Minden

Mehr als Multihalle - neue Pläne für das rechte Weserufer

Monika Jäger

Die alte Eisenbahnbrücke zwischen Hafenstraße und Fischerstadt könnte für Fußgänger geöffnet werden und so ein Weg ins neu belebte Quartier werden. MT-Foto: Alexander Lehn - © MT-Foto: Alex Lehn
Die alte Eisenbahnbrücke zwischen Hafenstraße und Fischerstadt könnte für Fußgänger geöffnet werden und so ein Weg ins neu belebte Quartier werden. MT-Foto: Alexander Lehn (© MT-Foto: Alex Lehn)

Minden (mt). Konzepte für dieses Gebiet gab es seit 2002 schon mehrfach. Denn zwischen Bahnhof und Weser liegt nicht gerade Mindens schönste Ecke. Doch jetzt soll neues Leben ans Kohleufer, so der Name des letzten Plans. Der ist jetzt frisch beschlossen und soll bis 2030 rund 40 einzelne Projekte für ein Gesamtvolumen von rund 100 Millionen Euro umsetzen – die übrigens nur zu einem kleineren Teil direkt aus Mindens Haushaltskasse kommen sollen.

Und weil Städteplaner so ihre eigene Sprache haben, heißt das, was für andere vielleicht schlicht „besserer Hochwasserschutz, schönere Fassaden und neue Wohnungen am alten Weserhafen“ wären, nun „Masterplan“, es gibt ein „Integriertes Stadtentwicklungskonzept“ für das „Potenzialanalysen“ gemacht und „Handlungsfelder“ erschlossen werden. Tatsächlich hat sich die Stadt Minden hier nach dem inzwischen fast vollständig umgesetzten „Masterplan Innenstadt“ das nächste Großprojekt vorgenommen.

Quartier Rechtes Weserufer (Plus-Inhalt)

Zu tun gibt es genug. Denn eine Multifunktionshalle – falls diese kommt – solle nicht „wie ein Ufo“ einfach mitten in dem Gebiet laden, so fasste es jetzt Mindens Bau-Beigeordneter Lars Bursian für die Politik zusammen. Die Halle wäre nur ein Baustein von zahlreichen anderen, von großen und kleinen. Vor allem aber: Das rechte Weserufer soll sich verändern, egal, ob die Halle kommt oder nicht.. „Das Quartier ist mehr als nur diese Fläche am Bahnhof“, so Bursian. Er sieht dort einen Stadtteil im Werden, einen Siedlungsraum, der Wohnen und Landschaft in ganz besonderer und für Minden einmaliger Wese verzahnt. Und: „Wir werden dafür ziemlich lange brachen.“ Bis 2030 reicht der Blick der Planer.

Bürger, Stadt, Politik und ein externes Planungsbüro (complan Kommunalberatung) haben an einem umfangreichen Katalog von all dem mitgearbeitet, was sich verändern soll. Die Problemlagen sind sehr unterschiedlich, so dass die Planer auch schonmal von einem „Flickenteppich“ mit vielen einzelnen Bereichen sprechen, die bisher nicht zusammen gesehen wurden. Der bunte Teppich soll mit dem Masterplan nun quasi sein Upcycling erleben.

Eng verbunden damit sind weitere Sonderprojekte. Kanzlers Weide zum Beispiel. Da steht seit längerem die Sanierung des Toilettenhäuschens an. Diese ist laut Planung aber nun bis 2024 verschoben. Der Grund, so Bursian: „Wir brauchen dort eigentlich ein neues Funktionsgebäude an anderem Standort.“ Mehr Richtung Weser, an der Kante zwischen Parkplatz und Weserwiesen sollte das stehen. Solche Planungen dauern wegen des Hochwasserschutzes allerdings sehr lange.

Auch über das Fort C, das zurzeit die 1. Bürgerkompanie betreut und nutzt, soll in Zukunft nachgedacht werden, „Langfristig müssen wir doch mal fragen: Wie wuppt man eigentlich dieses große Areal?“, so Bursian. Das sei aber nichts, was aktuell anstehe. Irgendwann müsse man sich da aber auf den Weg machen. Auch über ein Begegnungszentrum, das laut der Dankerser Ortsvorsteherin Renate Schermer dringend erforderlich ist, werde nachgedacht, das sei aber nicht Teil des städtebaulichen Grundlagenkonzepts, sondern müsse separat behandelt werden.

