Minden

Sondersitzung im Kreistag: Mutmacher für die Multihalle

Henning Wandel

Ungewohntes Terrain: Günther Klatt steht am Pult und erläuert dem Kreistag die Pläne für die Multihalle. MT- - © Foto: Monika Jäger
Ungewohntes Terrain: Günther Klatt steht am Pult und erläuert dem Kreistag die Pläne für die Multihalle. MT- (© Foto: Monika Jäger)

Minden (mt). Mut und Zukunft – das sind die beiden häufigsten Vokabeln bei der Präsentation der Pläne für eine Multifunktionsarena in Minden. Melitta-Gesellschafter Jero Bentz spricht vor dem Kreistag von einer „Riesenchance" nicht nur für Minden: „Wir denken nicht in Kategorien wie Stadt und Kreis", sagt er. Es gehe um die Region als Ganzes. Bentz betont mehrfach, dass viel Herzblut und Leidenschaft in diesem Projekt steckten.

Auch Mindens Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) wirbt bei der Kreispolitik ungewohnt deutlich für den Bau der Halle. Mit dem Grundsatzbeschluss des Rates im Rücken sagt er Sätze wie: „Gute Zukunft gibt es nicht umsonst." Gleichzeitig malt er eine düstere Alternative: „Wir können uns auch auf die Pflichtaufgaben beschränken und die Region nur noch verwalten."

Die Reden hinterlassen im Plenum offensichtlich Eindruck, vor allem die Präsentation der Pläne für die neue Halle. Günther Klatt, Leiter des Gruppenstrategie bei Melitta, erklärt nicht nur den Prozess und das Ergebnis, er zeigt auch mögliche Alternativen – nur, um sie anschließend wieder zu verwerfen. Neben vielen Zahlen, die bisher nur Annahmen sind, werden einzelne Aspekte auch sehr konkret. Zum Beispiel die temporäre Halle als Übergangslösung für die Bauzeit: Hier habe die Firma Schäferbarthold angeboten, sich mit einer Fläche im Umfeld des Porta-Marktes zu beteiligen, so Klatt. Der Autoteilehändler würde den Bau im Anschluss übernehmen und für das Unternehmen weiternutzen.

Gegenüber dem MT bestätigt Dr. Christian Schäferbarthold diese Variante. Die Idee sei erst Anfang November entstanden und daher noch in einem sehr frühen Stadium, Gespräche unter anderem mit GWD-Manager Markus Kalusche habe es aber schon gegeben. Schäferbarthold ist davon überzeugt, dass alle Beteiligten von dieser Lösung profitieren könnten. Eine Halle zu bauen und nach wenigen Jahren wieder abzureißen, halte er für Unsinn. Eine Nutzung im Anschluss sei für seine Firma aber realistisch. Etwa alle zehn Jahre erweitere das Unternehmen die Kapazitäten, die letzte Halle sei vor einem Jahr in Betrieb genommen worden. „Daran können wir eine weitere Halle anschließen", sagt Christian Schäferbarthold.

Die Fläche dafür sei vorhanden und auch die Parkplätze und Lkw-Stellplätze könnten genutzt werden, sofern sie nicht für den Betrieb benötigt würden. An den Wochenenden wären sie demnach frei. Bisher zählt der Autoteilehändler nicht zu den GWD-Sponsoren. Es sei aber wichtig, dass „der Spielbetrieb flüssig und gut weiterlaufen kann", sagt der Gesellschafter. Dafür nimmt er auch das Risiko in Kauf, schon jetzt eine Halle zu planen, die erst in zehn Jahren benötigt wird.

Zurück in den Kreistag: Dort gibt es viel Lob für die Präsentation. Die Kreispolitik habe auf etwas Belastbares gewartet, um sich weiter mit dem Thema befassen zu können, sagt SPD-Fraktionschefin Birgit Härtel: „Das haben wir jetzt." Ihr Pendant von der CDU, Detlev Beckschewe, spricht von einer „Mut machenden Präsentation". Auch der Espelkamper betont, den Kreis als Ganzes betrachten zu müssen: „Wenn es Minden gut geht, geht es auch dem Kreis gut." Der Kreistag müsse sich jetzt „schnellstmöglich auf den Weg zu einer Entscheidung" machen. Kurt Riechmann von den Freien Wählern bezeichnet die Präsentation als „Schlüsselvorstellung", kritisiert aber gleichzeitig, dass die kleinen Fraktionen nicht ausreichend in den Prozess eingebunden gewesen seien.

