Minden

Vor den Toten verneigt - Gedenken an Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft

Jürgen Langenkämper

Zentrale Feierstunde: Zum Gedenken an die in den Weltkriegen Gefallenen und an die Opfer von Gewaltherrschaft legten der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Bundeswehr und die Royal British Legion am Hochkreuz auf dem Nordfriedhof Kränze nieder. MT-Fotos: Langenkämper
Zentrale Feierstunde: Zum Gedenken an die in den Weltkriegen Gefallenen und an die Opfer von Gewaltherrschaft legten der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Bundeswehr und die Royal British Legion am Hochkreuz auf dem Nordfriedhof Kränze nieder. MT-Fotos: Langenkämper

Minden (mt). Der Toten beider Weltkriege und der Opfer von Gewaltherrschaft haben die Bürger in Stadt und Kreis am Sonntag gedacht. Hermann Kleinebenne vom Kreisvorstand des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge bezog in seiner Begrüßung bei der zentralen Veranstaltung auf dem Nordfriedhof auch jene acht Millionen Menschen verschiedener Nationen mit ein, die sich bei Ende des Zweiten Weltkrieges als verschleppte Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene in Deutschland aufhielten und oft erst nach Jahren in ihre Heimat zurückkehren konnten.

Pfarrer Dieter Maletz warf in seiner Gedenkrede die Frage auf, ob das Totengedenken zum Volkstrauertag angesichts des zeitlichen Abstandes zu beiden Weltkriegen ein „Relikt aus dem vorigen Jahrhundert“ oder gar „Erinnerungsfolklore“ sei. Nicht nur der Hinweis auf anhaltende Konflikte in anderen Teilen der Welt ließ die beständige Mahnung zum Frieden und die Erinnerung an die Opfer dringender denn je erscheinen. „Der Verlust bleibt lebenslänglich“, sagte der Theologe, der erst vor Kurzem in den Kirchenkreis Minden kam, über den Schmerz der Hinterbliebenen. „Großenteils haben Frauen ihn getragen.“

Viele Trauergäste leisteten wie in den Vorjahren der Bitte zum Gedenken an die in Minden verstorbenen Zwangsarbeiter Folge.
Viele Trauergäste leisteten wie in den Vorjahren der Bitte zum Gedenken an die in Minden verstorbenen Zwangsarbeiter Folge.

Die Sehnsucht nach Frieden trat auch aus den Beiträgen von Schülern des Ratsgymnasiums deutlich zu Tage. Nathalie Rau, Mauritz Siekmann, Derwisch Seydo, Melissa Urban und Chiara Miraldo trugen dazu Texte vor, die sie im Geschichtsleistungskurs von Matthias Oder selbst ausgewählt hatten. Der angehende Abiturient Derwish Seydo erwähnte dabei, dass er selbst vor Krieg aus seinem Heimatland geflohen sei.

Stellvertretender Bürgermeister Harald Steinmetz verlas in der vom Chor der Neuapostolischen Gemeinde begleiteten Feierstunde in der Kapelle des Nordfriedhofs die Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zum Volkstrauertag. Im Bundestag hatte das Staatsoberhaupt auf die Verantwortung der Deutschen für den „Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt“ hingewiesen und seiner „Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern“ Ausdruck verliehen.

Unter Begleitung von schottischen Dudelsackklängen ging es hinter den Fahnen der Royal British Legion und der Marinekameradschaft von der Kapelle zum Hochkreuz, wo Landrat Dr. Ralf Niermann, Harald Steinmetz, Hermann Kleinebenne, Oberstleutnant Björn Krap von den Mindener Pionieren und James Boile Kränze niederlegten und sich vor den Toten verneigten. Jan Hendrik Rathert spielte zum Abschluss der offiziellen Zeremonie auf der Trompete „Ich hatt’ einen Kameraden“.

