Minden

Indentitätsdiebstahl: Das Phantom hat ein Gesicht

Stefan Koch

Phantom

Minden (mt). Die Person wirkt ungepflegt aber nicht aufsehenerregend. Sie könnte überall im Straßenbild vorkommen – im Bus der Sitznachbar sein oder der Hintermann in der Schlange vor dem Bankschalter oder auch ein weiterer Patient im Wartezimmer des Arztes. Ein Foto dieser Person hat jetzt der Mindener Heinrich Traue bekommen. Der Erkennungsdienst der Polizei hat es gemacht.

Die Person ist nämlich nicht mehr im Straßenbild zu finden, weil sie in der Justizvollzugsanstalt in Remscheid in Untersuchungshaft sitzt. Dort wartet sie auf ihren Prozess. Es handelt sich um einen 55-jährigen Deutschen, dem das Amtsgericht Wuppertal eine beispiellose Serie an Betrugsdelikten zur Last legt. Dabei soll der Mann die Personalien von Bürgern benutzt haben, um unter deren Namen seine Straftaten zu begehen. Einer davon ist Heinrich Traue aus Minden. Ihm hat die Person die Identität gestohlen.

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Vor kurzem bekam Traue zwei dicke Aktenordner mit den Ermittlungsergebnissen. Erstmals sah er auch Fotos von demjenigen, der ihm nach dem Stand der Ermittlungen das Leben zur Hölle gemacht hat. Denn die Folgen der Betrügereien bekam er stets von neuem zu spüren, während der Täter ein Phantom blieb.

„Ich habe eine Woche gebraucht, um da durchzukommen, und mir standen die Tränen in den Augen", sagt Traue sichtlich erschüttert zu dem Inhalt der Ermittlungsakten, die ihm sein Anwalt zugestellt hatte. Sensible Informationen daraus darf er nicht an die Presse weitergeben. Auf 600 Seiten haben Polizei und Staatsanwalt die Ermittlungsergebnisse zusammengetragen. „Ich dachte, dass das alles nicht wahr sei kann, was ich da lesen musste", sagt der 61-Jährige zu dem Fall.

Am Freitag, 15. November, wird sich das Schöffengericht in Wuppertal damit auseinandersetzen. Es verhandelt die Erschleichung von Leistungen in Krankenhäusern in Bielefeld, Gütersloh, Düsseldorf, Remscheid und Wuppertal. Dabei soll sich der 55-jährige Angeklagte als Selbstzahler ausgegeben haben, ohne dass ein Krankenversicherungsschutz für ihn bestanden hatte. Die Schadenssumme haben die Ermittler auf 11.000 Euro beziffert. Der Angeklagte soll von Anfang an nicht die Absicht gehabt haben, die Kosten zu bezahlen und war dazu auch nicht in der Lage. In vielen Fällen hatte er sich als der Mindener Heinrich Traue ausgegeben und verschwand danach. Richtig war nur die Adresse für die Rechnungen, die er hinterlassen hatte. Und für die sollte der ahnungslose Mindener gerade stehen.

Wenn der mutmaßliche Serienbetrüger in Wuppertal seinen Prozess bekommt, ist Traue nicht als Zeuge vorgesehen. Ob noch mit einer Ladung zu rechnen sei, könne das Amtsgericht nicht sagen, teilte am Dienstag die Pressestelle mit. Es sei allerdings nicht auszuschließen, dass es noch weitere Fortsetzungstermine geben werde.

Der in Remscheid Einsitzende ist für die Polizei kein Unbekannter und hat eine Serie an Betrugsdelikten auf dem Kerbholz – und das offenbar seit mehreren Jahrzehnten. So nimmt es nicht Wunder, dass das Medieninteresse an dem spektakulären Fall groß ist. Traue steht mittlerweile mit mehren Sendern im Kontakt – darunter das Münchner Studio der ZDF-Fernsehreihe „Aktenzeichen XY ... ungelöst". Erst vor einigen Tagen erhielt er die Nachricht, dass das Wuppertaler Gericht eine Drehgenehmigung für den Beginn des Prozesses erteilt hat. Zudem soll in den Tagen nach der Verhandlung ein Fernsehteam nach Minden kommen, um mit Traue weitere Aufnahmen zu machen. Darauf folgt eine Einladung in das Studio nach München. „Das Drehbuch ist geschrieben, zurzeit suchen sie nach Schauspielern, um meinen Fall nachzustellen", sagt Traue. Voraussichtlich am Aschermittwoch kommenden Jahres werde sein Schicksal ausgestrahlt.

