Minden

Kein Lärm, kein Gestank: Kreis Minden-Lübbecke will Vorbild bei der Wasserstoffmobilität werden

Sebastian Radermacher

Der Kreis will den Wechsel auf den Wasserstoffantrieb gemeinsam mit zwei Partnern forcieren. Dazu gehört auch die Planung für ein ausgereiftes Netz an Wasserstoff-Tankstellen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa - © (c) Copyright 2019, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Der Kreis will den Wechsel auf den Wasserstoffantrieb gemeinsam mit zwei Partnern forcieren. Dazu gehört auch die Planung für ein ausgereiftes Netz an Wasserstoff-Tankstellen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa (© (c) Copyright 2019, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten)

Minden (mt). Benzin, Diesel oder Elektro – wie werden sich Autos und Busse in den nächsten Jahren und Jahrzehnten von A nach B bewegen? Der Kreis Minden-Lübbecke bringt eine weitere Alternative ins Spiel: Wasserstoff. Er möchte ein Vorbild bei dieser Antriebsart werden, sagt Dr. Beatrix Wallberg, Leiterin des Umweltamtes, im MT-Gespräch: „Wir sehen Wasserstoff als große Chance und haben ein gutes Konzept als Basis erarbeitet." Wasserstofffahrzeuge sind schadstofffrei unterwegs und stoßen statt Abgasen nur Wasserdampf aus. Außerdem sind sie sehr geräuscharm. Dass schon bald zahlreiche dieser hochmodernen Fahrzeuge durch den Mühlenkreis fahren, ist aber nicht absehbar. Wallberg sieht es eher als Vision, als Idee für die Zukunft.

Wettbewerb

Um das Thema voranzutreiben, verbündet sich Minden-Lübbecke mit der Stadt Bielefeld und dem Kreis Lippe. Gemeinsam haben sie Ideen zusammengetragen und als Bewerbung beim Förderprogramm „Hyland" eingereicht. Im Grobkonzept geht es um Möglichkeiten der Wasserstofferzeugung, um die Verteilung und Speicherung sowie die potenziellen Anwender. Das Bundes-Verkehrsministerium entscheidet Anfang Januar, welche fünf Regionen jeweils 300.000 Euro erhalten, um damit ein Feinkonzept zur Umsetzung in Angriff zu nehmen. Wallberg hofft auf die Finanzspritze aus Berlin, sagt aber auch deutlich: „Selbst wenn wir nicht zum Zug kommen, werden wir weitermachen. Dann suchen wir eben andere Fördergeber."

Erzeugung

Wie und wo soll der benötigte Wasserstoff herkommen? „Unser Ziel ist, regenerative Energien zu verwenden", sagt Wallberg. In der Region gebe es verschiedene Möglichkeiten, zum Beispiel zahlreiche Windenergieanlagen, das Heizkraftwerk Minden, die Deponie Dörentrup im Kreis Lippe oder die Müllverbrennungsanlage Bielefeld, wo die Abwärme auch zur Stromherstellung genutzt wird. Mit einem „Elektrolyseur" könnte dort auch Wasserstoff hergestellt werden. Wallberg sieht vor allem in der Windenergie großes Potenzial. „Wir haben schon Absichtserklärungen von zwei Anlagenbetreibern, dass sie mitmachen würden."

Tankstellen

Um den Wasserstoff zu speichern und zu verteilen, ist ein ausgereiftes Netz an Tankstellen erforderlich. In dem Konzept sind mögliche Standorte ermittelt worden, etwa in der Nähe von Windrädern, auf den Betriebshöfen der Verkehrsunternehmen, auf der Pohlschen Heide, auf dem A2-Autohof in Porta, bei den Mindener Kreisbahnen (MKB) oder am Heizkraftwerk an der Karlstraße. Eine Wasserstofftankstelle kostet laut Wallberg rund 1,5 Millionen Euro, was natürlich viel Geld ist. Aber: „Busunternehmen erhalten eine Förderung von 90 Prozent, was den Eigenanteil auf 150.000 Euro reduziert." In einem nächsten Schritt würde ermittelt, wo die besten Standorte wären und wo man anfangen müsste.

Anwender

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist ein wichtiger Teil der Nutzer, das Interesse ist vorhanden, berichtet Wallberg. Die Bielefelder Stadtwerke zum Beispiel haben einen ersten Schritt gemacht und vier Wasserstoffbusse bestellt. Auch die MKB hätten Interesse an der Umstellung von zunächst fünf Bussen auf Wasserstoffantrieb – langfristig könnte die restlichen etwa 45 Fahrzeuge folgen. Nicht nur der ÖPNV, auch in der Industrie hat der Kreis seine Fühler ausgestreckt. „Alle sind interessiert und offen für dieses Thema", freut sich die Amtsleiterin. Das Unternehmen Pre Zero (ehemals Tönsmeier) arbeite zum Beispiel daran, Müllfahrzeuge auf Wasserstoff umzurüsten, zudem seien mehrere Speditionen mit im Boot. Auch den sogenannten Individualverkehr nehmen die drei Partner ins Visier, denn gerade im ländlichen Raum spiele Mobilität eine wichtige Rolle.

Wallberg freut sich, dass insgesamt schon 46 Unterstützer signalisiert haben, bei dem Projekt mitzumachen – vom Verkehrsunternehmen über Windkraftanlagenbetreiber bis hin zu Tankstellenbauern.

