Minden

MT-Serie "Licht und Schatten": Heller Schein am dunklen Himmel - Was war der Stern von Bethlehem?

Stefan Koch

Unter der Kuppel der Schulsternwarte Minden steht das Teleskop, das Michael Meister selbst gebaut hat. 
MT- - © Foto: Stefan Koch
Unter der Kuppel der Schulsternwarte Minden steht das Teleskop, das Michael Meister selbst gebaut hat.
MT- (© Foto: Stefan Koch)

Minden (mt). Hat es den im Matthäusevangelium erwähnten Stern von Bethlehem tatsächlich gegeben? Und wie sah er aus? Zahlreiche Theorien gibt es. Es könnten sich um einen Kometen gehandelt haben. Nach einer anderen Annahme war es eine Supernova, also ein Stern, der kurz vor dem Ende seiner Lebenszeit hell aufleuchtete und dann verging. Die am häufigsten vertretene Meinung geht aber davon aus, dass das Ereignis am Nachthimmel die auffällige Begegnung von Planeten ist. Und die hält auch Michael Meister, Vorsitzender des Vereins Schulsternwarte Minden, für die plausibelste Theorie.

„Man kann schon viele Theorien ausschließen, wenn man das Todesdatum von König Herodes berücksichtigt“, sagt Meister. Dadurch sei der mögliche Zeitraum für die Datierung der Himmelserscheinung auf ein paar Jahre reduziert, so dass beispielsweise der Halleysche Komet als Stern von Bethlehem nicht infrage komme.

Der Komet Halley kehrt nur alle 75,3 Jahre wieder. In der Antike konnten ihn die Menschen bereits im zwölften Jahr vor Christi Geburt beobachten – also viel zu früh. Der lichtstarke Himmelskörper ist durch einen langen, nach rechts ausgerichteten Schweif erkennbar – so wie es auch auf vielen Darstellungen des Sterns von Bethlehem in religiösen Gemälde zu sehen ist. Wie kann das aber sein, wenn Halley bei der Geburt des Erlösers gar nicht vorbeigekommen ist?

„Im 13. Jahrhundert konnten ihn die Menschen wieder einmal beobachten“, erklärt Meister. Damals hätten sich die Kirchenmaler den Kometen bei ihren Illustrationen der Weihnachtsgeschichte als Vorbild genommen. Später habe sich das Bild eines Sterns mit Schweif über die Verbreitung populärer Druckgrafik allgemein etabliert. „So ist er heute an fast jeder Weihnachtskrippe zu finden.“

So wie die drei Könige hatten sich im Morgenland alle Reisenden in der Wüste am Sternenhimmel orientieren müssen, um ihren Weg zu finden. Sternenkunde war in der Antike überlebenswichtig. Und in die Zeit vor 2.000 Jahren – nach exakten Berechnungen war es das sechste Jahr vor Christi Geburt – fällt dabei ein Ereignis, das selten am Nachthimmel zu bestaunen ist: die Begegnung von Saturn und Jupiter. Wenn sie von der Erde aus betrachtet nahe beieinander stehen, sind sie als zwei helle Punkte sichtbar, die Richtung Osten ziehen. „Ich halte es für wahrscheinlich, dass diese seltene Planetenkonstellation zu Berichten über einen Stern von Bethlehem beigetragen haben könnte“, sagt Meister. Das Schauspiel lasse sich mehrere Wochen am Nachthimmel verfolgen. „Der Bibeltext zum Stern von Bethlehem ist ungefähr 80 Jahre nach dem Weihnachtsereignis entstanden“, erläutert Meister weiter. Da mag es Ergänzungen gegeben haben, um das Geschehen glaubwürdig erscheinen zu lassen. „Man sollte deshalb bei dieser Quelle nicht jedes Wort genau nehmen.“

Auch wenn die Wissenschaft heutzutage die Dinge nüchtern einordnet, hat die Faszination für außergewöhnliche Ereignisse am Nachthimmel nicht nachgelassen. Das trifft auch für die Mitglieder des Vereins Schulsternwarte Minden zu. Als am 11. November 2007 der Komet 17P/Holmes bei wolkenlosem Himmel an der Erde vorbeizog, nahm Meister das in Minden fotografisch auf. Mit bloßem Auge war der Komet nur als blasser Fleck am Himmel erkennbar. Zunächst im Jahr 1892 entdeckt, beobachten Astronomen 17/P Holmes seit 1964 regelmäßig.

