Minden

Teures Loch: Die Stadtblänke wird fast doppelt so teuer wie geplant

Monika Jäger

Blänke-Bauarbeiten in den Sommermonaten. - © Foto: Loschen /Archiv
Blänke-Bauarbeiten in den Sommermonaten. (© Foto: Loschen /Archiv)

Minden (mt). Eigentlich hätte das neue Biotop am Weserufer 386.000 Euro kosten sollen. Doch jetzt, kurz vor der Fertigstellung, ist klar: Am Ende wird es fast doppelt so teuer. „Um weitere zwingend notwendige Aufträge erfüllen zu können, müsste die Stadt Minden nun zusätzlich 272.000 Euro in die Hand nehmen“, heißt es in der Vorlage. Der Rat hat dieser „überplanplanmäßigen Ausgabe“ im Rat nun einstimmig zugestimmt.

Die Gründe für die Entwicklung erläuterte Bau-Beigeordneter Lars Bursian bereits am Mittwoch im Fachausschuss. Vor allem das Gelände machte der ausführenden Firma zu schaffen. An verschiedenen Stellen seien Steine und dicke Felsbrocken gefunden worden, die aufwendig entfernt werden mussten. Für stark durchwurzelten Boden sei eine gesonderte Entsorgung nötig gewesen, ebenso für den unter einer Fläche mit Knöterich entdeckten Bauschutt.

Belasteter Oberboden musste nicht nur entsorgt, sondern auch teuer zwischengelagert werden. Eine Linse aus Kies-Ton-Gemisch überraschte die ausführende Firma ebenfalls, dieser Boden musste mit komplizierten Verfahren ausgebaut und dann ebenfalls teuer entsorgt werden. Und auch alte Buhnen-Schutzwälle, von denen offenbar niemand gewusst hatte, mussten freigelegt werden.

Zu all diesen Überraschungen, die offenbar bei den vorhergehenden Bodenerkundungen nicht erkannt worden waren, kamen auch zusätzliche Kosten für Bautätigkeiten hinzu. Eine Baustraße musste beispielsweise stabilisiert und das Pflaster einer Lagerfläche wieder hergestellt werden.

Bursian sicherte im Bauausschuss zu, die Stadt werde prüfen, was das Planungsbüro und das Bauunternehmen gemacht haben, so dass all diese Risiken nicht erkannt wurden. Auch im Rat wurden Zweifel an der Planungsgrundlage geäußert. Eine solche Entwicklung sei schwer nachvollziehbar, wenn es zuvor ein Gutachten gegeben habe, sagte etwas der fraktionslose Stadtverordnete Hartmut Freise (FDP). Bursian wies Vorwürfe zurück. Nicht alles können im Vorfeld festgestellt werden. Ein Tiefbau so nah an der Weser berge immer ein Risiko, sagte der Beigeordnete: „Vor der Schüppe ist dunkel – das ist manchmal so.“ Trotzdem werde die Stadt alles noch einmal durchgehen, es seien noch Fragen offen.

Die Blänke wird mit öffentlichen Mitteln unterstützt, weil sie dem Hochwasserschutz dient. 294.000 Euro sagte darum das Land zu. Im Mindener haushalt für 2019 sind 386.000 Euro veranschlagt. Minden hätte also 92.000 Euro zuzahlen müssen. Die neuen Zusatzkosten wurden zunächst mit rund 366.000 Euro ermittelt, der Rat musste nun aber zunächst nur über 272.000 Euro entscheiden. Bursian: „Das Angebot war günstiger“. Außerdem verhandelt die Stadt noch mit dem Land über weitere Förderanträge.

