Minden

Heimspiel für Minden: Jero Bentz treibt das Projekt "Multifunktionshalle" an

Henning Wandel und Marcus Riechmann

Minden (mt). Sanierung, Neubau, Übergangslösung – die Debatte um die Multifunktionsarena ist untrennbar verbunden mit der Zukunft der Kampa-Halle. Es geht dabei um die Heimat des Handball-Bundesligisten GWD Minden, einen Ort für Veranstaltungen aller Art und um viel Geld. Es gibt aber auch eine sehr viel grundlegendere Frage: „Was ist langfristig das Richtige für die Region?", sagt Jero Bentz im Gespräch mit dem MT. Der Gesellschafter des Mindener Familienunternehmens Melitta ist in den vergangenen Wochen eher unfreiwillig zur Stimme der Wirtschaft geworden, ohne die das ambitionierte Neubau-Projekt am rechten Weserufer nicht denkbar ist.

Der Mindener Unternehmer Jero Bentz ist von der Multihalle überzeugt. Foto: Stefan Freund/pr - © Stefan Freund
Der Mindener Unternehmer Jero Bentz ist von der Multihalle überzeugt. Foto: Stefan Freund/pr (© Stefan Freund)

Am Montag will Bentz nun ein Konzept, das er mit einem Melitta-Projektteam um Günther Klatt, Direktor Gruppenstrategie im Mindener Unternehmen, unter Einbeziehung vieler externer Experten entwickelt hat, vorstellen und aufzeigen, wie sich die Multihalle doch realisieren lassen kann. „Voraussetzung dafür ist natürlich, dass Kreis, Stadt und Wirtschaft an einem Strang ziehen", sagt Bentz. Seine Botschaft lautet: Trotz der prognostizierten Baukosten von gut 35 Millionen Euro wäre eine Sanierung der Kampa-Halle für den Steuerzahler deutlich teurer. Jäcke wird im Kreistag die Sicht der Stadt Minden darstellen, die sich bereits im Rat für die Multihalle positioniert hat und ebenfalls an eine Realisierbarkeit unter den getroffenen Annahmen glaubt.

Information
Das Mindener Tageblatt berichtet in einem Live-Ticker aus der Sondersitzung des Kreistags am Montagabend. Sie finden den Ticker ab 17.30 Uhr oben auf MT.de.

Das Problem an der Debatte ist vor allem, dass zwar eine Menge Zahlen auf dem Tisch liegen, aber nur die wenigsten davon wirklich gesichert sind. Wie viel Geld etwa der Kreis jedes Jahr für den Betrieb der Kampa-Halle dazuschießen muss, ist noch immer unklar. Laut Schätzungen könnten es zwischen einer und 1,5 Millionen Euro sein. Vieles spricht dafür, dass diese Summe auch nach einer Sanierung nicht wesentlich geringer ausfallen dürfte. So würde die Halle für 15 Millionen Euro lediglich technisch modernisiert und an die neuen Brandschutzvorschriften angepasst.

Vor diesem Hintergrund macht Jero Bentz eine Rechnung auf: Sanierung plus Betriebsdefizit auf 30 Jahre summieren sich auf bis zu 60 Millionen Euro. Die Alternative ist ein Abriss der Kampa-Halle plus Neubau eines Sportzentrums für maximal zehn Millionen Euro inklusive Betriebskosten in Höhe von jährlich 200.000 Euro plus 14,5 Millionen Zuschuss für die Multihalle, wären zusammen rund 30 Millionen. „Der Kreis spart demnach 30 Millionen, also eine Million Euro pro Jahr, wenn er sich für diese Lösung entscheidet", kalkuliert der Unternehmer. Geld, von dem ein kleiner Teil auch für die Unterstützung einer Übergangshalle genutzt werden könnte.

Doch auch für diese Kalkulation gilt, dass alle Zahlen vorerst noch auf Annahmen beruhen, wenngleich auf durchaus realistischen Annahmen, wie Bentz sagt. Er ist überzeugt, dass der Neubau von Multihalle und Sportzentrum auch dann noch die beste und günstigste Lösung ist, wenn sich die Zahlen noch einmal verändern. „Leider wird ja ohnehin nur über die möglichen Kosten geredet", meint Bentz. „Steuerliche Zusatzeinnahmen durch eine neue Arena sind ja bisher in allen Kalkulationen völlig unberücksichtigt. Darin liegen noch viele zusätzliche Chancen." In der Arena liege eine Zukunft, die die Kampa-Halle hinter sich habe, meint GWD-Sponsor Bentz: „Sie kann die Anforderungen an eine moderne Veranstaltungsstätte schon heute nicht mehr erfüllen und wird das auch nach einer Sanierung nicht können."

