Minden/Bielefeld

Nach versuchtem Raubüberfall in Minden: Vier Männer vor Gericht

Nils Middelhauve

Mit Sturmhauben maskiert, betraten vier Männer ein Mehrfamilienhaus in Minden. Symbolfoto: MT-Archiv
Mit Sturmhauben maskiert, betraten vier Männer ein Mehrfamilienhaus in Minden. Symbolfoto: MT-Archiv

Minden/Bielefeld. Es war eine gespenstische Szenerie, der sich eine Frau in Minden gegenüber sah: Als sie im Februar 2017 auf ein Klingeln hin die Tür öffnete, betraten fünf maskierte Männer den Hausflur, hämmerten gegen ihre Wohnungstür.

Die Frau flüchtete, die Eindringlinge wurden in Tatortnähe festgenommen. Vier der damals mutmaßlich beteiligten Männer aus Bielefeld, Minden und Bad Oeynhausen müssen sich nun wegen des Verdachts des versuchten schweren Raubs vor dem Bielefelder Landgericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft geht von folgendem Geschehen aus: Am 26. Februar 2017 trafen sich die vier nun angeklagten Männer im Alter von 22 bis 28 Jahren in Minden mit dem mittlerweile bereits verurteilten Bielefelder Marco S. (Namen aller Betroffenen geändert), um einen ihnen bekannten Dealer zu überfallen. In dessen Wohnung in Minden vermuteten die Angeklagten drei Kilogramm Marihuana.

Die mit Sturmhauben maskierten Männer, die Taschenmesser und Pfefferspray bei sich führten, klingelten gleichzeitig bei allen drei Parteien des an der Mindener Clus gelegenen Hauses. Eine 45 Jahre alte Frau betätigte den Türsummer.

Durch den Spion ihrer Wohnungstür erblickte sie die Männer, von denen zumindest einer – Marco S. – eine Warnweste trug und sichtbar einen schussbereiten PTB-Revolver in der Hand hielt. Der mittlerweile zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilte S. hämmerte mit den Worten „Aufmachen! Polizei!“ an die Tür der verängstigten Frau.

Diese floh durch einen Hinterausgang aus dem Haus und verständigte über den Notruf die richtige Polizei. Die Täter zogen zunächst unverrichteter Dinge wieder ab, wurden jedoch bald darauf noch in Tatortnähe vorläufig festgenommen.

Nun müssen sich – knapp drei Jahre nach der Tat – die damaligen mutmaßlichen Komplizen von Marco S. vor Gericht verantworten. Zu Verhandlungsbeginn schwiegen sie im Gerichtssaal zu den Tatvorwürfen. Einem der Männer, dem 25-jährigen Bielefelder Oliver O., wirft die Staatsanwaltschaft darüber hinaus eine weitere Tat vor: Am Nachmittag des 4. Oktobers 2017 verwickelte er an der Oldentruper Straße in Bielefeld den Pächter einer Tankstelle in ein belangloses Gespräch, als dieser gerade im Begriff war, eine Tüte mit den Tageseinnahmen in sein Auto zu bringen.

Plötzlich zerrte S. an der Tasche. Die Plastiktüte zerriss jedoch, und das Geld fiel auf den Boden. Oliver O. sah seinen Versuch als gescheitert an und ergriff die Flucht.

Der Prozess wird am 15. Januar fortgesetzt.

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Minden/BielefeldNach versuchtem Raubüberfall in Minden: Vier Männer vor GerichtNils MiddelhauveMinden/Bielefeld. Es war eine gespenstische Szenerie, der sich eine Frau in Minden gegenüber sah: Als sie im Februar 2017 auf ein Klingeln hin die Tür öffnete, betraten fünf maskierte Männer den Hausflur, hämmerten gegen ihre Wohnungstür. Die Frau flüchtete, die Eindringlinge wurden in Tatortnähe festgenommen. Vier der damals mutmaßlich beteiligten Männer aus Bielefeld, Minden und Bad Oeynhausen müssen sich nun wegen des Verdachts des versuchten schweren Raubs vor dem Bielefelder Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht von folgendem Geschehen aus: Am 26. Februar 2017 trafen sich die vier nun angeklagten Männer im Alter von 22 bis 28 Jahren in Minden mit dem mittlerweile bereits verurteilten Bielefelder Marco S. (Namen aller Betroffenen geändert), um einen ihnen bekannten Dealer zu überfallen. In dessen Wohnung in Minden vermuteten die Angeklagten drei Kilogramm Marihuana. Die mit Sturmhauben maskierten Männer, die Taschenmesser und Pfefferspray bei sich führten, klingelten gleichzeitig bei allen drei Parteien des an der Mindener Clus gelegenen Hauses. Eine 45 Jahre alte Frau betätigte den Türsummer. Durch den Spion ihrer Wohnungstür erblickte sie die Männer, von denen zumindest einer – Marco S. – eine Warnweste trug und sichtbar einen schussbereiten PTB-Revolver in der Hand hielt. Der mittlerweile zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilte S. hämmerte mit den Worten „Aufmachen! Polizei!“ an die Tür der verängstigten Frau. Diese floh durch einen Hinterausgang aus dem Haus und verständigte über den Notruf die richtige Polizei. Die Täter zogen zunächst unverrichteter Dinge wieder ab, wurden jedoch bald darauf noch in Tatortnähe vorläufig festgenommen. Nun müssen sich – knapp drei Jahre nach der Tat – die damaligen mutmaßlichen Komplizen von Marco S. vor Gericht verantworten. Zu Verhandlungsbeginn schwiegen sie im Gerichtssaal zu den Tatvorwürfen. Einem der Männer, dem 25-jährigen Bielefelder Oliver O., wirft die Staatsanwaltschaft darüber hinaus eine weitere Tat vor: Am Nachmittag des 4. Oktobers 2017 verwickelte er an der Oldentruper Straße in Bielefeld den Pächter einer Tankstelle in ein belangloses Gespräch, als dieser gerade im Begriff war, eine Tüte mit den Tageseinnahmen in sein Auto zu bringen. Plötzlich zerrte S. an der Tasche. Die Plastiktüte zerriss jedoch, und das Geld fiel auf den Boden. Oliver O. sah seinen Versuch als gescheitert an und ergriff die Flucht. Der Prozess wird am 15. Januar fortgesetzt.