Minden

Schwitzen statt schlafen: Im Eurofit Minden wird rund um die Uhr trainiert

Patrick Schwemling

Die Mindenerin Yvonne Storm ist täglich ab 5 Uhr morgens im Eurofit. Unter der Woche wegen ihrer Arbeitszeiten, am Wochenende, weil sie die Ruhe schätzt.
Die Mindenerin Yvonne Storm ist täglich ab 5 Uhr morgens im Eurofit. Unter der Woche wegen ihrer Arbeitszeiten, am Wochenende, weil sie die Ruhe schätzt.

Minden (mt). Aus den Lautsprechern schallt laute Musik, die Bässe wummern – und doch herrscht so etwas wie Stille im Mindener Fitnessstudio Eurofit. Kein Wunder: es ist nicht einmal 5 Uhr und dazu noch ein Sonntagmorgen. Während ein paar hundert Meter entfernt die letzten Partygänger aus dem „Markt 15“ gefegt werden, und sich der Großteil der Mindener noch im Tiefschlaf befindet, geht hier der Tag langsam los. Wobei auch das nicht ganz stimmt, denn im Eurofit können Fitness-Junkies 24 Stunden, sieben Tage in der Woche trainieren. Das Studio in der Innenstadt ist ein Ort, der niemals schläft.

„Jetzt ist allerdings gerade niemand da – außer mir. Die Letzten sind um halb vier gegangen“, sagt Marcel Paul, während die Uhr 4.57 Uhr anzeigt. Der 25-Jährige arbeitet seit einem Jahr als Servicekraft in dem Fitnessstudio und übernimmt dort gerade am Wochenende die Nachtschicht. „Dann fange ich um halb elf abends an und gehe um sieben Uhr morgens“, erklärt der Mindener. Er ist in der Nacht so etwas wie der Wächter des Studios – jedoch auch mit vielen weiteren Aufgaben beauftragt. „Es ist sicher ruhiger als am Tag, aber langweilig wird mir hier nie.“

Keine 30 Minuten später öffnen sich dann die Türen des Fahrstuhls und die erste Nachtschwärmerin betritt das Studio um 5.23 Uhr. Es ist Yvonne Storm. Marcel Paul erkennt sie sofort. „Sie ist um diese Zeit immer hier.“ Die Mindenerin legt heute ihren Cardio-Tag ein. Das heißt, dass sie auf das Training an den Geräten mit Gewichten verzichtet, sondern lediglich auf das Laufband geht. Intervallläufe stehen für die 30-Jährige auf dem Programm.

Javid Amiri ist Schichtleiter einer McDonalds-Filiale. Oft arbeitet er bis spät in die Nacht – danach geht es zum Sport ins Fitnessstudio. Mal um 2 Uhr, mal um 5.30 Uhr. So hat der 23-Jährige in den letzten Monaten elf Kilogramm verloren. MT-Fotos: Patrick Schwemling
Javid Amiri ist Schichtleiter einer McDonalds-Filiale. Oft arbeitet er bis spät in die Nacht – danach geht es zum Sport ins Fitnessstudio. Mal um 2 Uhr, mal um 5.30 Uhr. So hat der 23-Jährige in den letzten Monaten elf Kilogramm verloren. MT-Fotos: Patrick Schwemling

Warum kommt sie so früh in das Fitnessstudio – und das auch noch an einem Sonntag? „In der Woche habe ich mit Arbeit, Abendschule und meinem Hund so viel zu tun, dass ich nur so früh morgens hier sein kann. Den Rhythmus behalte ich am Wochenende bei“, sagt Storm, während sie auf dem Laufband steht und eine der wenigen Pausen ihres Trainings genießt.

Der duale Student Marcel Paul wacht als Servicekraft in der Nacht über das Fitnessstudio in der Stadt.
Der duale Student Marcel Paul wacht als Servicekraft in der Nacht über das Fitnessstudio in der Stadt.

Ebenso liebt die Mindenerin die Ruhe, die zu dieser Zeit herrscht. „Im Moment ist es sogar noch ruhiger hier. In den letzten Tagen war nachts oder am frühen Morgen kaum etwas los. Ich hatte das Gym fast für mich alleine“, erklärt sie. Eine Entwicklung, die auch Marcel Paul nicht entgangen ist: „Im Dezember und gerade in der Weihnachtszeit zwischen den Feiertagen sind weniger Menschen im Studio.“ Das allerdings werde sich bald ändern. 2020 stehe vor der Tür, mit dem neuen Jahr auch die guten Vorsätze, zu den klassischerweise immer „mehr Sport“ und „abnehmen“ gehörten.

