Minden

Schwimmunterricht an der Wichernschule fällt seit Monaten aus

Anja Peper

Neben dem Hubboden ist auch die Lüftung im Schwimmbad der Wichernschule defekt. - © Alex Lehn
Neben dem Hubboden ist auch die Lüftung im Schwimmbad der Wichernschule defekt. (© Alex Lehn)

Minden (mt). Eigentlich ist die Wichernschule für den Schwimmunterricht gut ausgestattet: Es gibt einen Pool, speziell ausgebildete Lehrer mit Rettungsschein und einen Haustechniker, der alles in Schuss hält. Doch aktuell streikt die Technik. Das führt dazu, dass der Schwimmunterricht für die Unterstufe – also für Schüler von sechs bis zwölf Jahren – seit Monaten ausfällt. Das betrifft etwa 70 Kinder. Die gute Nachricht: In den nächsten Monaten wird in die Bädertechnik investiert. Bis Sommer 2020 sollen auch die Kleinsten an der Förderschule wieder Schwimmen lernen können, ist das erklärte Ziel.

Die Wichernschule ist eine Förderschule mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung in Trägerschaft der Diakonie Stiftung Salem. Die aktuell 215 Schüler haben Förderbedarf im kognitiven Bereich, in der Sprache, der Motorik und auch im Lern- und Arbeitsverhalten. „Sie tun sich insgesamt schwerer damit, schwimmen zu lernen als andere Kinder“, ist die Erfahrung von Rektorin Anja Mensing. Was das Problem der ausfallenden Schwimmstunden verschärft, ist die Tatsache, dass die Schüler sich ausgesprochen gerne im warmen Wasser aufhalten: „Für viele ist der Schwimmkurs ein Highlight der Woche.“

Ohne funktionierenden Hubboden kein Schwimmunterricht: Seit Monaten dürfen die kleinsten Schüler der Wichernschule nicht in ihr Hallenbad – es wäre für Nichtschwimmer zu gefährlich. MT-Fotos: Alex Lehn - © Alex Lehn
Ohne funktionierenden Hubboden kein Schwimmunterricht: Seit Monaten dürfen die kleinsten Schüler der Wichernschule nicht in ihr Hallenbad – es wäre für Nichtschwimmer zu gefährlich. MT-Fotos: Alex Lehn (© Alex Lehn)

Aber ohne funktionierenden Hubboden kein Unterricht. Diese Technik sei gerade für die Kleinsten unbedingt erforderlich, damit sie sich spielerisch ans Wasser gewöhnen und angstfrei schwimmen lernen können. Auf Knopfdruck hebt ein hydraulisches System den gesamten Beckenboden langsam an. Das Wasser wird also weniger tief. „So können die Kinder zunächst die Angst vorm Wasser überwinden“, sagt Anja Mensing. Wenn später geübte Schwimmer ins Becken wollen, wird der höhenverstellbare Zwischenboden wieder hinuntergefahren. Von einem Regieraum neben dem Pool aus können die Lehrer die Höhe selber einstellen. Dieses Plus an Technik hat sich nicht nur bewährt, sondern ist unerlässlich für die Sicherheit: „Wir könnten mit unseren Kindern nicht einfach in ein anderes Bad ausweichen, selbst wenn es noch irgendwo freie Schwimmzeiten gäbe“, so die Rektorin. Auch auf Vereinsebene gebe es keine Angebote für Kinder mit einer Behinderung. An der Wichernschule sind zwei Lehrer mit Rettungsschein für maximal 13 Schüler da.

In der Wichernschule hält Haustechniker Paul Bormann die Temperatur im Indoor-Pool konstant auf 30 bis 32 Grad, also vergleichsweise warm. Besonders Kinder mit einer Spastik brauchen warmes Wasser und besondere Rahmenbedingungen. Inzwischen hat aber auch die etwa 40 Jahre alte Lüftung den Geist aufgegeben.

Die laufenden Betriebskosten finanziert die Bezirksregierung Detmold. Die jetzt anstehenden Investitionskosten in Höhe von 205.000 Euro übernehmen anteilig die Stadt Minden und der Kreis Minden-Lübbecke. Die Höhe richtet sich anteilig nach dem jeweiligen Schüleranteil. Aktuell kommt etwa die Hälfte der Schüler aus Minden, die andere Hälfte aus dem Kreisgebiet. Aufgrund der Dringlichkeit wollen sich Stadt und Kreis die Kosten jetzt 50:50 teilen. Darum stand das Thema nun auf der Agenda des Kreis-Schulausschusses. Vorgesehen ist, die Kosten für die unbedingt notwendige Hubbodenanlage noch 2019 zur Verfügung zu stellen. Die Umsetzung der weiteren Maßnahmen ist erst nach Inkrafttreten des Haushalts 2020/20121 möglich.

