Minden

Letzte Frist? Kampa-Halle bleibt bis Jahresende offen, Chancen der Multihalle steigen

Henning Wandel

Wie geht es mit der Kampa-Halle weiter? Im November soll die Entscheidung fallen. - © Mindener Tageblatt
Wie geht es mit der Kampa-Halle weiter? Im November soll die Entscheidung fallen. (© Mindener Tageblatt)

Minden (mt). Fristen sind flexibel. Jedenfalls wenn es um die Kampa-Halle geht. Seit 2014 steht fest, dass eine umfassende Sanierung nötig ist, seit 2016 liegen größere Arbeiten jedoch auf Eis. Grund: Der Kreis wartet auf einen Grundsatzbeschluss zum Bau einer Multifunktionshalle auf dem rechten Weserufer. Und dieses Signal soll aus Minden kommen. Der nächste, vorentscheidende Termin steht jetzt am 18. November an. In einer Sondersitzung sollen der Mindener Bürgermeister sowie Vertreter von Melitta und dem Handball-Bundesligisten GWD Minden dem Kreistag ihr Konzept für eine neue Arena vorstellen. In der Kreispolitik ist darüber bisher nur der Ältestenrat im Bilde.

Seit Landrat Ralf Niermann vor vier Wochen die mögliche Schließung der Kampa-Halle schon zum 31. Oktober angekündigt hatte, hat sich die Lage gleich mehrfach verändert. So war es auch wenig überraschend, dass die geplante Abstimmung über eine Sanierung am Montagabend ausgefallen ist, obwohl der Punkt unverändert auf der Tagesordnung geblieben war. Im Vorfeld hatte sich der Ältestenrat mit Blick auf die Sondersitzung im November darauf geeinigt, an diesem Abend lediglich einen kurzen Sachstandsbericht von Baudezernent Lutz Freiberg zu hören und den Hallen-Komplex im Anschluss nicht zu debattieren.

Information

Der Fahrplan


9. Oktober: Erste Begehung der Kampa-Halle für neues Gutachten zum Brandschutz.

18. November: Sondersitzung des Kreistages mit Vorstellung der Pläne für die neue Multifunktionsarena.

12. Dezember: Ratssitzung in Minden mit möglichem Grundsatzbeschluss zur Multihalle.

16. Dezember: Kreistagssitzung mit möglichem Grundsatzbeschluss zur Multihalle.

31. Dezember: Ende der TÜV-Frist für die Kampa-Halle (hwa)
MT-Illustration: Alex Lehn
MT-Illustration: Alex Lehn

Streit gab es dann aber doch, nachdem Niermann den Tagesordnungspunkt aufgerufen hatte – verbunden mit einem persönlichen Statement. „Minden muss jetzt dringend aus dem Quark kommen", sagte der Landrat. Die Tür für eine neue Multihalle sei jetzt wieder auf, dem Reden müssten aber auch Taten folgen, so Niermann, der bei dieser Gelegenheit auch den Termin für die Sondersitzung ankündigte. Das Ganze schlug dann aber einige Wellen, weil die beiden großen Fraktionen von CDU und SPD schon vor dem Treffen des Ältestenrates in einem Pressegespräch ihre Linie erläutert hatten. Niermann, der von diesem Gespräch erst kurz vor der Sitzung erfahren hatte, wertete das als „ganz, ganz schlechten Umgang mit den kleinen Fraktionen und der Verwaltung".

Beier fordert Rücktritt

Unmittelbar zuvor hatte der CDU-Fraktionsvorsitzende Detlef Beckschewe die Einlassung des Landrates kritisiert, weil sich so ausgerechnet der Vorsitzende des Kreistages nicht an die Verabredung gehalten habe, den Punkt nicht zu diskutieren. Nach Niermanns Angriff wiederum platzte Ulrich Pock der Kragen: „Mir wäre neu, dass wir Rechenschaft darüber ablegen müssen, wann wir zu einem Pressegespräch einladen", sagte der SPD-Fraktionsgeschäftsführer. Die Fraktionen hätten einen fertigen gemeinsamen Antrag auch deswegen nicht zur Abstimmung vorgelegt, um die neue Entwicklung abzuwarten: „Das ist kein Alleingang, wir wollen alle mitnehmen."

