Minden

Neubaupläne fürs alte Rampenloch

Kerstin Rickert

Eingeklemmt zwischen zwei Mauern steht das einzige Haus auf der Nordseite des Rampenlochs. Es könnte ebenso wie das Haus gegenüber der Abrissbirne zum Opfer fallen. Das möchten einige Mindener verhindern. - © Kerstin Rickert
Eingeklemmt zwischen zwei Mauern steht das einzige Haus auf der Nordseite des Rampenlochs. Es könnte ebenso wie das Haus gegenüber der Abrissbirne zum Opfer fallen. Das möchten einige Mindener verhindern. (© Kerstin Rickert)

Minden (kr). Wo früher die Freier parkten, hat jemand seinen Müll entsorgt. Unkraut wuchert aus den Fugen des historischen Kopfsteinpflasters von 1877, die Bordsteine aus Sandstein und die geklinkerten Gehwege sind kaum noch zu sehen. Putz bröckelt von den Wänden der Häuschen in der engen Altstadtgasse, die 110 Jahre lang Mindens berühmt-berüchtigte Bordellstraße war und unter Denkmalschutz steht. Davon, dass das Rampenloch in der städtebaulichen Entwicklung der Oberen Altstadt eine Schlüsselstellung einnehmen soll, ist noch nichts zu sehen.

Im Gegenteil: „Das Rampenloch verfällt", sagt ein Altstadtbewohner am Dienstagabend im BÜZ. Er ist nicht der Einzige, dem ein Dorn im Auge ist, wie es dort mittlerweile aussieht. Die Frage, wie es mit dem Rampenloch und drumherum nun weitergeht, hatte sich der SPD-Ortsverein Minden gestellt –-und Lars Bursian, Beigeordneter für Städtebau und Feuerschutz, als Referenten einer öffentlichen Veranstaltung eingeladen. Als Vertreter der Stadt und somit der Eigentümerin des Rampenlochs muss er sich aus dem Kreis seiner rund 70 Zuhörer einiges an Kritik gefallen lassen.

Information
Das Rampenloch

Bestattungsplatz für Frauen, die wegen Kindesmordes zum Tode verurteilt wurden, öffentliche Abfallgrube, Armensiedlung und Bordellgasse: Das Rampenloch war immer ein verrufener Ort. Der merkwürdige Name ist seit dem Mittelalter überliefert und geht auf die niederdeutschen Begriffe „Rampanien" (Gekröse, Kaldaunen) und „hol" (Loch) zurück. Aas und Schlachtabfälle wurden hier außerhalb der Stadtmauer entsorgt.

Etwa ab 1500 entstanden nach und nach kleine Häuser für Handwerker. Das Haus Rampenloch 3 wurde 1802 für einen Maurermeister errichtet und ist ein denkmalgeschütztes Zeugnis der Lebens- und Wohnverhältnisse zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Unter Denkmalschutz steht auch die Straße mit ihrem historischen Pflaster aus dem Jahr 1877, das 
in Minden heute als einzigartig gilt. Charakteristisch ist die Verwendung von Kopfsteinen aus 
Basalt für die Fahrbahn, Rand-steinen aus Sandstein und die Pflasterung der Gehwege aus Klinkersteinen.

Die Prostitution zog 1908 ins Rampenloch ein. Um 1960 wurde die Gasse mit einer Trennwand 
im Osten verschlossen und später auch die dort eingesetzte Tür zugemauert. Seitdem ist das Rampenloch nur vom Königswall aus zu erreichen.

„Sich wenigstens kümmern und mal durchfegen" könne die Stadt doch wohl. Vor 19 Monaten habe diese das Areal erworben und seitdem nichts gemacht, außer einen Bauzaun zum Schutz vor Vandalismus aufzustellen, so Kritiker.

Das will Bursian so nicht stehen lassen. Viele Gespräche seien geführt worden, um mit den Nachbarn zu verhandeln. Das brauche Zeit. Bei der Entwicklung des Quartiers gehe es unter anderem auch um die als Parkflächen genutzten Grundstücke auf beiden Seiten der Greisenbruchstraße, Ecke Königswall. „Die Kanten waren hier immer bebaut." Beide Grundstücke sind jedoch in Privateigentum und laut Bursian von den jeweiligen Eigentümern in der Vergangenheit nicht als lohnenswert für Investitionen erachtet worden. Der Grund war die Nutzung des Rampenlochs als Bordell.