Traue hofft vor allem, dass durch den Gerichtsprozess Antworten auf viele quälende Fragen ans Tageslicht kommen, die ihn seit dem Diebstahl seiner Identität nicht mehr loslassen. Immer noch weiß er nicht, auf welche Weise er zum Opfer des wegen Betrugs Vorbestraften geworden ist. „Der Mann kommt aus dem Rheinland, da habe ich niemanden, den ich kenne", wundert er sich. Er vermute immer noch, dass er bei einem Krankenhausaufenthalt in Sendenhorst bei Münster an den Angeklagten geraten sein muss. Dass er dort den Personalausweis in der Schublade habe liegen lassen, so dass der Mann mühelos die Daten während seiner Abwesenheit im Zimmer habe ausspionieren können. Zweimal im Jahr muss sich Traue dort wegen seines Rheumas einer mehrtägigen stationären Behandlung unterziehen. „Ich habe mir den Kopf zerbrochen, ob ich das Gesicht schon einmal gesehen habe – aber ich kann mich nicht erinnern", sagt er.

Nicht nur bei der Serie von Krankenhausbetrügereien sollte Heinrich Traue jedes mal die Zeche zahlen, wenn der damals für ihn Unbekannte Rechnungen für Arztbehandlungen, Röntgenuntersuchungen, aber auch für Sex-Hotlines, Telefonate und andere Dienstleistungen quasi vom Bett aus buchte. Auch Waren aller Art hatte der Angeklagte unter dem Namen des Mindeners bestellt. Immer noch weiß Traue nicht, aus welchem Grund Pakete mit Schuhen, Textilien und anderen Dingen an seiner Mindener Adresse ankamen. Hat der Auftraggeber darauf gewartet, die Lieferungen noch am Hauseingang unter falschem Namen abfangen zu können? Dazu hätte er sich in Minden aufhalten müssen, um dem Postboten aufzulauern. „Vielleicht wird das im Prozess deutlich."

Rätselhaft bleibt für Traue auch, wie der Andere die zuständigen Standesämter ausfindig machen konnte, um sich seine Familienpapiere wie Eheurkunde und Scheidungserklärung zu besorgen. Oder wie es dem Tatverdächtigen gelungen ist, in Tschechien unter der falschen Identität einen Führerschein zu beantragen. Als vor drei Jahren die Betrugsserie begann, hatte sich der Mindener an die Polizei gewandt. Die Beamten rieten ihm zunächst, sich eine neue Telefonnummer zu besorgen und auch die Bankverbindung zu ändern. Doch die weitere Fahndung unterschiedlicher Dienststellen verlief lange Zeit ergebnislos – bis sich in diesem Jahr der 55-Jährige durch eine DNA-Spur verriet. Er hatte zuletzt bei der online-Handelsplattform eBay eine Stichsäge angboten, ohne sie zu liefern.

„Ich ziehe meinen Hut vor der Polizei in Minden, Gütersloh, Wuppertal und den anderen Dienststellen", sagt Traue jetzt, nachdem der Tatverdächtige überführt ist und er die 600 Seiten der Ermittlungsakten studiert hat. „Es muss eine ziemliche Arbeit gewesen sein, all die Spuren nachzuvollziehen, die auf das Konto des Täters gehen." Der Verhaftete sei extrem dreist vorgegangen, das sei ersichtlich.

