Minden

Markus Krebs in Minden: Der Kumpel am Stehtisch

Michael Hiller

Stand-up Comedian Markus Krebs hat die Lacher auf seiner Seite. Mit seinem neuesten Programm „Pass auf…kennste den?!“ war er zu Gast in der Kampa-Halle. - © Foto: Michael Hiller
Stand-up Comedian Markus Krebs hat die Lacher auf seiner Seite. Mit seinem neuesten Programm „Pass auf…kennste den?!“ war er zu Gast in der Kampa-Halle. (© Foto: Michael Hiller)

Minden (hil). Wollmütze, Zopf und Sonnenbrille sind sein Erkennungszeichen. Möglicherweise sollte man aber auch noch den kleinen Bauchansatz unter seinem T-Shirt erwähnen. Denn der gehört bei dem Stand-up-Comedian Markus Krebs genauso dazu wie der Ruhrpott-Charme, mit dem er innerhalb weniger Minuten das Publikum in der ausverkauften Kampa-Halle in seinen Bann zieht. Als Bühnenbild dient ein Stehtisch, ein Barhocker und natürlich eine Flasche Bier. Irgendwie wirkt er schon schräg, als er die Bühne betritt. Gleichzeitig aber auch wie ein guter Kumpel, mit dem man mal kurz in die Kneipe nebenan gehen möchte, um ein Bierchen zu trinken. Dieses Image macht den gebürtigen Duisburger und Gewinner des RTL Comedy Grand Prix 2011 sympathisch.

Markus Krebs ist mit seinem neuesten Programm „Pass auf…kennste den?!“ nach Minden gekommen und liest daraus wie aus einem Buch. Genauer gesagt blättert er zwischendurch immer wieder in den Kopien auf seinem Stehtisch, was auf zwei Großleinwänden genau zu verfolgen ist. Mit entsprechender Mimik, die so wirkt, als würde er einem guten Freund etwas vorlesen. Manchmal bewusst nuschelnd, dann wiederum sehr deutlich und sehr klar. Ein durchdachtes Spiel in der Interaktion mit seinen Fans. Gleich zu Beginn marschiert Markus Krebs in die Reihen des Publikums, um erstmal ein bisschen Feeling abzuholen. „Kommste hier aus der Ecke?“ fragt er. „Ich frag ja nur, weil du hier in der Ecke sitzt!“

Mit der Kategorie „Flach-Witz“punktet er übrigens den gesamten Abend, denn in gefühlten zwei Minuten hat er die Halle hochgekocht – aber so richtig. Nebenher kommen wieder intelligenter Wortwitz und kreative Wortschöpfungen. Und dann geht es gnadenlos weiter. Eigentlich ohne richtiges Konzept, was schon wieder ein Konzept ist. Alles aus dem Stegreif und alles kommt auf den Tisch, was gesagt werden muss. Auch mal polternd wie ein Prolet: „Ich war immer nett zu meiner Frau. Wenn sie krank war, habe ich sie in die Küche getragen, damit sie kochen konnte.“

Mit einem Gesicht der Ahnungslosigkeit wandert Markus Krebs dabei vor seinen Fans hin und her, während er kalauert und sich sicher sein kann, dass seine Performance beim Publikum wirkt. Das Konzept geht auf, denn die Fans in der Halle kommen aus dem Lachen fast nicht mehr heraus. Eine Pointe überholt die andere. Der gesamte Abend ist auf Witz ausgelegt.

Markus Krebs ist kein Mann, der große Botschaften vermitteln möchte. Er möchte den Witz transportieren ohne Schnörkel. Ohne Wenn und Aber. Einfach so rauslassen. Und das muss man mögen, was der Typ hinter der Sonnenbrille und unter der Wollmütze so abliefert. Auch wenn es wie nach der Pause dann schon mal paar „Absacker“ in Richtung „nicht ganz jugendfrei“ gibt. Markus Krebs zelebriert auch diese Dinge wie auf einem silbernen Tablett. Das Anrüchige mit etabliertem Witz lässt System erkennen. Das macht die Authentizität des Markus Krebs aus.

Schon in seinem Live-Programm „Permanent Panne“ folgte Pointe auf Pointe und mit seiner speziellen Art macht er sich in der deutschen Comedy-Szene ziemlich einzigartig. Auftritte hatte er schon bei TV Total, Cindy aus Marzahn und Bülent Ceylan. Dabei ist Markus Krebs mehr oder weniger Quereinsteiger. Gelernt hat er Groß- und Außenhandelskaufmann, war dann stellvertretender Baumarktleiter und in der Gastronomie tätig. Jobs, die ihn dann zur Comedy inspiriert haben. Eine weise Entscheidung, denn das Feedback wie hier in der Kampa-Halle gibt ihm recht.

