Minden

Ehemaliges BZA am Weserglacis verkauft

Monika Jäger

Archivfoto: Alex Lehn - © Lehn,Alexander
Archivfoto: Alex Lehn (© Lehn,Alexander)

Minden (mt). Das Regierungsgebäude am Weserglacis hat einen neuen Besitzer, wie der zuständige Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW) auf MT-Anfrage bestätigt. Inzwischen sei es an den höchstbietenden Interessenten verkauft worden, so der stellvertretende Leiter Presse und Kommunikation, Tim Irion. Die für den Besitzerwechsel erforderliche Zustimmung des Landtags solle nun in Kürze eingeholt werden.

Doch wer das auffallende repräsentative Gebäude erworben hat, wieviel er bezahlt hat und wie viele Interessenten es gab, bleibt offen: „Zum Käufer und seinen Plänen für die zukünftige Nutzung kann der BLB NRW aus Gründen der Vertraulichkeit keine Angaben machen." Grundsätzlich gelte aber, dass – unter anderem wegen des Denkmalschutzes – die zukünftige Nutzung mit der Stadt abzustimmen sei.

Auch dort hält sich der zuständige Bau-Beigeordnete Lars Bursian bedeckt: „Es ist gut, wenn man solche Dinge erst öffentlich diskutiert, wenn man weiß, wo es lang geht." Immerhin: Die Stadt sei in der Tat im Gespräch mit jemandem der sage, „dass er auf dem Weg ist, das Gebäude zu kaufen."

Details an der Alten Regierung (die eigentlich die Neue Regierung ist). - © Lehn, Alexander
Details an der Alten Regierung (die eigentlich die Neue Regierung ist). (© Lehn, Alexander)

Wenig weiß auch Landtagsabgeordnete Kirstin Korte (CDU) zurzeit darüber – die Tagesordnung für die nächste Plenarwoche im November sei noch nicht bekannt, so dass sie auch daraus keine Rückschlüsse auf den Stand des Verfahrens ziehen könnte, schreibt sie auf MT-Anfrage.

1902 bis 1906 war der Bau als Regierungssitz für die preußische Bezirksregierung errichtet worden. Seine schmuckvollen Farbdekorationen und die kunstvoll verzierten Giebel spielen bewusst auf die Weserrenaissance an. Später beherbergte es lange das Bundesbahn-Zentralamt. Zurzeit hat es die Stadt Minden gemietet. Dorthin wurden während des Umbaus der Stadtverwaltung Mitarbeiterbüros ausgelagert, außerdem finden am Weserglacis viele Ausschusssitzungen statt.

Das Gebäude mit seinen rund 9.900 Quadratmetern Fläche war im Frühjahr für ein Mindestgebot von 1,5 Millionen Euro unter anderem auf einschlägigen Immobilienseiten angeboten worden. Dort steht inzwischen der Hinweis „Seit 29.3.2019 nicht verfügbar".

Kritisch hatte die Stadt Minden dieses Bieterverfahren und damit das Vorgehen des Hausbesitzers, des Landes NRW, gesehen. Sie hätte sich als Basis des Verkaufs ein klares Konzept gewünscht und nicht einfach den Zuschlag an einen Meistbietenden.

Konkrete und umsetzbare Ideen für eine sinnvolle Nutzung des Hauses zu entwickeln, wird Kreativität verlangen. Es wurde immerhin nach den Amtsstubenvorstellungen preußischer Regierender errichtet. Hohe Räume, dicke Wände, verzierte Decken: Da ist auch ein Umbau, der dem Denkmalschutz Rechnung trägt, eine Herausforderung.

Über sehr hohe Unterhaltskosten klagte zudem schon der langjährige Mieter, der dem Haus ab 1950 einen seiner Namen, „BZA – Bundesbahnzentralamt", gegeben hatte. Später war hier die Bundesbahn-Versuchsanstalt untergebracht, doch auch diese zog Ende 2016 aus. Damals schon machte die Stadt Minden klar: Auch für sie komme der Bau als Stadtverwaltung oder Rathaus nicht in Frage.

Stadt, Land, Geld

Kommentar von Monika Jäger

Das Land NRW hat ein Stück von Mindens Zukunft in der Hand gehabt. Denn wem der prunkvolle Bau am Weserglacis gehört, der entscheidet auch mit darüber, wie die Stadt künftig auf Besucher und Bewohner wirkt. Und das nicht nur optisch: Hier sind und waren Veranstaltungen (gern erinnere ich mich zum Beispiel an ein Streichkonzert im Treppenhaus oder Open-Air-Events im Innenhof). Hier gab es Behörden und Einrichtungen, die in der Stadtgeschichte wichtig und prägend waren. Viel zu selten war bisher Gelegenheit für jedermann, dieses faszinierende Gebäude zu erforschen. Und jetzt? Offenbar weiß noch nicht einmal die Stadtverwaltung konkret, wer der neue Besitzer dieses Hauses ist. Das ist fatal. Das Land hat Verantwortung für seine Städte, und zwar nicht nur finanziell. In Minden hat es noch mehr Grundbesitz und Immobilien. Da ist noch viel Luft nach oben für mehr Kooperation.

