Minden

Kippen-Kriminelle: Warum werden dauernd Zigarettenautomaten aufgebrochen und gesprengt?

Sebastian Radermacher

Minden (mt). Es ist ein Thema, das die Polizei in Minden bereits seit längerer Zeit beschäftigt: Immer wieder werden Zigarettenautomaten von Dieben aufgebrochen oder sogar gesprengt. Die Tatorte sind über das gesamte Kreisgebiet verteilt und werden zentral im Kriminalkommissariat 2 in Minden bearbeitet, berichtet Polizeisprecher Ralf Steinmeyer auf MT-Anfrage. Die Ermittler in Minden stehen mit diesem Problem nicht alleine da: Auch in anderen Kreisen in NRW und im angrenzenden Niedersachsen treten vermehrt solche Fälle auf. Seit 2017 ist dieses Phänomen verstärkt aufgetreten, die Zahl der Delikte nahm deutlich zu. Warum? Dafür hat die Polizei keine Erklärung.

In Espelkamp brachen Diebe Mitte Oktober zunächst den Automaten gewaltsam auf, um dann das Bargeld sowie Zigaretten zu stehlen. - © Foto: Polizei
In Espelkamp brachen Diebe Mitte Oktober zunächst den Automaten gewaltsam auf, um dann das Bargeld sowie Zigaretten zu stehlen. (© Foto: Polizei)

Immerhin: Seit dem Sommer verzeichnet die Kreispolizei einen Rückgang der Delikte. Registrierte sie im Juni 2019 noch sechs Taten, davon eine in Minden, so wurde ihr im Juli keine und im August lediglich eine Tat in Espelkamp gemeldet. Im September gab es zwei Vorfälle (Espelkamp und Porta Westfalica), im Oktober waren erneut Espelkamp und auch die Gemeinde Hille betroffen. „Wir sind froh, dass es in der zweiten Jahreshälfte etwas ruhiger geworden ist“, sagt Steinmeyer. In der ersten Jahreshälfte waren die Diebe vor allem in Espelkamp, Minden, Stemwede und Bad Oeynhausen aktiv, 2018 waren Minden, Hille und Porta Westfalica häufig betroffen.

Die Vorgehensweise der Täter ist unterschiedlich, ein Muster ist nicht zu erkennen. Mal sprengen sie, mal hebeln sie die Automaten auf. Mal verwenden sie Pyrotechnik („Polenböller“), mal nutzen sie klassisches Aufbruchwerkzeug (Brecheisen), um die Automaten mit brachialer Gewalt zu knacken. Und es gibt sogar Fälle, in denen die Kriminellen eine Flex einsetzen, berichtet der Polizeisprecher. Nicht immer brechen die Täter die Automaten an Ort und Stelle auf: Mitunter bauen sie diese auch ab, bringen sie an einen abgelegenen Ort und plündern sie dann dort.

Auch bei einem Blick auf die Täter ergibt sich ein heterogenes Bild. Die Polizei geht sowohl von Einzeltätern als auch von Personen aus, die zu zweit arbeiten. Ein ähnlich differenziertes Bild ergibt sich auch bei der Beute. Manchmal haben es der oder die Täter auf Bargeld oder Zigaretten abgesehen, manchmal auch auf beides. Der dadurch entstandene Schaden ist nicht unerheblich, denn Automaten haben einen hohen Wert, erklärt Steinmeyer. Eine genaue Summe kann er nicht nennen. Was er sagen kann: Die Höhe der Beute liegt im drei oder vierstelligen Eurobereich.

