Minden

Mindener Tucholsky-Bühne spielt "Die Affaire in der Rude Lourcine"

Andreas Laubig

Minden. Theaterspielen ist harte Arbeit. Und hohe Ansprüche der Regie machen es nicht einfacher. Diese Erfahrung macht gerade das Ensemble der Mindener Tucholsky-Bühne. Seit Mitte August des vergangenen Jahres proben die Darsteller ein bis zwei Mal pro Woche für die Aufführung der Kriminal-Komödie „Die Affaire in der Rue de Lourcine“.

Mistingue (Thorsten Wolfersdorf) und Lenglumé (Eduard Schynol) waschen ihre Hände in Unschuld (von links). - © Foto: Andreas Laubig
Mistingue (Thorsten Wolfersdorf) und Lenglumé (Eduard Schynol) waschen ihre Hände in Unschuld (von links). (© Foto: Andreas Laubig)

Mit Johannes Paul Kindler hat das Theater einen gestandenen Profi für die Regie gewinnen können. Der 59-Jährige hat das Schauspiel an der Berliner Fritz-Kirchhoff-Schule gelernt und unter anderen an Theatern in Münster, Magdeburg und zuletzt in Bern gearbeitet. Aus privaten Gründen zog es ihn zurück in seine ostwestfälische Heimat, wo er seit 2017 das „Kleine Theater Rehme“ in Bad Oeynhausen betreibt.

Immer wieder greift er bei den Proben im Mindener Theater Am Campus ein: „Du musst es mir nicht vorspielen, ich muss es mir denken“, und „Lass die Schnörkel weg, nimm die Leute mit“ ruft er aus dem Zuschauerraum. Voller Leidenschaft motiviert er die Darsteller, detailgenau zu agieren. „Eine Komödie ist die schwierigste Herausforderung für die Schauspieler, das muss auf den Punkt sein. Es ist ein schmaler Grat zwischen platter Schenkel-Klopf-Komödie und intelligenter Unterhaltung mit Scharfsinn und Humor“ so Kindler.

Vordergründig humoristische Unterhaltung hatte der Autor Eugène Marin Labiche nicht im Sinn, als er 1857 das Bühnenstück schrieb. Es ist vielmehr eine bitterböse Komödie mit scharfem Witz und klugem Humor. Die Doppelmoral der selbstgefälligen Bourgeoisie wird entlarvt, die Saubermänner mit der weißen Weste zeigen ihr wahres Gesicht. Eine Thematik, die nichts an Aktualität verloren habe, findet Kindler.

Die beiden gut situierten Biedermänner Oscar Lenglumé (Eduard Schynol) und Mistingue (Thorsten Wolfersdorf) leiden nach ausgiebigem Alkohol-Genuss unter großen Gedächtnislücken. Nach und nach stellt sich heraus, dass sie am Vorabend großes Unrecht begangen haben.

Der Regisseur vergleicht die rabenschwarze Komödie mit einem Pokerspiel: „Es geht um Bluffen, Lügen, Vertuschen und Verdrehen. Das Publikum weiß, was geschehen ist und es will sehen, wie gut die beiden Protagonisten darin sind, zu lügen und die Tatsachen zu verdrehen. Von den Schauspielern erfordert das Präzisionsarbeit“. Untermalt wird die Aufführung durch Gesangspassagen, die am Klavier begleitet werden. Mit der guten Akustik im Theater Am Campus kommen die gemeinsam von allen Darstellern vorgetragenen Lieder hervorragend zur Geltung.

Bis zur Premiere am Samstag, 18. Januar, 20 Uhr, bleibt nicht mehr viel Zeit zum Einstudieren. Die Zusammenarbeit von ambitionierten Hobby-Schauspielern und professioneller Regie ist für alle Beteiligten eine neue Erfahrung. Der Tucholsky-Bühne eröffnet es die Chance, neue Herausforderungen anzunehmen und das eigene Potenzial weiterzuentwickeln. Ein ambitioniertes Unterfangen, das ein großes Publikum verdient. Auf die Premiere am 18. Januar folgen neun Vorstellungen, samstags und sonntags, jeweils um 20 Uhr, der letzte Termin ist am 23. Februar. Das Theater am Campus ist in der Mindener Artilleriestraße 17.

