Minden

Neuer Roman von Christoph Andreas Marx: Verwirrspiel um Gentechnik und Informationstechnologie

Jürgen Langenkämper

Minden (mt). Die Zukunft hat schon begonnen – nicht nur im neuesten Roman aus der Feder von Christoph Andreas Marx. Der wissenschaftliche Fortschritt in der Gentechnologie hat die Fantasie, die der Mindener Romancier in „Homo Novus“ entfaltet, beinah schon überholt.

Von Gentechnik und Informationstechnologie: Christoph Andreas Marx stellt seinen spannenden sechsten Roman vor. MT- - © Foto: Alex Lehn
Von Gentechnik und Informationstechnologie: Christoph Andreas Marx stellt seinen spannenden sechsten Roman vor. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Jan Winkler, ein mit seinem Erfolg unzufriedener IT-Spezialist, entdeckt in einem wissenschaftlichen Magazin sein Ebenbild. Richard Vollmer ist ein aufstrebender Superstar der Szene, ehemals Oberarzt an der Charité in Berlin, Master in Business Administration an der Wharton School in Pennsylvania, zwei Jahre Investment-Banker bei Merrill Lynch in Luxemburg, Firmengründer mit Standbeinen in Berlin und im Silicon Valley – und jetzt schickt er sich an, seinen auf Genetik basierenden nächsten großen Coup im Kampf gegen Demenz und andere Geißeln der modernen Zivilisation zu vollbringen. Einer, dem alles gelingt, und das mit Anfang 30. Wer würde da nicht staunen und neidisch werden!?

Jan Winkler wird es, und dies umso mehr, als er von seiner Mutter erfährt, dass sie sich vor etwas mehr als 30 Jahren, also Ende der 1980er, in die Hände eines Reproduktionsmediziners in Heidelberg begeben hatte, als sich kein Nachwuchs mit ihrem damaligen Freund einstellen wollte. Dieser Peter Baumann, Genetiker, wird der eigentliche Übervater im Hintergrund. Denn heimlich hat er die Eizelle von Marina Winkler geteilt und einer anderen Frau, der Mutter von Richard Vollmer, eingesetzt.

Jan Winkler verfällt auf den wahnwitzigen Plan, die Identität des geklonten Doppelgängers zu übernehmen und mittels seiner IT-Kenntnisse in dessen erfolgsverwöhntes Leben zu schlüpfen. Mit einem Funkscanner entschlüsselt er die Zugangsdaten zur Berliner Wohnung des Fremden. Mehr noch: Er hackt auch dessen Mobil- und Finanzdaten. Für den so coolen Richard Vollmer beginnt ein Alptraum, mit einem Schlag wird er aus seinem Paradies eines luxuriösen Lebens hinausgeworfen.

Doch der IT-Experte Winkler muss auch feststellen, dass sich auch der ominöse Genetiker Baumann für Vollmer interessiert. Seit der Zeugungsstunde verfolgt er den Werdegang seines Geschöpfes – und auch den Winklers. Mehr noch: Es gibt noch einen dritten Klon aus derselben Eizelle, wie Winkler bei einem weiteren Einbruch anhand der von Baumann gemachten Aufzeichnungen erkennen muss. Damit ist klar, dass auch Winklers Pläne nicht mehr so kerzengerade verlaufen können, wie er sich dies ausmalte.

In dem Moment, als der IT-Experte die Führungsrolle in Vollmers Start Up-Unternehmen einnehmen will, durchschaut er, dass genau dies auch dessen rechte Hand Tina Taylor, die mit ihrem Chef eine kurze Affäre hatte, mithilfe jenes dritten Klons, Charles Degener, vorbereitet hat. Dies und eine ungünstige Gesundheitsprognose für den erst 30-Jährigen führen zu einem Sinneswandel Winklers – und zur Auflösung des Verwirrspiels zwischen neuen Technologien, als sich die beiden geklonten Brüder Jan und Richard im letzten Kapitel begegnen und es zu einem überraschenden Show-down kommt.

Auch wenn sich der „Philosophische Roman“, so der Titel der Reihe im Verlag Karl Alber, ohne philosophisches Wörterbuch in der zweiten Hand lesen lässt, so wagt sich der Autor Christoph Andreas Marx, von Haus aus promovierter Philosoph und Theologe, mit seinem jüngsten Werk an eine der philosophischen Grundfragen heran: „Wer bin ich?“ Dieselbe muss sich auch der Held des Romans „Homo Novus“ stellen, und sie muss sich auch der Leser am Beginn des dritten Jahrtausends stellen angesichts ungeahnter Möglichkeiten technologischen Fortschritts, vor allem in den Bio-Wissenschaften.

„Mit der Idee zu diesem Roman habe ich mich vier bis fünf Jahre befasst“, sagt der Kogge-Autor, dessen erster Roman „Das Leben ist ein rätselhafter Hauch“ 2003 erschien (MT vom 8. Januar 2004). Mit der Genschere, mit der ein chinesischer Forscher im vergangenen Jahr das Erbgut von zwei Mädchen veränderte, hat die Realität die Fantasie eingeholt.

Marx hat seinen Roman, der am 29. Oktober in die Buchläden kommt, bereits zwei Wochen zuvor bei einer Lesung in der Urania in Berlin vorgestellt. Heute ist er mit seinem Werk im Hörfunk in der Zeit von 11.05 bis 11.35 Uhr auf WDR 5 in der „Redezeit“ von Jürgen Wiebicke zu Gast. Die Mindener Buchpremiere schließt sich am Freitag, 25. Oktober, um 19 Uhr in der Galerie Spiegel, Hahler Straße 129, an. Um Anmeldung wird gebeten unter Telefon (05 71) 2 93 82.

