Minden/Hechingen

In Minden aufgewachsen: 80-Jähriger überfällt Banken mit Bombenattrappen

Pascal Tonnemacher

Der Senior hat bei seinen Überfallen mit Bombenattrappen gearbeitet. - © Pascal Tonnemacher
Der Senior hat bei seinen Überfallen mit Bombenattrappen gearbeitet. (© Pascal Tonnemacher)

Minden/Hechingen (pt). Ein in Minden aufgewachsener Mann hat gestanden, für eine ungewöhnliche Serie von Banküberfällen verantwortlich zu sein.

Er war im Mai während eines Überfalls auf die Sparkasse in Balingen (Zollernalbkreis) festgenommen worden. Schnell waren die Ermittler sicher: Der festgenommene 80-jährige Tatverdächtige ist womöglich auch für fünf weitere Überfalle der vergangenen zehn Jahre im Südwesten Deutschlands verantwortlich, bei denen er insgesamt mehrere hunderttausend Euro erbeutet hatte.

Bei den Erpressungsversuchen und Banküberfällen hatte sich der Täter, der zuletzt in der Nähe von Freiburg gelebt hatte, immer mit einer Kostümierung getarnt: Sonnenbrille, Perücke, Anzug und langer Mantel. Mit dabei hatte er stets ein ausgedrucktes Erpresserschreiben mit Drohung und Forderung im Stakkato-Stil, und eine Bombenattrappe im Koffer. Er sprach wenig und höflich, aber deutlich mit den Bankangestellten, wollte in die Tresorräume.

Auch während der Verhandlung vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Hechingen gibt er sich in dieser Woche schmallippig, lässt über seinen Verteidiger aber verlauten, dass er alle vorgeworfenen Taten gesteht und sich entschuldigt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm in insgesamt sechs Fällen schwere räuberische Erpressung vor.

Dem Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe. Als Grund für die Taten nennt der Mann die Pleite der amerikanischen Bank Lehman-Brothers. Bei der habe er Geld verloren und das mit der Beute ausgleichen wollen.

Bis zum Beginn der Überfallserie führte er ein unauffälliges Leben als Ehemann mit Kindern. Er wuchs in Minden auf, war bis zur Pension in leitenden Positionen in der Textilbranche im Schwarzwald als Kaufmann tätig. Strafrechtlich war er nie in Erscheinung getreten. Bankangestellte berichteten während des ersten Verhandlungstages von den Vorfällen, die teilweise mehrere Jahre zurückliegen.

Sie alle nahmen die Drohung des Täters ernst, hatten teilweise Todesängste. Eine Bankangestellte der Deutschen Bank in Freiburg berichtet eindrücklich von dem 30 Minuten dauernden Überfall 2009, den sie als „entsetzlich“ bezeichnete.

Nur mühsam hat der damalige Filialleiter der Commerzbank-Filiale in Villingen den Überfall 2009 verarbeitet. Nach psychischen Problemen fand er zwar zurück ins Leben, ist mittlerweile arbeitslos. Der Überfall habe seine Karriere beendet, sagte er. Der Täter hatte ihn gezwungen, echt wirkende Bomben in der Jackettasche zu tragen. Doch nicht immer konnte der Täter Geld erbeuten wie in Villingen, Rastatt oder bei einem ersten Überfall in Balingen. Er versuchte es an manchen Orten mehrmals oder konnte flüchten. Eine Geldübergabe nach einer Erpressung der Deutschen Bank in Freiburg an mangelhaften Anweisungen, die der Täter einem Geldboten gab.

Einen Überfall in Waldkirch nahe Freiburg konnte der dortige Regionaldirektor verhindern, weil er in einen gesicherten Bereich floh und die Tür abschloss. Ende Oktober soll das Urteil fallen.

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Minden/HechingenIn Minden aufgewachsen: 80-Jähriger überfällt Banken mit BombenattrappenPascal TonnemacherMinden/Hechingen (pt). Ein in Minden aufgewachsener Mann hat gestanden, für eine ungewöhnliche Serie von Banküberfällen verantwortlich zu sein. Er war im Mai während eines Überfalls auf die Sparkasse in Balingen (Zollernalbkreis) festgenommen worden. Schnell waren die Ermittler sicher: Der festgenommene 80-jährige Tatverdächtige ist womöglich auch für fünf weitere Überfalle der vergangenen zehn Jahre im Südwesten Deutschlands verantwortlich, bei denen er insgesamt mehrere hunderttausend Euro erbeutet hatte. Bei den Erpressungsversuchen und Banküberfällen hatte sich der Täter, der zuletzt in der Nähe von Freiburg gelebt hatte, immer mit einer Kostümierung getarnt: Sonnenbrille, Perücke, Anzug und langer Mantel. Mit dabei hatte er stets ein ausgedrucktes Erpresserschreiben mit Drohung und Forderung im Stakkato-Stil, und eine Bombenattrappe im Koffer. Er sprach wenig und höflich, aber deutlich mit den Bankangestellten, wollte in die Tresorräume. Auch während der Verhandlung vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Hechingen gibt er sich in dieser Woche schmallippig, lässt über seinen Verteidiger aber verlauten, dass er alle vorgeworfenen Taten gesteht und sich entschuldigt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm in insgesamt sechs Fällen schwere räuberische Erpressung vor. Dem Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe. Als Grund für die Taten nennt der Mann die Pleite der amerikanischen Bank Lehman-Brothers. Bei der habe er Geld verloren und das mit der Beute ausgleichen wollen. Bis zum Beginn der Überfallserie führte er ein unauffälliges Leben als Ehemann mit Kindern. Er wuchs in Minden auf, war bis zur Pension in leitenden Positionen in der Textilbranche im Schwarzwald als Kaufmann tätig. Strafrechtlich war er nie in Erscheinung getreten. Bankangestellte berichteten während des ersten Verhandlungstages von den Vorfällen, die teilweise mehrere Jahre zurückliegen. Sie alle nahmen die Drohung des Täters ernst, hatten teilweise Todesängste. Eine Bankangestellte der Deutschen Bank in Freiburg berichtet eindrücklich von dem 30 Minuten dauernden Überfall 2009, den sie als „entsetzlich“ bezeichnete. Nur mühsam hat der damalige Filialleiter der Commerzbank-Filiale in Villingen den Überfall 2009 verarbeitet. Nach psychischen Problemen fand er zwar zurück ins Leben, ist mittlerweile arbeitslos. Der Überfall habe seine Karriere beendet, sagte er. Der Täter hatte ihn gezwungen, echt wirkende Bomben in der Jackettasche zu tragen. Doch nicht immer konnte der Täter Geld erbeuten wie in Villingen, Rastatt oder bei einem ersten Überfall in Balingen. Er versuchte es an manchen Orten mehrmals oder konnte flüchten. Eine Geldübergabe nach einer Erpressung der Deutschen Bank in Freiburg an mangelhaften Anweisungen, die der Täter einem Geldboten gab. Einen Überfall in Waldkirch nahe Freiburg konnte der dortige Regionaldirektor verhindern, weil er in einen gesicherten Bereich floh und die Tür abschloss. Ende Oktober soll das Urteil fallen.