Dem Unternehmer geht es ohnehin um mehr: Stadt und Region brauchten eine Marke, etwas, das die Menschen mit Minden verbinden. Das könne der Bundesligist GWD ebenso sein wie eine optisch attraktive Arena direkt an der Bahnstrecke oder ein Konzert, das in Erinnerung bleibt. Eine solche Marke sei ein wichtiger Standortfaktor, sagt Bentz: „Wir wollen für Minden nicht die Halle, nicht den Beton, sondern wir wollen das Leben, die Bereicherung, die eine Arena in die Stadt und in die Region bringt." Minden befinde sich in einem Wettbewerb mit anderen Städten, sagt Bentz. Hier gebe es Werte und Wurzeln: „Wir wollen diese Einzigartigkeit bewahren."

Als Jäcke im Mai 2018 mit Blick auf die Betriebskosten sagte, den Bau der Multihalle „unter diesen Bedingungen" nicht empfehlen zu können, war für Jero Bentz der Moment gekommen, sich des Themas anzunehmen, wie er sagt. Dabei war Melitta auch zuvor schon an dem Prozess beteiligt. In der Vergangenheit sei schon so vieles nicht passiert, sagt er. „Das ist frustrierend, weil wir hier ein mega Umfeld haben." Aus dieser Motivation heraus seien die damaligen Annahmen noch einmal analysiert worden, und auch zum Betrieb der Halle habe es neue Überlegungen gegeben.

Ein Gutachten im Frühjahr 2018 hatte der Arena kaum eine Chance gegeben, zwischen Hannover und Bielefeld bestehen zu können. Doch Bielefeld oder Hannover seien nicht nur Konkurrenz, sondern auch über die Bahn gut vernetztes Einzugsgebiet, sagt Bentz nach zahlreichen Gesprächen mit Betreibern anderer Hallen. Fast überall gebe es unterschiedliche Konzepte, keine macht Gewinn. „Aber man kann den Betrieb optimieren und Verluste minimieren", so Bentz, der vor allem das Veranstaltungskonzept der Ratiopharm-Arena Ulm als Beispiel nennt.

Wichtige Meilensteine sind in dem Prozess also schon abgearbeitet. Die finanzielle Machbarkeit sei ebenso geprüft wie die strukturelle. „Da haben wir schon einen Haken dran gemacht", sagt Bentz. Der Mindener Rat hat bereits grundsätzlich zugestimmt, 7,5 Millionen Euro für den Bau und jährlich 400.000 Euro als Zuschuss in Aussicht zu stellen. Die Kreispolitik wird am Montag umfassend informiert und könnte in der Sitzung am 16. Dezember ebenfalls einen solchen Grundsatzbeschluss fassen. Auch aus der Wirtschaft gebe es bereits Zusagen. Sobald alle Seiten ihre Beteiligung zugesagt haben, könne es in der nächsten Phase um die Details gehen: So muss zum Beispiel noch das belastete Areal am alten Güterbahnhof saniert werden, auch das Baurecht muss noch geschaffen werden, mit allen politischen Beratungen, Verwaltungsschritten und Fristen, die daran hängen.

Unter dem Strich, so Bentz, sei das Risiko für die öffentliche Hand gering. Über die sieben Millionen für den Bau hinaus übernehme die Wirtschaft nicht nur das Betreiberrisiko, sondern zahle auch eine jährliche Pacht.

Modell Multi-Halle

Jero Bentz legte Entwürfe für Finanzierung und Betrieb der Multi-Arena Minden am Bahnhof vor. Für die Baufinanzierung der Halle sind 35,4 Millionen Euro plus zwei Millionen als Liquiditätsreserve vorgesehen. Daher soll das Geld kommen: 7,5 Millionen Euro von der Stadt Minden, 14,5 Millionen vom Kreis Minden-Lübbecke und 7 Millionen von der Wirtschaft. 8,4 Millionen würden über Darlehen finanziert.