Am Ende werden rund 100 Millionen Euro in das Gebiet geflossen sein, vieles davon über Fördermittel für Städtebau, Mobilität oder Klimaschutz. Rund zwölf Millionen Euro wird der Eigenanteil der kommunalen Investitionen im Bereich Städtebau betragen – darin sind auch schon Summen für den Auftaktplatz der Multifunktionshalle und das Museumsdepot Kommunalarchiv enthalten (rund 12 Millionen Euro). Aus verschiedenen Fördermitteln könnten elf Millionen Euro kommen. Und die großen Bauprojekte Multifunktionshalle und Kommunalarchiv, die Altlastensanierungen und Straßenbau schlügen mit knapp 77 Millionen Euro zu Buche.

So richtig Anschub könnte das Gebiet aus zwei weiteren Quellen für Geld und Ideen bekommen: Das eine ist die Regionale. Das ist ein landesweiter Wettbewerb, bei dem sich Kommunen mit besonderen Ideen für Fördermittel bewerben können. Minden hat hier mit seinen Plänen für das Rechte Weserufer und das Bahnhofsumfeld bereits die ersten wichtigen Hürden genommen und hofft darauf, einer der herausragenden „Leuchttürme“ zu werden. Das zweite sind Überlegungen zu einem „Rail Campus OWL“. Diesen stellte Bursian im Bauausschuss kurz vor.

Alle vier Hochschulen in Ostwestfalen-Lippe – das sind die Universitäten Paderborn und Bielefeld, die TH in Lemgo und die FH in Bielefeld, möchten miteinander den „RailCampus OWL“ entwickeln. Ein Standort davon könnte in Minden sein, bei dem es um die Erforschung von bestimmten Aspekten der Bahntechnik gehen würde. Bursian machte auch deutlich, dass sich die Chancen Mindens hier deutlich verbessern, je klarer die Zielrichtungen sind, die die Stadt vorgibt. Das Isek „Kohleufer“ sei auch aus diesem Grund wichtig. Und damit in den nächsten zehn Jahren beim Isek für das Rechte Weserufer alles auch übersichtlich bleibt, ist der Weg zum Ziel in viele Einzelschritte und fünf große Handlungsbereiche unterteilt.

„Wohnen und Leben“ soll sowohl für Modernisierung und Aufwerten des Bestehenden wie auch dafür sorgen, dass öffentliche Räume wie der Neuplatz besser genutzt werden. Zudem soll der Alte Weserhafen entwickelt werden. Unter „Kreativität und Wirtschaft“ sind Großprojekte wie die Multihalle, ein möglicher Neubau des Kommunalarchivs, aber auch Pläne für Problemgebäude wie den ehemaligen Flugzeughangar gefasst. Unter „Freizeit und Erholung“ findet sich unter anderem die Revitalisierung des Sportplatzes des SV 1860 Minden, die Renaturierung des Osterbachs und ein neues Areal für Erholung und Sport im Quartier. “Erreichbarkeit und Mobilität“ soll Verbindungen schaffen – etwa, indem geprüft wird, ob die alte Eisenbahnbrücke auch zu einem Fußgänger-Überweg werden kann. Der Bahnhofsstandort soll besser entwickelt und angebunden werden. Und der fünfte Aspekt, „Kommunikation und Beteiligung“, wird Möglichkeiten für Bürger schaffen, sich einzubringen.

Der jetzt im Rat beschlossene Gesamtplan sei vor allem ein Weg, zu zeigen, was möglich ist, so Bursian. Manches ist konkret, anders sind Ideen, und „viele Dinge müssen erst in Voruntersuchungen konkretisiert werden.“ Der nächste wichtige Schritt wird die Sanierung der Altlasten am Alten Güterbahnhof sein – da, wo mal die Multihalle stehen könnte. Was genau da gemacht wird, hängt aber von der Entscheidung zu dieser Arena ab. Und die soll ja nun kurzfristig fallen.

„Isek“ – ein ambitioniertes Projekt für die rechte Seite der Weser

Rund 100 Millionen Euro sollen in den kommenden zehn Jahren rechts der Weser ausgegeben werden. Die Voraussetzungen dazu hat die Mindener Politik mit einem Ratsbeschluss geschaffen.

Der Titel des Ganzen: „Neues Leben am Kohleufer – Rechtes Weserufer“, es handelt sich um ein „Integriertes städtebauliches Entwicklung-Konzept“, kurz Isek.

Mit der grundsätzlichen Entscheidung für dieses Isek ist auch ein langer Katalog von bereits geplanten Veränderungen verabschiedet worden. Diese sind in fünf verschiedene Bereiche aufgeteilt, die „Handlungsfelder“. Mehr als 40 zusammenhängende Einzelmaßnahmen sollen bis 2030 umgesetzt werden.

Der Ratsbeschluss ermöglicht nun, dass diese Ziele bei allen weiteren Planungen berücksichtigt werden müssen. Das gilt beispielsweise auch für Bauleitplanungen.