Wie Meister bekennt, wird die Ausübung der Astronomie durch Lichtverschmutzung immer schwieriger. Er und andere Aktive aus dem rund zehn Mitglieder zählenden Sternwartenverein meiden deshalb die Nähe beleuchteter Städte. Bis zu 15 Kilometer fahre er schon weg, wenn er mit seinem Teleskop eine gute Sicht auf die Sterne haben wolle. Im Sommer diesen Jahres war Meister sogar in den mittleren Westen der USA gereist. „Da sind die nächsten Großstädte Hunderte von Kilometer entfernt.“

Das größte Teleskop des Hobbyastronomen steht aber nach wie vor unter der Kuppel der Mindener Schulsternwarte auf dem Destillerieturm der ehemaligen Spirituosenfabrik Strothmann.

Meister hat das optische Gerät selbst gebaut, es hat eine 25 Zentimeter breite Objektivöffnung und ist 1,2 Meter lang.

In den 80er-Jahren hatte sich ein Initiativkreis aus den Reihen des Ratsgymnasiums gebildet und die Schulsternwarte zum 200. Geburtstag des aus Minden stammenden Astronomen Friedrich Wilhelm Bessel am 23. Mai 1984 eingerichtet. Zehn Jahre später hatte sich der Verein Schulsternwarte Minden gegründet, um zusammen mit anderen Mindener Schulen das Projekt auf ein breiteres Fundament zu stellen. Dabei waren auch Studierende der Außenstelle der FH Bielefeld eingebunden, die eine Machbarkeitsstudie zum Kuppelbetrieb und der konzeptionellen Umsetzung erstellten.

MT-Serie "Licht und Schatten"

In der Adventszeit dreht sich fast alles um Licht: Es gibt die vier Kerzen, die die Wochen bis zum Fest zählen, romantisierende Lieder und Gedichte von Lichtlein, die Tannen schmücken oder von hell erleuchteten Gässchen. Festlich beleuchtete Innenstädte versüßen das Shoppen selbst die Feuerzangenbowle zu Silvester fasziniert doch vor allem wegen des blau tropfenden Zuckerhuts.

Die MT-Dezemberserie schaut noch mal anders auf „Licht und Schatten“ und spürt vielen Themen rundherum nach. Die sind übrigens nicht immer weihnachtlich – aber immer überraschend.

