Minden

Neue Räume dringend gesucht: DRK-Kleidershop, Hope und Fahrradwerkstatt wurde gekündigt

Doris Christoph

Minden. Drei Hilfseinrichtungen unter einem Dach – das ist praktisch. Doch wenn alle gleichzeitig die Kündigung erhalten, dann fallen gleich drei Angebote für Hilfsbedürftige auf einmal weg. Das könnte mit dem Kleidershop des Deutschen Roten Kreuzes, den der Ortsverband Minden betreibt, dem Verein „Hope hilft“ und der Fahrradwerkstatt des Evangelischen Kirchenkreises passieren. Sie müssen in wenigen Wochen ihr gemeinsames Domizil an der Stiftsallee 4 verlassen. Während sich die Suche nach einer Bleibe bei zwei der Hilfseinrichtungen schwierig gestaltet, möchte der Hausbesitzer das Gebäude loswerden – findet aber keinen Käufer.

Die Ausgangslage

Alle drei Einrichtungen haben ihr Domizil in der Stiftsallee 4. Das DRK hat vom Besitzer eine Änderungskündigung zum 15. März erhalten. Ein Anschlussmietvertrag für die ehemalige Gaststätte sehe eine „massive Preissteigerung“ vor, erklärt Ortsverbands-Vorsitzender Ralf Sassenberg.

„Hope hilft“ und die Fahrradwerkstatt sind im Erdgeschoss des Hauptgebäudes untergebracht. Dieses hat die Stadt Minden vor fünf Jahren angemietet, um im Obergeschoss Flüchtlinge unterzubringen. Sie hat den Hilfseinrichtungen die Räume kostenlos beziehungsweise gegen Zahlung der Nebenkosten zur Verfügung gestellt. Seit 2018 habe es für das Haus keine sinnvolle städtische Nutzung mehr gegeben, teilt die Stadt Minden auf Nachfrage mit. Der über fünf Jahre geschlossene Mietvertrag laufe jetzt aus. „Sowohl der Kirchenkreis als auch Hope wurden von der Stadt Minden informiert, dass sie die Räumlichkeiten bis Ende Februar räumen sollen“, schreibt Sprecherin Susann Lewerenz.

Der DRK-Kleidershop

Seit 2009 ist der DRK-Kleidershop im Gebäudeteil untergebracht, in dem früher die Gaststätte „Pott und Pann“ war. Besucher finden hier auf 85 Quadratmetern Kleidung oder Bettwäsche, die ab 50 Cent verkauft wird. Vier Tage pro Woche ist der Shop geöffnet, bis zu 50 Besucher kommen täglich vorbei. 20 Ehrenamtliche sind im Einsatz. Mit alldem könnte bald Schluss sein. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt Ralf Sassenberg.

Derzeit gibt es scheinbar ein zähes Ringen zwischen Vermieter und dem Verein um die künftige Miete. Die liegt nach Auskunft des DRK derzeit bei monatlich 635 Euro, dazu kämen 400 Euro Nebenkosten. Nun verlange der Vermieter 900 Euro Kaltmiete. „Mehr als 700 Euro pro Monat können wir uns nicht leisten“, sagt Sassenberg. So trage sich der Laden selbst, bei einer Mietsteigerung von mehreren hundert Euro aber nicht mehr. „Und wir wollen die Steigerung auch nicht auf die Kunden abwälzen“, sagt Jan Brand, Sassenbergs Stellvertreter. Mittlerweile haben sich beide Parteien nach Auskunft von Hausbesitzer Harald Piel bis auf 50 Euro angenähert. Die von ihm gewünschte längere Vertragslaufzeit habe er bereits von zehn auf fünf Jahre gesenkt.

Warum aber diese Mietsteigerung? „Der Verein nutzt den Kegelraum und die Nebenräume kostenlos mit. Die Mieterhöhung bezieht sich auf diese Räume. Ich habe nichts zu verschenken, auch nicht dem DRK“, sagt Harald Piel, der das Gebäude 1988 gekauft hat. In der ehemaligen Kegelbahn, die rund 150 Quadratmeter umfasst, sortiert und lagert der Verein die Kleiderspenden.

