Minden

"Wer nen Absacker braucht, geht zu Klaus": Ein Besuch in der Mindener Altstadtkneipe Mikamo

Patrick Schwemling

Klaus Niemann bei der Arbeit: Der Wirt hat die Altstadtkneipe zusammen mit seiner Frau „Mo“ vor 16 Jahren eröffnet. Gerade bei den Nachtschwärmern ist das „Mikamo“ ein beliebter Anlaufpunkt. MT-Fotos: Patrick Schwemling
Klaus Niemann bei der Arbeit: Der Wirt hat die Altstadtkneipe zusammen mit seiner Frau „Mo“ vor 16 Jahren eröffnet. Gerade bei den Nachtschwärmern ist das „Mikamo“ ein beliebter Anlaufpunkt. MT-Fotos: Patrick Schwemling

Minden (mt). „Bitte warten bis der Summer ertönt, dann drücken.“ Wer vor der Mindener Altstadtkneipe „Mikamo“ in der Simeonstraße steht, kommt nicht so einfach rein, wie er es vielleicht gerne hätte. „Einlass gibt es nur nach Kontrolle“, sagt Gastwirt Klaus Niemann. Dort, wo zu Glanzzeiten Tanzlokale, Kneipen und Rotlicht-Etablissements das Bild von Mindens Amüsiermeile prägten, ist heute Ruhe eingekehrt – abgesehen von der etwa 30 Quadratmeter großen Ausnahme Mikamo. Dort ist auch spät in der Nacht immer noch etwas los. Das letzte Bier, ein schneller Schnaps, das geht selbst unter der Woche. Eine Rezension im Internet bringt es auf den Punkt: „Wer nen' Absacker braucht, geht zu Klaus.“

„Im November 2003 haben wir eröffnet“, sagt Klaus Niemann, der das Lokal zusammen mit seiner asiatischen Frau Monrudee führt. „Sie wird von den Gästen aber nur Mo genannt. Das ist einfacher“, erklärt der 60-Jährige, der vor mehr als 16 Jahren den Schritt in die Gastronomie-Szene wagte. „Wir sind dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind“, sagt der Wirt, der damals noch in der Industrie tätig war. Von der ersten Besichtigung bis zur Eröffnung vergingen keine vier Wochen, das Leben des Paares veränderte sich schlagartig.

Eines von vier Gerichten: Neben der Frikadelle gibt es im Mikamo Currywurst, Pfefferbeißer und Gulaschsuppe. Das sind sogenannte "bierbegleitende" Speisen.
Eines von vier Gerichten: Neben der Frikadelle gibt es im Mikamo Currywurst, Pfefferbeißer und Gulaschsuppe. Das sind sogenannte "bierbegleitende" Speisen.

„In der ersten zwei Jahren lief die Kneipe nebenberuflich. Das ging auf Dauer nicht“, sagt Niemann. Er gibt 2005 seinen Job auf, macht die Kneipe zum Hauptberuf und bereut diesen Schritt nie. Zwar lebe er komplett konträr zum Großteil der Gesellschaft, doch das sei kein Problem. „Mein Tag beginnt um 15 Uhr und endet am frühen Morgen“, erklärt er. Er kennt das bereits durch die Schichtarbeit in seinem vorherigen Job. Und ist so abgehärtet für das, was ihn Woche für Woche erwartet.

Die Kneipe ist in der Simeonstraße 13 beheimatet. Der Name setzt sich aus den Vornamen der Betreiber zusammen.
Die Kneipe ist in der Simeonstraße 13 beheimatet. Der Name setzt sich aus den Vornamen der Betreiber zusammen.

Das sind Eskapaden von Studenten, die in den letzten Jahren immer mehr kommen, über stundenlange Gespräche mit Stammgästen aber auch Diskussionen mit unliebsamen Besuchern. Einmal wurde er in den 16 Jahren verprügelt, sein Jochbein bei dem Angriff gebrochen. „Das hat sich aber gelegt. Mit der Zeit kennt man seine Pappenheimer“, sagt der Wirt, dessen Publikum oft „leicht angeheitert“ zu ihm käme. „Aber das ist ja klar. Die meisten schlagen erst mitten in der Nacht auf.“ Deswegen kontrolliert er auch den Einlass: „Jeden will ich hier nicht haben. Manche können auch nicht mehr“.

Einlasskontrolle: Bevor es in die Kneipe geht, muss gewartet werden. Der Wirt bestimmt, wer reinkommt.
Einlasskontrolle: Bevor es in die Kneipe geht, muss gewartet werden. Der Wirt bestimmt, wer reinkommt.

