Minden

Fußballprofi auf Diebestour in Supermärkten: Gericht verurteilt Bande aus Georgien

Hartmut Nolte

Die Täter ließen vor allem Zigaretten mitgehen. Symbolfoto: Bockwoldt/dpa - © Daniel Bockwoldt
Die Täter ließen vor allem Zigaretten mitgehen. Symbolfoto: Bockwoldt/dpa (© Daniel Bockwoldt)

Minden. In dieser Saison wird der 26-jährige Profifußballer Mate A. für seinen Verein in der zweiten georgischen Fußballliga nicht mehr auflaufen. Er wurde am Freitag für ein Jahr und sechs Monate „gesperrt” – nicht vom Sportverband seines Heimatlandes, sondern vom Schöffengericht Minden, das ihn wegen gemeinschaftlichen Bandendiebstahls zurück hinter Gitter schickte.

Was war passiert? Im Sommer 2019 waren A. und zwei weitere Männer in einem Seat Toledo aus dem Kaukasus nach Deutschland gekommen. Mit einem weiteren Landsmann klapperten sie, vom Navi gesteuert, verschiedene Supermärkte ab, um dort Ladendiebstähle nach immer gleichem Muster zu begehen: Einer steckte sich die Taschen und dazu noch eine Jacke mit zugenähten Ärmeln mit der Beute voll. Meistens hatten sie es auf Zigaretten abgesehen. Die andern schirmten ihn ab, gemeinsam verließen die Männer den Markt. Auf Diebestour gingen sie zu viert, angeklagt waren drei von ihnen. Der vierte Mann konnte entkommen und wird jetzt „gesondert verfolgt”, wie es im Juristendeutsch heißt.

Manchmal blieb es beim Versuch des Diebstahls, was auf Videoaufnahmen dokumentiert ist. In Minden im E-Center am 11. Juni, in Herford im E-Center am 4. Juli und am 8. Juli im Marktkauf in Espelkamp. Dort wurde ihr Deutschlandtrip beendet, als die Polizei zugriff. Beim Abgleich stellte sich auch die mutmaßliche Täterschaft in den anderen Märkten heraus.

Angeklagt waren die drei genannten Taten, geahndet wurde nur der Diebstahl in Espelkamp. Die beiden anderen wurden nach einem Rechtsgespräch eingestellt. Nach längerer Diskussion einigten sich Staatsanwältin und Verteidiger auf eine geringere Strafe, sollten die Angeklagten die Taten gestehen – Letzteres erspart der Justiz Zeit und Kosten. Auf schweren Bandendiebstahl stehen ein bis zehn Jahre Haft. In diesem „normalen Fall”, wie das Gericht später sagte, blieb man mit einem Jahr und vier bis acht Monaten nahe der Untergrenze.

Doch trotz der Übereinkunft haperte es plötzlich. Erst wollte einer der Angeklagten angesichts der Verlängerung seiner Untersuchungshaft um wohl ein komplettes Jahr nicht mehr mitmachen, dann schloss sich der junge Fußballprofi mit Blick auf seine Sportkarriere an. Lediglich der dritte Angeklagte blieb einverstanden, denn ihm winkte Bewährung, weil er Familie in Minden hat und in den nächsten Tagen hier einen Vollzeit-Job beginnt.

Die plötzliche Aufkündigung des mühevoll erreichten Deals erzürnte den Vorsitzenden Richter und den Verteidiger. Erst als sie den Männern klar machten, dass ohne Geständnis die Strafe höher ausfallen könne, weil auch die Taten in Herford und Minden wieder einbezogen würden und dass die Anklage noch Videoaufnahmen, Handyauswertung und die erwähnten Navi-Ziele als Beweismittel habe, stimmten sie dem Deal zu.

Alle drei erhielten mit einem Jahr und sechs Monaten die gleiche Strafe, einer zahlte für seine Bewährung eine Geldauflage (500 Euro) an den Weißen Ring. Im Schlusswort wollte der junge Fußballer einen eigenen Deal erreichen: Bei Bewährung auch für ihn werde er in weniger als 48 Stunden aus Deutschland abreisen. Darauf ließ sich das Gericht aber nicht ein.