Der Vereinsvorstand wiederum kritisiert mangelnde Investitionen in die Räume. „Die Mieterhöhung passt nicht zum baulichen Zustand“, meint Brand. In dem Kegelraum könne nicht mal geheizt werden. Er spricht von einem „ewigen Hin und Her“, auch weil unklar ist, ob der Besitzer nun wechselt oder nicht.

Parallel zu den Verhandlungen sucht der Verein nach einer neuen Bleibe, die aber laut Brand einige Kriterien erfüllen sollte: Die Miete muss akzeptabel sein, das neue Domizil im Gebiet des Ortsverbandes Minden liegen. Ein Kleidercontainer sollte in direkter Nähe aufgestellt werden können, eine Ladezone muss vorhanden sein, um weitere Kleiderspenden anliefern zu können. Und dann hätte der Verein gerne noch einen größeren Verkaufsraum, er braucht ein Lager und einen Platz, um die Kleiderspenden zu sortieren.

Eine ehemalige Apotheke in der Huttenstraße kam laut Brand zwar in Betracht, allerdings sieht der Bebauungsplan dort ein Wohngebiet vor. Die Apotheke war nach Auskunft der Stadt zur Versorgung des Gebiets erlaubt, ein Kleidershop wäre es nicht. Also wurde aus dem Ausweichquartier nichts. Was passiert, wenn der Verein keine neue Bleibe findet? „Als letzte Option würden wir die Altkleider verkaufen und zu machen“, so Brand.

Die Fahrradwerkstatt

In direkter Nachbarschaft zum DRK-Kleidershop gibt es seit 2015 die Fahrradwerkstatt des Evangelischen Kirchenkreises Minden. In einem Raum im Erdgeschoss reparieren Klaus Siegner, Michael Hacke und Ahmed Naddaf zweimal pro Woche gespendete Fahrräder und verkaufen sie an Bedürftige. Oder sie leiten diese an, es selbst zu tun.

Die Idee dahinter: Flüchtlinge sollten die Möglichkeit kriegen, mobil zu sein und so leichter eine Arbeit zu bekommen sowie sich zu beschäftigen. Zunächst nutzten vor allem die Bewohner aus dem Obergeschoss das Angebot. „Durch die Nachbarschaft zum Kleidershop kommt jetzt auch eine andere Klientel vorbei“, sagt Klaus Siegner. Drei bis vier Besucher seien es pro Öffnungstag.

„Wir haben gedacht, es würde leichter werden, neue Räumlichkeiten zu finden“, meint der Ehrenamtliche. Dabei seien sie doch pflegeleicht und quasi ein Selbstläufer. Das Problem: Die Werkstatt musste bislang keine Miete zahlen, sie kann es auch nicht. „Wir hatten lange die Hoffnung, dass wir über die Stadt Minden oder aber über Kirchengemeinden eine neue kostenfreie Bleibe finden könnten“, meint Elke Bikoswki, Koordinatorin für Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit beim Kirchenkreis. Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt.

Zudem müssen auch hier neue Räume einige Kriterien erfüllen. „Wir sind nicht bereit in irgendeinen Keller zu ziehen“, sagt Klaus Siegner. Der wurde ihnen schon in Rodenbeck angeboten. Ebenerdig soll die neue Werkstatt sein, Toilettenzugang haben und einen Abstellraum. Auch die Lage möglichst in der Nordstadt sei wichtig, damit sie für Kunden etwa aus Bärenkämpen leicht zu erreichen sei. Zudem gibt es bereits ähnliche Angebote in der Innenstadt und auf der anderen Weserseite. „Und es wäre ein Traum mit dem Kleidershop umzuziehen“, so Elke Bikoswki. Die Nähe sei eine Win-Win-Situation für alle.

