Minden

Bewegte Bilder: Mindener Fotografin Katrin Sandmann-Henkel auf der Überholspur

Ursula Koch

Mit Architektur in Mehrfachbelichtungen hat die Fotografin Katrin Sandmann-Henkel offenbar den richtigen Nerv getroffen. MT- - © Foto: Ursula Koch
Mit Architektur in Mehrfachbelichtungen hat die Fotografin Katrin Sandmann-Henkel offenbar den richtigen Nerv getroffen. MT- (© Foto: Ursula Koch)

Minden (mt). Dieses Jahr kommt ihr vor wie ein Märchen oder Film, sagt die Fotografin Katrin Sandmann-Henkel. Aus Minden herauskommen – das war ihr Ziel. Sie wollte ihre Bilder in Hamburg zeigen, weil viele dort entstanden sind. Inzwischen war sie an drei Ausstellungen dort beteiligt, ihre Fotografien sind demnächst auch in Miami, Malta, Bologna, Berlin und New York zu sehen.

Am Anfang stand aber das Barcamp, das das Kulturbüro der Stadt organisiert hatte. „Ich war euphorisiert“, sagt die 58-Jährige. Sie ist seit etwa 20 Jahren künstlerisch tätig, hat sich zehn Jahre lang mit Malerei beschäftigt, bevor sie die Fotografie für sich wiederentdeckte. „Lost Places“ waren lange ihr Thema. Über das Vogelparadies Porta, ein „vergessener Ort“ hinter den Bahngleisen, hat die Autodidaktin ein Buch veröffentlicht. „2017 merkte ich: Das ist vorbei. Ich hatte alles abgegrast, was für mich erreichbar war“, erzählt sie in ihrem Atelier am Schwarzen Weg. „Ich hatte die Idee für Mehrfachbelichtungen, aber nicht die richtige Kamera dafür.“ Sie hat dann bei Langzeitbelichtungen erste Versuche mit dem Zoom-Objektiv gemacht.

Die Versuche schienen ihr so vielversprechend, dass sie sich eine neue Digital-Kamera kaufte, die Mehrfachbelichtungen möglich macht. Das ist ihr wichtig: Die Aufnahmen entstehen im Moment vor Ort, nicht später am Computer. Den nutzt sie nur, um den Ausschnitt zu wählen oder die Farben zu intensivieren.

Die ersten Aufnahmen in der neuen Technik entstanden in Polen. Das Ergebnis fand sie überzeugend. Dann besuchte sie ihre Tochter in Hamburg und machte Aufnahmen in der Hafencity. Ihre Idee war, Gebäude, die nahe beieinander stehen, in Bewegung zu bringen. So entstanden sehr grafische Bilder, die trotz aller Bewegung doch ruhig und klar wirken. „Beim Betrachten abends am Computer wusste ich: Das ist etwas Außergewöhnliches“, sagt Sandmann-Henkel. In der Zwischenzeit sind weitere „VerRückt“-Motivserien entstanden. In der Serie „Abstrakt“ treibt sie das Spiel noch weiter. Mehrfachbelichtungen seien in der Fotografie nicht neu, aber „so wie ich das einsetze, macht das niemand“, sagt sie selbstbewusst.

Dann kam der Gedanke, dass es schön wäre, die Bilder einmal in Hamburg zu zeigen, wo so viele der Bilder entstanden sind. Bei Galerien Klinken zu putzen, schien ihr aber wenig Erfolg versprechend. Im Internet stieß sie auf die Ausschreibung für den europäischen Foto-Wettbewerb „Joyfull Architecture“. Sie landete unter den besten 28. Ihre Bilder sind in einer Ausstellung zu sehen, die zuerst im Deutschen Architektur Museum in Frankfurt zu sehen war und die zwei Jahre weiter tourt.

So beflügelt, mietete sie einen Stand auf der Kunstmesse „HanseArt“ in Lübeck. Gleich zu Beginn habe ein Hamburger an ihrem Stand gestanden und gesagt: Das muss nach Hamburg. Es war der Initiator des Festivals „Hamburg zeigt Kunst“ und mittlerweile waren die Bilder der Mindenerin im Cruise Center Altona und in der Hafencity zu sehen. „Zwei Wochen später meldete sich eine Galerie mit Standorten in Berlin, Malta und Hongkong bei mir und bot mir an, mich zu vertreten“, erzählt Sandmann-Henkel noch immer etwas ungläubig. Die LDXArtodrome Gallery zeigt ihre Arbeiten in Malta, in Kürze in ihrer Weihnachtsausstellung in Berlin, aber auch bei der Messe Reddot Miami Art Fair und im April bei der Artexpo in New York. Außerdem werden ihre Bilder in einer Galerie in Bologna in einer Ausstellung unter dem Titel „The Illusion of Reality“ vertreten sein. Allein in diesem Jahr war Sandmann-Henkel an 15 Ausstellungen beteiligt und auch für das nächste Jahr stehen Ausstellungen in Gelsenkirchen, Grünstadt und Potsdam an, außerdem ist sie wieder bei der HanseArt dabei. „Ich bin 58. Ich habe nichts zu verlieren. Wenn eine Tür aufgeht, gehe ich hindurch.“

