Minden

Weitere Millionen für Bundeswehr-Standort in Minden angekündigt

Henning Wandelund Benjamin Piel

Hält den Ausbildungsstand der Soldatinnen und Soldaten für ausgezeichnet: Vizeadmiral Joachim Rühle, Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr, bei einem Besuch in Minden. MT- - © Foto: Thomas Lieske
Hält den Ausbildungsstand der Soldatinnen und Soldaten für ausgezeichnet: Vizeadmiral Joachim Rühle, Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr, bei einem Besuch in Minden. MT- (© Foto: Thomas Lieske)

Minden (mt). Nach einem Besuch in Minden kündigt Vizeadmiral Joachim Rühle, Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr und damit zweit ranghöchster deutscher Soldat, millionenschwere Investitionen an. Das hat auch mit der deutsch-britischen Kooperation zu tun.

Die damalige Verteidigungsministerin von der Leyen hat im vergangenen Jahr 18 Millionen Euro für den Mindener Standort zugesagt. Welche Projekte sind bereits umgesetzt und was ist noch geplant?

Joachim Rühle: Insgesamt haben wir am Standort Minden in den vergangenen Jahren rund sieben Millionen Euro in die Infrastruktur investiert, mit Schwerpunkt in der Herzog-von-Braunschweig-Kaserne. Dort fangen wir im nächsten Jahr übrigens an, die ersten Unterkünfte mit Internet auszustatten. Und im Sommer 2021 wollen wir ein neues Wachgebäude in Betrieb nehmen. Bei den 18 Millionen Euro, die Ministerin von der Leyen für den Standort angekündigt hat, wird es aber nicht bleiben. Denn für den Beginn oder die Fortsetzung weiterer geplanter Baumaßnahmen sind weitere rund 43 Millionen Euro vorgesehen. Sie sehen: Da tut sich in den nächsten Jahren einiges. Unsere Aufträge werden ja auch nicht weniger.

Wie weit ist die geplante Anbindung der britischen Pioniere ans Bataillon? Stimmt es, dass erneut eine Veränderung des Zuschnitts ansteht?

Ja, das ist beabsichtigt. Derzeit planen wir, ein britisch-deutsches Pionierbrückenbataillon am Standort Minden aufzustellen, das dann gemeinsam mit dem Brückensystem Amphibie M3 arbeiten soll. Die endgültige Entscheidung steht noch aus. Klar ist, dass die Bundeswehr immer stärker auf multinationale Kooperation setzt, besonders in Europa. Da hat es erhebliche Vorteile, wenn man sich auf ein System abstützen kann, das beide Partner nutzen.

Wie realistisch ist eine Konstruktion, Minden zu einem zentralen Standort für das Brückengerät auszubauen, hier also neben der Amphibie auch zum Beispiel die Faltschwimmbrücke wieder anzusiedeln?

Minden wird ein wesentliches Standbein der Pioniere für die Gewässerausbildung sein. Der Standort Havelberg bleibt aber als zweites Standbein erhalten.

Gibt es konkrete Zielmarken für einen künftigen Personalstand in der Kaserne?

Der derzeitige Personalumfang wird nach derzeitigem Stand in etwa gehalten werden (900 Soldaten, Anmerkung der Redaktion).

Was ist Ihre Einschätzung zur Mindener Rolle im Nato-Verband Very High Readiness Joint Task Force (VJTF, zu Deutsch: Einsatzgruppe mit sehr großer Einsatzbereitschaft)?

Die Pioniere aus Minden stellen den Kern der Pionierunterstützung in der VJTF (L) Brigade 2019. Es gibt ein Multinational Engineer Battalion in der VJTF, und die Soldatinnen und Soldaten aus Minden stellen davon den größten Anteil. Sie haben einen ausgezeichneten Ausbildungsstand. Zuletzt haben sie ihr Können bei der Großübung „Trident Juncture“ 2018 in Norwegen unter Beweis gestellt. Das war eindrucksvoll.

Seit Kurzem ist auch eine Beteiligung der Bundeswehr an direkten Kampfeinsätzen kein Tabu mehr. Inwieweit wären die Mindener Pionieren als Kampfunterstützungstruppen davon betroffen?

Einsätze der Bundeswehr im Rahmen von Mandaten des Deutschen Bundestages sind keine Neuerung. Jedes Einsatzkontingent wird auftragsbezogen zusammengestellt. Deshalb kann grundsätzlich jede Soldatin und jeder Soldat davon betroffen sein, das gilt natürlich auch für die Mindener Pioniere.

Der Bundeswehrstandort in Bückeburg soll Sitz des „Kommandos Hubschrauber“ werden. Was genau bedeutet das und welche Auswirkungen hat es für diesen Standort?

