Minden

Seltenes Jubiläum: Rolf-Dieter Böing ist 50 Jahre bei Minda im Einsatz

Henning Wandel

Feiern ein ungewöhnliches Jubiläum: Rolf-Dieter Böing (Mitte) ist seit einem halben Jahrhundert für Minda im Einsatz. Eberhard (links) und Robert Falch, wissen, was sie an ihm haben. MT-Foto: Henning Wandel - © Henning Wandel
Feiern ein ungewöhnliches Jubiläum: Rolf-Dieter Böing (Mitte) ist seit einem halben Jahrhundert für Minda im Einsatz. Eberhard (links) und Robert Falch, wissen, was sie an ihm haben. MT-Foto: Henning Wandel (© Henning Wandel)

Minden (mt). Fast jedes Wochenende ist Rolf-Dieter Böing im Einsatz, prüft Maschinen oder nimmt sie in Betrieb. Dabei könnte der 71-Jährige eigentlich schon eine ganze Weile in Rente sein. Doch auch nach 50 Jahren im selben Betrieb hat der Portaner noch keine Lust auf den Ruhestand: „So lange ich fit bin und Freude an der Arbeit habe, mache ich auch weiter.“

Böing ist im besten Sinne ein Urgestein beim Mindener Maschinen- und Anlagenbauer Minda. Streng genommen ist er sogar schon länger dabei, als es die Firma in dieser Form gibt. Als Eberhard Falch vor gut 40 Jahren die Mindener Schlosserei Schwarze übernahm und zu Minda machte, war Böing schon seit 13 Jahren fertiger Maschinenschlosser, 1969 kehrte er nach zwei Jahren in einem anderen Unternehmen in seinen Lehrbetrieb zurück. Inzwischen ist bei Minda mit Robert Falch die zweite Generation in der Verantwortung, und auch er kann sich auf Böings Erfahrung verlassen.

Es ist bereist das zweite Mal, dass bei Minda ein Mitarbeiter dieses ungewöhnliche Jubiläum feiert. Rolf-Dieter Böing ist trotzdem ein besonderes Beispiel für Verbundenheit zum Unternehmen: Nachdem sich die Firma immer mehr zum Anlagenbauer entwickelt hatte, schloss er eine zweite Ausbildung zum Elektromechaniker an – mehr als 20 Jahre nach seiner ersten Lehre. Das bedeutete nicht nur, wieder mit deutlich jüngeren Kollegen die Schulbank zu drücken, auch der Lohn ist in dieser Übergangszeit ein anderer.

Die Früchte erntete Böing dann wenige Jahre später: 1992 wurde er Obermonteur und damit Baustellenleiter. Mit seiner Doppelausbildung hat Böing eine Entwicklung vorweggenommen, die später zu dem Ausbildungsberuf des Mechatronikers führte. „Das gab es damals noch nicht“, sagt Eberhard Falch. Eine echte doppelte Ausbildung wie Böing sie gemacht hat, wertet der Seniorchef allerdings noch einmal höher ein, als die moderne Variante.

Für Minda ist eine solche Mehrfachqualifikation besonders wertvoll, weil Böing eine Sicherheitsüberprüfung nicht nur durchführen, sondern eventuell notwendige Reparaturen gleich selbst erledigen kann. Und auch in die Programmierung hat er sich aus eigenem Antrieb eingearbeitet, das dafür notwendige Gerät kurzerhand privat beschafft – aus Neugier, wie er sagt. „Das ist das Geheimrezept.“ Ansonsten macht der zurückhaltende Mann wenig Aufhebens um seine persönlichen Verdienste. Freude an der Arbeit und der Wunsch, stetig dazuzulernen, sind für Böing offensichtlich eine gute Motivation.

Sein Wissen gibt er auch an die Nachwuchskräfte in der Firma weiter. Für die jetzigen Auszubildenden bei Minda gehören Service-Einsätze mit Rolf-Dieter Böing dazu. Sie lernen von ihm nicht nur fachliches Know-how, sondern auch den richtigen Kontakt zum Kunden, oder wie man sich auf Aufträge im Ausland vorbereitet und dort verhält. Der Kontakt zu den jungen Leuten ist Böing wichtig: „Ich lerne ja selbst von ihnen, man muss sich dafür aber auch mal etwas sagen lassen.“

Dass über Jahre erworbenes Wissen weitergegeben wird, ist auch für die Firma wesentlich – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Auch deswegen legt Eberhard Falch großen Wert auf gegenseitiges Vertrauen als Basis für Kontinuität. „Das ist unsere Grundphilosophie“, sagt er, „wir wollten nie wie ein Taubenschlag sein.“

Die Bedeutung, die langjährige Mitarbeiter für die Wirtschaft haben, unterstreicht auch der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes, André M. Fechner. 50 Jahre seien „eine absolute Ausnahme“, sagt er. Solche Mitarbeiter seien enorm wichtig für die Unternehmen – nicht nur, weil sie ungewöhnlich loyal gegenüber ihrem Arbeitgeber sind. Sie sind auch eine wichtige Schnittstelle im Wissenstransfer. „Für Unternehmen sind diese Menschen Gold wert“, so Fechner.

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