Errichtet und betriebsfertig bereitgestellt wird die Halle von einer Eigentumsgesellschaft, getragen von Stadt, Kreis und Wirtschaft. Die Mehrheitsanteile liegen bei der öffentlichen Hand. Den Betrieb der Arena übernimmt eine privat aufgesetzte Betreibergesellschaft mit umfänglicher unternehmerischer Freiheit und Verantwortung.

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MindenHeimspiel für Minden: Jero Bentz treibt das Projekt "Multifunktionshalle" anHenning Wandel,Marcus RiechmannMinden (mt). Sanierung, Neubau, Übergangslösung – die Debatte um die Multifunktionsarena ist untrennbar verbunden mit der Zukunft der Kampa-Halle. Es geht dabei um die Heimat des Handball-Bundesligisten GWD Minden, einen Ort für Veranstaltungen aller Art und um viel Geld. Es gibt aber auch eine sehr viel grundlegendere Frage: „Was ist langfristig das Richtige für die Region?", sagt Jero Bentz im Gespräch mit dem MT. Der Gesellschafter des Mindener Familienunternehmens Melitta ist in den vergangenen Wochen eher unfreiwillig zur Stimme der Wirtschaft geworden, ohne die das ambitionierte Neubau-Projekt am rechten Weserufer nicht denkbar ist. Am Montag will Bentz nun ein Konzept, das er mit einem Melitta-Projektteam um Günther Klatt, Direktor Gruppenstrategie im Mindener Unternehmen, unter Einbeziehung vieler externer Experten entwickelt hat, vorstellen und aufzeigen, wie sich die Multihalle doch realisieren lassen kann. „Voraussetzung dafür ist natürlich, dass Kreis, Stadt und Wirtschaft an einem Strang ziehen", sagt Bentz. Seine Botschaft lautet: Trotz der prognostizierten Baukosten von gut 35 Millionen Euro wäre eine Sanierung der Kampa-Halle für den Steuerzahler deutlich teurer. Jäcke wird im Kreistag die Sicht der Stadt Minden darstellen, die sich bereits im Rat für die Multihalle positioniert hat und ebenfalls an eine Realisierbarkeit unter den getroffenen Annahmen glaubt. Das Problem an der Debatte ist vor allem, dass zwar eine Menge Zahlen auf dem Tisch liegen, aber nur die wenigsten davon wirklich gesichert sind. Wie viel Geld etwa der Kreis jedes Jahr für den Betrieb der Kampa-Halle dazuschießen muss, ist noch immer unklar. Laut Schätzungen könnten es zwischen einer und 1,5 Millionen Euro sein. Vieles spricht dafür, dass diese Summe auch nach einer Sanierung nicht wesentlich geringer ausfallen dürfte. So würde die Halle für 15 Millionen Euro lediglich technisch modernisiert und an die neuen Brandschutzvorschriften angepasst. Vor diesem Hintergrund macht Jero Bentz eine Rechnung auf: Sanierung plus Betriebsdefizit auf 30 Jahre summieren sich auf bis zu 60 Millionen Euro. Die Alternative ist ein Abriss der Kampa-Halle plus Neubau eines Sportzentrums für maximal zehn Millionen Euro inklusive Betriebskosten in Höhe von jährlich 200.000 Euro plus 14,5 Millionen Zuschuss für die Multihalle, wären zusammen rund 30 Millionen. „Der Kreis spart demnach 30 Millionen, also eine Million Euro pro Jahr, wenn er sich für diese Lösung entscheidet", kalkuliert der Unternehmer. Geld, von dem ein kleiner Teil auch für die Unterstützung einer Übergangshalle genutzt werden könnte. Doch auch für diese Kalkulation gilt, dass alle Zahlen vorerst noch auf Annahmen beruhen, wenngleich auf durchaus realistischen Annahmen, wie Bentz sagt. Er ist überzeugt, dass der Neubau von Multihalle und Sportzentrum auch dann noch die beste und günstigste Lösung ist, wenn sich die Zahlen noch einmal verändern. „Leider wird ja ohnehin nur über die möglichen Kosten geredet", meint Bentz. „Steuerliche Zusatzeinnahmen durch eine neue Arena sind ja bisher in allen Kalkulationen völlig unberücksichtigt. Darin liegen noch viele zusätzliche Chancen." In der Arena liege eine Zukunft, die die Kampa-Halle hinter sich habe, meint