Minden

MT-Interview mit Andrea Röpke: „Wir sollten die völkische Rechte ernst nehmen“

Stefan Koch

Andrea Röpke referierte in Ratsgymnasium. MT- - © Foto: Stefan Koch
Andrea Röpke referierte in Ratsgymnasium. MT- (© Foto: Stefan Koch)

Minden (mt). Rechtsradikale Umtriebe sind ein Phänomen, das nicht nur in entfernten ostdeutschen Provinzen stattfindet, sondern auch direkt vor der Haustür zu verorten ist. Das wurde bei dem Vortrag zum Thema „völkische Landnahme“ deutlich, den die Fachjournalistin Andrea Röpke Ende Oktober auf Einladung des Vereins „Minden – für Demokratie und Vielfalt“ im Rahmen des Lokalen Aktionsplans Minden (LAP) in der Aula des Ratsgymnasiums gehalten hat. Das MT sprach nach der Veranstalung mit der Expertin für Rechtsextremismus.

Was ist völkische Landnahme und wie sind die Ahnenstätte Seelenfeld auf dem Gebiet der Stadt Petershagen und die Tätigkeit des Uchter Moorschmiedes, der wegen seiner Aktivität im völkischen Milieu an der Freien Waldorfschule Minden vor einigen Jahren suspendiert wurde, da einzuordnen?

Völkische Ideologie bildet einen Teil der weltanschaulichen Grundlagen des Rechtsextremismus. Entstanden Ende des 19. Jahrhunderts war sie vor allem gegen die Moderne, Liberalismus und Sozialdemokratie gerichtet und wurde wichtiger Bestandteil des Nationalsozialismus. Heute leben viele Familienverbände, rechte Bünde und andere diese Weltanschauung. Wir reden von „Landnahme“ weil sich einerseits die Ideologie unter anderem über die AfD ausbreitet und andererseits auch die völkischen Siedler immer mehr werden. Die Prämisse dieser nach einem naturreligiösen „Lebensbund-Prinzip“ lebenden Anhänger lautet: von der Wiege bis zur Bahre. Daher sollen auch die Ahnenstätten einen Gegenpart zu christlichen Begräbnisstätten bilden. Der Uchter Moorschmied ist Teil dieser Szene, er nahm an Treffen der vom Verfassungsschutz beobachteten, rassistischen „Artgemeinschaft germanische Glaubensgemeinschaft wesensgemäßer Daseinsgestaltung“ teil. Die Polizei in Thüringen protokollierte die Anwesenheit seiner Familie wie die zahlreicher anderer Teilnehmer. Sogar ein verurteilter Unterstützer der Terrororganisation NSU war damals dabei oder Jürgen Rieger, der langjährige Anführer. Dieser mehrere Hundert Mitglieder starke Verein ist in OWL gut verankert und propagiert ganz offen im Netz sein „Sittengesetz unserer Art“.

Wann wurden Sie das erste Mal auf den Fall des Waldorflehrers beziehungsweise die Ahnenstätte Seelenfeld aufmerksam?

Viele freie Kindergärten und Schulen haben Probleme mit rechten Eltern, die sich einmischen, Einfluss gewinnen. Da erreichen mich viele Anfragen, so war es auch in Minden. Ich habe im Archiv geschaut und sofort einige Infos zu ihm gefunden. Er leitete zum Beispiel den Ahnenstättenverein Conneforde bei Oldenburg mit. Wir hatten vorher über die bei sogenannten rechten „Sippen“ beliebte Begräbnisstätte informiert. Oder schrieb in rechten Publikationen. Zudem hatte ich viel zu dem Kriegsverbrecher Erich Priebke aus dem argentinischen Bariloche recherchiert, der bis zu seinem Tod in Italien engen Kontakt zu deutschen Rechtsextremisten unterhielt. Mit Priebke und dessen Wirken an einer deutschen Schule war dieser Lehrer ja aufgewachsen. Zur Ahnenstätte Seelenfeld recherchierte vor allem der Kollege Julian Feldmann, der heute für seine Arbeit von den Rechten massiv attackiert wird.

Sie nannten mehrere Beispiele von völkischen Akteuren, die sich vor allem in Ostdeutschland aufgegebene Höfe suchen, um dort ein rechtsnationales Gemeinschaftsleben zu realisieren. Wie hoch ist aus Ihrer Sicht die Gefährdung durch solche Tendenzen auch für den Kreis Minden-Lübbecke?