Die Aufklärung der Aufbrüche ist schwierig, denn die Ermittler sind auf Zeugenhinweise angewiesen. „Es ist ein schwieriges Feld für unsere Ermittler, denn oft haben wir wenige bis gar keine Hinweise“, gibt der Polizeisprecher zu. Er appelliert, umgehend bei der Polizei zu melden, wenn man einen lauten Knall hört oder verdächtige Personen sieht. „Je schneller und gezielter die Hinweise bei uns ankommen, desto höher ist die Chance, den oder die Täter zu ermitteln.“

Dass sich der Ermittlungsaufwand lohnen kann, zeigt ein Blick in einige Fälle aus der Vergangenheit. Steinmeyer ist selbst ein wenig erstaunt, wie viele Fahndungserfolge die Ermittler im Kampf gegen die Kriminellen zuletzt erzielen konnten. Einige Beispiele: Im April 2018 wurde ein damals 22-jähriger georgischer Staatsbürger in Hille auf frischer Tat festgenommen. Bei ihm fanden die Beamten fast 270 Zigarettenschachteln, Bargeld und Aufbruchwerkzeug. Im Mai 2018 kam es erneut zu einer Festnahme auf frischer Tat: diesmal am Flurweg in Porta Westfalica, Beschuldigter war ein ebenfalls in Georgien geborener 26-jähriger Mann. Im April 2019 kam es in Espelkamp zu einer Festnahme eines seinerzeit 39-jährigen Mannes – er gab später mehrere Automatenaufbrüche im Raum Espelkamp zu. Schon im März wurde in Hille ein 36-Jähriger festgenommen, nachdem ihn ein Polizeihund im Umfeld eines aufgebrochenen Automaten aufgespürt hatte. Im gleichen Monat wurden in Minden gleich vier polizeibekannte Verdächtige ermittelt, von denen einer bereits per Haftbefehl gesucht worden war. Auch in diesem Fall stellte die Polizei Aufbruchwerkzeug sicher.

Erst am vergangenen Donnerstag verzeichnete die Polizei einen weiteren Fahndungserfolg: Nach einem Zigarettenautomatenaufbruch im Raum Lemgo waren die Verdächtigen mit einem Auto geflüchtet. Sie wurden in den frühen Morgenstunden von einer Streifenwagenbesatzung der Wache Porta Westfalica auf der Hausberger Straße gestoppt. Die beiden Insassen, zwei aus Georgien stammende Männer, wurden festgenommen. Im Auto befanden sich diverse Zigarettenschachteln. Die Beschuldigen sitzen in Untersuchungshaft.

Die Polizei wird die Fahndung nach Automatenknackern weiterhin mit hoher Priorität verfolgen. Denn dies seien keine Kavaliersdelikte, sondern ernstzunehmende Diebstähle, betont Steinmeyer.