Christoph Andreas Marx, Homo Novus, Freiburg/München 2019, Verlag Karl Alber, ISBN 978-3-495-49119-5, 311 Seiten, 28 Euro.

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MindenNeuer Roman von Christoph Andreas Marx: Verwirrspiel um Gentechnik und InformationstechnologieJürgen LangenkämperMinden (mt). Die Zukunft hat schon begonnen – nicht nur im neuesten Roman aus der Feder von Christoph Andreas Marx. Der wissenschaftliche Fortschritt in der Gentechnologie hat die Fantasie, die der Mindener Romancier in „Homo Novus“ entfaltet, beinah schon überholt. Jan Winkler, ein mit seinem Erfolg unzufriedener IT-Spezialist, entdeckt in einem wissenschaftlichen Magazin sein Ebenbild. Richard Vollmer ist ein aufstrebender Superstar der Szene, ehemals Oberarzt an der Charité in Berlin, Master in Business Administration an der Wharton School in Pennsylvania, zwei Jahre Investment-Banker bei Merrill Lynch in Luxemburg, Firmengründer mit Standbeinen in Berlin und im Silicon Valley – und jetzt schickt er sich an, seinen auf Genetik basierenden nächsten großen Coup im Kampf gegen Demenz und andere Geißeln der modernen Zivilisation zu vollbringen. Einer, dem alles gelingt, und das mit Anfang 30. Wer würde da nicht staunen und neidisch werden!? Jan Winkler wird es, und dies umso mehr, als er von seiner Mutter erfährt, dass sie sich vor etwas mehr als 30 Jahren, also Ende der 1980er, in die Hände eines Reproduktionsmediziners in Heidelberg begeben hatte, als sich kein Nachwuchs mit ihrem damaligen Freund einstellen wollte. Dieser Peter Baumann, Genetiker, wird der eigentliche Übervater im Hintergrund. Denn heimlich hat er die Eizelle von Marina Winkler geteilt und einer anderen Frau, der Mutter von Richard Vollmer, eingesetzt. Jan Winkler verfällt auf den wahnwitzigen Plan, die Identität des geklonten Doppelgängers zu übernehmen und mittels seiner IT-Kenntnisse in dessen erfolgsverwöhntes Leben zu schlüpfen. Mit einem Funkscanner entschlüsselt er die Zugangsdaten zur Berliner Wohnung des Fremden. Mehr noch: Er hackt auch dessen Mobil- und Finanzdaten. Für den so coolen Richard Vollmer beginnt ein Alptraum, mit einem Schlag wird er aus seinem Paradies eines luxuriösen Lebens hinausgeworfen. Doch der IT-Experte Winkler muss auch feststellen, dass sich auch der ominöse Genetiker Baumann für Vollmer interessiert. Seit der Zeugungsstunde verfolgt er den Werdegang seines Geschöpfes – und auch den Winklers. Mehr noch: Es gibt noch einen dritten Klon aus derselben Eizelle, wie Winkler bei einem weiteren Einbruch anhand der von Baumann gemachten Aufzeichnungen erkennen muss. Damit ist klar, dass auch Winklers Pläne nicht mehr so kerzengerade verlaufen können, wie er sich dies ausmalte. In dem Moment, als der IT-Experte die Führungsrolle in Vollmers Start Up-Unternehmen einnehmen will, durchschaut er, dass genau dies auch dessen rechte Hand Tina Taylor, die mit ihrem Chef eine kurze Affäre hatte, mithilfe jenes dritten Klons, Charles Degener, vorbereitet hat. Dies und eine ungünstige Gesundheitsprognose für den erst 30-Jährigen führen zu einem Sinneswandel Winklers – und zur Auflösung des Verwirrspiels zwischen neuen Technologien, als sich die beiden geklonten Brüder Jan und Richard im letzten Kapitel begegnen und es zu einem überraschenden Show-down kommt. Auch wenn sich der „Philosophische Roman“, so der Titel der Reihe im Verlag Karl Alber, ohne philosophisches Wörterbuch in der zweiten Hand lesen lässt, so wagt sich der Autor Christoph Andreas Marx, von Haus aus promovierter Philosoph und Theologe, mit seinem jüngsten Werk an eine der philosophischen Grundfragen heran: „Wer bin ich?“ Dieselbe muss sich auch der Held des Romans „Homo Novus“ stellen, und sie muss sich auch der Leser am Beginn des dritten Jahrtausends stellen angesichts ungeahnter Möglichkeiten technologischen Fortschritts, vor allem in den Bio-Wissenschaften. „Mit der Idee zu diesem Roman habe ich mich vier bis fünf Jahre befasst“, sagt der Kogge-Autor, dessen erster Roman „Das Leben ist ein rätselhafter Hauch“ 2003 erschien (MT vom 8. Januar 2004). Mit der Genschere, mit der ein chinesischer Forscher im vergangenen Jahr das Erbgut von zwei Mädchen veränderte, hat die Realität die Fantasie eingeholt. Marx hat seinen Roman, der am 29. Oktober in die Buchläden kommt, bereits zwei Wochen zuvor bei einer Lesung in der Urania in Berlin vorgestellt. Heute ist er mit seinem Werk im Hörfunk in der Zeit von 11.05 bis 11.35 Uhr auf WDR 5 in der „Redezeit“ von Jürgen Wiebicke zu Gast. Die Mindener Buchpremiere schließt sich am Freitag, 25. Oktober, um 19 Uhr in der Galerie Spiegel, Hahler Straße 129, an. Um Anmeldung wird gebeten unter Telefon (05 71) 2 93 82. Christoph Andreas Marx, Homo Novus, Freiburg/München 2019, Verlag Karl Alber, ISBN 978-3-495-49119-5, 311 Seiten, 28 Euro.