Während für den Tatverdächtigen die Inhaftierung nur eine weitere Episode seiner delinquenten Existenz ist, hat sich für das Opfer des Identitätsdiebes das Leben nachhaltig verändert. Wenn es an der Tür klingelt, steigt in Traue immer noch die Angst hoch, es könnte ein neues Paket sein, das der Warenkreditbetrüger unter seinem Namen bestellt hat. Beim Anblick des Briefkasten packt ihn das Grauen, denn monatelang bekam er es fast täglich mit Mahnungen zu tun. „Ich konnte nachts nicht schlafen und hatte Albträume", erklärt der Mindener. Ständig habe er gegenüber Firmen, deren Anwälten und Inkassovertretern seine Unschuld beteuern müssen. Für die Kommunikation mit den geschädigten Unternehmen, die ihn zunächst haftbar machten, habe er für seine Verhältnisse viel Geld für Telefonate und Briefe ausgeben müssen. Der damit verbundene Papierkrieg habe Monate seines Lebens verschlungen. Noch heute sei er bei der Schufa als kreditunwürdige Person gespeichert. Immer noch leide er seelisch unter den Folgen dieser Vorfälle.

Um so wichtiger ist Traue die Zusammenarbeit mit den Medien. „Ich will Menschen ermutigen, besonders vorsichtig gegenüber solchen Betrügern zu sein", sagt er. „Bei sonderbaren Rechnungen oder anderen Ungereimtheiten sollte man sich sofort an die Polizei wenden und Strafanzeige stellen – auch wenn die Vorfälle schon längere Zeit her sind." Nur so könne es gelingen, Straftäter, die auf Kosten anderer Betrügereien begingen, aus dem Verkehr zu ziehen.

Mittlerweile ist Traue wieder in der Lage, längere Reisen auf sich zu nehmen. So wird er auf jeden Fall am 15. November nach Wuppertal fahren, wenn sich der Angeklagte ab 9.15 Uhr vor dem Schöffengericht verantworten muss. „Ich will von ihm nur wissen, warum er mir das angetan hat", sagt Traue. Aber darauf werde er wohl keine ehrliche Antwort erhalten.

