Minden

Das steckt hinter der Kurzvideo-App Tik Tok

Nadine Schwan und Malina Reckordt

Die Freundinnen Ida und Jenna (beide 12) sind Fans der App TikTok. Ihre Videos sind aber nicht für alle sichtbar – zum Schutz der Privatsphäre. MT- - © Foto: Nadine Schwan
Die Freundinnen Ida und Jenna (beide 12) sind Fans der App TikTok. Ihre Videos sind aber nicht für alle sichtbar – zum Schutz der Privatsphäre. MT- (© Foto: Nadine Schwan)

Minden. Facebook? Fernsehen? Das ist nichts für Ida und Jenna. Die beiden zwölfjährigen Freundinnen haben eine neue Leidenschaft für sich entdeckt – Tik Tok. So heißt die Kurzvideo-App, die derzeit besonders junge Menschen fasziniert.

Für alle, die von Tik Tok noch nie etwas gehört haben, hier die Erklärung: Hauptinhalt der App der chinesischen Firma ByteDance sind bis zu 60 Sekunden lange Clips, die oft mit Musik unterlegt sind. In den kurzen Videos tanzen Menschen, sprechen Filmdialoge synchron nach oder zeigen auch gerne mal etwas aus ihrem Alltag. Das Meiste, was bei Tik Tok zu sehen ist, ist Unterhaltung und Comedy, es geht aber auch um Freundschaft, Liebe oder Familie. Es tauchen aber auch immer wieder Videos zu Magersucht und Depressionen auf. Junge Mädchen umfassen ihre Arme und Beine mit einer Hand, um zu zeigen, wie dünn sie sind – das alles passiert unter dem Hashtag #SkinnyCheck oder #ed (eating disorder, also Essstörung). Bei Instagram und Facebook sind Videos, die das verherrlichen, gesperrt. Bei Tik Tok noch nicht.

Laura Hackert (25) aus Minden ist etwa anderthalb Jahren auf Tik Tok aktiv. Erst war sie skeptisch – dann hat sie das Videofieber gepackt.
Laura Hackert (25) aus Minden ist etwa anderthalb Jahren auf Tik Tok aktiv. Erst war sie skeptisch – dann hat sie das Videofieber gepackt.

2018 wurde Tik Tok mit der LipSync-App Musical.ly fusioniert. In der jungen Generation ist sie daher schon seit Jahren Thema. Daher kennen auch die beiden Freundinnen Ida und Jenna die App. Sie waren schon dort angemeldet, als es noch Musical.ly gab. Für die beiden Schüler ist Tik Tok ein riesiger Spaß. „Es ist nicht so aufwendig wie ein längeres Video zu drehen und irgendwie auch eine Challenge, in so kurzer Zeit etwas Kreatives zu machen", sagt Ida. Für die Videos, die die beiden Siebtklässler hochladen, gibt es Likes von ihren Freunden. Je mehr desto besser. Den Eltern zuliebe haben die beiden aber private Konten und lassen nur Leute teilhaben, die sie kennen oder als seriös einschätzen können. „Mein Gesicht zeige ich trotzdem nicht immer", sagt Jenna und überklebt es deshalb mit virtuellen Stickern.

Andere Jugendliche gehen allerdings nicht so achtsam mit der App um, sondern zeigen ihre Videos der ganzen Welt. Viele junge Mädchen sind dazu noch leicht bekleidet und stark geschminkt. Erlaubt ist Tik Tok offiziell erst ab 13 Jahren, daran halten sich aber die wenigsten Nutzer. Gerade die lustigen Tanzvideos ziehen jüngere Kindern magisch an – und was ihnen dann angezeigt wird, kann keiner mehr beeinflussen.

Für Lukas Opheiden, Medienpädagoge an der Stadtbibliothek Minden, ist Tik Tok im Vergleich zu anderen Apps nicht kritischer. „Statt die Nutzung zu verbieten, sollten Eltern auf Aufklärung setzen", sagt der Experte. So sollten Eltern zum Beispiel folgende Fragen klären: Was ist Privatleben und welche Inhalte sollte man nicht veröffentlichen? Darf man andere Personen filmen? Was ist Cyber Mobbing?