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MindenBewegte Bilder: Mindener Fotografin Katrin Sandmann-Henkel auf der ÜberholspurUrsula KochMinden (mt). Dieses Jahr kommt ihr vor wie ein Märchen oder Film, sagt die Fotografin Katrin Sandmann-Henkel. Aus Minden herauskommen – das war ihr Ziel. Sie wollte ihre Bilder in Hamburg zeigen, weil viele dort entstanden sind. Inzwischen war sie an drei Ausstellungen dort beteiligt, ihre Fotografien sind demnächst auch in Miami, Malta, Bologna, Berlin und New York zu sehen. Am Anfang stand aber das Barcamp, das das Kulturbüro der Stadt organisiert hatte. „Ich war euphorisiert“, sagt die 58-Jährige. Sie ist seit etwa 20 Jahren künstlerisch tätig, hat sich zehn Jahre lang mit Malerei beschäftigt, bevor sie die Fotografie für sich wiederentdeckte. „Lost Places“ waren lange ihr Thema. Über das Vogelparadies Porta, ein „vergessener Ort“ hinter den Bahngleisen, hat die Autodidaktin ein Buch veröffentlicht. „2017 merkte ich: Das ist vorbei. Ich hatte alles abgegrast, was für mich erreichbar war“, erzählt sie in ihrem Atelier am Schwarzen Weg. „Ich hatte die Idee für Mehrfachbelichtungen, aber nicht die richtige Kamera dafür.“ Sie hat dann bei Langzeitbelichtungen erste Versuche mit dem Zoom-Objektiv gemacht. Die Versuche schienen ihr so vielversprechend, dass sie sich eine neue Digital-Kamera kaufte, die Mehrfachbelichtungen möglich macht. Das ist ihr wichtig: Die Aufnahmen entstehen im Moment vor Ort, nicht später am Computer. Den nutzt sie nur, um den Ausschnitt zu wählen oder die Farben zu intensivieren. Die ersten Aufnahmen in der neuen Technik entstanden in Polen. Das Ergebnis fand sie überzeugend. Dann besuchte sie ihre Tochter in Hamburg und machte Aufnahmen in der Hafencity. Ihre Idee war, Gebäude, die nahe beieinander stehen, in Bewegung zu bringen. So entstanden sehr grafische Bilder, die trotz aller Bewegung doch ruhig und klar wirken. „Beim Betrachten abends am Computer wusste ich: Das ist etwas Außergewöhnliches“, sagt Sandmann-Henkel. In der Zwischenzeit sind weitere „VerRückt“-Motivserien entstanden. In der Serie „Abstrakt“ treibt sie das Spiel noch weiter. Mehrfachbelichtungen seien in der Fotografie nicht neu, aber „so wie ich das einsetze, macht das niemand“, sagt sie selbstbewusst. Dann kam der Gedanke, dass es schön wäre, die Bilder einmal in Hamburg zu zeigen, wo so viele der Bilder entstanden sind. Bei Galerien Klinken zu putzen, schien ihr aber wenig Erfolg versprechend. Im Internet stieß sie auf die Ausschreibung für den europäischen Foto-Wettbewerb „Joyfull Architecture“. Sie landete unter den besten 28. Ihre Bilder sind in einer Ausstellung zu sehen, die zuerst im Deutschen Architektur Museum in Frankfurt zu sehen war und die zwei Jahre weiter tourt. So beflügelt, mietete sie einen Stand auf der Kunstmesse „HanseArt“ in Lübeck. Gleich zu Beginn habe ein Hamburger an ihrem Stand gestanden und gesagt: Das muss nach Hamburg. Es war der Initiator des Festivals „Hamburg zeigt Kunst“ und mittlerweile waren die Bilder der Mindenerin im Cruise Center Altona und in der Hafencity zu sehen. „Zwei Wochen später meldete sich eine Galerie mit Standorten in Berlin, Malta und Hongkong bei mir und bot mir an, mich zu vertreten“, erzählt Sandmann-Henkel noch immer etwas ungläubig. Die LDXArtodrome Gallery zeigt ihre Arbeiten in Malta, in Kürze in ihrer Weihnachtsausstellung in Berlin, aber auch bei der Messe Reddot Miami Art Fair und im April bei der Artexpo in New York. Außerdem werden ihre Bilder in einer Galerie in Bologna in einer Ausstellung unter dem Titel „The Illusion of Reality“ vertreten sein. Allein in diesem Jahr war Sandmann-Henkel an 15 Ausstellungen beteiligt und auch für das nächste Jahr stehen Ausstellungen in Gelsenkirchen, Grünstadt und Potsdam an, außerdem ist sie wieder bei der HanseArt dabei. „Ich bin 58. Ich habe nichts zu verlieren. Wenn eine Tür aufgeht, gehe ich hindurch.“