Dabei war der Punkt vor dieser Eskalation eigentlich schon abgehakt. Niermann war in der Tagesordnung bereits weitergegangen, als Matthias Beier von der AfD/UB-UWG-Fraktion dagegen protestierte, so schnell über das komplexe Thema hinwegzugehen. Das Vorgehen des Landrates sei „gruselig", sagte Beier. Ein Arbeitskreis zur Kampa-Halle habe nie getagt, das Thema sei immer abgeblockt worden. Stattdessen habe es plötzlich eine Panikmeldung über eine bevorstehende Schließung gegeben. Das führe zu massiver Verunsicherung bei potenziellen Nutzern und Gästen der Halle. Das könne Niermann nur mit seinem Rücktritt korrigieren, sagte Beier, der sich die Idee für eine neue Arena in der Vergangenheit immer wieder auf die eigene Fahne geschrieben hatte. Auch Landrat Niermann reklamiert die Urheberschaft für die Idee für sich, beziehungsweise die Kreisverwaltung.

Neues Gutachten startet

Der ganz große zeitliche Druck ist damit raus. Wie es jetzt konkret weitergeht, hängt auch von einem neuen Gutachten ab, dass der Kreis in Auftrag gegeben hat. Schon am Mittwoch dieser Woche soll es dazu eine erste Begehung der Kampa-Halle geben, wie Baudezernent Lutz Freiberg im Kreistag ankündigte. Schon jetzt habe der Kreis mit dem TÜV eine Fristverlängerung bis Ende des Jahres vereinbart. Bis dahin müssen die Brandschutzmängel in der Kampa-Halle behoben sein. Das ermöglicht jetzt zumindest zwei zusätzliche Monate Zeit, um eine Grundsatzentscheidung in Sachen Multifunktionsarena zu fällen. Ob die Kampa-Halle tatsächlich über den Jahreswechsel hinaus am Netz bleiben kann, ist laut Freiberg völlig offen. Der Kreis will mit dem neuen Gutachten auf der einen Seite rechtliche Sicherheit in seiner Rolle als Betreiber schaffen, andererseits aber vor allem auch die Sicherheit der Nutzer und Besucher gewährleisten.

Sobald das Gutachten vorliegt, muss der Kreis gemeinsam mit der Stadt Minden klären, was in der Halle noch möglich ist. Minden ist als Bauaufsichtsbehörde für die notwendigen Genehmigungen zuständig. In einer Gesamtbewertung müsse darüber gesprochen werden, mit welchen Kompensationsmaßnahmen die Halle auch nach dem Jahreswechsel betrieben werden kann, so Freiberg. Zum Beispiel könnten zusätzliche Brandwachen eingesetzt oder die maximale Zuschauerzahl begrenzt werden. Aber: „Wir wissen nicht, ob das gelingt."

CDU und SPD für Neubau

Aus Sicht der beiden großen Fraktionen wäre aber selbst die schnelle Schließung der Halle kein Grund für einen Sanierungsbeschluss, wie Vertreter von CDU und SPD im gemeinsamen Pressegespräch sagten. Dagegen sprächen nicht nur die geschätzten Kosten in Höhe von 15 Millionen Euro, sondern vor allem die auch danach hohen jährlichen Betriebskosten, die sich im Millionenbereich bewegen sollen. Eine solche Investition sei wenig sinnvoll, sagte Beckschewe am Morgen vor der Kreistagssitzung. Stattdessen solle jetzt die neue Halle auf den Weg gebracht werden. In der Übergangszeit könne schon kurzfristig mit den Planungen und dem Bau einer neuen Schulsporthalle auf dem jetzigen Parkplatz gegenüber der Kampa-Halle begonnen werden, schlug bei dieser Gelegenheit Ulrich Pock vor. Sollte die Kampa-Halle entgegen aller Hoffnung doch zum Jahresende geschlossen werden und es bis zum Betrieb der neuen Anlage eine Lücke geben, werde die Politik das aushalten, so Pock. Den nötigen Grundsatzbeschluss erhoffen sich die Fraktionen in der letzten Kreistags-Sitzung des Jahres am 16. Dezember. Wenige Tage zuvor, am 12. Dezember, könne der Mindener Rat ebenfalls entscheiden. Sicher sei nur eines: „Wir geben nur einmal Geld", betont Pock. Erst die Kampa-Halle zu sanieren und anschließend den Neubau der Multi-Arena voranzutreiben, sei unvernünftig. Landrat Niermann hatte einen solchen Vorstoß in der vergangenen Woche gemacht, um auch für ein mögliches Scheitern der Arena-Pläne gewappnet zu sein.

