Minden/Lübbecke

Gebühren für Haus- und Biomüll steigen zum 1. Januar 2020

Anja Peper

Minden/Lübbecke (mt). Schlechte Nachrichten für Verbraucher: Die Müllgebühren werden zum 1. Januar 2020 um rund 20 Prozent teurer. Insbesondere sollen die Gebühren für Restmüll von 165 Euro auf 195 Euro steigen und die Gebühren für Biomüll von 80 auf 96 Euro pro Tonne. Der Kreistag behandelt das Thema abschließend in seiner letzten Sitzung des Jahres am Montag, 16. Dezember. Die Gründe für die Erhöhung seien „interne und externe Preissteigerungen“ der Kreis-Abfall-Verwertungs-Gesellschaft (KAVG), hieß es in der Sitzung des Kreis-Betriebsausschusses. Schließlich fiel der Beschluss einstimmig aus.

Eine stabile Papiertüte gilt als beste Lösung für die Biotonne. Dafür wirbt die neue Kampagne „Wir für Bio“. MT- - © Foto: Alex Lehn
Eine stabile Papiertüte gilt als beste Lösung für die Biotonne. Dafür wirbt die neue Kampagne „Wir für Bio“. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Nicht nur die Gebührenerhöhung als solche sorgt für Zähneknirschen, sondern auch das Timing. So schickte Dezernent Lutz Freiberg dem Thema als Einleitung eine „dicke Entschuldigung“ voraus: Eigentlich hätte der Wirtschaftsplan im September stehen sollen. Der Vorlauf ist auch für die Kommunen wichtig: Der Abfallentsorgungsbetrieb des Kreises Minden-Lübbecke (AML) gibt die Kosten an die Städte und Gemeinden weiter. In der Portaner Politik hat das Thema schon für reichlich Unmut gesorgt (Bericht im MT). Dort steht das Thema am Montag erneut auf der Agenda. Auch in Minden war die Gebührenerhöhung schon Thema: „Die Mehrkosten können 2020 noch durch die vorhandene Rücklage aufgefangen werden“, sagte Horst Lehning (Städtische Betriebe Minden) auf MT-Anfrage. Allerdings: „Die Rücklage ist dann endgültig aufgebraucht und für 2021 ist mit einer Gebührenanhebung im Bereich Abfall zu rechnen.“

Einer der Gründe für die Preissteigerung ist unsauberer Biomüll. Die Kreis-Abfall-Verwertungs-Gesellschaft (KAVG) beklagt „anhaltend schlechte Qualität und Störstoffe im Bioabfall“. Dazu zählen auch die angeblich kompostierbaren Plastiktüten, die in Drogerien und Supermärkten verkauft werden. „Viele Leute fallen auf das Marketing rein“, bedauerte Frank Werth (Technische Leitung). Leider zerfallen die eigentlich kompostierbaren Biomüll-Tüten aus Plastik nicht schnell genug.

Dadurch entsteht erhöhter Sortieraufwand und auch die Qualität des zu vermarktenden Biomülls leidet darunter. Umgekehrt ausgedrückt: Sauberer Biomüll bedeutet saubere Komposterde. Das Entsorgungszentrum Pohlsche Heide verarbeitet den Bioabfall aus dem Kreisgebiet zu umweltfreundlicher Bioenergie und zu Dünger und Humus, der hohen Qualitätsanforderungen unterliegt. Darauf zielt die neue Kampagne „Wir für Bio“ ab (siehe Kasten). Die Initiatoren empfehlen eine stabile Papiertüte als Alternative für den Biomüll. Sie soll stabil genug sein für feuchte Abfälle wie Milchprodukte, Kaffeesatz oder Tee.

70 Prozent der anfallenden Kosten machen die zwei großen Ströme – Haus- und Biomüll – aus. Aber es gibt auch noch die gefährlichen Abfälle wie „kohlenteerhaltige Bitumengemische“, die zum Beispiel beim beim Aufbruch und der Sanierung von Straßen entstehen. Solch kritisches Material bedeutet mehr Aufwand, darum sollen auch hier die Kosten um bis zu 20 Prozent angehoben werden. Laut Beschlussvorlage kommt es zu immer mehr Anfragen zur Entsorgung von Abfällen, die außerhalb des Kreises Minden anfallen. Das liege zum einen daran, dass der Bauboom mehr Abfälle dieser Art mit sich bringt. Zum anderen seien die Gebühren auf der Pohlschen Heide vergleichsweise günstig. Andere leistungsfähige Entsorgungsanlagen fehlen oder seien zu weit entfernt. Die Satzungsänderung betrifft auch eine Gebührenerhöhung zum 1. April 2020 für Abfälle, die im Entsorgungszentrum Pohlsche Heide angenommen werden.

Zum Thema Klärschlamm: Die OWL Kooperation wird voraussichtlich im Laufe des Wirtschaftsjahres 2020 eine europaweite Ausschreibung zum Bau einer Klärschlammverbrennungsanlage auf den Weg bringen. Von den Ergebnissen werden auch die künftigen Preise für die Entsorgung abhängen. Für die Übergangszeit gelten noch die Preise aus den Ausschreibungen.