Der Mitarbeiter nutzt die Zeit, in der sich nur Yvonne Storm im Eurofit befindet, für die letzten Arbeiten vor dem Schichtende. Während er zum Start um 22.30 Uhr immer noch mindestens 20 Sportler betreut, unterhält, „und auch mal den DJ für sie spielt“, kümmert er sich im weiteren Verlauf der Nacht darum, dass alles seine Ordnung hat – und das auf insgesamt 4.500 Quadratmetern.

Zu seinen Aufgaben zählen das Sauberhalten der Trainingsflächen inklusive Wischen, Staubsaugen und Desinfektion. „Außerdem achte ich darauf, dass die Gewichte alle wieder dahin kommen, wo sie hingehören. Da kommt dann schon Einiges zusammen.“ Manchmal auch die ein oder andere Kuriosität.

„Einmal ist ein Mitglied, das in der Nacht hier war, unter der Sonnenbank eingeschlafen. Ich habe es dann geweckt“, erinnert sich Paul an einen Zwischenfall, der glücklicherweise glimpflich ausging: „Die UV-Lichter schalten sich ja nach einer Weile aus.“ Gerade erst in dieser Nacht sei ein Kunde falsch herum aus dem Parkhaus herausgefahren und stand vor der Einfahrtsschranke. „Um solche Sachen kümmern wir uns dann natürlich auch. Nach einem Anruf bei dem zuständigen Notdienst ging die Schranke auf und alles war geklärt.“

Inzwischen zeigt die Uhr 5.45 Uhr an und das Fitnessstudio ist um einen weiteren Studiogast reicher. Es ist Javid Amiri, der seit ungefähr einem Jahr Mitglied ist. „Ich habe um 5 Uhr Feierabend gemacht“, sagt der 23-Jährige, der in Minden wohnt und als Schichtleiter bei McDonalds in Löhne arbeitet. Oft führt ihn sein erster Weg in das Eurofit. „Für mich ist das super und war es der Grund dafür, weshalb ich mich für dieses Fitnessstudio entschieden habe“, erklärt der Afghane, der 2015 nach Minden kam.

Direkt nach der Arbeit sei er nämlich noch nicht müde und könne so die Zeit perfekt für sein Training nutzen. „Manchmal habe ich um zwei Uhr nachts Schluss. Dann fahre ich auch hierher“, sagt Amiri, der an manchen Tagen sogar zweimal täglich zum Training kommt: „Einmal in Ruhe in der Nacht oder am Morgen. Und einmal noch mit Freunden. Die wollen alle nicht so früh raus.“

Während Yvonne Storm noch immer ihr Intervalltraining auf dem Laufband abspult, ist Javid Amiri in der sogenannten Eisenschmiede am Gange. „Ich habe durch das Krafttraining in den letzten Monaten elf Kilogramm abgenommen“, erklärt der 23-Jährige stolz. Deswegen ist er nun auch täglich hier und arbeitet vor allem mit freien Gewichten und Hanteln aller Art. Für heute plant er, noch mindestens bis 7 Uhr zu bleiben, vielleicht sogar länger. Eine Stunde hat er also wenigstens noch vor sich.

Langsam, aber sicher kommt hingegen Yvonne Storm zum Ende ihres Trainings. Es ist inzwischen 6.21 Uhr, ihre Läufe hat sie gleich abgespult. Noch immer sind sie und Javier Amiri die einzigen Gäste. „Inzwischen kennen sich alle, die morgens hier sind, gut. Das ist eine schöne Atmosphäre“, sagt die Mindenerin, die tatsächlich jeden Tag im Fitnessstudio ist. „Ich teile mir das so auf, dass ich immer eine andere Muskelgruppe trainiere.“ Zuvor habe sie zuhause Kraftsport betrieben, doch durch die Möglichkeit „24/7“ in einem Studio zu trainieren, habe sie bei der Eröffnung im Oktober 2017 direkt einen Vertrag abgeschlossen.

Kurz darauf, es ist inzwischen 6.30 Uhr, füllt sich das Eurofit. Zuerst kommt ein älterer Mann zum Training, dann betritt eine Frau das Studio. Für Marcel Paul ist der Feierabend nur noch eine halbe Stunde entfernt. Seine Kollegin aus der Frühschicht ist bereits da. „In der halben Stunde machen wir eine Übergabe, sprechen uns ab, klären noch einmal die wichtigsten Dinge“, sagt er. Ob er auch sofort nach Hause fährt, weiß er noch nicht.

