Unfallopfer in Leteln wartet weiter auf Fußgängerampel Nadine Conti Minden (mt). An der Unfall selbst hat sie kaum Erinnerungen. Sie weiß noch, dass es ein heißer Sommertag war, sie war mit einem Helfer nur kurz rüber in den Penny-Supermarkt auf der anderen Seite der Lahder Straße gegangen, um etwas für den Salat einzukaufen, den sie machen wollte. Sie waren schon auf dem Rückweg und hatten die Straße fast vollständig überquert, als der Wagen sie von rechts erfasste. Den Rest kennt sie nur aus den Berichten anderer. Yvonne Hoffmann prallte auf Motorhaube und Windschutzscheibe und wurde dann auf die Straße geschleudert. Sie überlebte mit Glück, lag zwei Wochen im Krankenhaus. An den Folgen laboriert sie bis heute herum. Ihr Helfer wurde leicht verletzt und macht sich bis heute Vorwürfe – obwohl die Polizei relativ schnell überzeugt war, dass ihn keine Schuld trifft. Einige Unfallzeugen sagten, es sei ihnen ein Rätsel, warum die Fahrerin des PKW die beiden Fußgänger nicht gesehen habe. Die Strecke ist gerade und gut einzusehen, da sind keine Hecken, Kurven oder Bauten, die etwas verdeckt hätten. Es gibt Mutmaßungen, ob die junge Frau abgelenkt oder selbst gesundheitlich eingeschränkt gewesen sei. Zusammen mit ihrem Vater hat sie sofort Kontakt aufgenommen und versucht, sich zu entschuldigen. Yvonne Hoffmann zuckt die Achseln: „Das tut mir natürlich auch leid für das Mädel, aber auf Schmerzensgeld musste ich trotzdem klagen. Ich muss ja auch sehen, wo ich bleibe.“ Vor dem Unfall hat die 44-Jährige noch gearbeitet – als Tastuntersucherin in der Brustkrebsvorsorge, davor auch mal als Kellnerin beim „Dinner in the dark“, ursprünglich hat sie Klavierstimmerin gelernt. Sie ist ein positiver, optimistischer Mensch, sucht immer nach neuen Möglichkeiten. Das Haus an der Lahder Straße hatte sie damals gekauft, weil es so günstig gelegen war – nicht weit vom Supermarkt, nicht weit von der nächsten Bushaltestelle und auch zum Bahnhof kommt man von hier aus gut, was für sie wichtig war, weil sie beruflich noch oft nach Ostdeutschland musste. Jetzt bezieht sie eine Erwerbsunfähigkeitsrente, auch aber nicht nur aufgrund der Unfallfolgen, die sich bei ihr einfügen in eine ohnehin verwickelte Krankheitsgeschichte. Was sie dabei besonders ärgert: Schon zweimal hat sie bei der Stadt beantragt, dass hier eine Ampel hinkommt. Und damit ist sie nicht die einzige. „Der SPD Ortsverein fordert das schon seit dem Jahr 2000“, weiß der Ortsvorsteher Heinrich Weihe (SPD). Er selbst hat das Thema nachweislich seit 2014 immer wieder angesprochen, zum Beispiel in den regelmäßigen Verkehrsbesprechungen, die Stadt, Städtische Betriebe, Polizei und Kreis gemeinsam abhalten. Immer und immer wieder sind diese Anträge abgelehnt worden, obwohl der Bedarf offensichtlich erscheint: Auf der einen Seite befinden sich Supermarkt, Bäcker und Apotheke sowie die Bushaltestelle für die Fahrtrichtung stadteinwärts. Auf der anderen Seite die Stichstraße zum Sportplatz, Volksbank und weitere Läden, sowie die Haltestelle, an der mittags und nachmittags zahlreiche Schulkinder aussteigen. Wo, wenn nicht hier sollte ein sicherer Überweg denn sinnvoll sein? Nun ja, sagten die Fachleute lange Zeit. So heftig sei der Verkehr außerhalb der Stoßzeiten ja aber nicht. Die Strecke gilt auch nicht als Unfallschwerpunkt. Und die Ziele auf den beiden Seiten der Straße seien so weit gestreut, dass die Menschen dann erfahrungsgemäß ohnehin immer auf dem kürzesten Weg über die Straße eilen würden, statt den Überweg zu nehmen. Außerdem sei es schwierig, einen Platz für den Fußgängerüberweg zu finden, weil die meisten Abschnitte durch Ein- und Ausfahrten oder Busbuchten blockiert seien. Im Herbst 2016 gab es dann aber plötzlich einen Sinneswandel – ob aufgrund des hartnäckigen Drängens aus dem Ort, ist in den Unterlagen nicht vermerkt. Ein Überweg wird beschlossen, es soll ein Planungsauftrag erteilt und die Kosten in den Haushalt 2018 eingestellt werden. Doch es passiert erst einmal nichts. „Ich vermute, dass ist aufgrund von anderen Vorhaben dann irgendwie wieder ins Hintertreffen geraten“, sagt Weihe. Im Sommer 2018, Ende Juli, geschieht der schwere Unfall. Und die Stadt sagt: „Die Ampel ist bereits geplant. Sie wird 2019 gebaut.“ Nun ist das Jahr 2019 fast vorbei, aber auf die Ampel wartet Yvonne Hoffmann immer noch. „Da die Stadt Minden viele Anträge zu Verbesserungen an den Mindener Straßen erhält und die finanziellen Mittel begrenzt sind, erfolgt die Umsetzung beschlossener Maßnehmen oft erst mit zeitlicher Verzögerung. Die Ausschreibung für diese Maßnahme ist erfolgt. Der Bau der Anlage ist geplant zwischen März und Juni 2020“, heißt es jetzt auf MT-Anfrage aus der Pressestelle der Stadt. Yvonne Hoffmann wird weiter warten.