In der Region Ostwestfalen konnten sich nach 1945 viele überzeugte Nationalsozialisten niederlassen beziehungsweise weiterbetätigen. Die völkischen Erziehungsorganisationen Wiking-Jugend hatte dort Zulauf, danach kümmerte sich die Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) , die wegen ihrer Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus 2009 verboten wurde, um den Nachwuchs aus diesen Reihen. Es gab die Einheit Hermannsland der HDJ. Viele der Protagonisten machen einfach weiter, ihr Kreis wird größer. Anhänger kommen aus der ganzen Region. Ich denke, es ist auch kein Zufall, dass sich der völkische „Flügel“ der AfD immer wieder in der Region zwischen Minden und Bielefeld trifft. Leider ist viel zu wenig darüber bekannt, wie sich Ansiedlungen und Ideologie schleichend ausbreiten.

Die Ahnenstätte Seelenfeld war jahrelang Teil des touristischen Marketings der Stadt Petershagen. Akteure der Heimatpflege versuchten nach den Veröffentlichungen des Journalisten Julian Feldmann aus Kiel glaubhaft zu machen, dass sie von rechten Umtrieben nichts gewusst haben wollen. Gleichwohl ist der Ort selbst – was die bisherigen Kommunalwahlergebnisse anbelangt – auch kein rechtsnationaler Hotspot im Mühlenkreis. Wie passt das alles zusammen?

Dazu kann ich wenig sagen, ich kenne mich besser mit den Ahnenstätten in Hilligenloh und Conneforde bei Oldenburg aus. Die Regionen haben starke sozialdemokratische Präsenz und doch gab es über Jahrzehnte hinweg eine Duldung nationalsozialistischen, völkischen Gedankenguts. Man hat die nebulösen Strukturen auf ihren „Schollen“ ignoriert. Die haben ihre Reihen mit Brauchtumsfesten, Schulungen und rituellen Feiern für Kleine und Große gestärkt. Auch in Conneforde und Hilligenloh wurde die nachweisbare Nähe zum antisemitischen Bund für Gotterkenntnis - Ludendorff verharmlost.

Der Moorschmied gehört in Uchte heute zum touristischen Marketing. Schilder der Gemeinde weisen Gästen den Weg zu seinem Hof, wo er Schmiedekurse anbietet. Er lädt per Aushang in seinem Ortsteil zu Kreativveranstaltungen ein, macht PR im Internet und fällt weder als rechtsnationaler noch als völkischer Akteur auf. Was ist von dem Bild des erdverwachsenen Handwerkers zu halten und wo sehen Sie ihn in, sagen wir einmal zehn Jahren?

Völkische Ideologie und Lebensweise sind im Bürgertum stark vertreten, es sind oft Handwerker, Akademiker, Freigeister sogar Alternative, die von einer homogenen, autoritär gesteuerten „Volksgemeinschaft“ träumen. Viele halten sie zunächst für „Ökos“, bis dann Rassismus oder Antisemitismus zu Tage treten. Unter den völkisch-gesinnten Männern gibt es viele Schmiede, die fast alle nach einer ähnlichen männlichkeitsorientierten, bodenständigen Masche auftreten. Sie docken damit durchaus an Ideale des Mainstreams an. Da es keine offiziellen Warnungen vor der Verbreitung dieser demokratie- und menschenfeindlichen Ideologie gibt, gelingt es ihnen auch über vermeintlich harmlose Berufe oder Hobbies Sympathisanten zu gewinnen. Wenn wir nicht aufpassen, dann gelingt es diesen Strukturen, die martialisch und antifeministisch auftreten, viele unserer sozialen Errungenschaften zunichte zu machen. In Österreich zum Beispiel sind die Völkischen längst im Machtzentrum angekommen. Wir sollten die Aussagen und Strategien der völkischen Rechten daher sehr ernst nehmen.

Strukturen reichen bis in den Mindener Raum

Ende Mai 2019 erschien das Buch „Völkische Landnahme: Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos“ der beiden Fachjournalisten Andea Röpke und Andreas Speit. Sie arbeiteten die Bedeutung der „nationalen Graswurzelarbeit“ völkischer Großfamilien für die extreme Rechte in Deutschland heraus. Dabei analysierten sie die Geschlechterbilder, Erziehungsmuster und die gegen die Demokratie gerichteten Positionen in der extremen Rechten. Mitglieder dieses Milieus sind seit Generationen in der neonazistischen Szene aktiv und widmen sich der Kindererziehung und Kulturarbeit.

Der Lokale Aktionsplan Minden hatte am 30. Oktober die Politologin und freie Journalistin Röpke zu einer gut besuchten Vortragsveranstaltung in die Aula des Ratsgymnasiums Minden eingeladen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend förderte die Veranstaltung im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.