Ferner ist das Isek Voraussetzung dafür, dass die Stadt Minden Geld aus Städtebaufördertöpfen beantragt werden kann. Ebenso erhöht es die Chance auf Förderungen durch die „Regionale“.

Hier gibt es weitere Artikel zum Thema Multihalle

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MindenMehr als Multihalle - neue Pläne für das rechte WeseruferMonika JägerMinden (mt). Konzepte für dieses Gebiet gab es seit 2002 schon mehrfach. Denn zwischen Bahnhof und Weser liegt nicht gerade Mindens schönste Ecke. Doch jetzt soll neues Leben ans Kohleufer, so der Name des letzten Plans. Der ist jetzt frisch beschlossen und soll bis 2030 rund 40 einzelne Projekte für ein Gesamtvolumen von rund 100 Millionen Euro umsetzen – die übrigens nur zu einem kleineren Teil direkt aus Mindens Haushaltskasse kommen sollen. Und weil Städteplaner so ihre eigene Sprache haben, heißt das, was für andere vielleicht schlicht „besserer Hochwasserschutz, schönere Fassaden und neue Wohnungen am alten Weserhafen“ wären, nun „Masterplan“, es gibt ein „Integriertes Stadtentwicklungskonzept“ für das „Potenzialanalysen“ gemacht und „Handlungsfelder“ erschlossen werden. Tatsächlich hat sich die Stadt Minden hier nach dem inzwischen fast vollständig umgesetzten „Masterplan Innenstadt“ das nächste Großprojekt vorgenommen. Zu tun gibt es genug. Denn eine Multifunktionshalle – falls diese kommt – solle nicht „wie ein Ufo“ einfach mitten in dem Gebiet laden, so fasste es jetzt Mindens Bau-Beigeordneter Lars Bursian für die Politik zusammen. Die Halle wäre nur ein Baustein von zahlreichen anderen, von großen und kleinen. Vor allem aber: Das rechte Weserufer soll sich verändern, egal, ob die Halle kommt oder nicht.. „Das Quartier ist mehr als nur diese Fläche am Bahnhof“, so Bursian. Er sieht dort einen Stadtteil im Werden, einen Siedlungsraum, der Wohnen und Landschaft in ganz besonderer und für Minden einmaliger Wese verzahnt. Und: „Wir werden dafür ziemlich lange brachen.“ Bis 2030 reicht der Blick der Planer. Bürger, Stadt, Politik und ein externes Planungsbüro (complan Kommunalberatung) haben an einem umfangreichen Katalog von all dem mitgearbeitet, was sich verändern soll. Die Problemlagen sind sehr unterschiedlich, so dass die Planer auch schonmal von einem „Flickenteppich“ mit vielen einzelnen Bereichen sprechen, die bisher nicht zusammen gesehen wurden. Der bunte Teppich soll mit dem Masterplan nun quasi sein Upcycling erleben. Eng verbunden damit sind weitere Sonderprojekte. Kanzlers Weide zum Beispiel. Da steht seit längerem die Sanierung des Toilettenhäuschens an. Diese ist laut Planung aber nun bis 2024 verschoben. Der Grund, so Bursian: „Wir brauchen dort eigentlich ein neues Funktionsgebäude an anderem Standort.“ Mehr Richtung Weser, an der Kante zwischen Parkplatz und Weserwiesen sollte das stehen. Solche Planungen dauern wegen des Hochwasserschutzes allerdings sehr lange. Auch über das Fort C, das zurzeit die 1. Bürgerkompanie betreut und nutzt, soll in Zukunft nachgedacht werden, „Langfristig müssen wir doch mal fragen: Wie wuppt man eigentlich dieses große Areal?“, so Bursian. Das sei aber nichts, was aktuell anstehe. Irgendwann müsse man sich da aber auf den Weg machen. Auch über ein Begegnungszentrum, das laut der Dankerser Ortsvorsteherin Renate Schermer dringend erforderlich ist, werde nachgedacht, das sei aber nicht Teil des städtebaulichen Grundlagenkonzepts, sondern müsse separat behandelt werden. Am Ende werden rund 100 Millionen Euro in das Gebiet geflossen sein, vieles davon über Fördermittel für Städtebau, Mobilität oder Klimaschutz. Rund zwölf Millionen Euro wird der Eigenanteil der kommunalen Investitionen im Bereich Städtebau betragen – darin sind auch schon Summen für den Auftaktplatz der Multifunktionshalle und das Museumsdepot Kommunalarchiv enthalten (rund 12 Millionen Euro). Aus verschiedenen Fördermitteln könnten elf Millionen Euro kommen. Und