GWD-Sponsor Bentz: „Sie kann die Anforderungen an eine moderne Veranstaltungsstätte schon heute nicht mehr erfüllen und wird das auch nach einer Sanierung nicht können." Dem Unternehmer geht es ohnehin um mehr: Stadt und Region brauchten eine Marke, etwas, das die Menschen mit Minden verbinden. Das könne der Bundesligist GWD ebenso sein wie eine optisch attraktive Arena direkt an der Bahnstrecke oder ein Konzert, das in Erinnerung bleibt. Eine solche Marke sei ein wichtiger Standortfaktor, sagt Bentz: „Wir wollen für Minden nicht die Halle, nicht den Beton, sondern wir wollen das Leben, die Bereicherung, die eine Arena in die Stadt und in die Region bringt." Minden befinde sich in einem Wettbewerb mit anderen Städten, sagt Bentz. Hier gebe es Werte und Wurzeln: „Wir wollen diese Einzigartigkeit bewahren." Als Jäcke im Mai 2018 mit Blick auf die Betriebskosten sagte, den Bau der Multihalle „unter diesen Bedingungen" nicht empfehlen zu können, war für Jero Bentz der Moment gekommen, sich des Themas anzunehmen, wie er sagt. Dabei war Melitta auch zuvor schon an dem Prozess beteiligt. In der Vergangenheit sei schon so vieles nicht passiert, sagt er. „Das ist frustrierend, weil wir hier ein mega Umfeld haben." Aus dieser Motivation heraus seien die damaligen Annahmen noch einmal analysiert worden, und auch zum Betrieb der Halle habe es neue Überlegungen gegeben. Ein Gutachten im Frühjahr 2018 hatte der Arena kaum eine Chance gegeben, zwischen Hannover und Bielefeld bestehen zu können. Doch Bielefeld oder Hannover seien nicht nur Konkurrenz, sondern auch über die Bahn gut vernetztes Einzugsgebiet, sagt Bentz nach zahlreichen Gesprächen mit Betreibern anderer Hallen. Fast überall gebe es unterschiedliche Konzepte, keine macht Gewinn. „Aber man kann den Betrieb optimieren und Verluste minimieren", so Bentz, der vor allem das Veranstaltungskonzept der Ratiopharm-Arena Ulm als Beispiel nennt. Wichtige Meilensteine sind in dem Prozess also schon abgearbeitet. Die finanzielle Machbarkeit sei ebenso geprüft wie die strukturelle. „Da haben wir schon einen Haken dran gemacht", sagt Bentz. Der Mindener Rat hat bereits grundsätzlich zugestimmt, 7,5 Millionen Euro für den Bau und jährlich 400.000 Euro als Zuschuss in Aussicht zu stellen. Die Kreispolitik wird am Montag umfassend informiert und könnte in der Sitzung am 16. Dezember ebenfalls einen solchen Grundsatzbeschluss fassen. Auch aus der Wirtschaft gebe es bereits Zusagen. Sobald alle Seiten ihre Beteiligung zugesagt haben, könne es in der nächsten Phase um die Details gehen: So muss zum Beispiel noch das belastete Areal am alten Güterbahnhof saniert werden, auch das Baurecht muss noch geschaffen werden, mit allen politischen Beratungen, Verwaltungsschritten und Fristen, die daran hängen. Unter dem Strich, so Bentz, sei das Risiko für die öffentliche Hand gering. Über die sieben Millionen für den Bau hinaus übernehme die Wirtschaft nicht nur das Betreiberrisiko, sondern zahle auch eine jährliche Pacht. Modell Multi-Halle Jero Bentz legte Entwürfe für Finanzierung und Betrieb der Multi-Arena Minden am Bahnhof vor. Für die Baufinanzierung der Halle sind 35,4 Millionen Euro plus zwei Millionen als Liquiditätsreserve vorgesehen. Daher soll das Geld kommen: 7,5 Millionen Euro von der Stadt Minden, 14,5 Millionen vom Kreis Minden-Lübbecke und 7 Millionen von der Wirtschaft. 8,4 Millionen würden über Darlehen finanziert. Errichtet und betriebsfertig bereitgestellt wird die Halle von einer Eigentumsgesellschaft, getragen von Stadt, Kreis und Wirtschaft. Die Mehrheitsanteile liegen bei der öffentlichen Hand. Den Betrieb der Arena übernimmt eine privat aufgesetzte Betreibergesellschaft mit umfänglicher unternehmerischer Freiheit und Verantwortung.