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MindenKippen-Kriminelle: Warum werden dauernd Zigarettenautomaten aufgebrochen und gesprengt?Sebastian RadermacherMinden (mt). Es ist ein Thema, das die Polizei in Minden bereits seit längerer Zeit beschäftigt: Immer wieder werden Zigarettenautomaten von Dieben aufgebrochen oder sogar gesprengt. Die Tatorte sind über das gesamte Kreisgebiet verteilt und werden zentral im Kriminalkommissariat 2 in Minden bearbeitet, berichtet Polizeisprecher Ralf Steinmeyer auf MT-Anfrage. Die Ermittler in Minden stehen mit diesem Problem nicht alleine da: Auch in anderen Kreisen in NRW und im angrenzenden Niedersachsen treten vermehrt solche Fälle auf. Seit 2017 ist dieses Phänomen verstärkt aufgetreten, die Zahl der Delikte nahm deutlich zu. Warum? Dafür hat die Polizei keine Erklärung. Immerhin: Seit dem Sommer verzeichnet die Kreispolizei einen Rückgang der Delikte. Registrierte sie im Juni 2019 noch sechs Taten, davon eine in Minden, so wurde ihr im Juli keine und im August lediglich eine Tat in Espelkamp gemeldet. Im September gab es zwei Vorfälle (Espelkamp und Porta Westfalica), im Oktober waren erneut Espelkamp und auch die Gemeinde Hille betroffen. „Wir sind froh, dass es in der zweiten Jahreshälfte etwas ruhiger geworden ist“, sagt Steinmeyer. In der ersten Jahreshälfte waren die Diebe vor allem in Espelkamp, Minden, Stemwede und Bad Oeynhausen aktiv, 2018 waren Minden, Hille und Porta Westfalica häufig betroffen. Die Vorgehensweise der Täter ist unterschiedlich, ein Muster ist nicht zu erkennen. Mal sprengen sie, mal hebeln sie die Automaten auf. Mal verwenden sie Pyrotechnik („Polenböller“), mal nutzen sie klassisches Aufbruchwerkzeug (Brecheisen), um die Automaten mit brachialer Gewalt zu knacken. Und es gibt sogar Fälle, in denen die Kriminellen eine Flex einsetzen, berichtet der Polizeisprecher. Nicht immer brechen die Täter die Automaten an Ort und Stelle auf: Mitunter bauen sie diese auch ab, bringen sie an einen abgelegenen Ort und plündern sie dann dort. Auch bei einem Blick auf die Täter ergibt sich ein heterogenes Bild. Die Polizei geht sowohl von Einzeltätern als auch von Personen aus, die zu zweit arbeiten. Ein ähnlich differenziertes Bild ergibt sich auch bei der Beute. Manchmal haben es der oder die Täter auf Bargeld oder Zigaretten abgesehen, manchmal auch auf beides. Der dadurch entstandene Schaden ist nicht unerheblich, denn Automaten haben einen hohen Wert, erklärt Steinmeyer. Eine genaue Summe kann er nicht nennen. Was er sagen kann: Die Höhe der Beute liegt im drei oder vierstelligen Eurobereich. Die Aufklärung der Aufbrüche ist schwierig, denn die Ermittler sind auf Zeugenhinweise angewiesen. „Es ist ein schwieriges Feld für unsere Ermittler, denn oft haben wir wenige bis gar keine Hinweise“, gibt der Polizeisprecher zu. Er appelliert, umgehend bei der Polizei zu melden, wenn man einen lauten Knall hört oder verdächtige Personen sieht. „Je schneller und gezielter die Hinweise bei uns ankommen, desto höher ist die Chance, den oder die Täter zu ermitteln.“ Dass sich der Ermittlungsaufwand lohnen kann, zeigt ein Blick in einige Fälle aus der Vergangenheit. Steinmeyer ist selbst ein wenig erstaunt, wie viele Fahndungserfolge die Ermittler im Kampf gegen die Kriminellen zuletzt erzielen konnten. Einige Beispiele: Im April 2018 wurde ein damals 22-jähriger georgischer Staatsbürger in Hille auf frischer Tat festgenommen. Bei ihm fanden die Beamten fast 270 Zigarettenschachteln, Bargeld und Aufbruchwerkzeug. Im Mai 2018 kam es erneut zu einer Festnahme auf frischer Tat: diesmal am Flurweg in Porta Westfalica, Beschuldigter war ein ebenfalls in Georgien geborener 26-jähriger Mann. Im April 2019 kam es in Espelkamp zu einer Festnahme eines seinerzeit 39-jährigen Mannes – er gab später mehrere Automatenaufbrüche im Raum Espelkamp zu. Schon im März wurde in Hille ein 36-Jähriger festgenommen, nachdem ihn ein Polizeihund im Umfeld eines aufgebrochenen Automaten aufgespürt hatte. Im gleichen Monat wurden in Minden gleich vier polizeibekannte Verdächtige ermittelt, von denen einer bereits per Haftbefehl gesucht worden war. Auch in diesem Fall stellte die Polizei Aufbruchwerkzeug sicher. Erst am vergangenen Donnerstag verzeichnete die Polizei einen weiteren Fahndungserfolg: Nach einem Zigarettenautomatenaufbruch im Raum Lemgo waren die Verdächtigen mit einem Auto geflüchtet. Sie wurden in den frühen Morgenstunden von einer Streifenwagenbesatzung der Wache Porta Westfalica auf der Hausberger Straße gestoppt. Die beiden Insassen, zwei aus Georgien stammende Männer, wurden festgenommen. Im Auto befanden sich diverse Zigarettenschachteln. Die Beschuldigen sitzen in Untersuchungshaft. Die Polizei wird die Fahndung nach Automatenknackern weiterhin mit hoher Priorität verfolgen. Denn dies seien keine Kavaliersdelikte, sondern ernstzunehmende Diebstähle, betont Steinmeyer.