Minden

Mindener Gründerzentrum eröffnet

Henning Wandel

Karsten Martin-Borrego (v.l.), Michael Jäcke, Michael Buhre und Jens Walsemann nehmen das Mindener Innovations- und Technologiezentrum offiziell in Betrieb. - © Henning Wandel
Karsten Martin-Borrego (v.l.), Michael Jäcke, Michael Buhre und Jens Walsemann nehmen das Mindener Innovations- und Technologiezentrum offiziell in Betrieb. (© Henning Wandel)

Minden (mt). Auf dem Weg zum Gründerstandort hat Minden am Dienstagabend einen wichtigen Schritt geschafft: Bei der feierlichen Eröffnung des Innovations- und Technologiezentrums am Simeonscarré gab es auch gleich einen Vorgeschmack darauf, was hier in Zukunft passieren soll. Mit einem sogenannten „Elevator Pitch" haben drei potenzielle Gründer oder Gründer-Teams den 160 Gästen ihre Idee für ein innovatives Start-up-Unternehmen vorgestellt. In drei Minuten mussten sie das Publikum überzeugen – auch wenn es nicht darum ging, direkt einen Investor zu gewinnen, wie es in der klassischen Fahrstuhl-Präsentation gedacht ist. Dafür ging es um Preisgelder von 500, 1.000 und 1.500 Euro, die die Gäste per Applaus verteilen sollten.

Am Ende gab es dann trotz „Applausometer" zwei erste Plätze für Maike Niemeier für ihr Lernprogramm „Portcrash" und Jakob Sadighi für ein System zur Energiegewinnung an Elektroautos. Beide durften sich kurzfristig über das höchste Preisgeld freuen. Mit nur geringem Rückstand folgten Allegro Sprute und Gregor Nottmeier mit einem Nahrungsergänzungsmittel zur besseren Flüssigkeitsaufnahme.

Ob eines dieser Projekte für einen Platz im Gründerzentrum infrage kommt, bleibt an diesem Abend offen. Zentrums-Manager Jens Walsemann ist mit der Nachfrage aber zufrieden. Ein Unternehmen hat bereits vor der offiziellen Eröffnung den Betrieb aufgenommen, weitere stehen in den Startlöchern. Die ursprünglich für einen späteren Zeitpunkt geplante zweite Ausbaustufe ist bereist in Arbeit.

Vorausgegangen war unter anderem ein Vortrag von Ulrich Hempen, der bei Wago das Branchenmanagement der Energie- und Prozesstechnik leitet. Hempen schlug einen weiten Bogen von der Bedeutung von Innovationen für die Wirtschaft und damit auch für die Gesellschaft insgesamt bis hin zu den richtigen Schritten, die für ein erfolgreiches neues Produkt notwendig sind. Im Kern riet er dazu, nicht zu sehr an den technischen Möglichkeiten zu hängen. Im Zentrum der Idee stehe zunächst der Anwendernutzen, sagte Hempen. Und erst wenn auch das Geschäftsmodell und die Unternehmenskultur feststehe, komme die Technologie ins Spiel – als Mittel zum Zweck. Als Beispiel nennt Hempen den Online-Händler Zalando. Die technischen Voraussetzungen für das Geschäft waren allesamt nicht neu, trotzdem sei daraus ein erfolgreiches neues Modell entstanden.

Damit aus einer Idee ein Unternehmen werden kann, brauche es Zeit und Raum, so Hempen – und zu Beginn ein geschütztes Umfeld. Gründerzentren seien daher mit einem Inkubator vergleichbar, einem Brutkasten, der in der ersten Wachstumsphase für den nötigen Schutz sorgt.

Die Stadt Minden lässt sich diesen Inkubator jährlich 250.000 Euro kosten. Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) sieht für das Zentrum gute Chancen: Minden biete nicht nur gute Voraussetzungen für Gründer, sondern auch ein Umfeld mit günstigen Mieten – ein Vorteil gegenüber den Gründerhochburgen in den urbanen Ballungszentren. Auch die Präsidentin der Fachhochschule Bielefeld, Professor Ingeborg Schramm-Wölk betonte die Bedeutung eines Transfers von Wissenschaft in die Praxis, wie er auch am Mindener Campus geschehe.

Per Video-Botschaft gratulierte auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Anders als die Redner vor Ort nahm er auch den Faden auf, den die Abkürzung des Zentrums biete: MIT. In der Startphase hatten die Mindener Planer mit namentlichen Nähe zur berühmten Technik-Institution in Boston kokettiert, davon aber Abstand genommen – nachdem sich das Massachusetts Institute of Technology in Minden gemeldet hatte. Jetzt wird ein neuer griffiger Name gesucht.

Startschuss

Kommentar von Henning Wandel

Raum für Innovationen und ein Umfeld für das so wichtige Netzwerk: Das Mindener Gründerzentrum bietet die Chance, den florierenden Campus, frische Ideen und etablierte Unternehmen zusammenzubringen. Im Idealfall profitieren davon nicht nur die beteiligten Akteure, sondern auch die Stadt insgesamt. Daher ist es gerade in Zeiten schwächelnder Steuereinnahmen richtig, dafür auch öffentliches Geld in die Hand zu nehmen.