Viele, so Niemann, kommen aus umliegenden Kneipen, die deutlich früher schließen. „Wir haben uns damals gesagt, dass wir nicht einfach eine Bar aufmachen. Da gibt es schon so viele von“, sagt er. Der damals 44-Jährige wollte ein Alleinstellungsmerkmal haben: „Und das sind ganz klar unsere Öffnungszeiten.“

Denn wenn vielerorts die Türen schließen, geht es im Mikamo erst richtig los. „Wenn ich um 21 Uhr öffne, ist es ganz entspannt, oft auch noch um Mitternacht. Aber morgens um 4 oder 5 – dann ist der Laden richtig voll“, sagt der Kneipier. Dennoch öffnet er von Dienstag bis Sonntag immer pünktlich um 21 Uhr. „Konstanz ist nämlich das Wichtigste. Mache ich nur noch auf, wenn es mir passt, verzeihen die Gäste das nicht“, nennt er sein Erfolgsrezept.

Denn in den 16 Jahren, in denen das Mikamo nun an der Simeonstraße existiert, hat Niemann Kneipen und Bars kommen und vor allem gehen sehen. Oma Libros, die Mindener Stuben, das Alt Minden No. 1 und zuletzt auch die Überschaubar. Schräg gegenüber hat vor kurzem „Bleros Bar“ eröffnet. „Ich finde das super. Jedes Lokal tut der Altstadt gut“, sagt er. Den Namen für das Mikamo haben Klaus und „Mo“ Niemann übrigens mit der Hilfe ihrer Namen gefunden. Das „Mi“ steht für Minden, das „Ka“ für Klaus und das „Mo“ für den Spitznamen seiner Frau. „Wir haben ein bisschen geschummelt, aber Miklamo hätte sich blöd angehört“, lacht Niemann, der auch schon in die Zukunft blick .

„Ich mache Schluss, wenn ich in Rente gehe“, sagt der Wirt. Das könne er mit 63, aber so früh soll nicht Schluss sein. „Fünf Jahre will ich noch hinter dem Tresen stehen“, lautet Niemanns Vorstellung. Das Aus für das Mikamo muss das aber nicht bedeuten, wie er verrät. „Es haben schon genug Leute Interesse angemeldet, wenn ich einmal aufhören sollte.“ Und bis dahin heißt es weiter: „Wer nen' Absacker braucht, geht zu Klaus.“

MT-Serie "Licht und Schatten"

In der Adventszeit dreht sich fast alles um Licht: Es gibt die vier Kerzen, die die Wochen bis zum Fest zählen, romantisierende Lieder und Gedichte von Lichtlein, die Tannen schmücken, oder von hell erleuchteten Gässchen. Festlich beleuchtete Innenstädte versüßen das Shoppen, selbst die Feuerzangenbowle zu Silvester fasziniert doch vor allem wegen des blau tropfenden Zuckerhuts.

Die MT-Dezemberserie schaut noch mal anders auf „Licht und Schatten“ und spürt vielen Themen rundherum nach. Die sind übrigens nicht immer weihnachtlich – aber immer überraschend.