„Oft gehe ich nach der Arbeit noch eine Runde trainieren, weil ich nicht sofort schlafen kann. Jetzt habe ich aber Hunger, also mal sehen.“ Egal, wie er sich entscheidet, die Möglichkeit ist da. An jedem Tag. Zu jeder Uhrzeit.

MT-Serie "Licht und Schatten"

In der Adventszeit dreht sich fast alles um Licht: Es gibt die vier Kerzen, die die Wochen bis zum Fest zählen, romantisierende Lieder und Gedichte von Lichtlein, die Tannen schmücken oder von hell erleuchteten Gässchen. Festlich beleuchtete Innenstädte versüßen das Shoppen, selbst die Feuerzangenbowle zu Silvester fasziniert doch vor allem wegen des blau tropfenden Zuckerhuts.

Die MT-Dezemberserie schaut noch mal anders auf „Licht und Schatten“ und spürt vielen Themen rundherum nach. Die sind übrigens nicht immer weihnachtlich – aber immer überraschend.

Hier finden Sie alle weiteren Serienartikel

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Der 25-Jährige arbeitet seit einem Jahr als Servicekraft in dem Fitnessstudio und übernimmt dort gerade am Wochenende die Nachtschicht. „Dann fange ich um halb elf abends an und gehe um sieben Uhr morgens“, erklärt der Mindener. Er ist in der Nacht so etwas wie der Wächter des Studios – jedoch auch mit vielen weiteren Aufgaben beauftragt. „Es ist sicher ruhiger als am Tag, aber langweilig wird mir hier nie.“ Keine 30 Minuten später öffnen sich dann die Türen des Fahrstuhls und die erste Nachtschwärmerin betritt das Studio um 5.23 Uhr. Es ist Yvonne Storm. Marcel Paul erkennt sie sofort. „Sie ist um diese Zeit immer hier.“ Die Mindenerin legt heute ihren Cardio-Tag ein. Das heißt, dass sie auf das Training an den Geräten mit Gewichten verzichtet, sondern lediglich auf das Laufband geht. Intervallläufe stehen für die 30-Jährige auf dem Programm. Warum kommt sie so früh in das Fitnessstudio – und das auch noch an einem Sonntag? „In der Woche habe ich mit Arbeit, Abendschule und meinem Hund so viel zu tun, dass ich nur so früh morgens hier sein kann. Den Rhythmus behalte ich am Wochenende bei“, sagt Storm, während sie auf dem Laufband steht und eine der wenigen Pausen ihres Trainings genießt. Ebenso liebt die Mindenerin die Ruhe, die zu dieser Zeit herrscht. „Im Moment ist es sogar noch ruhiger hier. In den letzten Tagen war nachts oder am frühen Morgen kaum etwas los. Ich hatte das Gym fast für mich alleine“, erklärt sie. Eine Entwicklung, die auch Marcel Paul nicht entgangen ist: „Im Dezember und gerade in der Weihnachtszeit zwischen den Feiertagen sind weniger Menschen im Studio.“ Das allerdings werde sich bald ändern. 2020 stehe vor der Tür, mit dem neuen Jahr auch die guten Vorsätze, zu den klassischerweise immer „mehr Sport“ und „abnehmen“ gehörten. Der Mitarbeiter nutzt die Zeit, in der sich nur Yvonne Storm im Eurofit befindet, für die letzten Arbeiten vor dem Schichtende. Während er zum Start um 22.30 Uhr immer noch mindestens 20 Sportler betreut, unterhält, „und auch mal den DJ für sie spielt“, kümmert er sich im weiteren Verlauf der Nacht darum, dass alles seine Ordnung hat – und das auf insgesamt 4.500 Quadratmetern. Zu seinen Aufgaben zählen das Sauberhalten der Trainingsflächen inklusive Wischen, Staubsaugen und Desinfektion. „Außerdem achte ich darauf, dass die Gewichte alle wieder dahin kommen, wo sie hingehören. Da kommt dann schon Einiges zusammen.“ Manchmal auch die ein oder andere Kuriosität. „Einmal ist ein Mitglied, das in der Nacht hier war, unter der Sonnenbank eingeschlafen. Ich habe es dann geweckt“, erinnert sich Paul an einen Zwischenfall, der glücklicherweise glimpflich ausging: „Die UV-Lichter schalten sich ja nach einer Weile aus.