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MindenMarkus Krebs in Minden: Der Kumpel am StehtischMichael HillerMinden (hil). Wollmütze, Zopf und Sonnenbrille sind sein Erkennungszeichen. Möglicherweise sollte man aber auch noch den kleinen Bauchansatz unter seinem T-Shirt erwähnen. Denn der gehört bei dem Stand-up-Comedian Markus Krebs genauso dazu wie der Ruhrpott-Charme, mit dem er innerhalb weniger Minuten das Publikum in der ausverkauften Kampa-Halle in seinen Bann zieht. Als Bühnenbild dient ein Stehtisch, ein Barhocker und natürlich eine Flasche Bier. Irgendwie wirkt er schon schräg, als er die Bühne betritt. Gleichzeitig aber auch wie ein guter Kumpel, mit dem man mal kurz in die Kneipe nebenan gehen möchte, um ein Bierchen zu trinken. Dieses Image macht den gebürtigen Duisburger und Gewinner des RTL Comedy Grand Prix 2011 sympathisch. Markus Krebs ist mit seinem neuesten Programm „Pass auf…kennste den?!“ nach Minden gekommen und liest daraus wie aus einem Buch. Genauer gesagt blättert er zwischendurch immer wieder in den Kopien auf seinem Stehtisch, was auf zwei Großleinwänden genau zu verfolgen ist. Mit entsprechender Mimik, die so wirkt, als würde er einem guten Freund etwas vorlesen. Manchmal bewusst nuschelnd, dann wiederum sehr deutlich und sehr klar. Ein durchdachtes Spiel in der Interaktion mit seinen Fans. Gleich zu Beginn marschiert Markus Krebs in die Reihen des Publikums, um erstmal ein bisschen Feeling abzuholen. „Kommste hier aus der Ecke?“ fragt er. „Ich frag ja nur, weil du hier in der Ecke sitzt!“ Mit der Kategorie „Flach-Witz“punktet er übrigens den gesamten Abend, denn in gefühlten zwei Minuten hat er die Halle hochgekocht – aber so richtig. Nebenher kommen wieder intelligenter Wortwitz und kreative Wortschöpfungen. Und dann geht es gnadenlos weiter. Eigentlich ohne richtiges Konzept, was schon wieder ein Konzept ist. Alles aus dem Stegreif und alles kommt auf den Tisch, was gesagt werden muss. Auch mal polternd wie ein Prolet: „Ich war immer nett zu meiner Frau. Wenn sie krank war, habe ich sie in die Küche getragen, damit sie kochen konnte.“ Mit einem Gesicht der Ahnungslosigkeit wandert Markus Krebs dabei vor seinen Fans hin und her, während er kalauert und sich sicher sein kann, dass seine Performance beim Publikum wirkt. Das Konzept geht auf, denn die Fans in der Halle kommen aus dem Lachen fast nicht mehr heraus. Eine Pointe überholt die andere. Der gesamte Abend ist auf Witz ausgelegt. Markus Krebs ist kein Mann, der große Botschaften vermitteln möchte. Er möchte den Witz transportieren ohne Schnörkel. Ohne Wenn und Aber. Einfach so rauslassen. Und das muss man mögen, was der Typ hinter der Sonnenbrille und unter der Wollmütze so abliefert. Auch wenn es wie nach der Pause dann schon mal paar „Absacker“ in Richtung „nicht ganz jugendfrei“ gibt. Markus Krebs zelebriert auch diese Dinge wie auf einem silbernen Tablett. Das Anrüchige mit etabliertem Witz lässt System erkennen. Das macht die Authentizität des Markus Krebs aus. Schon in seinem Live-Programm „Permanent Panne“ folgte Pointe auf Pointe und mit seiner speziellen Art macht er sich in der deutschen Comedy-Szene ziemlich einzigartig. Auftritte hatte er schon bei TV Total, Cindy aus Marzahn und Bülent Ceylan. Dabei ist Markus Krebs mehr oder weniger Quereinsteiger. Gelernt hat er Groß- und Außenhandelskaufmann, war dann stellvertretender Baumarktleiter und in der Gastronomie tätig. Jobs, die ihn dann zur Comedy inspiriert haben. Eine weise Entscheidung, denn das Feedback wie hier in der Kampa-Halle gibt ihm recht.