Unfallopfer in Leteln wartet weiter auf Fußgängerampel

© Alex Lehn

Minden (mt). An der Unfall selbst hat sie kaum Erinnerungen. Sie weiß noch, dass es ein heißer Sommertag war, sie war mit einem Helfer nur kurz rüber in den Penny-Supermarkt auf der anderen Seite der Lahder Straße gegangen, um etwas für den Salat einzukaufen, den sie machen wollte. Sie waren schon auf dem Rückweg und hatten die Straße fast vollständig überquert, als der Wagen sie von rechts erfasste. Den Rest kennt sie nur aus den Berichten anderer.

Yvonne Hoffmann prallte auf Motorhaube und Windschutzscheibe und wurde dann auf die Straße geschleudert. Sie überlebte mit Glück, lag zwei Wochen im Krankenhaus. An den Folgen laboriert sie bis heute herum. Ihr Helfer wurde leicht verletzt und macht sich bis heute Vorwürfe – obwohl die Polizei relativ schnell überzeugt war, dass ihn keine Schuld trifft.

Einige Unfallzeugen sagten, es sei ihnen ein Rätsel, warum die Fahrerin des PKW die beiden Fußgänger nicht gesehen habe. Die Strecke ist gerade und gut einzusehen, da sind keine Hecken, Kurven oder Bauten, die etwas verdeckt hätten. Es gibt Mutmaßungen, ob die junge Frau abgelenkt oder selbst gesundheitlich eingeschränkt gewesen sei. Zusammen mit ihrem Vater hat sie sofort Kontakt aufgenommen und versucht, sich zu entschuldigen. Yvonne Hoffmann zuckt die Achseln: „Das tut mir natürlich auch leid für das Mädel, aber auf Schmerzensgeld musste ich trotzdem klagen. Ich muss ja auch sehen, wo ich bleibe.“

Vor dem Unfall hat die 44-Jährige noch gearbeitet – als Tastuntersucherin in der Brustkrebsvorsorge, davor auch mal als Kellnerin beim „Dinner in the dark“, ursprünglich hat sie Klavierstimmerin gelernt. Sie ist ein positiver, optimistischer Mensch, sucht immer nach neuen Möglichkeiten.

