Minden

Dampflok der Museumseisenbahn wird für ein Jahr aus dem Verkehr gezogen

Gisela Burmester

Mindestens ein Jahr lang wird die Wartung der historischen Dampflok, die für die Museumseisenbahn Minden fährt, wohl dauern. Für die kommende Saison muss eine Übergangslösung her. - © Foto: pr
Mindestens ein Jahr lang wird die Wartung der historischen Dampflok, die für die Museumseisenbahn Minden fährt, wohl dauern. Für die kommende Saison muss eine Übergangslösung her. (© Foto: pr)

Minden (mt). Wenn die Stettin 7906 an Sommersonntagen Richtung Kleinenbremen und Hille fährt, ist ihr weißer Qualm schon weithin sichtbar. Doch mindestens im nächsten Jahr hat es sich ausgedampft: Die Lok muss aufwendig gewartet werden, um weiterhin eine Betriebserlaubnis zu bekommen. Und das stellt den Verein MEM (Museumseisenbahn Minden) als Eigentümer vor große Probleme – finanziell und bei der Saisonplanung.

Alle Eisenbahnfahrzeuge müssen nach der sogenannten EBO (Eisenbahn-Bau-und-Verkehrsordnung), erlassen vom zuständigen Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, spätestens alle acht Jahre umfangreich geprüft und untersucht werden. „Diese Frist ist nun für unsere Lok der Bauart T 13 unwiderruflich abgelaufen", sagt MEM-Vorsitzender Werner Schütte. Für die Wartung müsse, so die Schätzung, ein sechsstelliger Betrag vom Verein aufgebracht werden, und was an Arbeiten möglich sei, werde in Eigenleistung erbracht.

Information
Die Stettin 7906 der preußischen Bauart T 13, einer von 1910 bis 1923 in 666 Exemplaren gebauten Tenderlokomotive für den schweren Rangier- und Güterzugdienst, wurde 1912 von der Königlich Preußischen Eisenbahn-Verwaltung bei der Direktion Stettin in Dienst gestellt. Danach hatte sie ihre Standorte in Angermünde, Eisenhüttenstadt und Erfurt. Der Verein Mindener Museums Eisenbahn (MEM) kaufte die nicht mehr betriebsbereite Lok im Jahr 1977 und restaurierte sie. Seit 1980 befindet sie sich als einzige der drei erhaltenen Maschinen dieser Bauart wieder in Betrieb. (Quelle: Ingrid und Werner Schütte)

Am Samstag und Sonntag des ersten Advents ist die Dampflok bei den Nikolausfahrten letztmalig für lange Zeit auf der Schiene, danach geht’s in die Fahrzeughalle am historischen Bahnhof Oberstadt in Minden, dem Standort des Preußenzugs und auch der Themenausstellung im Bahnhofsgebäude. Die Lokomotive wird ausgeachst und angehoben, die Stangen werden entfernt, um Fahrwerk und Bremsanlage untersuchen zu können. Abgebaut werden müssen zudem der Aufbau aus dem Führerhaus, zwei Wasserkästen und der Kessel. „Uns sind bereits einige Schäden am Kessel bekannt", berichtet Werner Schütte. „Beispielsweise werden alle 216 Heizrohre erneuert, das übernimmt eine Fachfirma. Die Anfertigung beginnt im April nächsten Jahres und dauert im schlimmsten Fall bis Ende 2020."

Für die Wartung hatte die MEM auf eine Finanzspritze vom Land Nordrhein-Westfalen gehofft. Das NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung legte dieses Jahr im April erstmalig das „Förderprogramm verkehrshistorische Kulturgüter" auf. Insgesamt 500.000 Euro standen im Topf für Instandhaltung und Erhaltung zur Verfügung, Einzelprojekte erhielten bis zu 100.000 Euro. Im Mai schickte Werner Schütte die Bewerbung ab, im Juli wurde der Antrag abgelehnt. „Unsere Enttäuschung ist natürlich groß. Unsere Leidenschaft und auch Aufgabe ist es, historische Eisenbahnen zu sichern, instand zu halten und zu bewahren, sodass laufend in Renovierungen investiert werden muss." Laut Werner Schütte gingen insgesamt 38 Anträge mit einem Volumen von 1,8 Millionen Euro beim Bauministerium ein. Und nun stellt sich die MEM die bange Frage, ob das Förderprogramm 2020 erneut aufgelegt wird. Immerhin hätte ihre Bewerbung dann eine zweite Chance.

Trotz dieser Schwierigkeiten werde es, verspricht Werner Schütte, auch im nächsten Jahr am zweiten Sonntag im Monat Fahrten mit dem Preußenzug geben. Start ist am 12. April 2020 (Ostern). „Nur dampfen wird die Lokomotive nicht. Wir mieten eine Diesellok von der MKB an."

Dabei ist die Stettin 7906, die 45 Stundenkilometer schnell ist, deren Kessel sieben Kubikmeter Wasser fasst und die 2,5 Tonnen Steinkohle fürs Heizen aufnehmen kann, der absolute Publikumsrenner. „Es gibt zahlreiche Anfragen von Reiseunternehmen und der Minden Marketing für nächstes Jahr, doch wir können keine verbindlichen Zusagen machen." Ein echter Hit sei der Kurs „Ehrenlokführer", veranstaltet von der Minden Marketing. „Hier gibt es jedes Mal Wartelisten, doch all diese Sonderfahrten können wir 2020 nicht anbieten, weil wir nicht wissen, dann die Untersuchung abgeschlossen ist", bedauert Werner Schütte.

In Minden steht neben der T 13 noch die Lok der Bauart T 11 in der Fahrzeughalle; ihr Kessel ist defekt, für die Reparatur fehlt das Geld. Gekauft hat die MEM eine Preußenlok der Baureihe T 9 – sie wird in Sachsen-Anhalt instandgesetzt. Wann sie betriebsbereit ist, ist unklar. Auch sie wird mit Steinkohle beheizt. Die MEM kauft sie in Russland, und das hat einen Grund. „Das Umweltbewusstsein der Menschen ist in den letzten Jahren gewachsen. Bei schwarzem Qualm befürchten viele eine Luftverschmutzung mit Feinstaub, doch der ist weder in dunklem noch hellem Rauch nachweisbar."

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