Mehr Infos zum Biomüll: KAVG mbH Minden-Lübbecke (Pohlsche Heide), E-Mail: info@kavg-ml.de, Bioabfall-Hotline: (0571) 64 56 62 77.

Die neue Kampagne: "Wir für Bio"

Kein Plastik in die Biotonne – auch kompostierbare Plastiktüten dürfen nicht hinein. Um die Verbraucher darauf aufmerksam zu machen, hat sich der Kreis der Kampagne „Wir für Bio“ angeschlossen. Es ist die erste gemeinschaftliche Kampagne der Abfallwirtschaft.

Für das Projekt haben sich die Kommunen und die Kreis-Abfall-Verwertungs-Gesellschaft (KAVG) zusammengeschlossen. Ziel dieser Kampagne ist es, die Störstoffe im Bioabfall zu reduzieren. Sauberer Biomüll bedeutet saubere Komposterde und damit eben auch ein Beitrag für den Klimaschutz.

Was die Wirksamkeit betrifft, verweisen die Initiatoren auf die Modellregion Hamburg: Dort habe eine Bioabfall-Analyse bereits Erfolge ermittelt. (mt)

Besorgen und entsorgen

Ein Kommentar von Anja Peper

Wohin mit dem Müll? Das Thema ist nicht besonders sexy. Dass Windeln, Pizzakartons oder tote Hamster im Biomüll nichts verloren haben, hat sich herumgesprochen. Bei den kompostierbaren Abfallbeuteln ist das anders: Sie sind überschätzt von der umweltbewussten Hausfrau, die nicht möchte, dass ihr müffelnde Brühe über die Finger rinnt. Sie geht selbstverständlich davon aus, die praktischen Beutel aus der Drogerie oder dem Supermarkt seien kompostierbar: „Steht so auf der Verpackung.“ Stimmt – klappt aber oft nur in der Theorie. In der Praxis zerfallen die eigentlich kompostierbaren Biomüll-Tüten aus Plastik nicht schnell genug. Darum sagt der heimische Entsorgungsbetrieb KAVG: Bitte nicht verwenden.

Zum Jahreswechsel haben gute Vorsätze Hochsaison. „Mehr fürs Klima tun“, steht bei vielen oben auf der Liste. Vorschlag: Investieren wir ins Thema korrekte Entsorgung genauso viel Zeit und Energie wie in den korrekten Konsum (Stichworte: Plastikfrei, hüllenlos, unverpackt – die aktuellen Dauerbrenner). Die Kombination bringt uns Richtung Öko.