Hier gibt es weitere Serienteile

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MindenMT-Serie "Licht und Schatten": Heller Schein am dunklen Himmel - Was war der Stern von Bethlehem?Stefan KochMinden (mt). Hat es den im Matthäusevangelium erwähnten Stern von Bethlehem tatsächlich gegeben? Und wie sah er aus? Zahlreiche Theorien gibt es. Es könnten sich um einen Kometen gehandelt haben. Nach einer anderen Annahme war es eine Supernova, also ein Stern, der kurz vor dem Ende seiner Lebenszeit hell aufleuchtete und dann verging. Die am häufigsten vertretene Meinung geht aber davon aus, dass das Ereignis am Nachthimmel die auffällige Begegnung von Planeten ist. Und die hält auch Michael Meister, Vorsitzender des Vereins Schulsternwarte Minden, für die plausibelste Theorie. „Man kann schon viele Theorien ausschließen, wenn man das Todesdatum von König Herodes berücksichtigt“, sagt Meister. Dadurch sei der mögliche Zeitraum für die Datierung der Himmelserscheinung auf ein paar Jahre reduziert, so dass beispielsweise der Halleysche Komet als Stern von Bethlehem nicht infrage komme. Der Komet Halley kehrt nur alle 75,3 Jahre wieder. In der Antike konnten ihn die Menschen bereits im zwölften Jahr vor Christi Geburt beobachten – also viel zu früh. Der lichtstarke Himmelskörper ist durch einen langen, nach rechts ausgerichteten Schweif erkennbar – so wie es auch auf vielen Darstellungen des Sterns von Bethlehem in religiösen Gemälde zu sehen ist. Wie kann das aber sein, wenn Halley bei der Geburt des Erlösers gar nicht vorbeigekommen ist? „Im 13. Jahrhundert konnten ihn die Menschen wieder einmal beobachten“, erklärt Meister. Damals hätten sich die Kirchenmaler den Kometen bei ihren Illustrationen der Weihnachtsgeschichte als Vorbild genommen. Später habe sich das Bild eines Sterns mit Schweif über die Verbreitung populärer Druckgrafik allgemein etabliert. „So ist er heute an fast jeder Weihnachtskrippe zu finden.“ So wie die drei Könige hatten sich im Morgenland alle Reisenden in der Wüste am Sternenhimmel orientieren müssen, um ihren Weg zu finden. Sternenkunde war in der Antike überlebenswichtig. Und in die Zeit vor 2.000 Jahren – nach exakten Berechnungen war es das sechste Jahr vor Christi Geburt – fällt dabei ein Ereignis, das selten am Nachthimmel zu bestaunen ist: die Begegnung von Saturn und Jupiter. Wenn sie von der Erde aus betrachtet nahe beieinander stehen, sind sie als zwei helle Punkte sichtbar, die Richtung Osten ziehen. „Ich halte es für wahrscheinlich, dass diese seltene Planetenkonstellation zu Berichten über einen Stern von Bethlehem beigetragen haben könnte“, sagt Meister. Das Schauspiel lasse sich mehrere Wochen am Nachthimmel verfolgen. „Der Bibeltext zum Stern von Bethlehem ist ungefähr 80 Jahre nach dem Weihnachtsereignis entstanden“, erläutert Meister weiter. Da mag es Ergänzungen gegeben haben, um das Geschehen glaubwürdig erscheinen zu lassen. „Man sollte deshalb bei dieser Quelle nicht jedes Wort genau nehmen.“ Auch wenn die Wissenschaft heutzutage die Dinge nüchtern einordnet, hat die Faszination für außergewöhnliche Ereignisse am Nachthimmel nicht nachgelassen. Das trifft auch für die Mitglieder des Vereins Schulsternwarte Minden zu. Als am 11. November 2007 der Komet 17P/Holmes bei wolkenlosem Himmel an der Erde vorbeizog, nahm Meister das in Minden fotografisch auf. Mit bloßem Auge war der Komet nur als blasser Fleck am Himmel erkennbar. Zunächst im Jahr 1892 entdeckt, beobachten Astronomen 17/P Holmes seit 1964 regelmäßig. Wie Meister bekennt, wird die Ausübung der Astronomie durch Lichtverschmutzung immer schwieriger. Er und andere Aktive aus dem rund zehn Mitglieder zählenden Sternwartenverein meiden deshalb die Nähe beleuchteter Städte. Bis zu 15 Kilometer fahre er schon weg, wenn er mit seinem Teleskop eine gute Sicht auf die Sterne haben wolle. Im Sommer diesen Jahres war Meister sogar in den mittleren Westen der USA gereist. „Da sind die nächsten Großstädte Hunderte von Kilometer entfernt.“ Das größte Teleskop des Hobbyastronomen steht aber nach wie vor unter der Kuppel der Mindener Schulsternwarte auf dem Destillerieturm der ehemaligen Spirituosenfabrik Strothmann. Meister hat das optische Gerät selbst gebaut, es hat eine 25 Zentimeter breite Objektivöffnung und ist 1,2 Meter lang. In den 80er-Jahren hatte sich ein Initiativkreis aus den Reihen des Ratsgymnasiums gebildet und die Schulsternwarte zum 200. Geburtstag des aus Minden stammenden Astronomen Friedrich Wilhelm Bessel am 23. Mai 1984 eingerichtet. Zehn Jahre später hatte sich der Verein Schulsternwarte Minden gegründet, um zusammen mit anderen Mindener Schulen das Projekt auf ein breiteres Fundament zu stellen. Dabei waren auch Studierende der Außenstelle der FH Bielefeld eingebunden, die eine Machbarkeitsstudie zum Kuppelbetrieb und der konzeptionellen Umsetzung erstellten. MT-Serie "Licht und Schatten" In der Adventszeit dreht sich fast alles um Licht: Es gibt die vier Kerzen, die die Wochen bis zum Fest zählen, romantisierende Lieder und Gedichte von Lichtlein, die Tannen schmücken oder von hell erleuchteten Gässchen. Festlich beleuchtete Innenstädte versüßen das Shoppen selbst die Feuerzangenbowle zu Silvester fasziniert doch vor allem wegen des blau tropfenden Zuckerhuts. Die MT-Dezemberserie schaut noch mal anders auf „Licht und Schatten“ und spürt vielen Themen rundherum nach. Die sind übrigens nicht immer weihnachtlich – aber immer überraschend. Hier gibt es weitere Serienteile