Die Kostenschätzung für Schwimmbad und Sporthalle beläuft sich auf rund 205.000 Euro. Dabei schlägt die Erneuerung der Lüftungsanlage mit 160.000 Euro zu Buche, die Sanierung der Hubbodenanlage mit 30.000 Euro. In der Sporthalle wird außerdem der Prallschutz erneuert – mit 15.000 Euro der kleinste Posten im Investitionsplan. Auch Sportgruppen (Reha- und Seniorensport) nutzen das Bad gerne. Auch diese Teilnehmer fühlen sich wohler, wenn die Wassertiefe regulierbar ist.

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MindenSchwimmunterricht an der Wichernschule fällt seit Monaten ausAnja PeperMinden (mt). Eigentlich ist die Wichernschule für den Schwimmunterricht gut ausgestattet: Es gibt einen Pool, speziell ausgebildete Lehrer mit Rettungsschein und einen Haustechniker, der alles in Schuss hält. Doch aktuell streikt die Technik. Das führt dazu, dass der Schwimmunterricht für die Unterstufe – also für Schüler von sechs bis zwölf Jahren – seit Monaten ausfällt. Das betrifft etwa 70 Kinder. Die gute Nachricht: In den nächsten Monaten wird in die Bädertechnik investiert. Bis Sommer 2020 sollen auch die Kleinsten an der Förderschule wieder Schwimmen lernen können, ist das erklärte Ziel. Die Wichernschule ist eine Förderschule mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung in Trägerschaft der Diakonie Stiftung Salem. Die aktuell 215 Schüler haben Förderbedarf im kognitiven Bereich, in der Sprache, der Motorik und auch im Lern- und Arbeitsverhalten. „Sie tun sich insgesamt schwerer damit, schwimmen zu lernen als andere Kinder“, ist die Erfahrung von Rektorin Anja Mensing. Was das Problem der ausfallenden Schwimmstunden verschärft, ist die Tatsache, dass die Schüler sich ausgesprochen gerne im warmen Wasser aufhalten: „Für viele ist der Schwimmkurs ein Highlight der Woche.“ Aber ohne funktionierenden Hubboden kein Unterricht. Diese Technik sei gerade für die Kleinsten unbedingt erforderlich, damit sie sich spielerisch ans Wasser gewöhnen und angstfrei schwimmen lernen können. Auf Knopfdruck hebt ein hydraulisches System den gesamten Beckenboden langsam an. Das Wasser wird also weniger tief. „So können die Kinder zunächst die Angst vorm Wasser überwinden“, sagt Anja Mensing. Wenn später geübte Schwimmer ins Becken wollen, wird der höhenverstellbare Zwischenboden wieder hinuntergefahren. Von einem Regieraum neben dem Pool aus können die Lehrer die Höhe selber einstellen. Dieses Plus an Technik hat sich nicht nur bewährt, sondern ist unerlässlich für die Sicherheit: „Wir könnten mit unseren Kindern nicht einfach in ein anderes Bad ausweichen, selbst wenn es noch irgendwo freie Schwimmzeiten gäbe“, so die Rektorin. Auch auf Vereinsebene gebe es keine Angebote für Kinder mit einer Behinderung. An der Wichernschule sind zwei Lehrer mit Rettungsschein für maximal 13 Schüler da. In der Wichernschule hält Haustechniker Paul Bormann die Temperatur im Indoor-Pool konstant auf 30 bis 32 Grad, also vergleichsweise warm. Besonders Kinder mit einer Spastik brauchen warmes Wasser und besondere Rahmenbedingungen. Inzwischen hat aber auch die etwa 40 Jahre alte Lüftung den Geist aufgegeben. Die laufenden Betriebskosten finanziert die Bezirksregierung Detmold. Die jetzt anstehenden Investitionskosten in Höhe von 205.000 Euro übernehmen anteilig die Stadt Minden und der Kreis Minden-Lübbecke. Die Höhe richtet sich anteilig nach dem jeweiligen Schüleranteil. Aktuell kommt etwa die Hälfte der Schüler aus Minden, die andere Hälfte aus dem Kreisgebiet. Aufgrund der Dringlichkeit wollen sich Stadt und Kreis die Kosten jetzt 50:50 teilen. Darum stand das Thema nun auf der Agenda des Kreis-Schulausschusses. Vorgesehen ist, die Kosten für die unbedingt notwendige Hubbodenanlage noch 2019 zur Verfügung zu stellen. Die Umsetzung der weiteren Maßnahmen ist erst nach Inkrafttreten des Haushalts 2020/20121 möglich. Die Kostenschätzung für Schwimmbad und Sporthalle beläuft sich auf rund 205.000 Euro. Dabei schlägt die Erneuerung der Lüftungsanlage mit 160.000 Euro zu Buche, die Sanierung der Hubbodenanlage mit 30.000 Euro. In der Sporthalle wird außerdem der Prallschutz erneuert – mit 15.000 Euro der kleinste Posten im Investitionsplan. Auch Sportgruppen (Reha- und Seniorensport) nutzen das Bad gerne. Auch diese Teilnehmer fühlen sich wohler, wenn die Wassertiefe regulierbar ist.