aus einer Höhe von zirka drei Metern mit dem Kopf auf den Boden fiel, bewusstlos war und weitere schwere Verletzungen erlitten hatte." Das Kind habe sofort Erste Hilfe benötigt. Doch die „Bademeister" hätten nur eine Auszubildende an den Unfallort geschickt, die mit der Situation vollkommen überfordert gewesen sei. Eine weitere „Bademeisterin", die hinzu gekommen sei, habe auch nicht helfen können, sich aber wenigstens „seelsorgerisch" um seine Frau gekümmert. „Weitere Reaktionen und Hilfe von den anderen anwesenden Bademeistern blieb aus." Er sei sich nicht sicher, ob sein Sohn ohne die Erste-Hilfe-Maßnahmen durch ihn selbst und eine weitere Besucherin überlebt hätte. Sein Fazit in dem Google-Beitrag: „Als Gast erwarte ich, dass das Aufsichtspersonal einer öffentlichen Badeanstalt regelmäßig geschult und für Notfallsituationen sensibilisiert wird und seine Aufgabe als Aufsichtspersonal gewissenhaft wahrnimmt. Hierfür ist einzig und allein der Betreiber verantwortlich, der in dieser Situation völlig versagt hat." Joachim Schmidt, unter anderem als Geschäftsführer der Mindener Bäder GmbH für das Melittabad zuständig, bestätigt den Vorfall vom 2. Januar. Ein Fehlverhalten des Personals sieht er nicht. Er stellt fest, dass die Erste Hilfe umgehend von den Mitarbeitenden zusammen mit einem weiblichen Badegast geleistet worden sei, wobei das Kind mit einer Decke versorgt und in eine stabile Lage gebracht worden sei. Kurzfristig sei es bewusstlos gewesen und es habe der Verdacht von Knochenbrüchen bestanden. Der Notruf sei innerhalb von zwei bis zweieinhalb Minuten erfolgt, so dass der Notarzt innerhalb von 15 bis 20 Minuten eingetroffen sei. Der Vater sei dann zusammen mit dem Jungen ins Krankenhaus gefahren und habe sich ausdrücklich für die Hilfeleistung durch das Badpersonal bedankt. „Und drückte sogar eine Kollegin." Desweiteren so Schmidt, sei die Mutter mit einem weiteren Kleinkind im Bad geblieben, bis diese von der Schwiegermutter abgeholt worden sei. Zwischenzeitlich hätten die Mitarbeitenden des Bades das Kleinkind versorgt, da die Mutter stark angespannt sei. „Darüber hinaus meldete sich die Mutter abends noch einmal fernmündlich im Bad und bedankte sich für die geleisteten Hilfsmaßnahmen." Der Vater bestätigt diese Angaben, hält aber daran fest, dass die Erste Hilfe nur durch ihn und die weitere Besucherin erfolgt sei. Laut Schmidt ist seine Rezension im Melittabad bekannt. „Als eine Kollegin letzte Woche davon erfuhr, habe sie fast zwei Tage lang geweint, da die dortigen Schilderungen nun gar nicht der Wahrheit entsprachen." Laut einem Bericht von Zeit Online vom 14. Januar schauen sich 57 Prozent der Deutschen regelmäßig Bewertungen auf Online-Portalen an. Dabei kommt es zu Klagen vor Gerichten, wenn sich Betroffene ungerecht bewertet fühlen. Schon ein paar negative Posts können ein ganzes Unternehmen nachhaltig in Verruf bringen. Und mit diesen Fällen beschäftigen sich mitunter auch Anwälte. „Mit solchen Klagen haben wir oft zu tun", bestätigt Markus Rassi Warai, der sich in Minden auf Internet-Recht spezialisiert hat. Wenn sich Mandanten wegen Bewertungen an ihn wendeten, verlange er zunächst außergerichtlich die Unterlassung der veröffentlichten Behauptungen. Wenn das nicht fruchte, folge eine Unterlassungsklage. Die Ansprüche auf Unterlassung würden zunächst gegen den Urheber der strittigen Behauptung geltend gemacht. Mitunter verfahre er auch zweigleisig und schreibe Plattformbetreiber wie Facebook oder Google an, damit diese den Eintrag löschten. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht." Laut Rassi Warai bezögen sich die meisten Fälle zurzeit auf Ärzte, die sich gegen ihrer Meinung nach unzutreffende Bewertungen zur Wehr setzten. „Aber das zieht sich durch alle Branchen, angefangen vom Tattoo-Studio über Restaurants und Hotels. Dienstleister aller Art können betroffen sein."

Unfall im Melittabad hat folgenschweres Nachspiel im Internet

Minden (mt). Ein Junge stürzt vom drei Meter hohen Sprungturm, der Rettungsdienst bringt ihn ins Klinikum, dort behandeln ihn die Ärzte wegen eines Handgelenkbruchs. Dieser Vorfall ereignete sich am 2. Januar im Melittabad. Doch seit Mitte vergangener Woche setzt er sein Leben im Internet mit wachsender Intensität fort. Der Vater des Kindes veröffentlichte nämlich seine Sicht der Dinge auf der Bewertungsseite von Google Maps. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen das Personal des Bades. Das wiederum sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Ein Fall von digitaler Öffentlichkeit, zu der Plattformbetreiber jeden einladen.