Wie ist der aktuelle Stand?

„Diese Situation besteht nun nicht mehr", so Bursian. Auf Nachfrage aus dem Publikum zum derzeitigen Stand sagt der Bau-Beigeordnete, die Stadt sei mit den Eigentümern im Gespräch und er erwarte, dass es da bald weitergehe. „Aber es sind nun mal private Grundstücke und wir können niemanden zwingen." Den in diesem Bereich aufgebrochenen Stadtraum durch Bebauung wieder zu schließen, gehört zu den Vorschlägen, die die Stadtplaner von Wolters Partner für die nördliche Obere Altstadt ausgearbeitet haben. Den entsprechenden Rahmenplan hat der Bauausschuss bereits Ende Februar beschlossen. Das Rampenloch und das Gebiet Greisenbruchstraße/ Königswall markieren darin zwei von insgesamt fünf Bereichen zwischen Pöttcherstraße und Hahler Straße. In Bursians Augen insgesamt ein Quartier der Vielfalt, aber auch das mit den größten funktionalen Mängeln.

Das Rampenloch ist Sackgasse, nach Westen und teilweise auch im Norden von der hohen Mauer zum ehemaligen Gefängnis abgeschottet. Das Gefängnis selbst liegt mitten im Quartier, ist nicht unproblematisch für die künftige Nutzung und einer der Gründe für die fehlende Durchgängigkeit zwischen Greisenbruchstraße im Süden und Hahler Straße im Norden. Heißt: Wege führen bislang nur über Kampstraße oder Königswall außen rum. Durch eine wie auch immer geartete Öffnung der Mauer soll der Gefängnishof durchgängig gemacht werden. So sollen fußläufige Verbindungen geschaffen werden, wie sie etwa in der südlichen Altstadt im Bereich Weingarten und in der Fischerstadt bestehen. „Einfach wird das nicht, weil die Mauer unter Denkmalschutz steht", so Bursian.

Eine verkehrsberuhigte Hahler Straße zwischen Kampstraße und Königswall, Plätze mit Grünflächen und Aufenthaltsqualität und neue Wohnangebote: Auch die weiteren Vorstellungen, was das Quartier attraktiver machen könnte, sind bereits konkret.

Eine Architektin aus dem Publikum zeigt sich „überrascht von dem städtebaulichen Konzept", das Lars Bursian ausführlich präsentiert. „Damit kann man gut leben", meint sie.

Berücksichtigt und beibehalten werden sollen demnach die Kleinteiligkeit und das Erscheinungsbild im Quartier. Ein Terrassenhaus wie das aus den Siebziger Jahren in der Pöttcherstraße gehört nicht dazu. Stattdessen in Anlehnung an den Bestand kleine Giebelhäuser in der Greisenbruchstraße und im Rampenloch Traufenhäuser unter Beibehaltung der altstadttypischen Gassenstruktur.

Umstrittener Abriss

Dass die Vorzugsvariante unter den drei vorgestellten Entwürfen der Stadtplaner vorsieht, die meisten Häuser im Rampenloch zugunsten einer Neubebauung abzureißen, stößt allerdings auf wenig Gegenliebe. „Ich habe geglaubt, dass der Erhalt der historischen Bausubstanz bei der Stadt in sicheren Händen ist, aber offenbar ist das nicht so", sagt ein Mann.

Bursian stellt klar, dass das letzte Haus im Rampenloch mit der Hausnummer 3 unter Denkmalschutz stehe, ein weiteres am Eingang vom Königswall als denkmalwürdig eingestuft sei und diese beiden Häuser stehen bleiben. „Alle anderen wurden stark verändert und im Laufe der Jahre kaputt saniert." Eine Frau will das nicht gelten lassen und spricht vom Rampenloch als einem besonderen Ort, „als wäre die Zeit stehen geblieben". Sie könne sich gut vorstellen, dass sich Liebhaber fänden, um die alten Häuser zu sanieren. Diese Möglichkeit schließt Bursian ebenso aus wie die, dass hier künftig einzelne Häuser von privat neu gebaut werden. „Das würde bedeuten, dass wir die Grundstücke ganz genau parzellieren müssten, gegebenenfalls vorher abreißen und dann verkaufen. Einen Einzelverkauf wollen wir nicht", so Bursian.