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MindenIndentitätsdiebstahl: Das Phantom hat ein GesichtStefan KochMinden (mt). Die Person wirkt ungepflegt aber nicht aufsehenerregend. Sie könnte überall im Straßenbild vorkommen – im Bus der Sitznachbar sein oder der Hintermann in der Schlange vor dem Bankschalter oder auch ein weiterer Patient im Wartezimmer des Arztes. Ein Foto dieser Person hat jetzt der Mindener Heinrich Traue bekommen. Der Erkennungsdienst der Polizei hat es gemacht. Die Person ist nämlich nicht mehr im Straßenbild zu finden, weil sie in der Justizvollzugsanstalt in Remscheid in Untersuchungshaft sitzt. Dort wartet sie auf ihren Prozess. Es handelt sich um einen 55-jährigen Deutschen, dem das Amtsgericht Wuppertal eine beispiellose Serie an Betrugsdelikten zur Last legt. Dabei soll der Mann die Personalien von Bürgern benutzt haben, um unter deren Namen seine Straftaten zu begehen. Einer davon ist Heinrich Traue aus Minden. Ihm hat die Person die Identität gestohlen. Vor kurzem bekam Traue zwei dicke Aktenordner mit den Ermittlungsergebnissen. Erstmals sah er auch Fotos von demjenigen, der ihm nach dem Stand der Ermittlungen das Leben zur Hölle gemacht hat. Denn die Folgen der Betrügereien bekam er stets von neuem zu spüren, während der Täter ein Phantom blieb. „Ich habe eine Woche gebraucht, um da durchzukommen, und mir standen die Tränen in den Augen", sagt Traue sichtlich erschüttert zu dem Inhalt der Ermittlungsakten, die ihm sein Anwalt zugestellt hatte. Sensible Informationen daraus darf er nicht an die Presse weitergeben. Auf 600 Seiten haben Polizei und Staatsanwalt die Ermittlungsergebnisse zusammengetragen. „Ich dachte, dass das alles nicht wahr sei kann, was ich da lesen musste", sagt der 61-Jährige zu dem Fall. Am Freitag, 15. November, wird sich das Schöffengericht in Wuppertal damit auseinandersetzen. Es verhandelt die Erschleichung von Leistungen in Krankenhäusern in Bielefeld, Gütersloh, Düsseldorf, Remscheid und Wuppertal. Dabei soll sich der 55-jährige Angeklagte als Selbstzahler ausgegeben haben, ohne dass ein Krankenversicherungsschutz für ihn bestanden hatte. Die Schadenssumme haben die Ermittler auf 11.000 Euro beziffert. Der Angeklagte soll von Anfang an nicht die Absicht gehabt haben, die Kosten zu bezahlen und war dazu auch nicht in der Lage. In vielen Fällen hatte er sich als der Mindener Heinrich Traue ausgegeben und verschwand danach. Richtig war nur die Adresse für die Rechnungen, die er hinterlassen hatte. Und für die sollte der ahnungslose Mindener gerade stehen. Wenn der mutmaßliche Serienbetrüger in Wuppertal seinen Prozess bekommt, ist Traue nicht als Zeuge vorgesehen. Ob noch mit einer Ladung zu rechnen sei, könne das Amtsgericht nicht sagen, teilte am Dienstag die Pressestelle mit. Es sei allerdings nicht auszuschließen, dass es noch weitere Fortsetzungstermine geben werde. Der in Remscheid Einsitzende ist für die Polizei kein Unbekannter und hat eine Serie an Betrugsdelikten auf dem Kerbholz – und das offenbar seit mehreren Jahrzehnten. So nimmt es nicht Wunder, dass das Medieninteresse an dem spektakulären Fall groß ist. Traue steht mittlerweile mit mehren Sendern im Kontakt – darunter das Münchner Studio der ZDF-Fernsehreihe „Aktenzeichen XY ... ungelöst". Erst vor einigen Tagen erhielt er die Nachricht, dass das Wuppertaler Gericht eine Drehgenehmigung für den Beginn des Prozesses erteilt hat. Zudem soll in den Tagen nach der Verhandlung ein Fernsehteam nach Minden kommen, um mit Traue weitere Aufnahmen zu machen. Darauf folgt eine Einladung in das Studio nach München. „Das Drehbuch ist geschrieben, zurzeit suchen sie nach Schauspielern, um meinen Fall nachzustellen", sagt Traue. Voraussichtlich am Aschermittwoch kommenden Jahres werde sein Schicksal ausgestrahlt. Traue hofft vor allem, dass durch den Gerichtsprozess Antworten auf viele quälende Fragen ans Tageslicht kommen, die ihn seit dem Diebstahl seiner Identität nicht mehr loslassen. Immer noch weiß er nicht, auf welche Weise er zum Opfer des wegen Betrugs Vorbestraften geworden ist. „Der Mann kommt aus dem Rheinland, da habe ich niemanden, den ich kenne", wundert er sich. Er vermute immer noch, dass er bei einem Krankenhausaufenthalt