Standpunkt zur Hallendebatte: Einfach mal losgehen

Henning Wandel

Demokratie lebt von der Debatte. Das ist selbstverständlich eine Binse – und muss hier doch einmal vorweggestellt werden, damit am Ende nicht noch ein falscher Eindruck entsteht. So wie der Antrag auf „Ende der Debatte" am Donnerstag im Rat, der fast schon reflexhaft einen Stadtverordneten empörte. Und doch gibt es auch in der Demokratie immer wieder Momente, in denen Stille die bessere Wahl ist. Wenn alles gesagt ist, um nur ein Beispiel zu nennen. Aber auch, wenn offenbar niemand mehr etwas Neues sagen kann.

- © Alex Lehn
(© Alex Lehn)

Das gilt im Moment fast schon exemplarisch für die beiden untrennbaren Hallen Kampa und Multi. Da wird über Jahre mehr oder weniger zielgerichtet gestritten, ohne dass etwas Greifbares herauskommt. Ein ewiges Hin und Her. Jetzt liegt endlich etwas auf dem Tisch, das eine Basis für konkrete Schritte sein könnte: das Mindener Bekenntnis zu einer finanziellen Beteiligung ebenso wie Pläne für einen womöglich sogar wirtschaftlichen Betrieb. Und es gibt sogar eine Idee, die Kampa-Halle doch noch am Netz zu halten.

Es wäre ein guter Moment, jetzt erstmal alle Beteiligten damit in Klausur gehen zu lassen – zum Rechnen, Prüfen und Denken. Stattdessen wird munter weiter filibustert, bis irgendwer mit zwei erhobenen Händen das „Ende der Debatte" fordert. In diesem Zusammenhang wirkt die parlamentarische Geste sogar ein klein wenig hilflos.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: reden hilft. Fast immer. Aber irgendwann gibt es auch diesen Moment, an dem man sich entscheiden muss. Dabei geht es noch gar nicht darum, sofort Abriss und Neubau zu beschließen. Es geht darum, sich jetzt – endlich – auf den Weg zu machen. Natürlich gibt es offene Fragen. Viele sogar. Und sie alle müssen diskutiert und beantwortet werden, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Aber eben nicht alle jetzt sofort.

„Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt", hat Laotse gesagt. Hätte man ihn schon auf der Türschwelle mit 10.000 Fragen über diese Reise gelöchert, wäre er vermutlich resigniert zuhause geblieben. Und das ist sicher die schlechteste aller Lösungen.

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Standpunkt zur Hallendebatte: Einfach mal losgehenHenning WandelDemokratie lebt von der Debatte. Das ist selbstverständlich eine Binse – und muss hier doch einmal vorweggestellt werden, damit am Ende nicht noch ein falscher Eindruck entsteht. So wie der Antrag auf „Ende der Debatte" am Donnerstag im Rat, der fast schon reflexhaft einen Stadtverordneten empörte. Und doch gibt es auch in der Demokratie immer wieder Momente, in denen Stille die bessere Wahl ist. Wenn alles gesagt ist, um nur ein Beispiel zu nennen. Aber auch, wenn offenbar niemand mehr etwas Neues sagen kann. Das gilt im Moment fast schon exemplarisch für die beiden untrennbaren Hallen Kampa und Multi. Da wird über Jahre mehr oder weniger zielgerichtet gestritten, ohne dass etwas Greifbares herauskommt. Ein ewiges Hin und Her. Jetzt liegt endlich etwas auf dem Tisch, das eine Basis für konkrete Schritte sein könnte: das Mindener Bekenntnis zu einer finanziellen Beteiligung ebenso wie Pläne für einen womöglich sogar wirtschaftlichen Betrieb. Und es gibt sogar eine Idee, die Kampa-Halle doch noch am Netz zu halten. Es wäre ein guter Moment, jetzt erstmal alle Beteiligten damit in Klausur gehen zu lassen – zum Rechnen, Prüfen und Denken. Stattdessen wird munter weiter filibustert, bis irgendwer mit zwei erhobenen Händen das „Ende der Debatte" fordert. In diesem Zusammenhang wirkt die parlamentarische Geste sogar ein klein wenig hilflos. Um es noch einmal deutlich zu sagen: reden hilft. Fast immer. Aber irgendwann gibt es auch diesen Moment, an dem man sich entscheiden muss. Dabei geht es noch gar nicht darum, sofort Abriss und Neubau zu beschließen. Es geht darum, sich jetzt – endlich – auf den Weg zu machen. Natürlich gibt es offene Fragen. Viele sogar. Und sie alle müssen diskutiert und beantwortet werden, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Aber eben nicht alle jetzt sofort. „Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt", hat Laotse gesagt. Hätte man ihn schon auf der Türschwelle mit 10.000 Fragen über diese Reise gelöchert, wäre er vermutlich resigniert zuhause geblieben. Und das ist sicher die schlechteste aller Lösungen.