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Minden"Wer nen Absacker braucht, geht zu Klaus": Ein Besuch in der Mindener Altstadtkneipe MikamoPatrick SchwemlingMinden (mt). „Bitte warten bis der Summer ertönt, dann drücken.“ Wer vor der Mindener Altstadtkneipe „Mikamo“ in der Simeonstraße steht, kommt nicht so einfach rein, wie er es vielleicht gerne hätte. „Einlass gibt es nur nach Kontrolle“, sagt Gastwirt Klaus Niemann. Dort, wo zu Glanzzeiten Tanzlokale, Kneipen und Rotlicht-Etablissements das Bild von Mindens Amüsiermeile prägten, ist heute Ruhe eingekehrt – abgesehen von der etwa 30 Quadratmeter großen Ausnahme Mikamo. Dort ist auch spät in der Nacht immer noch etwas los. Das letzte Bier, ein schneller Schnaps, das geht selbst unter der Woche. Eine Rezension im Internet bringt es auf den Punkt: „Wer nen' Absacker braucht, geht zu Klaus.“ „Im November 2003 haben wir eröffnet“, sagt Klaus Niemann, der das Lokal zusammen mit seiner asiatischen Frau Monrudee führt. „Sie wird von den Gästen aber nur Mo genannt. Das ist einfacher“, erklärt der 60-Jährige, der vor mehr als 16 Jahren den Schritt in die Gastronomie-Szene wagte. „Wir sind dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind“, sagt der Wirt, der damals noch in der Industrie tätig war. Von der ersten Besichtigung bis zur Eröffnung vergingen keine vier Wochen, das Leben des Paares veränderte sich schlagartig. „In der ersten zwei Jahren lief die Kneipe nebenberuflich. Das ging auf Dauer nicht“, sagt Niemann. Er gibt 2005 seinen Job auf, macht die Kneipe zum Hauptberuf und bereut diesen Schritt nie. Zwar lebe er komplett konträr zum Großteil der Gesellschaft, doch das sei kein Problem. „Mein Tag beginnt um 15 Uhr und endet am frühen Morgen“, erklärt er. Er kennt das bereits durch die Schichtarbeit in seinem vorherigen Job. Und ist so abgehärtet für das, was ihn Woche für Woche erwartet. Das sind Eskapaden von Studenten, die in den letzten Jahren immer mehr kommen, über stundenlange Gespräche mit Stammgästen aber auch Diskussionen mit unliebsamen Besuchern. Einmal wurde er in den 16 Jahren verprügelt, sein Jochbein bei dem Angriff gebrochen. „Das hat sich aber gelegt. Mit der Zeit kennt man seine Pappenheimer“, sagt der Wirt, dessen Publikum oft „leicht angeheitert“ zu ihm käme. „Aber das ist ja klar. Die meisten schlagen erst mitten in der Nacht auf.“ Deswegen kontrolliert er auch den Einlass: „Jeden will ich hier nicht haben. Manche können auch nicht mehr“. Viele, so Niemann, kommen aus umliegenden Kneipen, die deutlich früher schließen. „Wir haben uns damals gesagt, dass wir nicht einfach eine Bar aufmachen. Da gibt es schon so viele von“, sagt er. Der damals 44-Jährige wollte ein Alleinstellungsmerkmal haben: „Und das sind ganz klar unsere Öffnungszeiten.“ Denn wenn vielerorts die Türen schließen, geht es im Mikamo erst richtig los. „Wenn ich um 21 Uhr öffne, ist es ganz entspannt, oft auch noch um Mitternacht. Aber morgens um 4 oder 5 – dann ist der Laden richtig voll“, sagt der Kneipier. Dennoch öffnet er von Dienstag bis Sonntag immer pünktlich um 21 Uhr. „Konstanz ist nämlich das Wichtigste. Mache ich nur noch auf, wenn es mir passt, verzeihen die Gäste das nicht“, nennt er sein Erfolgsrezept. Denn in den 16 Jahren, in denen das Mikamo nun an der Simeonstraße existiert, hat Niemann Kneipen und Bars kommen und vor allem gehen sehen. Oma Libros, die Mindener Stuben, das Alt Minden No. 1 und zuletzt auch die Überschaubar. Schräg gegenüber hat vor kurzem „Bleros Bar“ eröffnet. „Ich finde das super. Jedes Lokal tut der Altstadt gut“, sagt er. Den Namen für das Mikamo haben Klaus und „Mo“ Niemann übrigens mit der Hilfe ihrer Namen gefunden. Das „Mi“ steht für Minden, das „Ka“ für Klaus und das „Mo“ für den Spitznamen seiner Frau. „Wir haben ein bisschen geschummelt, aber Miklamo hätte sich blöd angehört“, lacht Niemann, der auch schon in die Zukunft blick . „Ich mache Schluss, wenn ich in Rente gehe“, sagt der Wirt. Das könne er mit 63, aber so früh soll nicht Schluss sein. „Fünf Jahre will ich noch hinter dem Tresen stehen“, lautet Niemanns Vorstellung. Das Aus für das Mikamo muss das aber nicht bedeuten, wie er verrät. „Es haben schon genug Leute Interesse angemeldet, wenn ich einmal aufhören sollte.“ Und bis dahin heißt es weiter: „Wer nen' Absacker braucht, geht zu Klaus.“ MT-Serie "Licht und Schatten" In der Adventszeit dreht sich fast alles um Licht: Es gibt die vier Kerzen, die die Wochen bis zum Fest zählen, romantisierende Lieder und Gedichte von Lichtlein, die Tannen schmücken, oder von hell erleuchteten Gässchen. Festlich beleuchtete Innenstädte versüßen das Shoppen, selbst die Feuerzangenbowle zu Silvester fasziniert doch vor allem wegen des blau tropfenden Zuckerhuts. Die MT-Dezemberserie schaut noch mal anders auf „Licht und Schatten“ und spürt vielen Themen rundherum nach. Die sind übrigens nicht immer weihnachtlich – aber immer überraschend.