die großen Bauprojekte Multifunktionshalle und Kommunalarchiv, die Altlastensanierungen und Straßenbau schlügen mit knapp 77 Millionen Euro zu Buche. So richtig Anschub könnte das Gebiet aus zwei weiteren Quellen für Geld und Ideen bekommen: Das eine ist die Regionale. Das ist ein landesweiter Wettbewerb, bei dem sich Kommunen mit besonderen Ideen für Fördermittel bewerben können. Minden hat hier mit seinen Plänen für das Rechte Weserufer und das Bahnhofsumfeld bereits die ersten wichtigen Hürden genommen und hofft darauf, einer der herausragenden „Leuchttürme“ zu werden. Das zweite sind Überlegungen zu einem „Rail Campus OWL“. Diesen stellte Bursian im Bauausschuss kurz vor. Alle vier Hochschulen in Ostwestfalen-Lippe – das sind die Universitäten Paderborn und Bielefeld, die TH in Lemgo und die FH in Bielefeld, möchten miteinander den „RailCampus OWL“ entwickeln. Ein Standort davon könnte in Minden sein, bei dem es um die Erforschung von bestimmten Aspekten der Bahntechnik gehen würde. Bursian machte auch deutlich, dass sich die Chancen Mindens hier deutlich verbessern, je klarer die Zielrichtungen sind, die die Stadt vorgibt. Das Isek „Kohleufer“ sei auch aus diesem Grund wichtig. Und damit in den nächsten zehn Jahren beim Isek für das Rechte Weserufer alles auch übersichtlich bleibt, ist der Weg zum Ziel in viele Einzelschritte und fünf große Handlungsbereiche unterteilt. „Wohnen und Leben“ soll sowohl für Modernisierung und Aufwerten des Bestehenden wie auch dafür sorgen, dass öffentliche Räume wie der Neuplatz besser genutzt werden. Zudem soll der Alte Weserhafen entwickelt werden. Unter „Kreativität und Wirtschaft“ sind Großprojekte wie die Multihalle, ein möglicher Neubau des Kommunalarchivs, aber auch Pläne für Problemgebäude wie den ehemaligen Flugzeughangar gefasst. Unter „Freizeit und Erholung“ findet sich unter anderem die Revitalisierung des Sportplatzes des SV 1860 Minden, die Renaturierung des Osterbachs und ein neues Areal für Erholung und Sport im Quartier. “Erreichbarkeit und Mobilität“ soll Verbindungen schaffen – etwa, indem geprüft wird, ob die alte Eisenbahnbrücke auch zu einem Fußgänger-Überweg werden kann. Der Bahnhofsstandort soll besser entwickelt und angebunden werden. Und der fünfte Aspekt, „Kommunikation und Beteiligung“, wird Möglichkeiten für Bürger schaffen, sich einzubringen. Der jetzt im Rat beschlossene Gesamtplan sei vor allem ein Weg, zu zeigen, was möglich ist, so Bursian. Manches ist konkret, anders sind Ideen, und „viele Dinge müssen erst in Voruntersuchungen konkretisiert werden.“ Der nächste wichtige Schritt wird die Sanierung der Altlasten am Alten Güterbahnhof sein – da, wo mal die Multihalle stehen könnte. Was genau da gemacht wird, hängt aber von der Entscheidung zu dieser Arena ab. Und die soll ja nun kurzfristig fallen. „Isek“ – ein ambitioniertes Projekt für die rechte Seite der Weser Rund 100 Millionen Euro sollen in den kommenden zehn Jahren rechts der Weser ausgegeben werden. Die Voraussetzungen dazu hat die Mindener Politik mit einem Ratsbeschluss geschaffen. Der Titel des Ganzen: „Neues Leben am Kohleufer – Rechtes Weserufer“, es handelt sich um ein „Integriertes städtebauliches Entwicklung-Konzept“, kurz Isek. Mit der grundsätzlichen Entscheidung für dieses Isek ist auch ein langer Katalog von bereits geplanten Veränderungen verabschiedet worden. Diese sind in fünf verschiedene Bereiche aufgeteilt, die „Handlungsfelder“. Mehr als 40 zusammenhängende Einzelmaßnahmen sollen bis 2030 umgesetzt werden. Der Ratsbeschluss ermöglicht nun, dass diese Ziele bei allen weiteren Planungen berücksichtigt werden müssen. Das gilt beispielsweise auch für Bauleitplanungen. Ferner ist das Isek Voraussetzung dafür, dass die Stadt Minden Geld aus Städtebaufördertöpfen beantragt werden kann. Ebenso erhöht es die Chance auf Förderungen durch die „Regionale“. Hier gibt es weitere Artikel zum Thema Multihalle