Auch zum Melittabad gibt zahlreiche Bewertungen im Internet. Die meisten sind positiv. MT-Foto (Archiv): Manfred Otto
Auch zum Melittabad gibt zahlreiche Bewertungen im Internet. Die meisten sind positiv. MT-Foto (Archiv): Manfred Otto

So möchte beispielsweise Google auf seinen Karten Informationen zu Städten, Restaurants, Attraktionen und vielem mehr erhalten. Dabei darf jeder als „Local Guide" mitmachen. Wer aktiv ist, kann in einem Belohnungssystem Punkte sammeln. Und schon seit einigen Jahren beteiligt sich auch der Mindener mit meist positiven Rezensionen zu unterschiedliche Themen bei Google Maps. Warum? „Einfach so", bekennt er auf MT-Nachfrage.

Zu der kam es, weil er den Vorfall vom 2. Januar ausführlich schilderte. An dem Tag war er mit seiner Familie im Melittabad zu Gast, als sein Sohn „aus einer Höhe von zirka drei Metern mit dem Kopf auf den Boden fiel, bewusstlos war und weitere schwere Verletzungen erlitten hatte." Das Kind habe sofort Erste Hilfe benötigt. Doch die „Bademeister" hätten nur eine Auszubildende an den Unfallort geschickt, die mit der Situation vollkommen überfordert gewesen sei. Eine weitere „Bademeisterin", die hinzu gekommen sei, habe auch nicht helfen können, sich aber wenigstens „seelsorgerisch" um seine Frau gekümmert. „Weitere Reaktionen und Hilfe von den anderen anwesenden Bademeistern blieb aus." Er sei sich nicht sicher, ob sein Sohn ohne die Erste-Hilfe-Maßnahmen durch ihn selbst und eine weitere Besucherin überlebt hätte.

Sein Fazit in dem Google-Beitrag: „Als Gast erwarte ich, dass das Aufsichtspersonal einer öffentlichen Badeanstalt regelmäßig geschult und für Notfallsituationen sensibilisiert wird und seine Aufgabe als Aufsichtspersonal gewissenhaft wahrnimmt. Hierfür ist einzig und allein der Betreiber verantwortlich, der in dieser Situation völlig versagt hat."

Joachim Schmidt, unter anderem als Geschäftsführer der Mindener Bäder GmbH für das Melittabad zuständig, bestätigt den Vorfall vom 2. Januar. Ein Fehlverhalten des Personals sieht er nicht. Er stellt fest, dass die Erste Hilfe umgehend von den Mitarbeitenden zusammen mit einem weiblichen Badegast geleistet worden sei, wobei das Kind mit einer Decke versorgt und in eine stabile Lage gebracht worden sei. Kurzfristig sei es bewusstlos gewesen und es habe der Verdacht von Knochenbrüchen bestanden. Der Notruf sei innerhalb von zwei bis zweieinhalb Minuten erfolgt, so dass der Notarzt innerhalb von 15 bis 20 Minuten eingetroffen sei. Der Vater sei dann zusammen mit dem Jungen ins Krankenhaus gefahren und habe sich ausdrücklich für die Hilfeleistung durch das Badpersonal bedankt. „Und drückte sogar eine Kollegin."

Desweiteren so Schmidt, sei die Mutter mit einem weiteren Kleinkind im Bad geblieben, bis diese von der Schwiegermutter abgeholt worden sei. Zwischenzeitlich hätten die Mitarbeitenden des Bades das Kleinkind versorgt, da die Mutter stark angespannt sei. „Darüber hinaus meldete sich die Mutter abends noch einmal fernmündlich im Bad und bedankte sich für die geleisteten Hilfsmaßnahmen."

Der Vater bestätigt diese Angaben, hält aber daran fest, dass die Erste Hilfe nur durch ihn und die weitere Besucherin erfolgt sei. Laut Schmidt ist seine Rezension im Melittabad bekannt. „Als eine Kollegin letzte Woche davon erfuhr, habe sie fast zwei Tage lang geweint, da die dortigen Schilderungen nun gar nicht der Wahrheit entsprachen."

Laut einem Bericht von Zeit Online vom 14. Januar schauen sich 57 Prozent der Deutschen regelmäßig Bewertungen auf Online-Portalen an. Dabei kommt es zu Klagen vor Gerichten, wenn sich Betroffene ungerecht bewertet fühlen. Schon ein paar negative Posts können ein ganzes Unternehmen nachhaltig in Verruf bringen. Und mit diesen Fällen beschäftigen sich mitunter auch Anwälte.

„Mit solchen Klagen haben wir oft zu tun", bestätigt Markus Rassi Warai, der sich in Minden auf Internet-Recht spezialisiert hat. Wenn sich Mandanten wegen Bewertungen an ihn wendeten, verlange er zunächst außergerichtlich die Unterlassung der veröffentlichten Behauptungen. Wenn das nicht fruchte, folge eine Unterlassungsklage. Die Ansprüche auf Unterlassung würden zunächst gegen den Urheber der strittigen Behauptung geltend gemacht. Mitunter verfahre er auch zweigleisig und schreibe Plattformbetreiber wie Facebook oder Google an, damit diese den Eintrag löschten. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht."

Laut Rassi Warai bezögen sich die meisten Fälle zurzeit auf Ärzte, die sich gegen ihrer Meinung nach unzutreffende Bewertungen zur Wehr setzten. „Aber das zieht sich durch alle Branchen, angefangen vom Tattoo-Studio über Restaurants und Hotels. Dienstleister aller Art können betroffen sein."

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