Röpke illustrierte in ihrem Vortrag das Leben am rechten Rand der Gesellschaft, das vor allem in ländlichen Regionen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns gedeiht, wo völkische Siedler verlassene Gehöfte übernehmen und sich durch ökologisches Wirtschaften und Engagement in Vereinen um Akzeptanz bemühen. Dabei gab der Vortrag Einblick in heidnische Eheschließungen, Sommerlager, Musikfeste und Brauchtumsveranstaltungen der Szene. In diesem Zusammenhang ging Röpke auch auf die mittlerweile verbotenen rechtsnationalen Jugendbünde Wiking-Jugend und Heimattreue Deutsche Jugend ein, deren Mitgliederbasis sich bis nach Ostwestfalen unter dem Begriff „Hermannsland“ erstreckte. Dieser aufgelöste Stützpunkt umfasst den Raum Bielefeld, Paderborn und Teutoburger Wald. Entsprechende Treffen fanden auch in der Mindener und Portaner Region statt.

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Völkische Ideologie bildet einen Teil der weltanschaulichen Grundlagen des Rechtsextremismus. Entstanden Ende des 19. Jahrhunderts war sie vor allem gegen die Moderne, Liberalismus und Sozialdemokratie gerichtet und wurde wichtiger Bestandteil des Nationalsozialismus. Heute leben viele Familienverbände, rechte Bünde und andere diese Weltanschauung. Wir reden von „Landnahme“ weil sich einerseits die Ideologie unter anderem über die AfD ausbreitet und andererseits auch die völkischen Siedler immer mehr werden. Die Prämisse dieser nach einem naturreligiösen „Lebensbund-Prinzip“ lebenden Anhänger lautet: von der Wiege bis zur Bahre. Daher sollen auch die Ahnenstätten einen Gegenpart zu christlichen Begräbnisstätten bilden. Der Uchter Moorschmied ist Teil dieser Szene, er nahm an Treffen der vom Verfassungsschutz beobachteten, rassistischen „Artgemeinschaft germanische Glaubensgemeinschaft wesensgemäßer Daseinsgestaltung“ teil. Die Polizei in Thüringen protokollierte die Anwesenheit seiner Familie wie die zahlreicher anderer Teilnehmer. Sogar ein verurteilter Unterstützer der Terrororganisation NSU war damals dabei oder Jürgen Rieger, der langjährige Anführer. Dieser mehrere Hundert Mitglieder starke Verein ist in OWL gut verankert und propagiert ganz offen im Netz sein „Sittengesetz unserer Art“. Wann wurden Sie das erste Mal auf den Fall des Waldorflehrers beziehungsweise die Ahnenstätte Seelenfeld aufmerksam? Viele freie Kindergärten und Schulen haben Probleme mit rechten Eltern, die sich einmischen, Einfluss gewinnen. Da erreichen mich viele Anfragen, so war es auch in Minden. Ich habe im Archiv geschaut und sofort einige Infos zu ihm gefunden. Er leitete zum Beispiel den Ahnenstättenverein Conneforde bei Oldenburg mit. Wir hatten vorher über die bei sogenannten rechten „Sippen“ beliebte Begräbnisstätte informiert. Oder schrieb in rechten Publikationen. Zudem hatte ich viel zu dem Kriegsverbrecher Erich Priebke aus dem argentinischen Bariloche recherchiert, der bis zu seinem Tod in Italien engen Kontakt zu deutschen Rechtsextremisten unterhielt. Mit Priebke und dessen Wirken an einer deutschen Schule war dieser Lehrer ja aufgewachsen. Zur Ahnenstätte Seelenfeld recherchierte vor allem der Kollege Julian Feldmann, der heute für seine Arbeit von den Rechten massiv attackiert wird. Sie nannten mehrere Beispiele von völkischen Akteuren, die sich vor allem in Ostdeutschland aufgegebene Höfe suchen, um dort ein rechtsnationales Gemeinschaftsleben zu realisieren. Wie hoch ist aus Ihrer Sicht die Gefährdung durch solche Tendenzen auch für den Kreis Minden-Lübbecke? In der Region Ostwestfalen konnten sich nach 1945 viele überzeugte Nationalsozialisten niederlassen beziehungsweise weiterbetätigen. Die völkischen Erziehungsorganisationen Wiking-Jugend hatte dort Zulauf, danach kümmerte sich die Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) , die wegen ihrer Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus 2009 verboten wurde, um den Nachwuchs aus diesen Reihen. Es gab die Einheit Hermannsland der HDJ. Viele der Protagonisten machen einfach weiter, ihr Kreis wird größer. Anhänger kommen aus der ganzen Region. Ich denke, es ist auch kein Zufall, dass sich der völkische „Flügel“ der AfD immer wieder in der Region zwischen Minden und Bielefeld trifft. Leider ist viel zu wenig darüber bekannt, wie sich Ansiedlungen und Ideologie schleichend ausbreiten. Die