Minden

Wagner-Verband versteigert Requisiten aus dem "Ring"

Ursula Koch

Interessenten sehen sich vor der Auktion im Theatercafé die Requisiten und Elemente des Bühnenbildes aus den vier „Ring“-Opern an. Siegfrieds Ofen bleibt aber schließlich doch im Fundus des Theaters. MT-Foto: Ursula Koch - © Ursula Koch
Interessenten sehen sich vor der Auktion im Theatercafé die Requisiten und Elemente des Bühnenbildes aus den vier „Ring“-Opern an. Siegfrieds Ofen bleibt aber schließlich doch im Fundus des Theaters. MT-Foto: Ursula Koch (© Ursula Koch)

Minden (mt). Die Kröte, die an einem Stab durch „Rheingold“ hüpfte, hockt unscheinbar vor einem Tisch auf der Bühne im Theatercafé. Tische und große Bühnenbildelemente bilden ein Halbrund. Darunter Prunkstücke, wie der Ofen aus „Siegfried“, das Schwert Notung, aber auch Alberichs Taucherbrille oder der prachtvolle Mantel von Hagen oder der Wald aus Bambus-Stangen, der in allen vier Opern Verwendung fand. Nachdem die beiden zyklischen Aufführungen der Opern-Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ in Minden abgespielt ist, hatte der Wagner-Verband zur Auktion der Requisiten gerufen.

Die Zahl der Interessenten ist überschaubar. Aber das kleine Technik-Team des Theaters ist ebenfalls auf Erinnerungsstücke aus, und so wird die Veranstaltung zwar keine Auktion im klassischen Sinne, aber doch eine ganz muntere Veranstaltung. Dr. Jutta Hering-Winckler, Vorsitzende des Mindener Wagner-Verbandes, schwingt ein handfestes Werkzeug, statt eines filigranen Auktionatoren-Hämmerchens. Die Hälfte des eingenommenen Geldes verspricht sie für die Produktion „Ehre genommen“ mit dem Jugendclub des Theaters. Sie verrät bei dieser Gelegenheit auch, dass im ersten Stock des Theaters eine Vitrine mit Erinnerungsstücken aufgestellt werden soll. Dafür seien schon der Dirigenten-Stab von Frank Beermann und die Tarnkappe Siegfrieds reserviert.

Versteigert wird chronologisch nach den Opern: Der Drache aus Rheingold ist für zehn Euro aufgerufen. Es bleibt still im Saal, niemand mag bieten. Um die Stoff-Kröte am Stab gibt es aber ein erstes kleines Bietergefecht in kleinen Schritten. Sogar das Objekt, das viele auf Anhieb gar nicht identifizieren können, findet einen Liebhaber: Das Modell von Walhall, das Wotan zu Beginn des „Rheingolds“ im Arm hält. Der Schatz in Gestalt goldener Buchstaben, die das Wort Gold bilden, findet mehrere Abnehmer. Die sechs Bögen und dazugehörigen Köcher mit Pfeilen der Walküren verteilen sich auf mehrere Abnehmer. „Einen Köcher hat Dara Hobbs als Andenken mitgenommen“, erläutert Bühnenmeister Michael Kohlhagen das Fehlen eines Köchers.

Wotans prächtige Lanze bringt am Ende etwas weniger Geld ein als Hagens Speer. Für den Ehevertrag bietet spontan die Auktionatorin selbst, als Notarin ist sie schließlich vom Fach. Als sie aber auch ein Gebot für den gigantischen Blasebalg abgibt, stellt ihr Mann im Publikum leise die Frage: „Wo sollen wir damit hin?“. Die knappe Antwort lautet: „Ins Schlafzimmer.“ Dort landen übrigens auch ein Bogen und Köcher, der Gehstock des Riesen Fafner – „dann haben wir etwas fürs Alter“.

Der Ofen findet übrigens keinen Liebhaber. Der kommt in den Fundus des Theaters. „Der ist einfach zu schön, um ihn zu entsorgen“, entscheidet Intendantin Andrea Krauledat. Gunthers Mantel passt einem Wagner-Fan wie angegossen. Der findet also auch einen Abnehmer, ebenso wie der Stangen-Wald, nachdem klar wird, dass es sich um bemalten Bambus handelt, der sich auch als Gartendeko eignet. Ein richtiges Bietergefecht entspinnt sich um das sagenhafte Schwert Notung. Eine Schülerin ergattert das gute Stück schließlich. Sie hatte im vergangenen Jahr die „Götterdämmerung“ gesehen und war davon so fasziniert, das sie sich zu Weihnachten und zum Geburtstag die Karten für den Zyklus gewünscht und auch bekommen hatte. Am Ende meldet sich auch doch noch einer der Statisten für den Drachen. Für zehn Euro nimmt er in als Erinnerung an diese Produktion mit nach Hause.