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MindenFußballprofi auf Diebestour in Supermärkten: Gericht verurteilt Bande aus GeorgienHartmut NolteMinden. In dieser Saison wird der 26-jährige Profifußballer Mate A. für seinen Verein in der zweiten georgischen Fußballliga nicht mehr auflaufen. Er wurde am Freitag für ein Jahr und sechs Monate „gesperrt” – nicht vom Sportverband seines Heimatlandes, sondern vom Schöffengericht Minden, das ihn wegen gemeinschaftlichen Bandendiebstahls zurück hinter Gitter schickte. Was war passiert? Im Sommer 2019 waren A. und zwei weitere Männer in einem Seat Toledo aus dem Kaukasus nach Deutschland gekommen. Mit einem weiteren Landsmann klapperten sie, vom Navi gesteuert, verschiedene Supermärkte ab, um dort Ladendiebstähle nach immer gleichem Muster zu begehen: Einer steckte sich die Taschen und dazu noch eine Jacke mit zugenähten Ärmeln mit der Beute voll. Meistens hatten sie es auf Zigaretten abgesehen. Die andern schirmten ihn ab, gemeinsam verließen die Männer den Markt. Auf Diebestour gingen sie zu viert, angeklagt waren drei von ihnen. Der vierte Mann konnte entkommen und wird jetzt „gesondert verfolgt”, wie es im Juristendeutsch heißt. Manchmal blieb es beim Versuch des Diebstahls, was auf Videoaufnahmen dokumentiert ist. In Minden im E-Center am 11. Juni, in Herford im E-Center am 4. Juli und am 8. Juli im Marktkauf in Espelkamp. Dort wurde ihr Deutschlandtrip beendet, als die Polizei zugriff. Beim Abgleich stellte sich auch die mutmaßliche Täterschaft in den anderen Märkten heraus. Angeklagt waren die drei genannten Taten, geahndet wurde nur der Diebstahl in Espelkamp. Die beiden anderen wurden nach einem Rechtsgespräch eingestellt. Nach längerer Diskussion einigten sich Staatsanwältin und Verteidiger auf eine geringere Strafe, sollten die Angeklagten die Taten gestehen – Letzteres erspart der Justiz Zeit und Kosten. Auf schweren Bandendiebstahl stehen ein bis zehn Jahre Haft. In diesem „normalen Fall”, wie das Gericht später sagte, blieb man mit einem Jahr und vier bis acht Monaten nahe der Untergrenze. Doch trotz der Übereinkunft haperte es plötzlich. Erst wollte einer der Angeklagten angesichts der Verlängerung seiner Untersuchungshaft um wohl ein komplettes Jahr nicht mehr mitmachen, dann schloss sich der junge Fußballprofi mit Blick auf seine Sportkarriere an. Lediglich der dritte Angeklagte blieb einverstanden, denn ihm winkte Bewährung, weil er Familie in Minden hat und in den nächsten Tagen hier einen Vollzeit-Job beginnt. Die plötzliche Aufkündigung des mühevoll erreichten Deals erzürnte den Vorsitzenden Richter und den Verteidiger. Erst als sie den Männern klar machten, dass ohne Geständnis die Strafe höher ausfallen könne, weil auch die Taten in Herford und Minden wieder einbezogen würden und dass die Anklage noch Videoaufnahmen, Handyauswertung und die erwähnten Navi-Ziele als Beweismittel habe, stimmten sie dem Deal zu. Alle drei erhielten mit einem Jahr und sechs Monaten die gleiche Strafe, einer zahlte für seine Bewährung eine Geldauflage (500 Euro) an den Weißen Ring. Im Schlusswort wollte der junge Fußballer einen eigenen Deal erreichen: Bei Bewährung auch für ihn werde er in weniger als 48 Stunden aus Deutschland abreisen. Darauf ließ sich das Gericht aber nicht ein.