Seit dem vergangenen Jahr wächst Tik Tok in Deutschland rasant und immer mehr Nutzer kommen dazu. Weltweit hat die chinesische App 800 Millionen Nutzer, in Deutschland gibt es 5,5 Millionen monatlich aktive Nutzer. Wer die App hat, öffnet sie im Schnitt zehn Mal am Tag. Ist sie eine Konkurrenz für Instagram, Facebook und Co.? Was die Zahlen angeht, kommt Tik Tok an Instagram mit einer Milliarde Nutzer im Monat und Facebook mit 1,9 Milliarden Nutzern im Monat noch nicht heran.

„Für Kinder und Jugendliche ist Tik Tok eine Plattform, auf der sie nicht ihren Eltern oder Lehrer begegnen", sagt Opheiden. Welchen Stellenwert die App in Zukunft mal haben kann, sei völlig ungewiss. „Das Beispiel Facebook zeigt, wie sehr sich eine Plattform verändern kann: Anfangs konnte man dort nur Texte schreiben, mittlerweile ist es eine Art zweites Internet", sagt Opheiden.

@maddinschneider

Wer findet mich auch so süß? 😍 #muachallenge#muamua#cute#maddin#sweet#fyp#foryou#viral#fd

♬ mua mua - Miya쌤

Unter den Tik Tokern sind mittlerweile nicht mehr nur Privatpersonen, sondern auch immer mehr Prominente wie Heidi Klum, Kai Pflaume oder Lena Meyer-Landrut. Und auch, wenn Tik Tok besonders Teenager anzieht, nutzen die App auch immer mehr Erwachsene. Eine von ihnen ist Laura Hackert aus Minden. Sie ist 25 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern. Seit anderthalb Jahren ist sie auf Tik Tok aktiv – angesteckt hat sie eine Freundin. „Ich fand das erst bescheuert und lächerlich", sagt sie. Doch irgendwie war es dann doch reizvoll, lustige Videos nicht nur anzuschauen, sondern auch zu produzieren. „Sich selber zu sehen, ist allerdings erst gewöhnungsbedürftig."

Wenn sie selbst nichts hochlädt, sieht sich Hackert gern Videos von anderen Müttern an – da kann sie mitfühlen und über die ein oder andere Situation, die sie aus dem Alltag kennt, lachen. Problematisch findet die 25-Jährige aber einige der Trends, die auf der App die Runde machen. Derzeit sind das Videos, in denen zwölf oder 13-jährige Mädchen ihren Bauch herausstrecken und so tun als seien sie schwanger. „Das ist einfach unnötig", sagt sie.

@lenameyerlandrut

I’m a genie in a bottle ♥️😂

♬ Genie in a Bottle - Christina Aguilera

Auch die Angst vor einem Dritten Weltkrieg spielt bei Tik Tok eine Rolle. Zahlreiche Nutzer posten dazu unter dem Hashtag #wwiii. Ausgelöst hat diesen Trend die 18-jährige Schülerin Laura Sophie, der mehr als 2,2 Millionen Nutzer folgen. Normalerweise geht es in ihren Videos um Themen wie Schule, Mode, künstliche Fingernägel oder aber ob man gläubig ist, jetzt aber um den USA-Iran-Konflikt. Sie wollte ihren Zuschauern auch mal politische Themen näher bringen, allerdings hat sie sich damit blamiert. Für ihr Halbwissen, falsche Informationen, unhaltbare Thesen gab es Kritik von allen Seiten. Schließlich hat sie das Video gelöscht. Dennoch hat der Clip dazu geführt, dass erstmals ein Tik-Tok-Video in Deutschland für viel Aufsehen gesorgt hat.

@tagesschau

Wir sind jetzt auch hier. Was zieht man hier so an? #tagesschau#tiktoknewbie#ootd#tagesschauoffscreen

♬ My Type - Saweetie

Um den Konflikt zwischen der USA und dem Iran geht es auch auf dem Account der Tagesschau. Eine junge Frau erklärt mit einer Landkarte, worum es im Konflikt zwischen dem Iran und den USA geht und welche Spannung es im Nahen Osten gibt. Der Fokus des Tagesschau-Accounts liegt auf Nachrichten, es gibt aber auch Videos, die einen Blick hinter die Kulissen geben: Wie kommt der Gong um 20 Uhr in die Tagesschau? Oder welche Krawatte sollte Jan Hofer für Tik Tok tragen?