Das Rampenloch sei ein exemplarischer Ort, der nach exemplarischen Ideen schreie, ist aus dem Publikum zu vernehmen. „Die Bürger haben ein ordentliches Wort mitzureden", sagt der Mann. Überhaupt wünschen sich viele der Anwesenden auch für die weiteren Planungen mehr Bürgerbeteiligung. Auch der Vorschlag, dass die Stadt als Wohnungsbaugenossenschaft auftritt und den Bürgern so die Möglichkeit einräumt, sich zu beteiligen, kommt mehrmals zur Sprache. Bursian winkt ab. Dafür, das Areal zu behalten und selbst zu bebauen, fehle der Stadt das Geld.

Wie geht das mit dem Verkauf eigentlich genau?

Vor gut anderthalb Jahren gingen im Rampenloch die roten Laternen aus. Die Stadt Minden hatte das Areal zuvor gekauft und damit, so der Bau-Beigeordnete, „eine Riesen-Chance" genutzt. Für Bursian ist aber klar: „Wir bauen nicht selbst." Das Rampenloch wurde im sogenannten Zwischenerwerb gekauft, um die Nachnutzung und die städtebauliche Entwicklung aktiv steuern zu können. Vorgesehen ist der Weiterverkauf, wobei die Kommune darüber entscheidet, welcher Bewerber mit welchem Konzept geeignet ist, den beschlossenen städtebaulichen Rahmenplan und das 2017 entwickelte Handlungskonzept Wohnen umzusetzen. Bei der Beurteilung werde das Kaufpreisangebot lediglich mit 30 Prozent gewichtet. Ebenso könne er sich für das Rampenloch eher Genossenschaftsbau als private Eigentumswohnungen vorstellen, sagt Bursian.

Bis zum Abschluss eines Kaufvertrages durchläuft das Verfahren drei Schritte. In einer offenen Konzeptbewerbung können Investoren ihr Interesse bekunden und ihr Konzept samt Finanzierung umreißen. Dafür ist derzeit ein Zeitrahmen von zwei Monaten vorgesehen.

Anschließend entscheidet der Bau-Ausschuss, welche Konzepte weiterverfolgt werden sollen. Diese sollen von den Bewerbern in einer dreimonatigen zweiten Phase konkretisiert und vertieft werden, bevor der Bau-Ausschuss sich für ein Konzept entscheidet.

Im letzten Schritt wird dem potenziellen Käufer eine zwölfmonatige Entwicklungszeit eingeräumt, um etwa baurechtliche Fragen zu klären, sich mit dem Denkmalschutz zu befassen, die Finanzierung zu sichern, sich mit den Nachbarn abzustimmen und gegebenenfalls Grundstücke hinzuzukaufen oder zu tauschen und schließlich eine konkrete Planung vorzulegen. Die Ergebnisse werden im Bau-Ausschuss vorgestellt und beraten. Abschließend entscheidet der Haupt- und Finanzausschuss über den Verkauf.