CDU und SPD wirken zuversichtlich, die neue Halle bis zum Ende des Jahres doch auf den Weg zu bringen. Es lägen inzwischen sehr viel konkretere Zahlen vor, sagte die stellvertretende Landrätin Kirstin Korte (CDU). Auch die Wirtschaft habe großes Interesse gezeigt und sich massiv eingebracht. Es sei jetzt Aufgabe der Politik, das Projekt in der Verwaltung noch einmal anzuschieben, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Birgit Härtel, die sich später auch im Kreistag noch einmal dazu äußerte: „Vorwürfe helfen wenig. Wir warten jetzt das Gutachten und den 18. November ab und entscheiden im Dezember."

Kaninchen und Schlange

Ein Kommentar von Henning Wandel

Die eng miteinander verflochtenen Debatten um Kampa-Halle und Multifunktionsarena waren in den letzten Jahren zunehmend ermüdend: Immer wieder wurden Entscheidungen angekündigt, nur um später festzustellen, dass sich rein gar nichts verändert hat – zumindest nichts Sichtbares. So war es gleich mehrfach, seitdem die Idee für eine moderne Veranstaltungshalle geboren war. Kreis und Stadt sitzen seit Jahren voreinander und sind sich offenbar nicht ganz sicher, wer das Kaninchen ist und wer die Schlange. Wenn jedoch der eine auf den anderen wartet, sich aber niemand bewegt, ist das Ergebnis ziemlich frustrierend.

Wenn das Ultimatum und die folgenden Volten des Landrates für etwas gut waren, dann dafür, endlich alle Beteiligten aus dieser Starre herauszuholen. Sicher, im Hintergrund waren viele Akteure aktiv: beim Kreis, bei der Stadt und vor allem in der Wirtschaft. Allen, die nicht Teil dieser Zirkel sind, blieb aber nur das Lesen im Kaffeesatz, weil zwar ein Modell inklusive einer möglichen Finanzierung auf dem Tisch liegt, sich aber trotzdem niemand zu einem klaren politischen Beschluss durchgerungen hat. Der aber ist notwendig, damit es endlich voran geht.

Die Richtung ist klar: Der Neubau einer Arena am Bahnhof ist teuer. Und er bleibt ein Wagnis. Vor allem ist die Halle aber eine einzigartige Chance, der Stadt und dem Kreis ein neues, attraktives Aushängeschild zu verpassen. Die Kampa-Halle zu sanieren ist dabei immer weniger eine Option. Einen Klotz am Bein zu vergolden, macht das Fortkommen nicht leichter.