Für den ist das eine gute Nachricht. Im neuen Kommando werden alle fachlichen Aufgaben und die Führungsaufgaben zusammengeführt – für den gesamten Flugbetrieb Heer und die Heeresfliegertruppe. Wir bringen also zusammen, was zusammengehört. Der Standort Bückeburg bietet hierfür beste Voraussetzungen. Die Aufstellung werden wir im Jahr 2020 beginnen.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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MindenWeitere Millionen für Bundeswehr-Standort in Minden angekündigtHenning Wandelund Benjamin PielMinden (mt). Nach einem Besuch in Minden kündigt Vizeadmiral Joachim Rühle, Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr und damit zweit ranghöchster deutscher Soldat, millionenschwere Investitionen an. Das hat auch mit der deutsch-britischen Kooperation zu tun. Die damalige Verteidigungsministerin von der Leyen hat im vergangenen Jahr 18 Millionen Euro für den Mindener Standort zugesagt. Welche Projekte sind bereits umgesetzt und was ist noch geplant? Joachim Rühle: Insgesamt haben wir am Standort Minden in den vergangenen Jahren rund sieben Millionen Euro in die Infrastruktur investiert, mit Schwerpunkt in der Herzog-von-Braunschweig-Kaserne. Dort fangen wir im nächsten Jahr übrigens an, die ersten Unterkünfte mit Internet auszustatten. Und im Sommer 2021 wollen wir ein neues Wachgebäude in Betrieb nehmen. Bei den 18 Millionen Euro, die Ministerin von der Leyen für den Standort angekündigt hat, wird es aber nicht bleiben. Denn für den Beginn oder die Fortsetzung weiterer geplanter Baumaßnahmen sind weitere rund 43 Millionen Euro vorgesehen. Sie sehen: Da tut sich in den nächsten Jahren einiges. Unsere Aufträge werden ja auch nicht weniger. Wie weit ist die geplante Anbindung der britischen Pioniere ans Bataillon? Stimmt es, dass erneut eine Veränderung des Zuschnitts ansteht? Ja, das ist beabsichtigt. Derzeit planen wir, ein britisch-deutsches Pionierbrückenbataillon am Standort Minden aufzustellen, das dann gemeinsam mit dem Brückensystem Amphibie M3 arbeiten soll. Die endgültige Entscheidung steht noch aus. Klar ist, dass die Bundeswehr immer stärker auf multinationale Kooperation setzt, besonders in Europa. Da hat es erhebliche Vorteile, wenn man sich auf ein System abstützen kann, das beide Partner nutzen. Wie realistisch ist eine Konstruktion, Minden zu einem zentralen Standort für das Brückengerät auszubauen, hier also neben der Amphibie auch zum Beispiel die Faltschwimmbrücke wieder anzusiedeln? Minden wird ein wesentliches Standbein der Pioniere für die Gewässerausbildung sein. Der Standort Havelberg bleibt aber als zweites Standbein erhalten. Gibt es konkrete Zielmarken für einen künftigen Personalstand in der Kaserne? Der derzeitige Personalumfang wird nach derzeitigem Stand in etwa gehalten werden (900 Soldaten, Anmerkung der Redaktion). Was ist Ihre Einschätzung zur Mindener Rolle im Nato-Verband Very High Readiness Joint Task Force (VJTF, zu Deutsch: Einsatzgruppe mit sehr großer Einsatzbereitschaft)? Die Pioniere aus Minden stellen den Kern der Pionierunterstützung in der VJTF (L) Brigade 2019. Es gibt ein Multinational Engineer Battalion in der VJTF, und die Soldatinnen und Soldaten aus Minden stellen davon den größten Anteil. Sie haben einen ausgezeichneten Ausbildungsstand. Zuletzt haben sie ihr Können bei der Großübung „Trident Juncture“ 2018 in Norwegen unter Beweis gestellt. Das war eindrucksvoll. Seit Kurzem ist auch eine Beteiligung der Bundeswehr an direkten Kampfeinsätzen kein Tabu mehr. Inwieweit wären die Mindener Pionieren als Kampfunterstützungstruppen davon betroffen? Einsätze der Bundeswehr im Rahmen von Mandaten des Deutschen Bundestages sind keine Neuerung. Jedes Einsatzkontingent wird auftragsbezogen zusammengestellt. Deshalb kann grundsätzlich jede Soldatin und jeder Soldat davon betroffen sein, das gilt natürlich auch für die Mindener Pioniere. Der Bundeswehrstandort in Bückeburg soll Sitz des „Kommandos Hubschrauber“ werden. Was genau bedeutet das und welche Auswirkungen hat es für diesen Standort? Für den ist das eine gute Nachricht. Im neuen Kommando werden alle fachlichen Aufgaben und die Führungsaufgaben zusammengeführt – für den gesamten Flugbetrieb Heer und die Heeresfliegertruppe. Wir bringen also zusammen, was zusammengehört. Der Standort Bückeburg bietet hierfür beste Voraussetzungen. Die Aufstellung werden wir im Jahr 2020 beginnen. Das Interview wurde schriftlich geführt.