Kosten

Kein Geheimnis ist, dass der größte Nachteil der neuen Technologie im Preis liegt. Ein Wasserstoffbus (über 600.000 Euro) ist mehr als doppelt so teuer wie ein Dieselfahrzeug. Hinzu kommen Kosten für die Tankstellen. Die drei Projektpartner schrecke dies aber nicht ab. Wallberg: „OWL ist ein weißer Fleck auf der Wasserstoff-Landkarte – das wollen wir ändern."

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MindenKein Lärm, kein Gestank: Kreis Minden-Lübbecke will Vorbild bei der Wasserstoffmobilität werdenSebastian RadermacherMinden (mt). Benzin, Diesel oder Elektro – wie werden sich Autos und Busse in den nächsten Jahren und Jahrzehnten von A nach B bewegen? Der Kreis Minden-Lübbecke bringt eine weitere Alternative ins Spiel: Wasserstoff. Er möchte ein Vorbild bei dieser Antriebsart werden, sagt Dr. Beatrix Wallberg, Leiterin des Umweltamtes, im MT-Gespräch: „Wir sehen Wasserstoff als große Chance und haben ein gutes Konzept als Basis erarbeitet." Wasserstofffahrzeuge sind schadstofffrei unterwegs und stoßen statt Abgasen nur Wasserdampf aus. Außerdem sind sie sehr geräuscharm. Dass schon bald zahlreiche dieser hochmodernen Fahrzeuge durch den Mühlenkreis fahren, ist aber nicht absehbar. Wallberg sieht es eher als Vision, als Idee für die Zukunft. Wettbewerb Um das Thema voranzutreiben, verbündet sich Minden-Lübbecke mit der Stadt Bielefeld und dem Kreis Lippe. Gemeinsam haben sie Ideen zusammengetragen und als Bewerbung beim Förderprogramm „Hyland" eingereicht. Im Grobkonzept geht es um Möglichkeiten der Wasserstofferzeugung, um die Verteilung und Speicherung sowie die potenziellen Anwender. Das Bundes-Verkehrsministerium entscheidet Anfang Januar, welche fünf Regionen jeweils 300.000 Euro erhalten, um damit ein Feinkonzept zur Umsetzung in Angriff zu nehmen. Wallberg hofft auf die Finanzspritze aus Berlin, sagt aber auch deutlich: „Selbst wenn wir nicht zum Zug kommen, werden wir weitermachen. Dann suchen wir eben andere Fördergeber." Erzeugung Wie und wo soll der benötigte Wasserstoff herkommen? „Unser Ziel ist, regenerative Energien zu verwenden", sagt Wallberg. In der Region gebe es verschiedene Möglichkeiten, zum Beispiel zahlreiche Windenergieanlagen, das Heizkraftwerk Minden, die Deponie Dörentrup im Kreis Lippe oder die Müllverbrennungsanlage Bielefeld, wo die Abwärme auch zur Stromherstellung genutzt wird. Mit einem „Elektrolyseur" könnte dort auch Wasserstoff hergestellt werden. Wallberg sieht vor allem in der Windenergie großes Potenzial. „Wir haben schon Absichtserklärungen von zwei Anlagenbetreibern, dass sie mitmachen würden." Tankstellen Um den Wasserstoff zu speichern und zu verteilen, ist ein ausgereiftes Netz an Tankstellen erforderlich. In dem Konzept sind mögliche Standorte ermittelt worden, etwa in der Nähe von Windrädern, auf den Betriebshöfen der Verkehrsunternehmen, auf der Pohlschen Heide, auf dem A2-Autohof in Porta, bei den Mindener Kreisbahnen (MKB) oder am Heizkraftwerk an der Karlstraße. Eine Wasserstofftankstelle kostet laut Wallberg rund 1,5 Millionen Euro, was natürlich viel Geld ist. Aber: „Busunternehmen erhalten eine Förderung von 90 Prozent, was den Eigenanteil auf 150.000 Euro reduziert." In einem nächsten Schritt würde ermittelt, wo die besten Standorte wären und wo man anfangen müsste. Anwender Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist ein wichtiger Teil der Nutzer, das Interesse ist vorhanden, berichtet Wallberg. Die Bielefelder Stadtwerke zum Beispiel haben einen ersten Schritt gemacht und vier Wasserstoffbusse bestellt. Auch die MKB hätten Interesse an der Umstellung von zunächst fünf Bussen auf Wasserstoffantrieb – langfristig könnte die restlichen etwa 45 Fahrzeuge folgen. Nicht nur der ÖPNV, auch in der Industrie hat der Kreis seine Fühler ausgestreckt. „Alle sind interessiert und offen für dieses Thema", freut sich die Amtsleiterin. Das Unternehmen Pre Zero (ehemals Tönsmeier) arbeite zum Beispiel daran, Müllfahrzeuge auf Wasserstoff umzurüsten, zudem seien mehrere Speditionen mit im Boot. Auch den sogenannten Individualverkehr nehmen die drei Partner ins Visier, denn gerade im ländlichen Raum spiele Mobilität eine wichtige Rolle. Wallberg freut sich, dass insgesamt schon 46 Unterstützer signalisiert haben, bei dem Projekt mitzumachen – vom Verkehrsunternehmen über Windkraftanlagenbetreiber bis hin zu Tankstellenbauern. Kosten Kein Geheimnis ist, dass der größte Nachteil der neuen Technologie im Preis liegt. Ein Wasserstoffbus (über 600.000 Euro) ist mehr als doppelt so teuer wie ein Dieselfahrzeug. Hinzu kommen Kosten für die Tankstellen. Die drei Projektpartner schrecke dies aber nicht ab. Wallberg: „OWL ist ein weißer Fleck auf der Wasserstoff-Landkarte – das wollen wir ändern."