Minden

Nach Schließung der Kampa-Halle: Veranstalter versuchen Shows umzulegen

Kerstin Rickertund Henning Wandel

Atze Schröder hätte im Februar in der Kampa-Halle auftreten sollen. Der Veranstalter sucht jetzt nach einer Alternative. - © Kerstin Rickert
Atze Schröder hätte im Februar in der Kampa-Halle auftreten sollen. Der Veranstalter sucht jetzt nach einer Alternative. (© Kerstin Rickert)

Minden (mt). Die Nachricht vom Aus für die Kampa-Halle sorgt auch in der Veranstaltungsszene für einigen Wirbel. Besitzer von Karten für bereits angekündigte Events in 2020 fragen sich, ob sie ihre Karten zurückgeben können. Derweil bemühen sich die Veranstalter, auf andere Örtlichkeiten auszuweichen – sofern sie von der Schließung der Halle überhaupt schon wissen. Der Kreis Minden-Lübbecke sagte auf MT-Nachfrage, dass alle betroffenen Veranstalter über die Schließung zum Jahresende informiert worden seien. Dort sind die entsprechenden Mitteilungen aber offenbar erst am Dienstagnachmittag angekommen, wie von Veranstalterseite zu hören war.

Erst, wenn endgültige Entscheidungen getroffen sind, können bereits gekaufte Karten bei den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden. Bis dahin heißt es etwa für Fans von Atze Schröder: abwarten, ob es Stratmann Events als Veranstalter der eigentlich für den 8. Februar in der Kampa-Halle geplanten Show gelingt, umzudisponieren und in eine andere Halle zu verlegen – und ob der Termin derselbe bleibt oder notfalls verschoben werden muss. Es werde auf jeden Fall versucht, die Show zu verlegen, heißt es vonseiten des Veranstalters. Vom Kreis Minden-Lübbecke offiziell über die Hallenschließung informiert wurde Stratmann Events nach eigenen Angaben bis Dienstagnachmittag nicht. Erst, wenn sämtlich Fragen geklärt sind, werden in einem weiteren Schritt die Vorverkaufsstellen informiert – gegebenenfalls verbunden mit der Anweisung, Karten zurückzunehmen.

Auch wenn für Kartenkäufer die Vorverkaufstellen erste Anlaufstelle sind, bleiben diese lediglich Mittler zwischen Kunden und Veranstaltern. Letztere treffen die Entscheidungen, wie es weiter geht. Allerdings: Reagieren können sie auch erst, wenn sie Kenntnis davon haben, dass eine von ihnen gebuchte Veranstaltungsstätte plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht. Im Falle der Kampa-Halle liegt diese wichtige Information bislang offensichtlich nicht allen Veranstaltern vor. Dem Veranstalter von „Tina – The Rock Legend“, Reset Production aus Gera, etwa war die Schließung der Halle gestern Mittag noch gar nicht bekannt.

Bei Gabriel Concerts aus Bonn, die die Halle für mehrere Veranstaltungen gebucht hatten, ist man bereits tätig geworden. „Wir haben durch die Presse von der Hallenschließung erfahren“, sagt deren Mitarbeiterin Susanne Kempf gegenüber dem MT. Gegen 16 Uhr gestern Nachmittag erreichte sie dann die offizielle Absage vom Kreis. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest: „Die für den 7. Januar angekündigte Show „Nussknacker on Ice“ wird komplett abgesagt. Bereits gekaufte Karten können in den nächsten Tagen zurückgegeben werden.“ Eine Verlegung in eine andere Halle sei aus produktionstechnischen Gründen nicht möglich.

Mit der „Game of Thrones“-Concert-Show am 31. Januar wird genau das passieren. Neuer Veranstaltungsort ist die Rattenfänger-Halle in Hameln. Wer bereits Karten hat, kann sich entscheiden: Entweder er nimmt den Weg auf sich oder gibt seine Karte zurück und bekommt das Geld erstattet. Wie es beim David-Bowie-Musical „Lazarus“ gehandhabt wird, steht derzeit noch nicht fest. Die „Heinz Erhardt Show“ Ende Februar wurde ebenfalls abgesagt.

Für die Creative Kirche, die im Februar das Chormusical „Martin Luther King“ in der Kampa-Halle veranstalten wollte, ist zwar klar, dass sie an einen anderen Standort ausweichen werden, aber in trockenen Tüchern ist dies noch nicht. Im Gespräch ist laut Mitarbeiterin Andrea Zappe das Gerry-Weber-Stadion in Halle. „Wir sind aber noch dabei, mögliche Varianten durchzuspielen“, erklärt sie. Frühestens Ende dieser Woche sei klar, wohin die Reise geht. Kartenbesitzer hätten dann die Wahl, mitzuziehen oder die Karten zurückzugeben.

Der Kreis will mit den Veranstaltern weitere Abstimmungen individuell treffen, heißt es auf Nachfrage. Die einzelnen Nutzungen in der Kampa-Halle seien zu unterschiedlich. Abhängig von einer bauordnungsrechtlichen Entscheidung der Stadt Minden sei auch eine Schließung ab dem 1. November möglich. Generell abgesagt werden müssten alle Veranstaltungen in der Kampa-Halle ab dem 1. Januar. Bisher ist die Halle bis Ende April gebucht. Regressforderungen gegen den Kreis seien denkbar, wie Landrat Dr. Ralf Niermann schon in der vergangenen Woche gesagt hatte.