Das Haus an der Lahder Straße hatte sie damals gekauft, weil es so günstig gelegen war – nicht weit vom Supermarkt, nicht weit von der nächsten Bushaltestelle und auch zum Bahnhof kommt man von hier aus gut, was für sie wichtig war, weil sie beruflich noch oft nach Ostdeutschland musste.

Jetzt bezieht sie eine Erwerbsunfähigkeitsrente, auch aber nicht nur aufgrund der Unfallfolgen, die sich bei ihr einfügen in eine ohnehin verwickelte Krankheitsgeschichte.

Was sie dabei besonders ärgert: Schon zweimal hat sie bei der Stadt beantragt, dass hier eine Ampel hinkommt. Und damit ist sie nicht die einzige. „Der SPD Ortsverein fordert das schon seit dem Jahr 2000“, weiß der Ortsvorsteher Heinrich Weihe (SPD). Er selbst hat das Thema nachweislich seit 2014 immer wieder angesprochen, zum Beispiel in den regelmäßigen Verkehrsbesprechungen, die Stadt, Städtische Betriebe, Polizei und Kreis gemeinsam abhalten.

Immer und immer wieder sind diese Anträge abgelehnt worden, obwohl der Bedarf offensichtlich erscheint: Auf der einen Seite befinden sich Supermarkt, Bäcker und Apotheke sowie die Bushaltestelle für die Fahrtrichtung stadteinwärts. Auf der anderen Seite die Stichstraße zum Sportplatz, Volksbank und weitere Läden, sowie die Haltestelle, an der mittags und nachmittags zahlreiche Schulkinder aussteigen. Wo, wenn nicht hier sollte ein sicherer Überweg denn sinnvoll sein?

Nun ja, sagten die Fachleute lange Zeit. So heftig sei der Verkehr außerhalb der Stoßzeiten ja aber nicht. Die Strecke gilt auch nicht als Unfallschwerpunkt. Und die Ziele auf den beiden Seiten der Straße seien so weit gestreut, dass die Menschen dann erfahrungsgemäß ohnehin immer auf dem kürzesten Weg über die Straße eilen würden, statt den Überweg zu nehmen. Außerdem sei es schwierig, einen Platz für den Fußgängerüberweg zu finden, weil die meisten Abschnitte durch Ein- und Ausfahrten oder Busbuchten blockiert seien.

Im Herbst 2016 gab es dann aber plötzlich einen Sinneswandel – ob aufgrund des hartnäckigen Drängens aus dem Ort, ist in den Unterlagen nicht vermerkt. Ein Überweg wird beschlossen, es soll ein Planungsauftrag erteilt und die Kosten in den Haushalt 2018 eingestellt werden. Doch es passiert erst einmal nichts. „Ich vermute, dass ist aufgrund von anderen Vorhaben dann irgendwie wieder ins Hintertreffen geraten“, sagt Weihe.

Im Sommer 2018, Ende Juli, geschieht der schwere Unfall. Und die Stadt sagt: „Die Ampel ist bereits geplant. Sie wird 2019 gebaut.“ Nun ist das Jahr 2019 fast vorbei, aber auf die Ampel wartet Yvonne Hoffmann immer noch.

„Da die Stadt Minden viele Anträge zu Verbesserungen an den Mindener Straßen erhält und die finanziellen Mittel begrenzt sind, erfolgt die Umsetzung beschlossener Maßnehmen oft erst mit zeitlicher Verzögerung. Die Ausschreibung für diese Maßnahme ist erfolgt. Der Bau der Anlage ist geplant zwischen März und Juni 2020“, heißt es jetzt auf MT-Anfrage aus der Pressestelle der Stadt. Yvonne Hoffmann wird weiter warten.

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