Minden

Ende der Kampa-Halle: Reaktionen aus Sport und Politik

Sebastian Külbel und Henning Wandel

In der Kampa-Halle gehen am 31. Januar endgültig die Lichter aus. Foto: Alex Lehn - © Lehn,Alexander
In der Kampa-Halle gehen am 31. Januar endgültig die Lichter aus. Foto: Alex Lehn (© Lehn,Alexander)

Minden (mt). Das Ende der Kampa-Halle ist besiegelt: Spätestens am 31. Dezember ist Schluss. Das teilte Landrat Dr. Ralf Niermann (SPD) am Freitagmittag mit, nachdem ein Sachverständiger die Halle am Mittwoch begutachtet hatte. Die Entscheidung bringt vor allem Handball-Bundesligist GWD Minden als Hauptmieter der Halle in Zugzwang.

Das Urteil ist eindeutig: Ein Weiterbetrieb über den Jahreswechsel hinaus könne nicht empfohlen werden. Zwar ist auch eine Sanierung der Halle noch denkbar, die Verwaltung werde diese Option aber nicht weiter verfolgen, so Niermann. Die Fraktionen von CDU und SPD im Kreistag hatten sich schon in der vergangenen Woche klar gegen eine 15 Millionen Euro teure Instandhaltung ausgesprochen. Sie stellen im Kreistag gemeinsam eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

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Der Landrat will der Politik jetzt den Abriss der Kampa-Halle und den anschließenden Bau eines Sportzentrums vorschlagen. Außerdem unterstütze er den Bau einer Multifunktionsarena auf dem rechten Weserufer. Mindens Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) und dessen Baubeigeordneter Lars Bursian seien über das Ergebnis des Gutachtens bereits am Morgen in einem persönlichen Gespräch informiert worden. Es gebe einen „vertrauensvollen und guten Austausch", so Niermann. Er werde sich dem großen gemeinsamen Ziel unterordnen.

Mit dieser Entwicklung sind die Chancen für den Bau einer Multifunktionshalle erneut gestiegen. Schon am Donnerstagabend hatte die Debatte im Mindener Rat neue Nahrung bekommen, nachdem der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Stadtmann für einen schnellen Grundsatzbeschluss zum Bau der Halle geworben hatte, um gegenüber dem Kreis ein deutliches Signal zu setzen.

Mit dem Aus der Kampa-Halle verlieren auch viele Sportler ihr Dach über dem Kopf – allen voran die Bundesliga-Handballer von GWD Minden. „Wir waren auf dieses Szenario vorbereitet", sagt dessen kaufmännischer Geschäftsführer Markus Kalusche. Er hatte schon vor einigen Wochen drei Lösungsmodelle erarbeitet, von denen nun zwei zum Tragen kommen. „Wir werden die Rückrunde in Lübbecke spielen", teilt Kalusche mit. Die dortige Merkur-Arena und ist die Heimat des Zweitligisten TuS N-Lübbecke. Die Spielpläne beider Teams müssten aufeinander abgestimmt werden.

Den Umzug in die Nachbarstadt sieht GWD aber nur als kurzfristige Lösung. Danach soll nach Kalusches Vorstellungen die langfristige greifen: Er setzt sich für die Errichtung einer temporären Sportarena ein, in der die Mindener im Idealfall schon von der Saison 2020/2021 ihre Heimspiele bestreiten sollen – und zwar so lange, bis die Multihalle fertig wäre. „Wir gehen von fünf bis sieben Jahren aus und brauchen einen adäquaten Ersatz für die Kampa-Halle", betont der GWD-Geschäftsführer. Einen ebenfalls angedachten Umzug nach Bad Salzuflen schloss er aus.

Kalusche hofft nun auf einen engen Zusammenschluss von Kreis, Stadt und Sponsoren, um weiterhin Bundesliga-Handball in Minden zu ermöglichen. Die temporäre Arena soll nach seinen Vorstellungen 3.500 Zuschauer fassen. Über den möglichen Standort machte der GWD-Planer noch keine Angaben. Allerdings betont Kalusche, dass eine solche Halle auch für Konzerte oder ähnliche Veranstaltungen genutzt werden könne – ein Argument mehr für sein Vorhaben, das er nun eifrig bewerben wird: „Wir brauchen die Unterstützung von allen."

Die Unternehmensgruppe Melitta bezieht in der Diskussion um eine neue Veranstaltungsarena klare Position. „Wir setzen uns für die Multifunktionshalle ein", wird Gesellschafter Jero Bentz in einer gestern verbreiteten Mitteilung zitiert. Minden werde damit unter anderem attraktiv für Arbeitnehmer gemacht.

Kommentar zum Thema Kampa-Halle: Abpfiff

Von Henning Wandel

Atze Schröder kommt im Februar nicht nach Minden – auf jeden Fall nicht für einen Auftritt in der Kampa-Halle. Und auch GWD muss sich eine neue Heimspielstätte suchen. Dass Minden jetzt über Jahre keine große Veranstaltungshalle mehr haben wird, ist eine schlechte Nachricht, aber wenigstens ist sie jetzt raus. Alle Beteiligten wissen, woran sie sind.

Und der große Knall hat sogar etwas Gutes: Endlich sitzen Stadt und Kreis wieder offiziell an einem Tisch. Mit einem gemeinsamen Ziel. Viel zu lange ist die Kommunikation hier über Bande gegangen. Zu lange ging es darum, wer denn nun die Kampa-Halle vor die Wand gefahren hat. Oder wer die Entwicklung der Multifunktionsarena immer wieder verschleppt hat. Es ist gut, dass Landrat und Bürgermeister am Tag der Wahrheit versöhnlichere Töne anschlagen.