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MindenNeubaupläne fürs alte RampenlochKerstin RickertMinden (kr). Wo früher die Freier parkten, hat jemand seinen Müll entsorgt. Unkraut wuchert aus den Fugen des historischen Kopfsteinpflasters von 1877, die Bordsteine aus Sandstein und die geklinkerten Gehwege sind kaum noch zu sehen. Putz bröckelt von den Wänden der Häuschen in der engen Altstadtgasse, die 110 Jahre lang Mindens berühmt-berüchtigte Bordellstraße war und unter Denkmalschutz steht. Davon, dass das Rampenloch in der städtebaulichen Entwicklung der Oberen Altstadt eine Schlüsselstellung einnehmen soll, ist noch nichts zu sehen. Im Gegenteil: „Das Rampenloch verfällt", sagt ein Altstadtbewohner am Dienstagabend im BÜZ. Er ist nicht der Einzige, dem ein Dorn im Auge ist, wie es dort mittlerweile aussieht. Die Frage, wie es mit dem Rampenloch und drumherum nun weitergeht, hatte sich der SPD-Ortsverein Minden gestellt –-und Lars Bursian, Beigeordneter für Städtebau und Feuerschutz, als Referenten einer öffentlichen Veranstaltung eingeladen. Als Vertreter der Stadt und somit der Eigentümerin des Rampenlochs muss er sich aus dem Kreis seiner rund 70 Zuhörer einiges an Kritik gefallen lassen. „Sich wenigstens kümmern und mal durchfegen" könne die Stadt doch wohl. Vor 19 Monaten habe diese das Areal erworben und seitdem nichts gemacht, außer einen Bauzaun zum Schutz vor Vandalismus aufzustellen, so Kritiker. Das will Bursian so nicht stehen lassen. Viele Gespräche seien geführt worden, um mit den Nachbarn zu verhandeln. Das brauche Zeit. Bei der Entwicklung des Quartiers gehe es unter anderem auch um die als Parkflächen genutzten Grundstücke auf beiden Seiten der Greisenbruchstraße, Ecke Königswall. „Die Kanten waren hier immer bebaut." Beide Grundstücke sind jedoch in Privateigentum und laut Bursian von den jeweiligen Eigentümern in der Vergangenheit nicht als lohnenswert für Investitionen erachtet worden. Der Grund war die Nutzung des Rampenlochs als Bordell. Wie ist der aktuelle Stand? „Diese Situation besteht nun nicht mehr", so Bursian. Auf Nachfrage aus dem Publikum zum derzeitigen Stand sagt der Bau-Beigeordnete, die Stadt sei mit den Eigentümern im Gespräch und er erwarte, dass es da bald weitergehe. „Aber es sind nun mal private Grundstücke und wir können niemanden zwingen." Den in diesem Bereich aufgebrochenen Stadtraum durch Bebauung wieder zu schließen, gehört zu den Vorschlägen, die die Stadtplaner von Wolters Partner für die nördliche Obere Altstadt ausgearbeitet haben. Den entsprechenden Rahmenplan hat der Bauausschuss bereits Ende Februar beschlossen. Das Rampenloch und das Gebiet Greisenbruchstraße/ Königswall markieren darin zwei von insgesamt fünf Bereichen zwischen Pöttcherstraße und Hahler Straße. In Bursians Augen insgesamt ein Quartier der Vielfalt, aber auch das mit den größten funktionalen Mängeln. Das Rampenloch ist Sackgasse, nach Westen und teilweise auch im Norden von der hohen Mauer zum ehemaligen Gefängnis abgeschottet. Das Gefängnis selbst liegt mitten im Quartier, ist nicht unproblematisch für die künftige Nutzung und einer der Gründe für die fehlende Durchgängigkeit zwischen Greisenbruchstraße im Süden und Hahler Straße im Norden. Heißt: Wege führen bislang nur über Kampstraße oder Königswall außen rum. Durch eine wie auch immer geartete Öffnung der Mauer soll der Gefängnishof durchgängig gemacht werden. So sollen fußläufige Verbindungen geschaffen werden, wie sie etwa in der südlichen Altstadt im Bereich Weingarten und in der Fischerstadt bestehen. „Einfach wird das nicht, weil die Mauer unter Denkmalschutz steht", so Bursian. Eine verkehrsberuhigte Hahler Straße zwischen Kampstraße und Königswall, Plätze mit Grünflächen und Aufenthaltsqualität und neue Wohnangebote: Auch die weiteren Vorstellungen, was das Quartier attraktiver machen könnte, sind bereits konkret. Eine Architektin aus dem Publikum zeigt sich „überrascht von dem städtebaulichen Konzept", das Lars Bursian ausführlich präsentiert. „Damit