Die Videos der Tagesschau kennen auch Jenna und Ida, Tanzvideos finden sie meist aber spannender. Etwa zwei Stunden am Tag verbringt Jenna an ihrem Handy, Ida etwas mehr. Die beiden Mädchen sind sich über ihren Handykonsum bewusst. „Wenn ich kein Handy hätte, hätte ich viel mehr Freizeit", sagt Ida und muss dabei selbst ein bisschen lachen.

Hingucken

Kommentar von Nadine Schwan

Von Tik Tok darf man halten was man will. Ja, die App ist voll mit unnötigen Videos, aber sie werden von Millionen Menschen gesehen und können hoch relevant werden. Wer nicht hinschaut, was dort passiert, verschläft, was eine ganze Generation bewegt. Und viel schlimmer noch, verschläft die Entwicklung von neuen und mächtigen Medienformen.

Vergangenes Jahr ist so etwas schon einmal passiert, mit Youtube und dem Video von Rezo „Die Zerstörung der CDU". In Sozialen Netzwerken geht es neben Unterhaltungsformaten auch immer mehr darum, Informationen zu verbreiten und um Meinungsbildung. Wer nicht rechtzeitig bemerkt, was auf diesen Plattformen passiert, für den öffnet sich wie beim Rezo-Beispiel plötzlich eine unbekannte Welt. Wer sich darin nicht auskennt, ist völlig hilflos.

Tik Tok wird derzeit von immer mehr Menschen auf der Welt genutzt – nicht nur, um witzige Tänze aufzuführen, sondern auch, um zu informieren – so wie das einst nur klassischen Medien wie Fernsehen, Radio oder Zeitung vorbehalten war. Und das in einer unglaublich rasanten Geschwindigkeit. Ein Video aufzunehmen und zu senden, dauert nur ein paar Minuten. Ein Fernsehbeitrag? Stunden bis Tage.

Rezos Video sollte uns eine Lehre sein. Soziale Medien und ihre Macher – egal ob auf Youtube oder Tik Tok – beeinflussen uns und unsere Entscheidungen. Sie sind relevant für unser gesellschaftliches Zusammenleben. Aber wie gehen wir damit um?

Was es dafür braucht ist Medienkompetenz. Wie bewerte ich Quellen? Wie funktioniert ein Algorithmus? Was passiert mit meinen Daten? Mitmachen muss man dafür auf Tik Tok nicht, aber hineinschauen und eine Antwort auf diese Fragen haben – und nicht erst, wenn das nächste Rezo-Video die Runde macht.