Wenn keine Alternative gefunden wird, soll das Werkstatt-Equipment eingelagert werden, erklärt sie. „Das nimmt zumindest den Druck, dass wir zum 1. März etwas Neues haben müssen.“ Michael Hacke ist da pessimistischer: „Wenn man es ein halbes Jahr einlagert, ist es vorbei.“

Hope

Nur für Hope gibt es derzeit Hoffnung. Der Verein, der 2017 vom Kleinen Domhof in die Stiftsallee 4 umgezogen war, kommt mit einem Teil seines Angebots im E-Werk unter, das von der Diakonie Stiftung Salem betrieben wird. Er kann dort weiter Sprachunterricht geben und das Integrationscafé betreiben, berichtet Elke Bikowski, die sich hier privat engagiert. „Den Großteil des Inventars übernimmt die Flüchtlingshilfe Rechte Weserseite.“

Der Hausbesitzer

Unzufriedenheit also auf (fast) allen Seiten, auch bei Hausbesitzer Harald Piel. Denn der möchte das Gebäude eigentlich loswerden: „Ich habe keine Lust mehr auf den Klotz am Bein.“ Seit 20 Jahren lebe er auf Gran Canaria und komme nur in die alte Heimat, um sich um die Immobilie zu kümmern. Vor vier Jahren beschloss er, das Haus zu verkaufen. Drei Makler habe er in der Zwischenzeit damit beauftragt – vergebens. Derzeit ist die Immobilie auf der Internetseite von „Kellermeier und Salge“ zu finden, wo sie als „rentables Wohn- und Geschäftshaus“ angepriesen wird. Das Gebäude mit einer Gesamtfläche von 745 Quadratmetern, davon 250 Quadratmeter Wohnfläche, ist für 450.000 Euro eingestellt.

Interessenten habe es durchaus gegeben, der letzte sprang erst vor knapp einer Woche ab, berichtet Harald Piel. „Aber die Stadt hat einen Strich durch die Rechnung gemacht“, meint der Hausbesitzer. Denn der Interessent wollte von dieser eine Bestätigung, dass es hier 250 Quadratmeter Wohnfläche gebe. Doch die habe er nicht bekommen. Die Stadt erklärt auf Nachfrage, dass in diesem Gebiet nur Gewerbebetriebe zulässig seien, eine Wohnnutzung hingegen nicht. „Zulässige Ausnahmen davon waren die früheren Nutzungen als Gaststätte, als soziale Einrichtung und zur befristeten Unterbringung von Flüchtlingen“, heißt es weiter.

