Minden

Trockenheit: Landwirte nochmal mit Blauem Auge davongekommen

veröffentlicht

Die Landwirte sind derzeit mit den Feldarbeiten beschäftigt. Sie hoffen nach der Trockeperiode auf mehr Regen. Foto: Florian Pottkamp/WLV - © Picasa
Die Landwirte sind derzeit mit den Feldarbeiten beschäftigt. Sie hoffen nach der Trockeperiode auf mehr Regen. Foto: Florian Pottkamp/WLV (© Picasa)

Minden (mt/sk). Zum Erntedank zieht der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) eine gemischte Bilanz. Bei zahlreichen Feldfrüchten hatte die Trockenheit zu Ernteeinbußen geführt. „Die Natur zeigte uns erneut, dass Lebensmittel im Überfluss nicht selbstverständlich sind“, erklärt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Rainer Meyer in einer Pressemitteilung des WLV. Trotz Trockenheit und Hitze seien die Bauern aber mit einem blauen Auge davon gekommen.

Allerdings gibt es massive Trockenschäden und Ernteeinbußen bei den Wiesen und Weiden sowie Kartoffeln. Der Mais litt im zweiten Jahr in Folge unter Trockenstress. Wegen der unterschiedlichen Bodenqualitäten und vor allem Regenmengen liegt die Spannbreite bei der Ernte von „ganz ordentlich“ bis „ganz schlecht“.

„Daher ist regional eine im Vergleich zum Vorjahr noch schwierigere Futtersituation zu befürchten“, erläutert Meyer, „da es kaum Reserven gibt.“ In den Wiesen und Weiden ist nach dem ersten und zweiten Grünland-Schnitt wenig gewachsen. „Normalerweise haben die Milchbauern immer eine gewisse Futterreserve für Notzeiten“, so Meyer. Der trockene Sommer 2018 habe aber diesen Puffer aufgezehrt.

Bei der jetzt laufenden Kartoffelernte rechnen die Landwirte mit einer unterdurchschnittlichen Ernte. Die Spannbreite ist ebenfalls groß und die Ernteverluste ohne Beregnung noch deutlicher. Bei den Zuckerrüben erwarten die Bauern auch eine unter dem Durchschnitt liegende Ernte. Meyer verdeutlicht weiter, dass es zukünftig gerade für die Zuckerrübe und den Raps im harten Marktwettbewerb schwierig werde.

Der Schweinemarkt konnte sich nach einer Talsohle in den vergangenen beiden Jahren erholen. „Die Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest in anderen Ländern haben die Kurse steigen lassen“, freut sich Meyer. Doch Haltungsauflagen und bürokratische Hürden seien nach wie vor für die Tierhalter das bestimmende Thema. So bedeute beispielsweise der Entwurf zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung schwerwiegende Veränderungen für die Sauenhalter.

In der WLV-Pressemitteilung bewegt den Kreislandwirt die Frage, ob die Landwirtschaft dem Zeitgeist geopfert werde. Denn neben immer mehr Haltungsauflagen und bürokratischen Hürden bereite den Bauern auch das neue Agrarpaket große Sorgen. Dieses Gesetzespaket, das Anfang September Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) als Entwurf vorgestellt hatten, kritisiert Meyer massiv. Es bedeute das „Aus“ für viele heimische Bauernfamilien. Das Paket sei reiner politischer Aktionismus. „Wir müssen in der Lage sein, weiterhin eine fach- und sachgerechte Landwirtschaft betreiben zu können, um in Europa noch annähernd wettbewerbsfähig zu bleiben“, untermauert der Landwirt. „Viele Bauern sind verzweifelt und verstehen diese Politik nicht mehr.“

Weiter sieht der Vorsitzende den Wald in einem desaströsen Zustand. „Das Landschaftsbild wird sich ändern.“ Die Rettung des Waldes ist für ihn eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Er wünscht sich auch eine wissenschaftliche Begleitung, um Konzepte für einen zukunftsfähigen Wald zu erarbeiten.