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MindenDas steckt hinter der Kurzvideo-App Tik TokNadine Schwan,Malina ReckordtMinden. Facebook? Fernsehen? Das ist nichts für Ida und Jenna. Die beiden zwölfjährigen Freundinnen haben eine neue Leidenschaft für sich entdeckt – Tik Tok. So heißt die Kurzvideo-App, die derzeit besonders junge Menschen fasziniert. Für alle, die von Tik Tok noch nie etwas gehört haben, hier die Erklärung: Hauptinhalt der App der chinesischen Firma ByteDance sind bis zu 60 Sekunden lange Clips, die oft mit Musik unterlegt sind. In den kurzen Videos tanzen Menschen, sprechen Filmdialoge synchron nach oder zeigen auch gerne mal etwas aus ihrem Alltag. Das Meiste, was bei Tik Tok zu sehen ist, ist Unterhaltung und Comedy, es geht aber auch um Freundschaft, Liebe oder Familie. Es tauchen aber auch immer wieder Videos zu Magersucht und Depressionen auf. Junge Mädchen umfassen ihre Arme und Beine mit einer Hand, um zu zeigen, wie dünn sie sind – das alles passiert unter dem Hashtag #SkinnyCheck oder #ed (eating disorder, also Essstörung). Bei Instagram und Facebook sind Videos, die das verherrlichen, gesperrt. Bei Tik Tok noch nicht. 2018 wurde Tik Tok mit der LipSync-App Musical.ly fusioniert. In der jungen Generation ist sie daher schon seit Jahren Thema. Daher kennen auch die beiden Freundinnen Ida und Jenna die App. Sie waren schon dort angemeldet, als es noch Musical.ly gab. Für die beiden Schüler ist Tik Tok ein riesiger Spaß. „Es ist nicht so aufwendig wie ein längeres Video zu drehen und irgendwie auch eine Challenge, in so kurzer Zeit etwas Kreatives zu machen", sagt Ida. Für die Videos, die die beiden Siebtklässler hochladen, gibt es Likes von ihren Freunden. Je mehr desto besser. Den Eltern zuliebe haben die beiden aber private Konten und lassen nur Leute teilhaben, die sie kennen oder als seriös einschätzen können. „Mein Gesicht zeige ich trotzdem nicht immer", sagt Jenna und überklebt es deshalb mit virtuellen Stickern. Andere Jugendliche gehen allerdings nicht so achtsam mit der App um, sondern zeigen ihre Videos der ganzen Welt. Viele junge Mädchen sind dazu noch leicht bekleidet und stark geschminkt. Erlaubt ist Tik Tok offiziell erst ab 13 Jahren, daran halten sich aber die wenigsten Nutzer. Gerade die lustigen Tanzvideos ziehen jüngere Kindern magisch an – und was ihnen dann angezeigt wird, kann keiner mehr beeinflussen. Für Lukas Opheiden, Medienpädagoge an der Stadtbibliothek Minden, ist Tik Tok im Vergleich zu anderen Apps nicht kritischer. „Statt die Nutzung zu verbieten, sollten Eltern auf Aufklärung setzen", sagt der Experte. So sollten Eltern zum Beispiel folgende Fragen klären: Was ist Privatleben und welche Inhalte sollte man nicht veröffentlichen? Darf man andere Personen filmen? Was ist Cyber Mobbing? Seit dem vergangenen Jahr wächst Tik Tok in Deutschland rasant und immer mehr Nutzer kommen dazu. Weltweit hat die chinesische App 800 Millionen Nutzer, in Deutschland gibt es 5,5 Millionen monatlich aktive Nutzer. Wer die App hat, öffnet sie im Schnitt zehn Mal am Tag. Ist sie eine Konkurrenz für Instagram, Facebook und Co.? Was die Zahlen angeht, kommt Tik Tok an Instagram mit einer Milliarde Nutzer im Monat und Facebook mit 1,9 Milliarden Nutzern im Monat noch nicht heran. „Für Kinder und Jugendliche ist Tik Tok eine Plattform, auf der sie nicht ihren Eltern oder Lehrer begegnen", sagt Opheiden. Welchen Stellenwert die App in Zukunft mal haben kann, sei völlig ungewiss. „Das Beispiel Facebook zeigt, wie sehr sich eine Plattform verändern kann: Anfangs konnte man dort nur Texte schreiben, mittlerweile ist es eine Art zweites Internet", sagt Opheiden. @maddinschneiderWer findet mich auch so süß? 