Im Bauausschuss fasste Grünen-Politiker Horst Idelberger die allgemeine Bestürzung so zusammen: „Keiner stellt das Projekt in Frage. Aber eine Verteuerung von 100 Prozent – das ist eine Hausnummer.“

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MindenTeures Loch: Die Stadtblänke wird fast doppelt so teuer wie geplantMonika JägerMinden (mt). Eigentlich hätte das neue Biotop am Weserufer 386.000 Euro kosten sollen. Doch jetzt, kurz vor der Fertigstellung, ist klar: Am Ende wird es fast doppelt so teuer. „Um weitere zwingend notwendige Aufträge erfüllen zu können, müsste die Stadt Minden nun zusätzlich 272.000 Euro in die Hand nehmen“, heißt es in der Vorlage. Der Rat hat dieser „überplanplanmäßigen Ausgabe“ im Rat nun einstimmig zugestimmt. Die Gründe für die Entwicklung erläuterte Bau-Beigeordneter Lars Bursian bereits am Mittwoch im Fachausschuss. Vor allem das Gelände machte der ausführenden Firma zu schaffen. An verschiedenen Stellen seien Steine und dicke Felsbrocken gefunden worden, die aufwendig entfernt werden mussten. Für stark durchwurzelten Boden sei eine gesonderte Entsorgung nötig gewesen, ebenso für den unter einer Fläche mit Knöterich entdeckten Bauschutt. Belasteter Oberboden musste nicht nur entsorgt, sondern auch teuer zwischengelagert werden. Eine Linse aus Kies-Ton-Gemisch überraschte die ausführende Firma ebenfalls, dieser Boden musste mit komplizierten Verfahren ausgebaut und dann ebenfalls teuer entsorgt werden. Und auch alte Buhnen-Schutzwälle, von denen offenbar niemand gewusst hatte, mussten freigelegt werden. Zu all diesen Überraschungen, die offenbar bei den vorhergehenden Bodenerkundungen nicht erkannt worden waren, kamen auch zusätzliche Kosten für Bautätigkeiten hinzu. Eine Baustraße musste beispielsweise stabilisiert und das Pflaster einer Lagerfläche wieder hergestellt werden. Bursian sicherte im Bauausschuss zu, die Stadt werde prüfen, was das Planungsbüro und das Bauunternehmen gemacht haben, so dass all diese Risiken nicht erkannt wurden. Auch im Rat wurden Zweifel an der Planungsgrundlage geäußert. Eine solche Entwicklung sei schwer nachvollziehbar, wenn es zuvor ein Gutachten gegeben habe, sagte etwas der fraktionslose Stadtverordnete Hartmut Freise (FDP). Bursian wies Vorwürfe zurück. Nicht alles können im Vorfeld festgestellt werden. Ein Tiefbau so nah an der Weser berge immer ein Risiko, sagte der Beigeordnete: „Vor der Schüppe ist dunkel – das ist manchmal so.“ Trotzdem werde die Stadt alles noch einmal durchgehen, es seien noch Fragen offen. Die Blänke wird mit öffentlichen Mitteln unterstützt, weil sie dem Hochwasserschutz dient. 294.000 Euro sagte darum das Land zu. Im Mindener haushalt für 2019 sind 386.000 Euro veranschlagt. Minden hätte also 92.000 Euro zuzahlen müssen. Die neuen Zusatzkosten wurden zunächst mit rund 366.000 Euro ermittelt, der Rat musste nun aber zunächst nur über 272.000 Euro entscheiden. Bursian: „Das Angebot war günstiger“. Außerdem verhandelt die Stadt noch mit dem Land über weitere Förderanträge. Im Bauausschuss fasste Grünen-Politiker Horst Idelberger die allgemeine Bestürzung so zusammen: „Keiner stellt das Projekt in Frage. Aber eine Verteuerung von 100 Prozent – das ist eine Hausnummer.“ Lesen Sie zu diesem Thema auch - Neues Biotop: Arbeiten für Stadtblänke starten im April - Zurück zur Natur: Neue Stadtblänke am Rechten Weserufer nimmt Formen an - Trotz Überschwemmung läuft bei der Stadtblänke am rechten Weserufer noch alles nach Plan