“ Gerade erst in dieser Nacht sei ein Kunde falsch herum aus dem Parkhaus herausgefahren und stand vor der Einfahrtsschranke. „Um solche Sachen kümmern wir uns dann natürlich auch. Nach einem Anruf bei dem zuständigen Notdienst ging die Schranke auf und alles war geklärt.“ Inzwischen zeigt die Uhr 5.45 Uhr an und das Fitnessstudio ist um einen weiteren Studiogast reicher. Es ist Javid Amiri, der seit ungefähr einem Jahr Mitglied ist. „Ich habe um 5 Uhr Feierabend gemacht“, sagt der 23-Jährige, der in Minden wohnt und als Schichtleiter bei McDonalds in Löhne arbeitet. Oft führt ihn sein erster Weg in das Eurofit. „Für mich ist das super und war es der Grund dafür, weshalb ich mich für dieses Fitnessstudio entschieden habe“, erklärt der Afghane, der 2015 nach Minden kam. Direkt nach der Arbeit sei er nämlich noch nicht müde und könne so die Zeit perfekt für sein Training nutzen. „Manchmal habe ich um zwei Uhr nachts Schluss. Dann fahre ich auch hierher“, sagt Amiri, der an manchen Tagen sogar zweimal täglich zum Training kommt: „Einmal in Ruhe in der Nacht oder am Morgen. Und einmal noch mit Freunden. Die wollen alle nicht so früh raus.“ Während Yvonne Storm noch immer ihr Intervalltraining auf dem Laufband abspult, ist Javid Amiri in der sogenannten Eisenschmiede am Gange. „Ich habe durch das Krafttraining in den letzten Monaten elf Kilogramm abgenommen“, erklärt der 23-Jährige stolz. Deswegen ist er nun auch täglich hier und arbeitet vor allem mit freien Gewichten und Hanteln aller Art. Für heute plant er, noch mindestens bis 7 Uhr zu bleiben, vielleicht sogar länger. Eine Stunde hat er also wenigstens noch vor sich. Langsam, aber sicher kommt hingegen Yvonne Storm zum Ende ihres Trainings. Es ist inzwischen 6.21 Uhr, ihre Läufe hat sie gleich abgespult. Noch immer sind sie und Javier Amiri die einzigen Gäste. „Inzwischen kennen sich alle, die morgens hier sind, gut. Das ist eine schöne Atmosphäre“, sagt die Mindenerin, die tatsächlich jeden Tag im Fitnessstudio ist. „Ich teile mir das so auf, dass ich immer eine andere Muskelgruppe trainiere.“ Zuvor habe sie zuhause Kraftsport betrieben, doch durch die Möglichkeit „24/7“ in einem Studio zu trainieren, habe sie bei der Eröffnung im Oktober 2017 direkt einen Vertrag abgeschlossen. Kurz darauf, es ist inzwischen 6.30 Uhr, füllt sich das Eurofit. Zuerst kommt ein älterer Mann zum Training, dann betritt eine Frau das Studio. Für Marcel Paul ist der Feierabend nur noch eine halbe Stunde entfernt. Seine Kollegin aus der Frühschicht ist bereits da. „In der halben Stunde machen wir eine Übergabe, sprechen uns ab, klären noch einmal die wichtigsten Dinge“, sagt er. Ob er auch sofort nach Hause fährt, weiß er noch nicht. „Oft gehe ich nach der Arbeit noch eine Runde trainieren, weil ich nicht sofort schlafen kann. Jetzt habe ich aber Hunger, also mal sehen.“ Egal, wie er sich entscheidet, die Möglichkeit ist da. An jedem Tag. Zu jeder Uhrzeit. MT-Serie "Licht und Schatten" In der Adventszeit dreht sich fast alles um Licht: Es gibt die vier Kerzen, die die Wochen bis zum Fest zählen, romantisierende Lieder und Gedichte von Lichtlein, die Tannen schmücken oder von hell erleuchteten Gässchen. Festlich beleuchtete Innenstädte versüßen das Shoppen, selbst die Feuerzangenbowle zu Silvester fasziniert doch vor allem wegen des blau tropfenden Zuckerhuts. Die MT-Dezemberserie schaut noch mal anders auf „Licht und Schatten“ und spürt vielen Themen rundherum nach. Die sind übrigens nicht immer weihnachtlich – aber immer überraschend. Hier finden Sie alle weiteren Serienartikel