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MindenMindener Tucholsky-Bühne spielt "Die Affaire in der Rude Lourcine"Andreas LaubigMinden. Theaterspielen ist harte Arbeit. Und hohe Ansprüche der Regie machen es nicht einfacher. Diese Erfahrung macht gerade das Ensemble der Mindener Tucholsky-Bühne. Seit Mitte August des vergangenen Jahres proben die Darsteller ein bis zwei Mal pro Woche für die Aufführung der Kriminal-Komödie „Die Affaire in der Rue de Lourcine“. Mit Johannes Paul Kindler hat das Theater einen gestandenen Profi für die Regie gewinnen können. Der 59-Jährige hat das Schauspiel an der Berliner Fritz-Kirchhoff-Schule gelernt und unter anderen an Theatern in Münster, Magdeburg und zuletzt in Bern gearbeitet. Aus privaten Gründen zog es ihn zurück in seine ostwestfälische Heimat, wo er seit 2017 das „Kleine Theater Rehme“ in Bad Oeynhausen betreibt. Immer wieder greift er bei den Proben im Mindener Theater Am Campus ein: „Du musst es mir nicht vorspielen, ich muss es mir denken“, und „Lass die Schnörkel weg, nimm die Leute mit“ ruft er aus dem Zuschauerraum. Voller Leidenschaft motiviert er die Darsteller, detailgenau zu agieren. „Eine Komödie ist die schwierigste Herausforderung für die Schauspieler, das muss auf den Punkt sein. Es ist ein schmaler Grat zwischen platter Schenkel-Klopf-Komödie und intelligenter Unterhaltung mit Scharfsinn und Humor“ so Kindler. Vordergründig humoristische Unterhaltung hatte der Autor Eugène Marin Labiche nicht im Sinn, als er 1857 das Bühnenstück schrieb. Es ist vielmehr eine bitterböse Komödie mit scharfem Witz und klugem Humor. Die Doppelmoral der selbstgefälligen Bourgeoisie wird entlarvt, die Saubermänner mit der weißen Weste zeigen ihr wahres Gesicht. Eine Thematik, die nichts an Aktualität verloren habe, findet Kindler. Die beiden gut situierten Biedermänner Oscar Lenglumé (Eduard Schynol) und Mistingue (Thorsten Wolfersdorf) leiden nach ausgiebigem Alkohol-Genuss unter großen Gedächtnislücken. Nach und nach stellt sich heraus, dass sie am Vorabend großes Unrecht begangen haben. Der Regisseur vergleicht die rabenschwarze Komödie mit einem Pokerspiel: „Es geht um Bluffen, Lügen, Vertuschen und Verdrehen. Das Publikum weiß, was geschehen ist und es will sehen, wie gut die beiden Protagonisten darin sind, zu lügen und die Tatsachen zu verdrehen. Von den Schauspielern erfordert das Präzisionsarbeit“. Untermalt wird die Aufführung durch Gesangspassagen, die am Klavier begleitet werden. Mit der guten Akustik im Theater Am Campus kommen die gemeinsam von allen Darstellern vorgetragenen Lieder hervorragend zur Geltung. Bis zur Premiere am Samstag, 18. Januar, 20 Uhr, bleibt nicht mehr viel Zeit zum Einstudieren. Die Zusammenarbeit von ambitionierten Hobby-Schauspielern und professioneller Regie ist für alle Beteiligten eine neue Erfahrung. Der Tucholsky-Bühne eröffnet es die Chance, neue Herausforderungen anzunehmen und das eigene Potenzial weiterzuentwickeln. Ein ambitioniertes Unterfangen, das ein großes Publikum verdient. Auf die Premiere am 18. Januar folgen neun Vorstellungen, samstags und sonntags, jeweils um 20 Uhr, der letzte Termin ist am 23. Februar. Das Theater am Campus ist in der Mindener Artilleriestraße 17.