Die Autorin ist erreichbar unterTelefon (05 71) 882 170 oderUrsula.Koch@MT.de

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MindenWagner-Verband versteigert Requisiten aus dem "Ring"Ursula KochMinden (mt). Die Kröte, die an einem Stab durch „Rheingold“ hüpfte, hockt unscheinbar vor einem Tisch auf der Bühne im Theatercafé. Tische und große Bühnenbildelemente bilden ein Halbrund. Darunter Prunkstücke, wie der Ofen aus „Siegfried“, das Schwert Notung, aber auch Alberichs Taucherbrille oder der prachtvolle Mantel von Hagen oder der Wald aus Bambus-Stangen, der in allen vier Opern Verwendung fand. Nachdem die beiden zyklischen Aufführungen der Opern-Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ in Minden abgespielt ist, hatte der Wagner-Verband zur Auktion der Requisiten gerufen. Die Zahl der Interessenten ist überschaubar. Aber das kleine Technik-Team des Theaters ist ebenfalls auf Erinnerungsstücke aus, und so wird die Veranstaltung zwar keine Auktion im klassischen Sinne, aber doch eine ganz muntere Veranstaltung. Dr. Jutta Hering-Winckler, Vorsitzende des Mindener Wagner-Verbandes, schwingt ein handfestes Werkzeug, statt eines filigranen Auktionatoren-Hämmerchens. Die Hälfte des eingenommenen Geldes verspricht sie für die Produktion „Ehre genommen“ mit dem Jugendclub des Theaters. Sie verrät bei dieser Gelegenheit auch, dass im ersten Stock des Theaters eine Vitrine mit Erinnerungsstücken aufgestellt werden soll. Dafür seien schon der Dirigenten-Stab von Frank Beermann und die Tarnkappe Siegfrieds reserviert. Versteigert wird chronologisch nach den Opern: Der Drache aus Rheingold ist für zehn Euro aufgerufen. Es bleibt still im Saal, niemand mag bieten. Um die Stoff-Kröte am Stab gibt es aber ein erstes kleines Bietergefecht in kleinen Schritten. Sogar das Objekt, das viele auf Anhieb gar nicht identifizieren können, findet einen Liebhaber: Das Modell von Walhall, das Wotan zu Beginn des „Rheingolds“ im Arm hält. Der Schatz in Gestalt goldener Buchstaben, die das Wort Gold bilden, findet mehrere Abnehmer. Die sechs Bögen und dazugehörigen Köcher mit Pfeilen der Walküren verteilen sich auf mehrere Abnehmer. „Einen Köcher hat Dara Hobbs als Andenken mitgenommen“, erläutert Bühnenmeister Michael Kohlhagen das Fehlen eines Köchers. Wotans prächtige Lanze bringt am Ende etwas weniger Geld ein als Hagens Speer. Für den Ehevertrag bietet spontan die Auktionatorin selbst, als Notarin ist sie schließlich vom Fach. Als sie aber auch ein Gebot für den gigantischen Blasebalg abgibt, stellt ihr Mann im Publikum leise die Frage: „Wo sollen wir damit hin?“. Die knappe Antwort lautet: „Ins Schlafzimmer.“ Dort landen übrigens auch ein Bogen und Köcher, der Gehstock des Riesen Fafner – „dann haben wir etwas fürs Alter“. Der Ofen findet übrigens keinen Liebhaber. Der kommt in den Fundus des Theaters. „Der ist einfach zu schön, um ihn zu entsorgen“, entscheidet Intendantin Andrea Krauledat. Gunthers Mantel passt einem Wagner-Fan wie angegossen. Der findet also auch einen Abnehmer, ebenso wie der Stangen-Wald, nachdem klar wird, dass es sich um bemalten Bambus handelt, der sich auch als Gartendeko eignet. Ein richtiges Bietergefecht entspinnt sich um das sagenhafte Schwert Notung. Eine Schülerin ergattert das gute Stück schließlich. Sie hatte im vergangenen Jahr die „Götterdämmerung“ gesehen und war davon so fasziniert, das sie sich zu Weihnachten und zum Geburtstag die Karten für den Zyklus gewünscht und auch bekommen hatte. Am Ende meldet sich auch doch noch einer der Statisten für den Drachen. Für zehn Euro nimmt er in als Erinnerung an diese Produktion mit nach Hause. Die Autorin ist erreichbar unterTelefon (05 71) 882 170 oderUrsula.Koch@MT.de