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Minden/LübbeckeGebühren für Haus- und Biomüll steigen zum 1. Januar 2020Anja PeperMinden/Lübbecke (mt). Schlechte Nachrichten für Verbraucher: Die Müllgebühren werden zum 1. Januar 2020 um rund 20 Prozent teurer. Insbesondere sollen die Gebühren für Restmüll von 165 Euro auf 195 Euro steigen und die Gebühren für Biomüll von 80 auf 96 Euro pro Tonne. Der Kreistag behandelt das Thema abschließend in seiner letzten Sitzung des Jahres am Montag, 16. Dezember. Die Gründe für die Erhöhung seien „interne und externe Preissteigerungen“ der Kreis-Abfall-Verwertungs-Gesellschaft (KAVG), hieß es in der Sitzung des Kreis-Betriebsausschusses. Schließlich fiel der Beschluss einstimmig aus. Nicht nur die Gebührenerhöhung als solche sorgt für Zähneknirschen, sondern auch das Timing. So schickte Dezernent Lutz Freiberg dem Thema als Einleitung eine „dicke Entschuldigung“ voraus: Eigentlich hätte der Wirtschaftsplan im September stehen sollen. Der Vorlauf ist auch für die Kommunen wichtig: Der Abfallentsorgungsbetrieb des Kreises Minden-Lübbecke (AML) gibt die Kosten an die Städte und Gemeinden weiter. In der Portaner Politik hat das Thema schon für reichlich Unmut gesorgt (Bericht im MT). Dort steht das Thema am Montag erneut auf der Agenda. Auch in Minden war die Gebührenerhöhung schon Thema: „Die Mehrkosten können 2020 noch durch die vorhandene Rücklage aufgefangen werden“, sagte Horst Lehning (Städtische Betriebe Minden) auf MT-Anfrage. Allerdings: „Die Rücklage ist dann endgültig aufgebraucht und für 2021 ist mit einer Gebührenanhebung im Bereich Abfall zu rechnen.“ Einer der Gründe für die Preissteigerung ist unsauberer Biomüll. Die Kreis-Abfall-Verwertungs-Gesellschaft (KAVG) beklagt „anhaltend schlechte Qualität und Störstoffe im Bioabfall“. Dazu zählen auch die angeblich kompostierbaren Plastiktüten, die in Drogerien und Supermärkten verkauft werden. „Viele Leute fallen auf das Marketing rein“, bedauerte Frank Werth (Technische Leitung). Leider zerfallen die eigentlich kompostierbaren Biomüll-Tüten aus Plastik nicht schnell genug. Dadurch entsteht erhöhter Sortieraufwand und auch die Qualität des zu vermarktenden Biomülls leidet darunter. Umgekehrt ausgedrückt: Sauberer Biomüll bedeutet saubere Komposterde. Das Entsorgungszentrum Pohlsche Heide verarbeitet den Bioabfall aus dem Kreisgebiet zu umweltfreundlicher Bioenergie und zu Dünger und Humus, der hohen Qualitätsanforderungen unterliegt. Darauf zielt die neue Kampagne „Wir für Bio“ ab (siehe Kasten). Die Initiatoren empfehlen eine stabile Papiertüte als Alternative für den Biomüll. Sie soll stabil genug sein für feuchte Abfälle wie Milchprodukte, Kaffeesatz oder Tee. 70 Prozent der anfallenden Kosten machen die zwei großen Ströme – Haus- und Biomüll – aus. Aber es gibt auch noch die gefährlichen Abfälle wie „kohlenteerhaltige Bitumengemische“, die zum Beispiel beim beim Aufbruch und der Sanierung von Straßen entstehen. Solch kritisches Material bedeutet mehr Aufwand, darum sollen auch hier die Kosten um bis zu 20 Prozent angehoben werden. Laut Beschlussvorlage kommt es zu immer mehr Anfragen zur Entsorgung von Abfällen, die außerhalb des Kreises Minden anfallen. Das liege zum einen daran, dass der Bauboom mehr Abfälle dieser Art mit sich bringt. Zum anderen seien die Gebühren auf der Pohlschen Heide vergleichsweise günstig. Andere leistungsfähige Entsorgungsanlagen fehlen oder seien zu weit entfernt. Die Satzungsänderung betrifft auch eine Gebührenerhöhung zum 1. April 2020 für Abfälle, die im Entsorgungszentrum Pohlsche Heide angenommen werden. Zum Thema Klärschlamm: Die OWL Kooperation wird voraussichtlich im Laufe des Wirtschaftsjahres 2020 eine europaweite Ausschreibung zum Bau einer Klärschlammverbrennungsanlage auf den Weg bringen. Von den Ergebnissen werden auch die künftigen Preise für die Entsorgung abhängen. Für die Übergangszeit gelten noch die Preise aus den Ausschreibungen. Mehr Infos zum Biomüll: KAVG mbH Minden-Lübbecke (Pohlsche Heide), E-Mail: info@kavg-ml.de, Bioabfall-Hotline: (0571) 64 56 62 77. Die neue Kampagne: "Wir für Bio" Kein Plastik in die Biotonne – auch kompostierbare Plastiktüten dürfen nicht hinein. Um die Verbraucher darauf aufmerksam zu machen, hat sich der Kreis der Kampagne „Wir für Bio“ angeschlossen. Es ist die erste gemeinschaftliche Kampagne der Abfallwirtschaft. Für das Projekt haben sich die Kommunen und die Kreis-Abfall-Verwertungs-Gesellschaft (KAVG) zusammengeschlossen. Ziel dieser Kampagne ist es, die Störstoffe im Bioabfall zu reduzieren. Sauberer Biomüll bedeutet saubere Komposterde und damit eben auch ein Beitrag für den Klimaschutz. Was die Wirksamkeit betrifft, verweisen die Initiatoren auf die Modellregion Hamburg: Dort habe eine Bioabfall-Analyse bereits Erfolge ermittelt. (mt) Besorgen und entsorgen Ein Kommentar von Anja Peper Wohin mit dem Müll? Das Thema ist nicht besonders sexy. Dass Windeln, Pizzakartons oder tote Hamster im Biomüll nichts verloren haben, hat sich herumgesprochen. Bei den kompostierbaren Abfallbeuteln ist das anders: Sie sind überschätzt von der umweltbewussten Hausfrau, die nicht möchte, dass ihr müffelnde Brühe über die Finger rinnt. Sie geht selbstverständlich davon aus, die praktischen Beutel aus der Drogerie oder dem Supermarkt seien kompostierbar: „Steht so auf der Verpackung.“ Stimmt – klappt aber oft nur in der Theorie. In der Praxis zerfallen die eigentlich kompostierbaren Biomüll-Tüten aus Plastik nicht schnell genug. Darum sagt der heimische Entsorgungsbetrieb KAVG: Bitte nicht verwenden. Zum Jahreswechsel haben gute Vorsätze Hochsaison. „Mehr fürs Klima tun“, steht bei vielen oben auf der Liste. Vorschlag: Investieren wir ins Thema korrekte Entsorgung genauso viel Zeit und Energie wie in den korrekten Konsum (Stichworte: Plastikfrei, hüllenlos, unverpackt – die aktuellen Dauerbrenner). Die Kombination bringt uns Richtung Öko.