Zufallsfund aus der Jungsteinzeit offenbart neues Geschichtskapitel für Minden Thomas Lieske Minden-Dankersen. Kurz vor einem starken Regenschauer machen Daniel Bake und Karin Höhle den Fund des Tages. Die beiden Mitglieder des Vereins „Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke“ (GeFBdML) laufen gerade die letzte Bahn eines Ackers in Dankersen ab, als Daniel Bake seine Aufmerksamkeit auf einen scheinbar gewöhnlichen Stein lenkt. Dass sich das Bücken nach diesem Stein trotzdem lohnt, wird dem archäologischen Grabungstechniker schnell klar. Und dann hält er es in seinen Händen: ein 5.000 Jahre altes Felsgesteinbeil. „Ein sehr seltener Fund“, erzählt Karin Höhle später im Gespräch mit dem MT. Die Freude bei beiden ist groß. Denn das stark fragmentierte Werkzeug, das nur noch gut zur Hälfte erhalten und durch die landwirtschaftliche Nutzung des Ackers stark mitgenommen ist, eröffnet ganz neue Einblicke in die Geschichte des Mühlenkreises. „Vermutlich handelt es sich bei dem Material, aus dem unser Fundstück gefertigt wurde, um Amphibolit. Ein Gestein, dessen Vorkommen im Kreis Minden-Lübbecke nicht bekannt ist“, erklären Bake und Höhle. Das zeige, wie „bedeutsam der Fund eventuell für die Wissenschaft sein könnte“. Die beiden gehen davon aus, dass das Beil frühere Handelsbeziehungen mit anderen Regionen Deutschlands aufzeigt. Denn Amphibolit sei damals eher im Fichtelgebirge, dem Böhmerwald, im sächsischen Erzgebirge oder im Schwarzwald vorgekommen. „Nicht nur die Fundstelle lässt sich durch jeden weiteren Fund genauer wissenschaftlich datieren“, sagen Bake und Höhle. „Sie liegt auch in unmittelbarer Nähe zu einem eingetragenen Bodendenkmal, nämlich der linearbandkeramischen Siedlung Minden-Dankersen.“ Die habe Rolf Plöger 1986 als Bodendenkmalpfleger der Stadt Minden entdeckt. Nebenbei bemerken beide, dass der Fund des Felsgesteinbeils, bekannt auch als Dechsel, nicht nur für den Mühlenkreis, sonder für ganz Westfalen etwas Besonderes sei. Es gebe nach Recherchen der Gesellschaft nur eine weitere Fundstelle in der Region: im Bereich Petershagen. „Auch dort sollen Schuhleistenkeile und weitere Funde, die in die Linearbandkeramische Kultur datiert wurden, entdeckt worden sein“, erklären die beiden Mitglieder der Gesellschaft. Und was geschieht nun mit dem besonderen Fundstück? Das sei mittlerweile bei der Archäologie-Außenstelle des Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Bielefeld angekommen, bestätigt deren Leiter Dr. Sven Spiong. „Hierbei handelt es sich um einen Fund aus einer bedeutenden Fundstelle“, betont der leitende Archäologe. Die Freude in der Außenstelle in Bielefeld war groß, als die Gesellschaft dort ihren Fund anmeldete. Weil der aus der unmittelbaren Nähe eines Bodendenkmals stammt, sei er meldepflichtig und müsse zwingend abgegeben werden, sagt Spiong. Dieser Pflicht sei der Verein nachgekommen, der vom LWL einen Suchauftrag für die Region rund um das Bodendenkmal in Dankersen bekommen hat. „Hierbei handelt es sich um einen sensiblen Bereich“, erklärt Spiong. Heißt: „Wir verzichten dort auf Grabungen und nehmen nur Oberflächenfunde auf, die durch einen Pflug oder andere landwirtschaftliche Geräte an die Oberfläche kommen.“ Das Beil wird nun in der Archäologie-Außenstelle gezeichnet und fotografiert. Danach soll es im Landesbesitz bleiben und werde offiziell an den LWL übergehen, sagt der Archäologe. „Hier wird er zur wissenschaftlichen Auswertung bleiben.“ Dr. Sven Spiong ist bekennender Fan davon, Fundstücke aus der Mindener Region möglichst in Ausstellungen auch wieder in Minden zu zeigen. Derzeit würde im Mindener Museum auch schon einiges aus Grabungsstellen und auch aus der Fundstelle in Dankersen gezeigt. Das Beil soll erst einmal in Bielefeld verbleiben, gehört wegen seiner Seltenheit zum sogenannten „Schatzregal“. Vielleicht könne er sich irgendwann vorstellen, die Ausstellung im Museum um das Felsgesteinbeil zu ergänzen. Derzeit seien die Fundstücke im Museum allerdings „ziemlich aktuell“. Lesen Sie auch den Artikel zum Thema: Archäologie vor der Haustür: Hobby-Archäologen wollen im Mühlenkreis neu durchstarten.