Im Anschluss lud Pfarrer Erhard Wichmann alle zum Gedenken für die während des Krieges in Minden ums Leben gekommenen Zwangsarbeiter ein, was die Mehrzahl der Gäste auch gern taten. Pfadfinder des VCP-Stammes Abraham Jacobi hatten kleine Gestecke gebunden, die auf den vor einiger Zeit gereinigten und hergerichteten Grabsteinen niedergelegt werden sollten. Der Leiter der Pfadfinder, Uwe Heimburg, bat die Teilnehmer, dabei auch einmal den Namen der Verstorbenen auszusprechen.

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MindenVor den Toten verneigt - Gedenken an Opfer von Krieg und GewaltherrschaftJürgen LangenkämperMinden (mt). Der Toten beider Weltkriege und der Opfer von Gewaltherrschaft haben die Bürger in Stadt und Kreis am Sonntag gedacht. Hermann Kleinebenne vom Kreisvorstand des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge bezog in seiner Begrüßung bei der zentralen Veranstaltung auf dem Nordfriedhof auch jene acht Millionen Menschen verschiedener Nationen mit ein, die sich bei Ende des Zweiten Weltkrieges als verschleppte Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene in Deutschland aufhielten und oft erst nach Jahren in ihre Heimat zurückkehren konnten. Pfarrer Dieter Maletz warf in seiner Gedenkrede die Frage auf, ob das Totengedenken zum Volkstrauertag angesichts des zeitlichen Abstandes zu beiden Weltkriegen ein „Relikt aus dem vorigen Jahrhundert“ oder gar „Erinnerungsfolklore“ sei. Nicht nur der Hinweis auf anhaltende Konflikte in anderen Teilen der Welt ließ die beständige Mahnung zum Frieden und die Erinnerung an die Opfer dringender denn je erscheinen. „Der Verlust bleibt lebenslänglich“, sagte der Theologe, der erst vor Kurzem in den Kirchenkreis Minden kam, über den Schmerz der Hinterbliebenen. „Großenteils haben Frauen ihn getragen.“ Die Sehnsucht nach Frieden trat auch aus den Beiträgen von Schülern des Ratsgymnasiums deutlich zu Tage. Nathalie Rau, Mauritz Siekmann, Derwisch Seydo, Melissa Urban und Chiara Miraldo trugen dazu Texte vor, die sie im Geschichtsleistungskurs von Matthias Oder selbst ausgewählt hatten. Der angehende Abiturient Derwish Seydo erwähnte dabei, dass er selbst vor Krieg aus seinem Heimatland geflohen sei. Stellvertretender Bürgermeister Harald Steinmetz verlas in der vom Chor der Neuapostolischen Gemeinde begleiteten Feierstunde in der Kapelle des Nordfriedhofs die Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zum Volkstrauertag. Im Bundestag hatte das Staatsoberhaupt auf die Verantwortung der Deutschen für den „Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt“ hingewiesen und seiner „Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern“ Ausdruck verliehen. Unter Begleitung von schottischen Dudelsackklängen ging es hinter den Fahnen der Royal British Legion und der Marinekameradschaft von der Kapelle zum Hochkreuz, wo Landrat Dr. Ralf Niermann, Harald Steinmetz, Hermann Kleinebenne, Oberstleutnant Björn Krap von den Mindener Pionieren und James Boile Kränze niederlegten und sich vor den Toten verneigten. Jan Hendrik Rathert spielte zum Abschluss der offiziellen Zeremonie auf der Trompete „Ich hatt’ einen Kameraden“. Im Anschluss lud Pfarrer Erhard Wichmann alle zum Gedenken für die während des Krieges in Minden ums Leben gekommenen Zwangsarbeiter ein, was die Mehrzahl der Gäste auch gern taten. Pfadfinder des VCP-Stammes Abraham Jacobi hatten kleine Gestecke gebunden, die auf den vor einiger Zeit gereinigten und hergerichteten Grabsteinen niedergelegt werden sollten. Der Leiter der Pfadfinder, Uwe Heimburg, bat die Teilnehmer, dabei auch einmal den Namen der Verstorbenen auszusprechen.