Ahnenstätte Seelenfeld war jahrelang Teil des touristischen Marketings der Stadt Petershagen. Akteure der Heimatpflege versuchten nach den Veröffentlichungen des Journalisten Julian Feldmann aus Kiel glaubhaft zu machen, dass sie von rechten Umtrieben nichts gewusst haben wollen. Gleichwohl ist der Ort selbst – was die bisherigen Kommunalwahlergebnisse anbelangt – auch kein rechtsnationaler Hotspot im Mühlenkreis. Wie passt das alles zusammen? Dazu kann ich wenig sagen, ich kenne mich besser mit den Ahnenstätten in Hilligenloh und Conneforde bei Oldenburg aus. Die Regionen haben starke sozialdemokratische Präsenz und doch gab es über Jahrzehnte hinweg eine Duldung nationalsozialistischen, völkischen Gedankenguts. Man hat die nebulösen Strukturen auf ihren „Schollen“ ignoriert. Die haben ihre Reihen mit Brauchtumsfesten, Schulungen und rituellen Feiern für Kleine und Große gestärkt. Auch in Conneforde und Hilligenloh wurde die nachweisbare Nähe zum antisemitischen Bund für Gotterkenntnis - Ludendorff verharmlost. Der Moorschmied gehört in Uchte heute zum touristischen Marketing. Schilder der Gemeinde weisen Gästen den Weg zu seinem Hof, wo er Schmiedekurse anbietet. Er lädt per Aushang in seinem Ortsteil zu Kreativveranstaltungen ein, macht PR im Internet und fällt weder als rechtsnationaler noch als völkischer Akteur auf. Was ist von dem Bild des erdverwachsenen Handwerkers zu halten und wo sehen Sie ihn in, sagen wir einmal zehn Jahren? Völkische Ideologie und Lebensweise sind im Bürgertum stark vertreten, es sind oft Handwerker, Akademiker, Freigeister sogar Alternative, die von einer homogenen, autoritär gesteuerten „Volksgemeinschaft“ träumen. Viele halten sie zunächst für „Ökos“, bis dann Rassismus oder Antisemitismus zu Tage treten. Unter den völkisch-gesinnten Männern gibt es viele Schmiede, die fast alle nach einer ähnlichen männlichkeitsorientierten, bodenständigen Masche auftreten. Sie docken damit durchaus an Ideale des Mainstreams an. Da es keine offiziellen Warnungen vor der Verbreitung dieser demokratie- und menschenfeindlichen Ideologie gibt, gelingt es ihnen auch über vermeintlich harmlose Berufe oder Hobbies Sympathisanten zu gewinnen. Wenn wir nicht aufpassen, dann gelingt es diesen Strukturen, die martialisch und antifeministisch auftreten, viele unserer sozialen Errungenschaften zunichte zu machen. In Österreich zum Beispiel sind die Völkischen längst im Machtzentrum angekommen. Wir sollten die Aussagen und Strategien der völkischen Rechten daher sehr ernst nehmen. Strukturen reichen bis in den Mindener Raum Ende Mai 2019 erschien das Buch „Völkische Landnahme: Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos“ der beiden Fachjournalisten Andea Röpke und Andreas Speit. Sie arbeiteten die Bedeutung der „nationalen Graswurzelarbeit“ völkischer Großfamilien für die extreme Rechte in Deutschland heraus. Dabei analysierten sie die Geschlechterbilder, Erziehungsmuster und die gegen die Demokratie gerichteten Positionen in der extremen Rechten. Mitglieder dieses Milieus sind seit Generationen in der neonazistischen Szene aktiv und widmen sich der Kindererziehung und Kulturarbeit. Der Lokale Aktionsplan Minden hatte am 30. Oktober die Politologin und freie Journalistin Röpke zu einer gut besuchten Vortragsveranstaltung in die Aula des Ratsgymnasiums Minden eingeladen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend förderte die Veranstaltung im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Röpke illustrierte in ihrem Vortrag das Leben am rechten Rand der Gesellschaft, das vor allem in ländlichen Regionen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns gedeiht, wo völkische Siedler verlassene Gehöfte übernehmen und sich durch ökologisches Wirtschaften und Engagement in Vereinen um Akzeptanz bemühen. Dabei gab der Vortrag Einblick in heidnische Eheschließungen, Sommerlager, Musikfeste und Brauchtumsveranstaltungen der Szene. In diesem Zusammenhang ging Röpke auch auf die mittlerweile verbotenen rechtsnationalen Jugendbünde Wiking-Jugend und Heimattreue Deutsche Jugend ein, deren Mitgliederbasis sich bis nach Ostwestfalen unter dem Begriff „Hermannsland“ erstreckte. Dieser aufgelöste Stützpunkt umfasst den Raum Bielefeld, Paderborn und Teutoburger Wald. Entsprechende Treffen fanden auch in der Mindener und Portaner Region statt.