Auch aus Sicht der Grünen ist es wichtig, junge Menschen für den Kreis zu begeistern, wie Siegfried Gutsche sagt. Er erinnert aber auch an weitere absehbare finanzielle Belastungen für den Kreis, etwa den geplanten Klinikneubau in Bad Qeynhausen. Für die FDP forderte Hans-Eckhard Meyer einen tieferen Einblick in das Betreiberkonzept. Bisher könne sich seine Fraktion noch nicht klar positionieren.

Insgesamt zeigte sich die Politik aufgeschlossen für das Projekt Multihalle. Wahrscheinlich, weil Jero Bentz und Günther Klatt den Bau auch als deutliche finanzielle Entlastung präsentierten. Bis zu 30 Millionen Euro könne der Kreis in den kommenden 30 Jahren sparen, wenn die Kampahalle abgerissen und durch ein neues Schulzentrum ersetzt würde, so Klatt. Die 14,5 Millionen Euro für die Multihalle sind da schon eingerechnet – „vielleicht wird es ja auch noch ein kleiner Schnaps mehr." Birgit Härtel (SPD) sprach davon, dass es am Ende auch 14,3 oder 14,7 Millionen sein könnten.

Eine große offene Frage gibt es dann aber doch: das Defizit der Kampa-Halle: Liegt es bei etwa 650.000 Euro, wie der Kreis andeutet, oder doch eher bei bis zu 1,5 Millionen, die kaum widersprochen kursieren? Hier kann sich Jero Bentz eine kleine Spitze nicht verkneifen: „Sie beschließen doch alle hier jedes Jahr den Haushalt. Da würde ich erwarten, dass man genau weiß: Was hat die Kampa-Halle in den letzten zehn Jahren an Defizit verursacht?"

Und wo war Minden?

Ein Kommentar von Monika Jäger

In diesen Wochen ist viel von Signalen für eine Multifunktionshalle die Rede. Sie sollen von der Wirtschaft kommen, aus der Politik von Stadt und Kreis, von Verwaltungsspitzen. Tatsächlich sind die ersten zu hören. Doch wenn in spätestens sechs Jahren tatsächlich das erste GWD-Spiel in neuer Arena angepfiffen werden soll, wird es Zeit, die auch am Montagabend wieder von Bürgermeister Michael Jäcke in warmen Worten beschworene Gemeinsamkeit und Zukunftsorientierung schnellstens ernsthaft mit Leben zu füllen.

Die Mindener Politikerinnen und Politiker hätten die öffentliche Sondersitzung des Kreistages nutzen können, um zu zeigen, dass sie ihre dort aktiven Kollegen respektieren, dass sie ernsthaft das Gespräch suchen. Dass sie sich für deren Meinungen und Sorgen interessieren und sich gemeinsam engagieren wollen. Allerdings war die Zahl der politischen Gäste aus Minden eher gering. Chance vertan. Schade drum.