Eine der ersten guten Ideen in dem Zentrum, das nicht mehr MIT heißen darf, sollte jetzt einen neuen Namen zutage fördern. Die mehr als deutliche Anlehnung an die weltweit wohl berühmteste und gleichsam altehrwürdige Technologie-Institution in Boston mag als Arbeitstitel in Ordnung gewesen sein. Alles darüber hinaus wirkt dann schon eher vermessen.

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MindenMindener Gründerzentrum eröffnetHenning WandelMinden (mt). Auf dem Weg zum Gründerstandort hat Minden am Dienstagabend einen wichtigen Schritt geschafft: Bei der feierlichen Eröffnung des Innovations- und Technologiezentrums am Simeonscarré gab es auch gleich einen Vorgeschmack darauf, was hier in Zukunft passieren soll. Mit einem sogenannten „Elevator Pitch" haben drei potenzielle Gründer oder Gründer-Teams den 160 Gästen ihre Idee für ein innovatives Start-up-Unternehmen vorgestellt. In drei Minuten mussten sie das Publikum überzeugen – auch wenn es nicht darum ging, direkt einen Investor zu gewinnen, wie es in der klassischen Fahrstuhl-Präsentation gedacht ist. Dafür ging es um Preisgelder von 500, 1.000 und 1.500 Euro, die die Gäste per Applaus verteilen sollten. Am Ende gab es dann trotz „Applausometer" zwei erste Plätze für Maike Niemeier für ihr Lernprogramm „Portcrash" und Jakob Sadighi für ein System zur Energiegewinnung an Elektroautos. Beide durften sich kurzfristig über das höchste Preisgeld freuen. Mit nur geringem Rückstand folgten Allegro Sprute und Gregor Nottmeier mit einem Nahrungsergänzungsmittel zur besseren Flüssigkeitsaufnahme. Ob eines dieser Projekte für einen Platz im Gründerzentrum infrage kommt, bleibt an diesem Abend offen. Zentrums-Manager Jens Walsemann ist mit der Nachfrage aber zufrieden. Ein Unternehmen hat bereits vor der offiziellen Eröffnung den Betrieb aufgenommen, weitere stehen in den Startlöchern. Die ursprünglich für einen späteren Zeitpunkt geplante zweite Ausbaustufe ist bereist in Arbeit. Vorausgegangen war unter anderem ein Vortrag von Ulrich Hempen, der bei Wago das Branchenmanagement der Energie- und Prozesstechnik leitet. Hempen schlug einen weiten Bogen von der Bedeutung von Innovationen für die Wirtschaft und damit auch für die Gesellschaft insgesamt bis hin zu den richtigen Schritten, die für ein erfolgreiches neues Produkt notwendig sind. Im Kern riet er dazu, nicht zu sehr an den technischen Möglichkeiten zu hängen. Im Zentrum der Idee stehe zunächst der Anwendernutzen, sagte Hempen. Und erst wenn auch das Geschäftsmodell und die Unternehmenskultur feststehe, komme die Technologie ins Spiel – als Mittel zum Zweck. Als Beispiel nennt Hempen den Online-Händler Zalando. Die technischen Voraussetzungen für das Geschäft waren allesamt nicht neu, trotzdem sei daraus ein erfolgreiches neues Modell entstanden. Damit aus einer Idee ein Unternehmen werden kann, brauche es Zeit und Raum, so Hempen – und zu Beginn ein geschütztes Umfeld. Gründerzentren seien daher mit einem Inkubator vergleichbar, einem Brutkasten, der in der ersten Wachstumsphase für den nötigen Schutz sorgt. Die Stadt Minden lässt sich diesen Inkubator jährlich 250.000 Euro kosten. Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) sieht für das Zentrum gute Chancen: Minden biete nicht nur gute Voraussetzungen für Gründer, sondern auch ein Umfeld mit günstigen Mieten – ein Vorteil gegenüber den Gründerhochburgen in den urbanen Ballungszentren. Auch die Präsidentin der Fachhochschule Bielefeld, Professor Ingeborg Schramm-Wölk betonte die Bedeutung eines Transfers von Wissenschaft in die Praxis, wie er auch am Mindener Campus geschehe. Per Video-Botschaft gratulierte auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Anders als die Redner vor Ort nahm er auch den Faden auf, den die Abkürzung des Zentrums biete: MIT. In der Startphase hatten die Mindener Planer mit namentlichen Nähe zur berühmten Technik-Institution in Boston kokettiert, davon aber Abstand genommen – nachdem sich das Massachusetts Institute of Technology in Minden gemeldet hatte. Jetzt wird ein neuer griffiger Name gesucht. Startschuss Kommentar von Henning Wandel Raum für Innovationen und ein Umfeld für das so wichtige Netzwerk: Das Mindener Gründerzentrum bietet die Chance, den florierenden Campus, frische Ideen und etablierte Unternehmen zusammenzubringen. Im Idealfall profitieren davon nicht nur die beteiligten Akteure, sondern auch die Stadt insgesamt. Daher ist es gerade in Zeiten schwächelnder Steuereinnahmen richtig, dafür auch öffentliches Geld in die Hand zu nehmen. Eine der ersten guten Ideen in dem Zentrum, das nicht mehr MIT heißen darf, sollte jetzt einen neuen Namen zutage fördern. Die mehr als deutliche Anlehnung an die weltweit wohl berühmteste und gleichsam altehrwürdige Technologie-Institution in Boston mag als Arbeitstitel in Ordnung gewesen sein. Alles darüber hinaus wirkt dann schon eher vermessen.