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MindenNeue Räume dringend gesucht: DRK-Kleidershop, Hope und Fahrradwerkstatt wurde gekündigtDoris ChristophMinden. Drei Hilfseinrichtungen unter einem Dach – das ist praktisch. Doch wenn alle gleichzeitig die Kündigung erhalten, dann fallen gleich drei Angebote für Hilfsbedürftige auf einmal weg. Das könnte mit dem Kleidershop des Deutschen Roten Kreuzes, den der Ortsverband Minden betreibt, dem Verein „Hope hilft“ und der Fahrradwerkstatt des Evangelischen Kirchenkreises passieren. Sie müssen in wenigen Wochen ihr gemeinsames Domizil an der Stiftsallee 4 verlassen. Während sich die Suche nach einer Bleibe bei zwei der Hilfseinrichtungen schwierig gestaltet, möchte der Hausbesitzer das Gebäude loswerden – findet aber keinen Käufer. Die Ausgangslage Alle drei Einrichtungen haben ihr Domizil in der Stiftsallee 4. Das DRK hat vom Besitzer eine Änderungskündigung zum 15. März erhalten. Ein Anschlussmietvertrag für die ehemalige Gaststätte sehe eine „massive Preissteigerung“ vor, erklärt Ortsverbands-Vorsitzender Ralf Sassenberg. „Hope hilft“ und die Fahrradwerkstatt sind im Erdgeschoss des Hauptgebäudes untergebracht. Dieses hat die Stadt Minden vor fünf Jahren angemietet, um im Obergeschoss Flüchtlinge unterzubringen. Sie hat den Hilfseinrichtungen die Räume kostenlos beziehungsweise gegen Zahlung der Nebenkosten zur Verfügung gestellt. Seit 2018 habe es für das Haus keine sinnvolle städtische Nutzung mehr gegeben, teilt die Stadt Minden auf Nachfrage mit. Der über fünf Jahre geschlossene Mietvertrag laufe jetzt aus. „Sowohl der Kirchenkreis als auch Hope wurden von der Stadt Minden informiert, dass sie die Räumlichkeiten bis Ende Februar räumen sollen“, schreibt Sprecherin Susann Lewerenz. Der DRK-Kleidershop Seit 2009 ist der DRK-Kleidershop im Gebäudeteil untergebracht, in dem früher die Gaststätte „Pott und Pann“ war. Besucher finden hier auf 85 Quadratmetern Kleidung oder Bettwäsche, die ab 50 Cent verkauft wird. Vier Tage pro Woche ist der Shop geöffnet, bis zu 50 Besucher kommen täglich vorbei. 20 Ehrenamtliche sind im Einsatz. Mit alldem könnte bald Schluss sein. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt Ralf Sassenberg. Derzeit gibt es scheinbar ein zähes Ringen zwischen Vermieter und dem Verein um die künftige Miete. Die liegt nach Auskunft des DRK derzeit bei monatlich 635 Euro, dazu kämen 400 Euro Nebenkosten. Nun verlange der Vermieter 900 Euro Kaltmiete. „Mehr als 700 Euro pro Monat können wir uns nicht leisten“, sagt Sassenberg. So trage sich der Laden selbst, bei einer Mietsteigerung von mehreren hundert Euro aber nicht mehr. „Und wir wollen die Steigerung auch nicht auf die Kunden abwälzen“, sagt Jan Brand, Sassenbergs Stellvertreter. Mittlerweile haben sich beide Parteien nach Auskunft von Hausbesitzer Harald Piel bis auf 50 Euro angenähert. Die von ihm gewünschte längere Vertragslaufzeit habe er bereits von zehn auf fünf Jahre gesenkt. Warum aber diese Mietsteigerung? „Der Verein nutzt den Kegelraum und die Nebenräume kostenlos mit. Die Mieterhöhung bezieht sich auf diese Räume. Ich habe nichts zu verschenken, auch nicht dem DRK“, sagt Harald Piel, der das Gebäude 1988 gekauft hat. In der ehemaligen Kegelbahn, die rund 150 Quadratmeter umfasst, sortiert und lagert der Verein die Kleiderspenden. Der Vereinsvorstand wiederum kritisiert mangelnde Investitionen in die Räume. „Die Mieterhöhung passt nicht zum baulichen Zustand“, meint Brand. In dem Kegelraum könne nicht mal geheizt werden. Er spricht von einem „ewigen Hin und Her“, auch weil unklar ist, ob der Besitzer nun wechselt oder nicht. Parallel zu den Verhandlungen sucht der Verein nach einer neuen Bleibe, die aber laut Brand einige Kriterien erfüllen sollte: Die Miete muss akzeptabel sein, das neue Domizil im Gebiet des Ortsverbandes Minden liegen. Ein Kleidercontainer sollte in direkter Nähe aufgestellt werden können, eine Ladezone muss vorhanden sein, um weitere Kleiderspenden anliefern zu können. Und dann hätte der Verein gerne noch einen größeren Verkaufsraum, er braucht ein Lager und einen Platz, um die Kleiderspenden zu sortieren. Eine ehemalige Apotheke in der Huttenstraße kam laut Brand zwar in Betracht, allerdings sieht der Bebauungsplan