in Sendenhorst bei Münster an den Angeklagten geraten sein muss. Dass er dort den Personalausweis in der Schublade habe liegen lassen, so dass der Mann mühelos die Daten während seiner Abwesenheit im Zimmer habe ausspionieren können. Zweimal im Jahr muss sich Traue dort wegen seines Rheumas einer mehrtägigen stationären Behandlung unterziehen. „Ich habe mir den Kopf zerbrochen, ob ich das Gesicht schon einmal gesehen habe – aber ich kann mich nicht erinnern", sagt er. Nicht nur bei der Serie von Krankenhausbetrügereien sollte Heinrich Traue jedes mal die Zeche zahlen, wenn der damals für ihn Unbekannte Rechnungen für Arztbehandlungen, Röntgenuntersuchungen, aber auch für Sex-Hotlines, Telefonate und andere Dienstleistungen quasi vom Bett aus buchte. Auch Waren aller Art hatte der Angeklagte unter dem Namen des Mindeners bestellt. Immer noch weiß Traue nicht, aus welchem Grund Pakete mit Schuhen, Textilien und anderen Dingen an seiner Mindener Adresse ankamen. Hat der Auftraggeber darauf gewartet, die Lieferungen noch am Hauseingang unter falschem Namen abfangen zu können? Dazu hätte er sich in Minden aufhalten müssen, um dem Postboten aufzulauern. „Vielleicht wird das im Prozess deutlich." Rätselhaft bleibt für Traue auch, wie der Andere die zuständigen Standesämter ausfindig machen konnte, um sich seine Familienpapiere wie Eheurkunde und Scheidungserklärung zu besorgen. Oder wie es dem Tatverdächtigen gelungen ist, in Tschechien unter der falschen Identität einen Führerschein zu beantragen. Als vor drei Jahren die Betrugsserie begann, hatte sich der Mindener an die Polizei gewandt. Die Beamten rieten ihm zunächst, sich eine neue Telefonnummer zu besorgen und auch die Bankverbindung zu ändern. Doch die weitere Fahndung unterschiedlicher Dienststellen verlief lange Zeit ergebnislos – bis sich in diesem Jahr der 55-Jährige durch eine DNA-Spur verriet. Er hatte zuletzt bei der online-Handelsplattform eBay eine Stichsäge angboten, ohne sie zu liefern. „Ich ziehe meinen Hut vor der Polizei in Minden, Gütersloh, Wuppertal und den anderen Dienststellen", sagt Traue jetzt, nachdem der Tatverdächtige überführt ist und er die 600 Seiten der Ermittlungsakten studiert hat. „Es muss eine ziemliche Arbeit gewesen sein, all die Spuren nachzuvollziehen, die auf das Konto des Täters gehen." Der Verhaftete sei extrem dreist vorgegangen, das sei ersichtlich. Während für den Tatverdächtigen die Inhaftierung nur eine weitere Episode seiner delinquenten Existenz ist, hat sich für das Opfer des Identitätsdiebes das Leben nachhaltig verändert. Wenn es an der Tür klingelt, steigt in Traue immer noch die Angst hoch, es könnte ein neues Paket sein, das der Warenkreditbetrüger unter seinem Namen bestellt hat. Beim Anblick des Briefkasten packt ihn das Grauen, denn monatelang bekam er es fast täglich mit Mahnungen zu tun. „Ich konnte nachts nicht schlafen und hatte Albträume", erklärt der Mindener. Ständig habe er gegenüber Firmen, deren Anwälten und Inkassovertretern seine Unschuld beteuern müssen. Für die Kommunikation mit den geschädigten Unternehmen, die ihn zunächst haftbar machten, habe er für seine Verhältnisse viel Geld für Telefonate und Briefe ausgeben müssen. Der damit verbundene Papierkrieg habe Monate seines Lebens verschlungen. Noch heute sei er bei der Schufa als kreditunwürdige Person gespeichert. Immer noch leide er seelisch unter den Folgen dieser Vorfälle. Um so wichtiger ist Traue die Zusammenarbeit mit den Medien. „Ich will Menschen ermutigen, besonders vorsichtig gegenüber solchen Betrügern zu sein", sagt er. „Bei sonderbaren Rechnungen oder anderen Ungereimtheiten sollte man sich sofort an die Polizei wenden und Strafanzeige stellen – auch wenn die Vorfälle schon längere Zeit her sind." Nur so könne es gelingen, Straftäter, die auf Kosten anderer Betrügereien begingen, aus dem Verkehr zu ziehen. Mittlerweile ist Traue wieder in der Lage, längere Reisen auf sich zu nehmen. So wird er auf jeden Fall am 15. November nach Wuppertal fahren, wenn sich der Angeklagte ab 9.15 Uhr vor dem Schöffengericht verantworten muss. „Ich will von ihm nur wissen, warum er mir das angetan hat", sagt Traue. Aber darauf werde er wohl keine ehrliche Antwort erhalten.