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MindenLetzte Frist? Kampa-Halle bleibt bis Jahresende offen, Chancen der Multihalle steigenHenning WandelMinden (mt). Fristen sind flexibel. Jedenfalls wenn es um die Kampa-Halle geht. Seit 2014 steht fest, dass eine umfassende Sanierung nötig ist, seit 2016 liegen größere Arbeiten jedoch auf Eis. Grund: Der Kreis wartet auf einen Grundsatzbeschluss zum Bau einer Multifunktionshalle auf dem rechten Weserufer. Und dieses Signal soll aus Minden kommen. Der nächste, vorentscheidende Termin steht jetzt am 18. November an. In einer Sondersitzung sollen der Mindener Bürgermeister sowie Vertreter von Melitta und dem Handball-Bundesligisten GWD Minden dem Kreistag ihr Konzept für eine neue Arena vorstellen. In der Kreispolitik ist darüber bisher nur der Ältestenrat im Bilde. Seit Landrat Ralf Niermann vor vier Wochen die mögliche Schließung der Kampa-Halle schon zum 31. Oktober angekündigt hatte, hat sich die Lage gleich mehrfach verändert. So war es auch wenig überraschend, dass die geplante Abstimmung über eine Sanierung am Montagabend ausgefallen ist, obwohl der Punkt unverändert auf der Tagesordnung geblieben war. Im Vorfeld hatte sich der Ältestenrat mit Blick auf die Sondersitzung im November darauf geeinigt, an diesem Abend lediglich einen kurzen Sachstandsbericht von Baudezernent Lutz Freiberg zu hören und den Hallen-Komplex im Anschluss nicht zu debattieren. Streit gab es dann aber doch, nachdem Niermann den Tagesordnungspunkt aufgerufen hatte – verbunden mit einem persönlichen Statement. „Minden muss jetzt dringend aus dem Quark kommen", sagte der Landrat. Die Tür für eine neue Multihalle sei jetzt wieder auf, dem Reden müssten aber auch Taten folgen, so Niermann, der bei dieser Gelegenheit auch den Termin für die Sondersitzung ankündigte. Das Ganze schlug dann aber einige Wellen, weil die beiden großen Fraktionen von CDU und SPD schon vor dem Treffen des Ältestenrates in einem Pressegespräch ihre Linie erläutert hatten. Niermann, der von diesem Gespräch erst kurz vor der Sitzung erfahren hatte, wertete das als „ganz, ganz schlechten Umgang mit den kleinen Fraktionen und der Verwaltung". Beier fordert Rücktritt Unmittelbar zuvor hatte der CDU-Fraktionsvorsitzende Detlef Beckschewe die Einlassung des Landrates kritisiert, weil sich so ausgerechnet der Vorsitzende des Kreistages nicht an die Verabredung gehalten habe, den Punkt nicht zu diskutieren. Nach Niermanns Angriff wiederum platzte Ulrich Pock der Kragen: „Mir wäre neu, dass wir Rechenschaft darüber ablegen müssen, wann wir zu einem Pressegespräch einladen", sagte der SPD-Fraktionsgeschäftsführer. Die Fraktionen hätten einen fertigen gemeinsamen Antrag auch deswegen nicht zur Abstimmung vorgelegt, um die neue Entwicklung abzuwarten: „Das ist kein Alleingang, wir wollen alle mitnehmen." Dabei war der Punkt vor dieser Eskalation eigentlich schon abgehakt. Niermann war in der Tagesordnung bereits weitergegangen, als Matthias Beier von der AfD/UB-UWG-Fraktion dagegen protestierte, so schnell über das komplexe Thema hinwegzugehen. Das Vorgehen des Landrates sei „gruselig", sagte Beier. Ein Arbeitskreis zur Kampa-Halle habe nie getagt, das Thema sei immer abgeblockt worden. Stattdessen habe es plötzlich eine Panikmeldung über eine bevorstehende Schließung gegeben. Das führe zu massiver Verunsicherung bei potenziellen Nutzern und Gästen der Halle. Das könne Niermann nur mit seinem Rücktritt korrigieren, sagte Beier, der sich die Idee für eine neue Arena in der Vergangenheit immer wieder auf die eigene Fahne geschrieben hatte. Auch Landrat Niermann reklamiert die Urheberschaft für die Idee für sich, beziehungsweise die Kreisverwaltung. Neues Gutachten startet Der ganz große zeitliche Druck ist damit raus. Wie es jetzt konkret weitergeht, hängt