Standpunkt zu den Mindener Stadtwerken: Engstens verflochten

Benjamin Piel

Wenn Geschäftsführer von städtischen Tochterunternehmen das Weite suchen, lohnt sich ein genauerer Blick. Vor allem dann, wenn das Einvernehmen der Trennung so sehr betont wird, dass beinahe der Eindruck entstehen könnte, man halte die gegenseitigen Liebkosungen nicht mehr aus.

Kürzlich wurde bekannt, dass Matthias Partetzke, der Geschäftsführer der Mindener Stadtwerke, geht. Sowohl er als auch der Aufsichtsratsvorsitzende sendeten die Botschaft, man gehe keinesfalls im Streit auseinander. Gut, die eine oder andere Meinungsverschiedenheit habe es gegeben. Aber schlecht sei das Verhältnis nicht. Alles gut also – nur miteinander weitermachen will man dann doch nicht.

Denn hinter den Kulissen hat es wohl stärker gebrodelt als die Sprachregelung vermuten lässt. Vor allem Partetzke und Susanne Treptow, Geschäftsführerin der Stadtwerke Hameln, die zu 49 Prozent an den Mindener Stadtwerken beteiligt ist, sollen nicht die besten Freunde sein. Das alles wirft Fragen auf: Wer hat welchen Einfluss und wer kontrolliert wen? Denn die Geschäftsführerin der Hamelner ist trotz der Beteiligung an den Mindenern Mitglied in deren Aufsichtsrat. Ebenso ihre rechte Hand, Prokurist Helmut Feldkötter.

Das ist eine Art Selbstkontrolle, die dem Buchstaben des Gesetzes nach unangreifbar ist. Doch wie effektiv ist das? Der Aufsichtsrat soll das Handeln der Unternehmensspitze hinterfragen. Können zwei Leute das glaubwürdig tun, die ein Unternehmen lenken, das beinahe zur Hälfte am zu kontrollierenden Unternehmen beteiligt ist?

Die Verbindungen zwischen Minden und Hameln werden in Zukunft noch ausgeprägter sein. Denn für Partetzke rückt unter anderem Feldkötter als Geschäftsführer bei den Mindener Stadtwerken nach. Er bleibt gleichzeitig aber Prokurist der Stadtwerke Hameln. Oder anders ausgedrückt: Die Geschäftsführerin der Hamelner wird künftig im Mindener Aufsichtsrat ihren Hamelner Prokuristen als Geschäftsführer der Mindener Stadtwerke zu kontrollieren haben. Das klingt nach reichlich viel Hameln in Minden, nach viel Verflechtung und wenig unabhängiger Kontrolle.

Zumal der zweite Mann in der Geschäftsführung der Mindener ausgerechnet Joachim Schmidt sein wird. Der ist bereits Geschäftsführer der Mindener Hafen GmbH, der Verkehrs GmbH, der Holding GmbH, des Regio-Ports, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, der Bäder GmbH und – damit es nicht langweilig wird im Berufsleben – künftig auch der Mindener Stadtwerke und der Mindener Wasser GmbH.

Hoffentlich bleibt da noch genug Zeit, um klar zu machen, dass nicht die Hamelner, sondern die Stadt Minden die Mehrheit an den eigenen Stadtwerken hält.

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Standpunkt zu den Mindener Stadtwerken: Engstens verflochtenBenjamin PielWenn Geschäftsführer von städtischen Tochterunternehmen das Weite suchen, lohnt sich ein genauerer Blick. Vor allem dann, wenn das Einvernehmen der Trennung so sehr betont wird, dass beinahe der Eindruck entstehen könnte, man halte die gegenseitigen Liebkosungen nicht mehr aus. Kürzlich wurde bekannt, dass Matthias Partetzke, der Geschäftsführer der Mindener Stadtwerke, geht. Sowohl er als auch der Aufsichtsratsvorsitzende sendeten die Botschaft, man gehe keinesfalls im Streit auseinander. Gut, die eine oder andere Meinungsverschiedenheit habe es gegeben. Aber schlecht sei das Verhältnis nicht. Alles gut also – nur miteinander weitermachen will man dann doch nicht. Denn hinter den Kulissen hat es wohl stärker gebrodelt als die Sprachregelung vermuten lässt. Vor allem Partetzke und Susanne Treptow, Geschäftsführerin der Stadtwerke Hameln, die zu 49 Prozent an den Mindener Stadtwerken beteiligt ist, sollen nicht die besten Freunde sein. Das alles wirft Fragen auf: Wer hat welchen Einfluss und wer kontrolliert wen? Denn die Geschäftsführerin der Hamelner ist trotz der Beteiligung an den Mindenern Mitglied in deren Aufsichtsrat. Ebenso ihre rechte Hand, Prokurist Helmut Feldkötter. Das ist eine Art Selbstkontrolle, die dem Buchstaben des Gesetzes nach unangreifbar ist. Doch wie effektiv ist das? Der Aufsichtsrat soll das Handeln der Unternehmensspitze hinterfragen. Können zwei Leute das glaubwürdig tun, die ein Unternehmen lenken, das beinahe zur Hälfte am zu kontrollierenden Unternehmen beteiligt ist? Die Verbindungen zwischen Minden und Hameln werden in Zukunft noch ausgeprägter sein. Denn für Partetzke rückt unter anderem Feldkötter als Geschäftsführer bei den Mindener Stadtwerken nach. Er bleibt gleichzeitig aber Prokurist der Stadtwerke Hameln. Oder anders ausgedrückt: Die Geschäftsführerin der Hamelner wird künftig im Mindener Aufsichtsrat ihren Hamelner Prokuristen als Geschäftsführer der Mindener Stadtwerke zu kontrollieren haben. Das klingt nach reichlich viel Hameln in Minden, nach viel Verflechtung und wenig unabhängiger Kontrolle. Zumal der zweite Mann in der Geschäftsführung der Mindener ausgerechnet Joachim Schmidt sein wird. Der ist bereits Geschäftsführer der Mindener Hafen GmbH, der Verkehrs GmbH, der Holding GmbH, des Regio-Ports, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, der Bäder GmbH und – damit es nicht langweilig wird im Berufsleben – künftig auch der Mindener Stadtwerke und der Mindener Wasser GmbH. Hoffentlich bleibt da noch genug Zeit, um klar zu machen, dass nicht die Hamelner, sondern die Stadt Minden die Mehrheit an den eigenen Stadtwerken hält.