dort ein Wohngebiet vor. Die Apotheke war nach Auskunft der Stadt zur Versorgung des Gebiets erlaubt, ein Kleidershop wäre es nicht. Also wurde aus dem Ausweichquartier nichts. Was passiert, wenn der Verein keine neue Bleibe findet? „Als letzte Option würden wir die Altkleider verkaufen und zu machen“, so Brand. Die Fahrradwerkstatt In direkter Nachbarschaft zum DRK-Kleidershop gibt es seit 2015 die Fahrradwerkstatt des Evangelischen Kirchenkreises Minden. In einem Raum im Erdgeschoss reparieren Klaus Siegner, Michael Hacke und Ahmed Naddaf zweimal pro Woche gespendete Fahrräder und verkaufen sie an Bedürftige. Oder sie leiten diese an, es selbst zu tun. Die Idee dahinter: Flüchtlinge sollten die Möglichkeit kriegen, mobil zu sein und so leichter eine Arbeit zu bekommen sowie sich zu beschäftigen. Zunächst nutzten vor allem die Bewohner aus dem Obergeschoss das Angebot. „Durch die Nachbarschaft zum Kleidershop kommt jetzt auch eine andere Klientel vorbei“, sagt Klaus Siegner. Drei bis vier Besucher seien es pro Öffnungstag. „Wir haben gedacht, es würde leichter werden, neue Räumlichkeiten zu finden“, meint der Ehrenamtliche. Dabei seien sie doch pflegeleicht und quasi ein Selbstläufer. Das Problem: Die Werkstatt musste bislang keine Miete zahlen, sie kann es auch nicht. „Wir hatten lange die Hoffnung, dass wir über die Stadt Minden oder aber über Kirchengemeinden eine neue kostenfreie Bleibe finden könnten“, meint Elke Bikoswki, Koordinatorin für Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit beim Kirchenkreis. Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Zudem müssen auch hier neue Räume einige Kriterien erfüllen. „Wir sind nicht bereit in irgendeinen Keller zu ziehen“, sagt Klaus Siegner. Der wurde ihnen schon in Rodenbeck angeboten. Ebenerdig soll die neue Werkstatt sein, Toilettenzugang haben und einen Abstellraum. Auch die Lage möglichst in der Nordstadt sei wichtig, damit sie für Kunden etwa aus Bärenkämpen leicht zu erreichen sei. Zudem gibt es bereits ähnliche Angebote in der Innenstadt und auf der anderen Weserseite. „Und es wäre ein Traum mit dem Kleidershop umzuziehen“, so Elke Bikoswki. Die Nähe sei eine Win-Win-Situation für alle. Wenn keine Alternative gefunden wird, soll das Werkstatt-Equipment eingelagert werden, erklärt sie. „Das nimmt zumindest den Druck, dass wir zum 1. März etwas Neues haben müssen.“ Michael Hacke ist da pessimistischer: „Wenn man es ein halbes Jahr einlagert, ist es vorbei.“ Hope Nur für Hope gibt es derzeit Hoffnung. Der Verein, der 2017 vom Kleinen Domhof in die Stiftsallee 4 umgezogen war, kommt mit einem Teil seines Angebots im E-Werk unter, das von der Diakonie Stiftung Salem betrieben wird. Er kann dort weiter Sprachunterricht geben und das Integrationscafé betreiben, berichtet Elke Bikowski, die sich hier privat engagiert. „Den Großteil des Inventars übernimmt die Flüchtlingshilfe Rechte Weserseite.“ Der Hausbesitzer Unzufriedenheit also auf (fast) allen Seiten, auch bei Hausbesitzer Harald Piel. Denn der möchte das Gebäude eigentlich loswerden: „Ich habe keine Lust mehr auf den Klotz am Bein.“ Seit 20 Jahren lebe er auf Gran Canaria und komme nur in die alte Heimat, um sich um die Immobilie zu kümmern. Vor vier Jahren beschloss er, das Haus zu verkaufen. Drei Makler habe er in der Zwischenzeit damit beauftragt – vergebens. Derzeit ist die Immobilie auf der Internetseite von „Kellermeier und Salge“ zu finden, wo sie als „rentables Wohn- und Geschäftshaus“ angepriesen wird. Das Gebäude mit einer Gesamtfläche von 745 Quadratmetern, davon 250 Quadratmeter Wohnfläche, ist für 450.000 Euro eingestellt. Interessenten habe es durchaus gegeben, der letzte sprang erst vor knapp einer Woche ab, berichtet Harald Piel. „Aber die Stadt hat einen Strich durch die Rechnung gemacht“, meint der Hausbesitzer. Denn der Interessent wollte von dieser eine Bestätigung, dass es hier 250 Quadratmeter Wohnfläche gebe. Doch die habe er nicht bekommen. Die Stadt erklärt auf Nachfrage, dass in diesem Gebiet nur Gewerbebetriebe zulässig seien, eine Wohnnutzung hingegen nicht. „Zulässige Ausnahmen davon waren die früheren Nutzungen als Gaststätte, als soziale Einrichtung und zur befristeten Unterbringung von Flüchtlingen“, heißt es weiter.