Minden

Schillernder Wegweiser: Der Weihnachtsstern kommt in der Bibel kaum vor – und hinterlässt doch seine Spuren

Julika Bergermann

Den Schweifstern fürs Krippenspiel hat Pastor Bernhard Speller vor einigen Jahren selbst ausgesägt. „Der Schweif steht für die Bewegung“, erklärt er. Denn laut der Bibel wies der Stern den Weisen aus dem Morgenland den Weg zur Krippe. MT-Foto: Julika Bergermann - © Julika Bergermann
Den Schweifstern fürs Krippenspiel hat Pastor Bernhard Speller vor einigen Jahren selbst ausgesägt. „Der Schweif steht für die Bewegung“, erklärt er. Denn laut der Bibel wies der Stern den Weisen aus dem Morgenland den Weg zur Krippe. MT-Foto: Julika Bergermann (© Julika Bergermann)

Minden (mt). Wer in der Bibel nach dem Stern von Bethlehem sucht, muss mitunter etwas blättern. Denn in der bekannteren Version der Weihnachtsgeschichte nach Lukas, die in den meisten Kirchen an Heiligabend verlesen wird, kommt das Himmelsgestirn gar nicht vor. Trotzdem ist es in der Adventszeit allgegenwärtig – auch in der Mindener Petrikirche, wo große Strohsterne die beiden Weihnachtsbäume zieren.

Ein weiteres Exemplar hält Pastor Bernhard Speller in den Händen: Einen großen Schweifstern aus Holz, den er vor einigen Jahren selbst ausgesägt hat. „Für das Krippenspiel“, erinnert er sich. „Damals haben unsere Weisen aus dem Morgenland ihn an einem Holzstab in die Kirche getragen und vorne über der Krippe angebracht.“ In Anlehnung an das, was in der Bibel steht – nicht bei Lukas, aber bei Matthäus. In der dortigen Weihnachtserzählung ist die Rede von den Weisen (je nach Übersetzung oder Tradition auch Königen oder Sterndeutern) aus dem Morgenland, die am Himmel einen besonderen Stern entdecken. Sie deuten ihn als Symbol dafür, dass der König der Juden geboren ist und folgen ihm bis zur Krippe Jesu.

„Ansonsten kommen Sterne in der Bibel kaum vor“, sagt Speller. Doch dieser eine Stern habe sichtbare Spuren hinterlassen – und das nicht nur im weihnachtlichen Kontext.

„Er ist zum Beispiel ein Geburtssymbol“, erzählt der reformierte Pastor und verweist auf die kleinen Sternchen vor Geburtsdaten. Zudem stehe der Star – also die englische Übersetzung für Stern – heute auch hierzulande für besondere Persönlichkeiten.

Was aber hat es mit dem funkelnden Wegweiser bei Matthäus auf sich? „Der Stern von Bethlehem kann eigentlich gar keiner gewesen sein, weil Sterne nicht von sich aus wandern“, so die Meinung des Pastors. „Das tun nur Planeten. Aber den Unterschied kannten die Menschen damals natürlich nicht.“

Speller selbst tendiert eher zur Theorie des halleyschen Kometen (siehe obiger Text). „Wir haben ihn vor Jahren selbst bei einer Gemeindefahrt auf Langeoog gesehen“, berichtet er. „Sein Licht schimmerte sogar durch die Wolken. Kein Wunder, dass sich die Menschen angesichts solcher Schauspiele fragten, was sie bedeuten.“

MT-Serie "Licht und Schatten"

In der Adventszeit dreht sich fast alles um Licht: Es gibt die vier Kerzen, die die Wochen bis zum Fest zählen, romantisierende Lieder und Gedichte von Lichtlein, die Tannen schmücken oder von hell erleuchteten Gässchen. Festlich beleuchtete Innenstädte versüßen das Shoppen selbst die Feuerzangenbowle zu Silvester fasziniert doch vor allem wegen des blau tropfenden Zuckerhuts.

Die MT-Dezemberserie schaut noch mal anders auf „Licht und Schatten“ und spürt vielen Themen rundherum nach. Die sind übrigens nicht immer weihnachtlich – aber immer überraschend.

Hier gibt es weitere Serienteile

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MindenSchillernder Wegweiser: Der Weihnachtsstern kommt in der Bibel kaum vor – und hinterlässt doch seine SpurenJulika BergermannMinden (mt). Wer in der Bibel nach dem Stern von Bethlehem sucht, muss mitunter etwas blättern. Denn in der bekannteren Version der Weihnachtsgeschichte nach Lukas, die in den meisten Kirchen an Heiligabend verlesen wird, kommt das Himmelsgestirn gar nicht vor. Trotzdem ist es in der Adventszeit allgegenwärtig – auch in der Mindener Petrikirche, wo große Strohsterne die beiden Weihnachtsbäume zieren. Ein weiteres Exemplar hält Pastor Bernhard Speller in den Händen: Einen großen Schweifstern aus Holz, den er vor einigen Jahren selbst ausgesägt hat. „Für das Krippenspiel“, erinnert er sich. „Damals haben unsere Weisen aus dem Morgenland ihn an einem Holzstab in die Kirche getragen und vorne über der Krippe angebracht.“ In Anlehnung an das, was in der Bibel steht – nicht bei Lukas, aber bei Matthäus. In der dortigen Weihnachtserzählung ist die Rede von den Weisen (je nach Übersetzung oder Tradition auch Königen oder Sterndeutern) aus dem Morgenland, die am Himmel einen besonderen Stern entdecken. Sie deuten ihn als Symbol dafür, dass der König der Juden geboren ist und folgen ihm bis zur Krippe Jesu. „Ansonsten kommen Sterne in der Bibel kaum vor“, sagt Speller. Doch dieser eine Stern habe sichtbare Spuren hinterlassen – und das nicht nur im weihnachtlichen Kontext. „Er ist zum Beispiel ein Geburtssymbol“, erzählt der reformierte Pastor und verweist auf die kleinen Sternchen vor Geburtsdaten. Zudem stehe der Star – also die englische Übersetzung für Stern – heute auch hierzulande für besondere Persönlichkeiten. Was aber hat es mit dem funkelnden Wegweiser bei Matthäus auf sich? „Der Stern von Bethlehem kann eigentlich gar keiner gewesen sein, weil Sterne nicht von sich aus wandern“, so die Meinung des Pastors. „Das tun nur Planeten. Aber den Unterschied kannten die Menschen damals natürlich nicht.“ Speller selbst tendiert eher zur Theorie des halleyschen Kometen (siehe obiger Text). „Wir haben ihn vor Jahren selbst bei einer Gemeindefahrt auf Langeoog gesehen“, berichtet er. „Sein Licht schimmerte sogar durch die Wolken. Kein Wunder, dass sich die Menschen angesichts solcher Schauspiele fragten, was sie bedeuten.“ MT-Serie "Licht und Schatten" In der Adventszeit dreht sich fast alles um Licht: Es gibt die vier Kerzen, die die Wochen bis zum Fest zählen, romantisierende Lieder und Gedichte von Lichtlein, die Tannen schmücken oder von hell erleuchteten Gässchen. Festlich beleuchtete Innenstädte versüßen das Shoppen selbst die Feuerzangenbowle zu Silvester fasziniert doch vor allem wegen des blau tropfenden Zuckerhuts. Die MT-Dezemberserie schaut noch mal anders auf „Licht und Schatten“ und spürt vielen Themen rundherum nach. Die sind übrigens nicht immer weihnachtlich – aber immer überraschend. Hier gibt es weitere Serienteile