😍 #muachallenge#muamua#cute#maddin#sweet#fyp#foryou#viral#fd ♬ mua mua - Miya쌤Unter den Tik Tokern sind mittlerweile nicht mehr nur Privatpersonen, sondern auch immer mehr Prominente wie Heidi Klum, Kai Pflaume oder Lena Meyer-Landrut. Und auch, wenn Tik Tok besonders Teenager anzieht, nutzen die App auch immer mehr Erwachsene. Eine von ihnen ist Laura Hackert aus Minden. Sie ist 25 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern. Seit anderthalb Jahren ist sie auf Tik Tok aktiv – angesteckt hat sie eine Freundin. „Ich fand das erst bescheuert und lächerlich", sagt sie. Doch irgendwie war es dann doch reizvoll, lustige Videos nicht nur anzuschauen, sondern auch zu produzieren. „Sich selber zu sehen, ist allerdings erst gewöhnungsbedürftig." Wenn sie selbst nichts hochlädt, sieht sich Hackert gern Videos von anderen Müttern an – da kann sie mitfühlen und über die ein oder andere Situation, die sie aus dem Alltag kennt, lachen. Problematisch findet die 25-Jährige aber einige der Trends, die auf der App die Runde machen. Derzeit sind das Videos, in denen zwölf oder 13-jährige Mädchen ihren Bauch herausstrecken und so tun als seien sie schwanger. „Das ist einfach unnötig", sagt sie. @lenameyerlandrutI’m a genie in a bottle ♥️😂 ♬ Genie in a Bottle - Christina AguileraAuch die Angst vor einem Dritten Weltkrieg spielt bei Tik Tok eine Rolle. Zahlreiche Nutzer posten dazu unter dem Hashtag #wwiii. Ausgelöst hat diesen Trend die 18-jährige Schülerin Laura Sophie, der mehr als 2,2 Millionen Nutzer folgen. Normalerweise geht es in ihren Videos um Themen wie Schule, Mode, künstliche Fingernägel oder aber ob man gläubig ist, jetzt aber um den USA-Iran-Konflikt. Sie wollte ihren Zuschauern auch mal politische Themen näher bringen, allerdings hat sie sich damit blamiert. Für ihr Halbwissen, falsche Informationen, unhaltbare Thesen gab es Kritik von allen Seiten. Schließlich hat sie das Video gelöscht. Dennoch hat der Clip dazu geführt, dass erstmals ein Tik-Tok-Video in Deutschland für viel Aufsehen gesorgt hat. @tagesschauWir sind jetzt auch hier. Was zieht man hier so an? #tagesschau#tiktoknewbie#ootd#tagesschauoffscreen ♬ My Type - SaweetieUm den Konflikt zwischen der USA und dem Iran geht es auch auf dem Account der Tagesschau. Eine junge Frau erklärt mit einer Landkarte, worum es im Konflikt zwischen dem Iran und den USA geht und welche Spannung es im Nahen Osten gibt. Der Fokus des Tagesschau-Accounts liegt auf Nachrichten, es gibt aber auch Videos, die einen Blick hinter die Kulissen geben: Wie kommt der Gong um 20 Uhr in die Tagesschau? Oder welche Krawatte sollte Jan Hofer für Tik Tok tragen? Die Videos der Tagesschau kennen auch Jenna und Ida, Tanzvideos finden sie meist aber spannender. Etwa zwei Stunden am Tag verbringt Jenna an ihrem Handy, Ida etwas mehr. Die beiden Mädchen sind sich über ihren Handykonsum bewusst. „Wenn ich kein Handy hätte, hätte ich viel mehr Freizeit", sagt Ida und muss dabei selbst ein bisschen lachen. Hingucken Kommentar von Nadine Schwan Von Tik Tok darf man halten was man will. Ja, die App ist voll mit unnötigen Videos, aber sie werden von Millionen Menschen gesehen und können hoch relevant werden. Wer nicht hinschaut, was dort passiert, verschläft, was eine ganze Generation bewegt. Und viel schlimmer noch, verschläft die Entwicklung von neuen und mächtigen Medienformen. Vergangenes Jahr ist so etwas schon einmal passiert, mit Youtube und dem Video von Rezo „Die Zerstörung der CDU". In Sozialen Netzwerken geht es neben Unterhaltungsformaten auch immer mehr darum, Informationen zu verbreiten und um Meinungsbildung. Wer nicht rechtzeitig bemerkt, was auf diesen Plattformen passiert, für den öffnet sich wie beim Rezo-Beispiel plötzlich eine unbekannte Welt. Wer sich darin nicht auskennt, ist völlig hilflos. Tik Tok wird derzeit von immer mehr Menschen auf der Welt genutzt – nicht nur, um witzige Tänze aufzuführen, sondern auch, um zu informieren – so wie das einst nur klassischen Medien wie Fernsehen, Radio oder Zeitung vorbehalten war. Und das in einer unglaublich rasanten Geschwindigkeit. Ein Video aufzunehmen und zu senden, dauert nur ein paar Minuten. Ein Fernsehbeitrag? Stunden bis Tage. Rezos Video sollte uns eine Lehre sein. Soziale Medien und ihre Macher – egal ob auf Youtube oder Tik Tok – beeinflussen uns und unsere Entscheidungen. Sie sind relevant für unser gesellschaftliches Zusammenleben. Aber wie gehen wir damit um? Was es dafür braucht ist Medienkompetenz. Wie bewerte ich Quellen? Wie funktioniert ein Algorithmus? Was passiert mit meinen Daten? Mitmachen muss man dafür auf Tik Tok nicht, aber hineinschauen und eine Antwort auf diese Fragen haben – und nicht erst, wenn das nächste Rezo-Video die Runde macht.