kann man gut leben", meint sie. Berücksichtigt und beibehalten werden sollen demnach die Kleinteiligkeit und das Erscheinungsbild im Quartier. Ein Terrassenhaus wie das aus den Siebziger Jahren in der Pöttcherstraße gehört nicht dazu. Stattdessen in Anlehnung an den Bestand kleine Giebelhäuser in der Greisenbruchstraße und im Rampenloch Traufenhäuser unter Beibehaltung der altstadttypischen Gassenstruktur. Umstrittener Abriss Dass die Vorzugsvariante unter den drei vorgestellten Entwürfen der Stadtplaner vorsieht, die meisten Häuser im Rampenloch zugunsten einer Neubebauung abzureißen, stößt allerdings auf wenig Gegenliebe. „Ich habe geglaubt, dass der Erhalt der historischen Bausubstanz bei der Stadt in sicheren Händen ist, aber offenbar ist das nicht so", sagt ein Mann. Bursian stellt klar, dass das letzte Haus im Rampenloch mit der Hausnummer 3 unter Denkmalschutz stehe, ein weiteres am Eingang vom Königswall als denkmalwürdig eingestuft sei und diese beiden Häuser stehen bleiben. „Alle anderen wurden stark verändert und im Laufe der Jahre kaputt saniert." Eine Frau will das nicht gelten lassen und spricht vom Rampenloch als einem besonderen Ort, „als wäre die Zeit stehen geblieben". Sie könne sich gut vorstellen, dass sich Liebhaber fänden, um die alten Häuser zu sanieren. Diese Möglichkeit schließt Bursian ebenso aus wie die, dass hier künftig einzelne Häuser von privat neu gebaut werden. „Das würde bedeuten, dass wir die Grundstücke ganz genau parzellieren müssten, gegebenenfalls vorher abreißen und dann verkaufen. Einen Einzelverkauf wollen wir nicht", so Bursian. Das Rampenloch sei ein exemplarischer Ort, der nach exemplarischen Ideen schreie, ist aus dem Publikum zu vernehmen. „Die Bürger haben ein ordentliches Wort mitzureden", sagt der Mann. Überhaupt wünschen sich viele der Anwesenden auch für die weiteren Planungen mehr Bürgerbeteiligung. Auch der Vorschlag, dass die Stadt als Wohnungsbaugenossenschaft auftritt und den Bürgern so die Möglichkeit einräumt, sich zu beteiligen, kommt mehrmals zur Sprache. Bursian winkt ab. Dafür, das Areal zu behalten und selbst zu bebauen, fehle der Stadt das Geld. Wie geht das mit dem Verkauf eigentlich genau? Vor gut anderthalb Jahren gingen im Rampenloch die roten Laternen aus. Die Stadt Minden hatte das Areal zuvor gekauft und damit, so der Bau-Beigeordnete, „eine Riesen-Chance" genutzt. Für Bursian ist aber klar: „Wir bauen nicht selbst." Das Rampenloch wurde im sogenannten Zwischenerwerb gekauft, um die Nachnutzung und die städtebauliche Entwicklung aktiv steuern zu können. Vorgesehen ist der Weiterverkauf, wobei die Kommune darüber entscheidet, welcher Bewerber mit welchem Konzept geeignet ist, den beschlossenen städtebaulichen Rahmenplan und das 2017 entwickelte Handlungskonzept Wohnen umzusetzen. Bei der Beurteilung werde das Kaufpreisangebot lediglich mit 30 Prozent gewichtet. Ebenso könne er sich für das Rampenloch eher Genossenschaftsbau als private Eigentumswohnungen vorstellen, sagt Bursian. Bis zum Abschluss eines Kaufvertrages durchläuft das Verfahren drei Schritte. In einer offenen Konzeptbewerbung können Investoren ihr Interesse bekunden und ihr Konzept samt Finanzierung umreißen. Dafür ist derzeit ein Zeitrahmen von zwei Monaten vorgesehen. Anschließend entscheidet der Bau-Ausschuss, welche Konzepte weiterverfolgt werden sollen. Diese sollen von den Bewerbern in einer dreimonatigen zweiten Phase konkretisiert und vertieft werden, bevor der Bau-Ausschuss sich für ein Konzept entscheidet. Im letzten Schritt wird dem potenziellen Käufer eine zwölfmonatige Entwicklungszeit eingeräumt, um etwa baurechtliche Fragen zu klären, sich mit dem Denkmalschutz zu befassen, die Finanzierung zu sichern, sich mit den Nachbarn abzustimmen und gegebenenfalls Grundstücke hinzuzukaufen oder zu tauschen und schließlich eine konkrete Planung vorzulegen. Die Ergebnisse werden im Bau-Ausschuss vorgestellt und beraten. Abschließend entscheidet der Haupt- und Finanzausschuss über den Verkauf.