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

1 Kommentar

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MindenEhemaliges BZA am Weserglacis verkauftMonika JägerMinden (mt). Das Regierungsgebäude am Weserglacis hat einen neuen Besitzer, wie der zuständige Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW) auf MT-Anfrage bestätigt. Inzwischen sei es an den höchstbietenden Interessenten verkauft worden, so der stellvertretende Leiter Presse und Kommunikation, Tim Irion. Die für den Besitzerwechsel erforderliche Zustimmung des Landtags solle nun in Kürze eingeholt werden. Doch wer das auffallende repräsentative Gebäude erworben hat, wieviel er bezahlt hat und wie viele Interessenten es gab, bleibt offen: „Zum Käufer und seinen Plänen für die zukünftige Nutzung kann der BLB NRW aus Gründen der Vertraulichkeit keine Angaben machen." Grundsätzlich gelte aber, dass – unter anderem wegen des Denkmalschutzes – die zukünftige Nutzung mit der Stadt abzustimmen sei. Auch dort hält sich der zuständige Bau-Beigeordnete Lars Bursian bedeckt: „Es ist gut, wenn man solche Dinge erst öffentlich diskutiert, wenn man weiß, wo es lang geht." Immerhin: Die Stadt sei in der Tat im Gespräch mit jemandem der sage, „dass er auf dem Weg ist, das Gebäude zu kaufen." Wenig weiß auch Landtagsabgeordnete Kirstin Korte (CDU) zurzeit darüber – die Tagesordnung für die nächste Plenarwoche im November sei noch nicht bekannt, so dass sie auch daraus keine Rückschlüsse auf den Stand des Verfahrens ziehen könnte, schreibt sie auf MT-Anfrage. 1902 bis 1906 war der Bau als Regierungssitz für die preußische Bezirksregierung errichtet worden. Seine schmuckvollen Farbdekorationen und die kunstvoll verzierten Giebel spielen bewusst auf die Weserrenaissance an. Später beherbergte es lange das Bundesbahn-Zentralamt. Zurzeit hat es die Stadt Minden gemietet. Dorthin wurden während des Umbaus der Stadtverwaltung Mitarbeiterbüros ausgelagert, außerdem finden am Weserglacis viele Ausschusssitzungen statt. Das Gebäude mit seinen rund 9.900 Quadratmetern Fläche war im Frühjahr für ein Mindestgebot von 1,5 Millionen Euro unter anderem auf einschlägigen Immobilienseiten angeboten worden. Dort steht inzwischen der Hinweis „Seit 29.3.2019 nicht verfügbar". Kritisch hatte die Stadt Minden dieses Bieterverfahren und damit das Vorgehen des Hausbesitzers, des Landes NRW, gesehen. Sie hätte sich als Basis des Verkaufs ein klares Konzept gewünscht und nicht einfach den Zuschlag an einen Meistbietenden. Konkrete und umsetzbare Ideen für eine sinnvolle Nutzung des Hauses zu entwickeln, wird Kreativität verlangen. Es wurde immerhin nach den Amtsstubenvorstellungen preußischer Regierender errichtet. Hohe Räume, dicke Wände, verzierte Decken: Da ist auch ein Umbau, der dem Denkmalschutz Rechnung trägt, eine Herausforderung. Über sehr hohe Unterhaltskosten klagte zudem schon der langjährige Mieter, der dem Haus ab 1950 einen seiner Namen, „BZA – Bundesbahnzentralamt", gegeben hatte. Später war hier die Bundesbahn-Versuchsanstalt untergebracht, doch auch diese zog Ende 2016 aus. Damals schon machte die Stadt Minden klar: Auch für sie komme der Bau als Stadtverwaltung oder Rathaus nicht in Frage. Stadt, Land, Geld Kommentar von Monika Jäger Das Land NRW hat ein Stück von Mindens Zukunft in der Hand gehabt. Denn wem der prunkvolle Bau am Weserglacis gehört, der entscheidet auch mit darüber, wie die Stadt künftig auf Besucher und Bewohner wirkt. Und das nicht nur optisch: Hier sind und waren Veranstaltungen (gern erinnere ich mich zum Beispiel an ein Streichkonzert im Treppenhaus oder Open-Air-Events im Innenhof). Hier gab es Behörden und Einrichtungen, die in der Stadtgeschichte wichtig und prägend waren. Viel zu selten war bisher Gelegenheit für jedermann, dieses faszinierende Gebäude zu erforschen. Und jetzt? Offenbar weiß noch nicht einmal die Stadtverwaltung konkret, wer der neue Besitzer dieses Hauses ist. Das ist fatal. Das Land hat Verantwortung für seine Städte, und zwar nicht nur finanziell. In Minden hat es noch mehr Grundbesitz und Immobilien. Da ist noch viel Luft nach oben für mehr Kooperation.