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Günther Klatt, Leiter des Gruppenstrategie bei Melitta, erklärt nicht nur den Prozess und das Ergebnis, er zeigt auch mögliche Alternativen – nur, um sie anschließend wieder zu verwerfen. Neben vielen Zahlen, die bisher nur Annahmen sind, werden einzelne Aspekte auch sehr konkret. Zum Beispiel die temporäre Halle als Übergangslösung für die Bauzeit: Hier habe die Firma Schäferbarthold angeboten, sich mit einer Fläche im Umfeld des Porta-Marktes zu beteiligen, so Klatt. Der Autoteilehändler würde den Bau im Anschluss übernehmen und für das Unternehmen weiternutzen. Gegenüber dem MT bestätigt Dr. Christian Schäferbarthold diese Variante. Die Idee sei erst Anfang November entstanden und daher noch in einem sehr frühen Stadium, Gespräche unter anderem mit GWD-Manager Markus Kalusche habe es aber schon gegeben. Schäferbarthold ist davon überzeugt, dass alle Beteiligten von dieser Lösung profitieren könnten. Eine Halle zu bauen und nach wenigen Jahren wieder abzureißen, halte er für Unsinn. Eine Nutzung im Anschluss sei für seine Firma aber realistisch. Etwa alle zehn Jahre erweitere das Unternehmen die Kapazitäten, die letzte Halle sei vor einem Jahr in Betrieb genommen worden. „Daran können wir eine weitere Halle anschließen", sagt Christian Schäferbarthold. Die Fläche dafür sei vorhanden und auch die Parkplätze und Lkw-Stellplätze könnten genutzt werden, sofern sie nicht für den Betrieb benötigt würden. An den Wochenenden wären sie demnach frei. Bisher zählt der Autoteilehändler nicht zu den GWD-Sponsoren. Es sei aber wichtig, dass „der Spielbetrieb flüssig und gut weiterlaufen kann", sagt der Gesellschafter. Dafür nimmt er auch das Risiko in Kauf, schon jetzt eine Halle zu planen, die erst in zehn Jahren benötigt wird. Zurück in den Kreistag: Dort gibt es viel Lob für die Präsentation. Die Kreispolitik habe auf etwas Belastbares gewartet, um sich weiter mit dem Thema befassen zu können, sagt SPD-Fraktionschefin Birgit Härtel: „Das haben wir jetzt." Ihr Pendant von der CDU, Detlev Beckschewe, spricht von einer „Mut machenden Präsentation". Auch der Espelkamper betont, den Kreis als Ganzes betrachten zu müssen: „Wenn es Minden gut geht, geht es auch dem Kreis gut." Der Kreistag müsse sich jetzt „schnellstmöglich auf den Weg zu einer Entscheidung" machen. Kurt Riechmann von den Freien Wählern bezeichnet die Präsentation als „Schlüsselvorstellung", kritisiert aber gleichzeitig, dass die kleinen Fraktionen nicht ausreichend in den Prozess eingebunden gewesen seien. Auch aus Sicht der Grünen ist es wichtig, junge Menschen für den Kreis zu begeistern, wie Siegfried Gutsche sagt. Er erinnert aber auch an weitere absehbare finanzielle Belastungen für den Kreis, etwa den geplanten Klinikneubau in Bad Qeynhausen. Für die FDP forderte Hans-Eckhard Meyer einen tieferen Einblick in das Betreiberkonzept. Bisher könne sich seine Fraktion noch nicht klar positionieren. Insgesamt zeigte sich die Politik aufgeschlossen für das Projekt Multihalle. Wahrscheinlich, weil Jero Bentz und Günther Klatt den Bau auch als deutliche finanzielle Entlastung präsentierten. Bis zu 30 Millionen Euro könne der Kreis in den kommenden 30 Jahren sparen, wenn die Kampahalle abgerissen und durch ein neues Schulzentrum ersetzt würde, so Klatt. Die 14,5 Millionen Euro für die Multihalle sind da schon eingerechnet – „vielleicht wird es ja auch noch ein kleiner Schnaps mehr." Birgit Härtel (SPD) sprach davon, dass es am Ende auch 14,3 oder 14,7 Millionen sein könnten. Eine große offene Frage gibt es dann aber doch: das Defizit der Kampa-Halle: Liegt es bei etwa 650.000 Euro, wie der Kreis andeutet, oder doch eher bei bis zu 1,5 Millionen, die kaum widersprochen kursieren? Hier kann sich Jero Bentz eine kleine Spitze nicht verkneifen: „Sie beschließen doch alle hier jedes Jahr den Haushalt. Da würde ich erwarten, dass man genau weiß: Was hat die Kampa-Halle in den letzten zehn Jahren an Defizit verursacht?" Und wo war Minden? Ein Kommentar von Monika Jäger In diesen Wochen ist viel von Signalen für eine Multifunktionshalle die Rede. Sie sollen von der Wirtschaft kommen, aus der Politik von Stadt und Kreis, von Verwaltungsspitzen. Tatsächlich sind die ersten zu hören. Doch wenn in spätestens sechs Jahren tatsächlich das erste GWD-Spiel in neuer Arena angepfiffen werden soll, wird es Zeit, die auch am Montagabend wieder von Bürgermeister Michael Jäcke in warmen Worten beschworene Gemeinsamkeit und Zukunftsorientierung schnellstens ernsthaft mit Leben zu füllen. Die Mindener Politikerinnen und Politiker hätten die öffentliche Sondersitzung des Kreistages nutzen können, um zu zeigen, dass sie ihre dort aktiven Kollegen respektieren, dass sie ernsthaft das Gespräch suchen. Dass sie sich für deren Meinungen und Sorgen interessieren und sich gemeinsam engagieren wollen. Allerdings war die Zahl der politischen Gäste aus Minden eher gering. Chance vertan. Schade drum.