Die Stimmung ist zum Erntedankfest von Dankbarkeit geprägt. „Trotz Dürre und Hitze können wir Bauern zufrieden sein“, sagt Meyer. Hinsichtlich der schwierigen Rahmenbedingungen und Herausforderungen gibt er einen optimistischen Ausblick: „Die Landwirtschaft hat Zukunft. Sie ist bunt, vielfältig und bietet viele Möglichkeiten, zudem kommen viele junge, motivierte Leute nach.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MindenTrockenheit: Landwirte nochmal mit Blauem Auge davongekommenMinden (mt/sk). Zum Erntedank zieht der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) eine gemischte Bilanz. Bei zahlreichen Feldfrüchten hatte die Trockenheit zu Ernteeinbußen geführt. „Die Natur zeigte uns erneut, dass Lebensmittel im Überfluss nicht selbstverständlich sind“, erklärt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Rainer Meyer in einer Pressemitteilung des WLV. Trotz Trockenheit und Hitze seien die Bauern aber mit einem blauen Auge davon gekommen. Allerdings gibt es massive Trockenschäden und Ernteeinbußen bei den Wiesen und Weiden sowie Kartoffeln. Der Mais litt im zweiten Jahr in Folge unter Trockenstress. Wegen der unterschiedlichen Bodenqualitäten und vor allem Regenmengen liegt die Spannbreite bei der Ernte von „ganz ordentlich“ bis „ganz schlecht“. „Daher ist regional eine im Vergleich zum Vorjahr noch schwierigere Futtersituation zu befürchten“, erläutert Meyer, „da es kaum Reserven gibt.“ In den Wiesen und Weiden ist nach dem ersten und zweiten Grünland-Schnitt wenig gewachsen. „Normalerweise haben die Milchbauern immer eine gewisse Futterreserve für Notzeiten“, so Meyer. Der trockene Sommer 2018 habe aber diesen Puffer aufgezehrt. Bei der jetzt laufenden Kartoffelernte rechnen die Landwirte mit einer unterdurchschnittlichen Ernte. Die Spannbreite ist ebenfalls groß und die Ernteverluste ohne Beregnung noch deutlicher. Bei den Zuckerrüben erwarten die Bauern auch eine unter dem Durchschnitt liegende Ernte. Meyer verdeutlicht weiter, dass es zukünftig gerade für die Zuckerrübe und den Raps im harten Marktwettbewerb schwierig werde. Der Schweinemarkt konnte sich nach einer Talsohle in den vergangenen beiden Jahren erholen. „Die Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest in anderen Ländern haben die Kurse steigen lassen“, freut sich Meyer. Doch Haltungsauflagen und bürokratische Hürden seien nach wie vor für die Tierhalter das bestimmende Thema. So bedeute beispielsweise der Entwurf zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung schwerwiegende Veränderungen für die Sauenhalter. In der WLV-Pressemitteilung bewegt den Kreislandwirt die Frage, ob die Landwirtschaft dem Zeitgeist geopfert werde. Denn neben immer mehr Haltungsauflagen und bürokratischen Hürden bereite den Bauern auch das neue Agrarpaket große Sorgen. Dieses Gesetzespaket, das Anfang September Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) als Entwurf vorgestellt hatten, kritisiert Meyer massiv. Es bedeute das „Aus“ für viele heimische Bauernfamilien. Das Paket sei reiner politischer Aktionismus. „Wir müssen in der Lage sein, weiterhin eine fach- und sachgerechte Landwirtschaft betreiben zu können, um in Europa noch annähernd wettbewerbsfähig zu bleiben“, untermauert der Landwirt. „Viele Bauern sind verzweifelt und verstehen diese Politik nicht mehr.“ Weiter sieht der Vorsitzende den Wald in einem desaströsen Zustand. „Das Landschaftsbild wird sich ändern.“ Die Rettung des Waldes ist für ihn eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Er wünscht sich auch eine wissenschaftliche Begleitung, um Konzepte für einen zukunftsfähigen Wald zu erarbeiten. Die Stimmung ist zum Erntedankfest von Dankbarkeit geprägt. „Trotz Dürre und Hitze können wir Bauern zufrieden sein“, sagt Meyer. Hinsichtlich der schwierigen Rahmenbedingungen und Herausforderungen gibt er einen optimistischen Ausblick: „Die Landwirtschaft hat Zukunft. Sie ist bunt, vielfältig und bietet viele Möglichkeiten, zudem kommen viele junge, motivierte Leute nach.“