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MindenNach Schließung der Kampa-Halle: Veranstalter versuchen Shows umzulegenKerstin Rickertund Henning WandelMinden (mt). Die Nachricht vom Aus für die Kampa-Halle sorgt auch in der Veranstaltungsszene für einigen Wirbel. Besitzer von Karten für bereits angekündigte Events in 2020 fragen sich, ob sie ihre Karten zurückgeben können. Derweil bemühen sich die Veranstalter, auf andere Örtlichkeiten auszuweichen – sofern sie von der Schließung der Halle überhaupt schon wissen. Der Kreis Minden-Lübbecke sagte auf MT-Nachfrage, dass alle betroffenen Veranstalter über die Schließung zum Jahresende informiert worden seien. Dort sind die entsprechenden Mitteilungen aber offenbar erst am Dienstagnachmittag angekommen, wie von Veranstalterseite zu hören war. Erst, wenn endgültige Entscheidungen getroffen sind, können bereits gekaufte Karten bei den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden. Bis dahin heißt es etwa für Fans von Atze Schröder: abwarten, ob es Stratmann Events als Veranstalter der eigentlich für den 8. Februar in der Kampa-Halle geplanten Show gelingt, umzudisponieren und in eine andere Halle zu verlegen – und ob der Termin derselbe bleibt oder notfalls verschoben werden muss. Es werde auf jeden Fall versucht, die Show zu verlegen, heißt es vonseiten des Veranstalters. Vom Kreis Minden-Lübbecke offiziell über die Hallenschließung informiert wurde Stratmann Events nach eigenen Angaben bis Dienstagnachmittag nicht. Erst, wenn sämtlich Fragen geklärt sind, werden in einem weiteren Schritt die Vorverkaufsstellen informiert – gegebenenfalls verbunden mit der Anweisung, Karten zurückzunehmen. Auch wenn für Kartenkäufer die Vorverkaufstellen erste Anlaufstelle sind, bleiben diese lediglich Mittler zwischen Kunden und Veranstaltern. Letztere treffen die Entscheidungen, wie es weiter geht. Allerdings: Reagieren können sie auch erst, wenn sie Kenntnis davon haben, dass eine von ihnen gebuchte Veranstaltungsstätte plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht. Im Falle der Kampa-Halle liegt diese wichtige Information bislang offensichtlich nicht allen Veranstaltern vor. Dem Veranstalter von „Tina – The Rock Legend“, Reset Production aus Gera, etwa war die Schließung der Halle gestern Mittag noch gar nicht bekannt. Bei Gabriel Concerts aus Bonn, die die Halle für mehrere Veranstaltungen gebucht hatten, ist man bereits tätig geworden. „Wir haben durch die Presse von der Hallenschließung erfahren“, sagt deren Mitarbeiterin Susanne Kempf gegenüber dem MT. Gegen 16 Uhr gestern Nachmittag erreichte sie dann die offizielle Absage vom Kreis. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest: „Die für den 7. Januar angekündigte Show „Nussknacker on Ice“ wird komplett abgesagt. Bereits gekaufte Karten können in den nächsten Tagen zurückgegeben werden.“ Eine Verlegung in eine andere Halle sei aus produktionstechnischen Gründen nicht möglich. Mit der „Game of Thrones“-Concert-Show am 31. Januar wird genau das passieren. Neuer Veranstaltungsort ist die Rattenfänger-Halle in Hameln. Wer bereits Karten hat, kann sich entscheiden: Entweder er nimmt den Weg auf sich oder gibt seine Karte zurück und bekommt das Geld erstattet. Wie es beim David-Bowie-Musical „Lazarus“ gehandhabt wird, steht derzeit noch nicht fest. Die „Heinz Erhardt Show“ Ende Februar wurde ebenfalls abgesagt. Für die Creative Kirche, die im Februar das Chormusical „Martin Luther King“ in der Kampa-Halle veranstalten wollte, ist zwar klar, dass sie an einen anderen Standort ausweichen werden, aber in trockenen Tüchern ist dies noch nicht. Im Gespräch ist laut Mitarbeiterin Andrea Zappe das Gerry-Weber-Stadion in Halle. „Wir sind aber noch dabei, mögliche Varianten durchzuspielen“, erklärt sie. Frühestens Ende dieser Woche sei klar, wohin die Reise geht. Kartenbesitzer hätten dann die Wahl, mitzuziehen oder die Karten zurückzugeben. Der Kreis will mit den Veranstaltern weitere Abstimmungen individuell treffen, heißt es auf Nachfrage. Die einzelnen Nutzungen in der Kampa-Halle seien zu unterschiedlich. Abhängig von einer bauordnungsrechtlichen Entscheidung der Stadt Minden sei auch eine Schließung ab dem 1. November möglich. Generell abgesagt werden müssten alle Veranstaltungen in der Kampa-Halle ab dem 1. Januar. Bisher ist die Halle bis Ende April gebucht. Regressforderungen gegen den Kreis seien denkbar, wie Landrat Dr. Ralf Niermann schon in der vergangenen Woche gesagt hatte.