Das ist gleichzeitig eine Verpflichtung, jetzt auch gemeinsam zu handeln und einen Weg zum Bau der neuen Arena zu finden. Letzte Ausfahrt Multi-Halle.

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MindenEnde der Kampa-Halle: Reaktionen aus Sport und PolitikHenning Wandel,Sebastian KülbelMinden (mt). Das Ende der Kampa-Halle ist besiegelt: Spätestens am 31. Dezember ist Schluss. Das teilte Landrat Dr. Ralf Niermann (SPD) am Freitagmittag mit, nachdem ein Sachverständiger die Halle am Mittwoch begutachtet hatte. Die Entscheidung bringt vor allem Handball-Bundesligist GWD Minden als Hauptmieter der Halle in Zugzwang. Das Urteil ist eindeutig: Ein Weiterbetrieb über den Jahreswechsel hinaus könne nicht empfohlen werden. Zwar ist auch eine Sanierung der Halle noch denkbar, die Verwaltung werde diese Option aber nicht weiter verfolgen, so Niermann. Die Fraktionen von CDU und SPD im Kreistag hatten sich schon in der vergangenen Woche klar gegen eine 15 Millionen Euro teure Instandhaltung ausgesprochen. Sie stellen im Kreistag gemeinsam eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Der Landrat will der Politik jetzt den Abriss der Kampa-Halle und den anschließenden Bau eines Sportzentrums vorschlagen. Außerdem unterstütze er den Bau einer Multifunktionsarena auf dem rechten Weserufer. Mindens Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) und dessen Baubeigeordneter Lars Bursian seien über das Ergebnis des Gutachtens bereits am Morgen in einem persönlichen Gespräch informiert worden. Es gebe einen „vertrauensvollen und guten Austausch", so Niermann. Er werde sich dem großen gemeinsamen Ziel unterordnen. Mit dieser Entwicklung sind die Chancen für den Bau einer Multifunktionshalle erneut gestiegen. Schon am Donnerstagabend hatte die Debatte im Mindener Rat neue Nahrung bekommen, nachdem der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Stadtmann für einen schnellen Grundsatzbeschluss zum Bau der Halle geworben hatte, um gegenüber dem Kreis ein deutliches Signal zu setzen. Mit dem Aus der Kampa-Halle verlieren auch viele Sportler ihr Dach über dem Kopf – allen voran die Bundesliga-Handballer von GWD Minden. „Wir waren auf dieses Szenario vorbereitet", sagt dessen kaufmännischer Geschäftsführer Markus Kalusche. Er hatte schon vor einigen Wochen drei Lösungsmodelle erarbeitet, von denen nun zwei zum Tragen kommen. „Wir werden die Rückrunde in Lübbecke spielen", teilt Kalusche mit. Die dortige Merkur-Arena und ist die Heimat des Zweitligisten TuS N-Lübbecke. Die Spielpläne beider Teams müssten aufeinander abgestimmt werden. Den Umzug in die Nachbarstadt sieht GWD aber nur als kurzfristige Lösung. Danach soll nach Kalusches Vorstellungen die langfristige greifen: Er setzt sich für die Errichtung einer temporären Sportarena ein, in der die Mindener im Idealfall schon von der Saison 2020/2021 ihre Heimspiele bestreiten sollen – und zwar so lange, bis die Multihalle fertig wäre. „Wir gehen von fünf bis sieben Jahren aus und brauchen einen adäquaten Ersatz für die Kampa-Halle", betont der GWD-Geschäftsführer. Einen ebenfalls angedachten Umzug nach Bad Salzuflen schloss er aus. Kalusche hofft nun auf einen engen Zusammenschluss von Kreis, Stadt und Sponsoren, um weiterhin Bundesliga-Handball in Minden zu ermöglichen. Die temporäre Arena soll nach seinen Vorstellungen 3.500 Zuschauer fassen. Über den möglichen Standort machte der GWD-Planer noch keine Angaben. Allerdings betont Kalusche, dass eine solche Halle auch für Konzerte oder ähnliche Veranstaltungen genutzt werden könne – ein Argument mehr für sein Vorhaben, das er nun eifrig bewerben wird: „Wir brauchen die Unterstützung von allen." Die Unternehmensgruppe Melitta bezieht in der Diskussion um eine neue Veranstaltungsarena klare Position. „Wir setzen uns für die Multifunktionshalle ein", wird Gesellschafter Jero Bentz in einer gestern verbreiteten Mitteilung zitiert. Minden werde damit unter anderem attraktiv für Arbeitnehmer gemacht. Kommentar zum Thema Kampa-Halle: Abpfiff Von Henning Wandel Atze Schröder kommt im Februar nicht nach Minden – auf jeden Fall nicht für einen Auftritt in der Kampa-Halle. Und auch GWD muss sich eine neue Heimspielstätte suchen. Dass Minden jetzt über Jahre keine große Veranstaltungshalle mehr haben wird, ist eine schlechte Nachricht, aber wenigstens ist sie jetzt raus. Alle Beteiligten wissen, woran sie sind. Und der große Knall hat sogar etwas Gutes: Endlich sitzen Stadt und Kreis wieder offiziell an einem Tisch. Mit einem gemeinsamen Ziel. Viel zu lange ist die Kommunikation hier über Bande gegangen. Zu lange ging es darum, wer denn nun die Kampa-Halle vor die Wand gefahren hat. Oder wer die Entwicklung der Multifunktionsarena immer wieder verschleppt hat. Es ist gut, dass Landrat und Bürgermeister am Tag der Wahrheit versöhnlichere Töne anschlagen. Das ist gleichzeitig eine Verpflichtung, jetzt auch gemeinsam zu handeln und einen Weg zum Bau der neuen Arena zu finden. Letzte Ausfahrt Multi-Halle.