Zufallsfund aus der Jungsteinzeit offenbart neues Geschichtskapitel für Minden

Auf den ersten Blick sieht dieser Fund aus wie ein gewöhnlicher Stein. Doch in Wirklichkeit handelt es sich um ein 5.000 Jahre altes Steinbeil, das von Handelsbeziehungen zeugt, die bisher für den Mühlenkreis nicht bekannt waren. © Foto: pr

Minden-Dankersen. Kurz vor einem starken Regenschauer machen Daniel Bake und Karin Höhle den Fund des Tages. Die beiden Mitglieder des Vereins „Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke“ (GeFBdML) laufen gerade die letzte Bahn eines Ackers in Dankersen ab, als Daniel Bake seine Aufmerksamkeit auf einen scheinbar gewöhnlichen Stein lenkt. Dass sich das Bücken nach diesem Stein trotzdem lohnt, wird dem archäologischen Grabungstechniker schnell klar. Und dann hält er es in seinen Händen: ein 5.000 Jahre altes Felsgesteinbeil.

„Ein sehr seltener Fund“, erzählt Karin Höhle später im Gespräch mit dem MT. Die Freude bei beiden ist groß. Denn das stark fragmentierte Werkzeug, das nur noch gut zur Hälfte erhalten und durch die landwirtschaftliche Nutzung des Ackers stark mitgenommen ist, eröffnet ganz neue Einblicke in die Geschichte des Mühlenkreises. „Vermutlich handelt es sich bei dem Material, aus dem unser Fundstück gefertigt wurde, um Amphibolit. Ein Gestein, dessen Vorkommen im Kreis Minden-Lübbecke nicht bekannt ist“, erklären Bake und Höhle. Das zeige, wie „bedeutsam der Fund eventuell für die Wissenschaft sein könnte“. Die beiden gehen davon aus, dass das Beil frühere Handelsbeziehungen mit anderen Regionen Deutschlands aufzeigt. Denn Amphibolit sei damals eher im Fichtelgebirge, dem Böhmerwald, im sächsischen Erzgebirge oder im Schwarzwald vorgekommen.

Bei Windheim haben Mitglieder der Gesellschaft letztes Jahr ein Urnenfeld gefunden. MT-Foto (Archiv): Thomas Lieske
Bei Windheim haben Mitglieder der Gesellschaft letztes Jahr ein Urnenfeld gefunden. MT-Foto (Archiv): Thomas Lieske

„Nicht nur die Fundstelle lässt sich durch jeden weiteren Fund genauer wissenschaftlich datieren“, sagen Bake und Höhle. „Sie liegt auch in unmittelbarer Nähe zu einem eingetragenen Bodendenkmal, nämlich der linearbandkeramischen Siedlung Minden-Dankersen.“ Die habe Rolf Plöger 1986 als Bodendenkmalpfleger der Stadt Minden entdeckt. Nebenbei bemerken beide, dass der Fund des Felsgesteinbeils, bekannt auch als Dechsel, nicht nur für den Mühlenkreis, sonder für ganz Westfalen etwas Besonderes sei. Es gebe nach Recherchen der Gesellschaft nur eine weitere Fundstelle in der Region: im Bereich Petershagen. „Auch dort sollen Schuhleistenkeile und weitere Funde, die in die Linearbandkeramische Kultur datiert wurden, entdeckt worden sein“, erklären die beiden Mitglieder der Gesellschaft.

Und was geschieht nun mit dem besonderen Fundstück? Das sei mittlerweile bei der Archäologie-Außenstelle des Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Bielefeld angekommen, bestätigt deren Leiter Dr. Sven Spiong. „Hierbei handelt es sich um einen Fund aus einer bedeutenden Fundstelle“, betont der leitende Archäologe. Die Freude in der Außenstelle in Bielefeld war groß, als die Gesellschaft dort ihren Fund anmeldete. Weil der aus der unmittelbaren Nähe eines Bodendenkmals stammt, sei er meldepflichtig und müsse zwingend abgegeben werden, sagt Spiong. Dieser Pflicht sei der Verein nachgekommen, der vom LWL einen Suchauftrag für die Region rund um das Bodendenkmal in Dankersen bekommen hat.

„Hierbei handelt es sich um einen sensiblen Bereich“, erklärt Spiong. Heißt: „Wir verzichten dort auf Grabungen und nehmen nur Oberflächenfunde auf, die durch einen Pflug oder andere landwirtschaftliche Geräte an die Oberfläche kommen.“ Das Beil wird nun in der Archäologie-Außenstelle gezeichnet und fotografiert. Danach soll es im Landesbesitz bleiben und werde offiziell an den LWL übergehen, sagt der Archäologe. „Hier wird er zur wissenschaftlichen Auswertung bleiben.“

Dr. Sven Spiong ist bekennender Fan davon, Fundstücke aus der Mindener Region möglichst in Ausstellungen auch wieder in Minden zu zeigen. Derzeit würde im Mindener Museum auch schon einiges aus Grabungsstellen und auch aus der Fundstelle in Dankersen gezeigt. Das Beil soll erst einmal in Bielefeld verbleiben, gehört wegen seiner Seltenheit zum sogenannten „Schatzregal“. Vielleicht könne er sich irgendwann vorstellen, die Ausstellung im Museum um das Felsgesteinbeil zu ergänzen. Derzeit seien die Fundstücke im Museum allerdings „ziemlich aktuell“.

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