auch von einem neuen Gutachten ab, dass der Kreis in Auftrag gegeben hat. Schon am Mittwoch dieser Woche soll es dazu eine erste Begehung der Kampa-Halle geben, wie Baudezernent Lutz Freiberg im Kreistag ankündigte. Schon jetzt habe der Kreis mit dem TÜV eine Fristverlängerung bis Ende des Jahres vereinbart. Bis dahin müssen die Brandschutzmängel in der Kampa-Halle behoben sein. Das ermöglicht jetzt zumindest zwei zusätzliche Monate Zeit, um eine Grundsatzentscheidung in Sachen Multifunktionsarena zu fällen. Ob die Kampa-Halle tatsächlich über den Jahreswechsel hinaus am Netz bleiben kann, ist laut Freiberg völlig offen. Der Kreis will mit dem neuen Gutachten auf der einen Seite rechtliche Sicherheit in seiner Rolle als Betreiber schaffen, andererseits aber vor allem auch die Sicherheit der Nutzer und Besucher gewährleisten. Sobald das Gutachten vorliegt, muss der Kreis gemeinsam mit der Stadt Minden klären, was in der Halle noch möglich ist. Minden ist als Bauaufsichtsbehörde für die notwendigen Genehmigungen zuständig. In einer Gesamtbewertung müsse darüber gesprochen werden, mit welchen Kompensationsmaßnahmen die Halle auch nach dem Jahreswechsel betrieben werden kann, so Freiberg. Zum Beispiel könnten zusätzliche Brandwachen eingesetzt oder die maximale Zuschauerzahl begrenzt werden. Aber: „Wir wissen nicht, ob das gelingt." CDU und SPD für Neubau Aus Sicht der beiden großen Fraktionen wäre aber selbst die schnelle Schließung der Halle kein Grund für einen Sanierungsbeschluss, wie Vertreter von CDU und SPD im gemeinsamen Pressegespräch sagten. Dagegen sprächen nicht nur die geschätzten Kosten in Höhe von 15 Millionen Euro, sondern vor allem die auch danach hohen jährlichen Betriebskosten, die sich im Millionenbereich bewegen sollen. Eine solche Investition sei wenig sinnvoll, sagte Beckschewe am Morgen vor der Kreistagssitzung. Stattdessen solle jetzt die neue Halle auf den Weg gebracht werden. In der Übergangszeit könne schon kurzfristig mit den Planungen und dem Bau einer neuen Schulsporthalle auf dem jetzigen Parkplatz gegenüber der Kampa-Halle begonnen werden, schlug bei dieser Gelegenheit Ulrich Pock vor. Sollte die Kampa-Halle entgegen aller Hoffnung doch zum Jahresende geschlossen werden und es bis zum Betrieb der neuen Anlage eine Lücke geben, werde die Politik das aushalten, so Pock. Den nötigen Grundsatzbeschluss erhoffen sich die Fraktionen in der letzten Kreistags-Sitzung des Jahres am 16. Dezember. Wenige Tage zuvor, am 12. Dezember, könne der Mindener Rat ebenfalls entscheiden. Sicher sei nur eines: „Wir geben nur einmal Geld", betont Pock. Erst die Kampa-Halle zu sanieren und anschließend den Neubau der Multi-Arena voranzutreiben, sei unvernünftig. Landrat Niermann hatte einen solchen Vorstoß in der vergangenen Woche gemacht, um auch für ein mögliches Scheitern der Arena-Pläne gewappnet zu sein. CDU und SPD wirken zuversichtlich, die neue Halle bis zum Ende des Jahres doch auf den Weg zu bringen. Es lägen inzwischen sehr viel konkretere Zahlen vor, sagte die stellvertretende Landrätin Kirstin Korte (CDU). Auch die Wirtschaft habe großes Interesse gezeigt und sich massiv eingebracht. Es sei jetzt Aufgabe der Politik, das Projekt in der Verwaltung noch einmal anzuschieben, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Birgit Härtel, die sich später auch im Kreistag noch einmal dazu äußerte: „Vorwürfe helfen wenig. Wir warten jetzt das Gutachten und den 18. November ab und entscheiden im Dezember." Kaninchen und Schlange Ein Kommentar von Henning Wandel Die eng miteinander verflochtenen Debatten um Kampa-Halle und Multifunktionsarena waren in den letzten Jahren zunehmend ermüdend: Immer wieder wurden Entscheidungen angekündigt, nur um später festzustellen, dass sich rein gar nichts verändert hat – zumindest nichts Sichtbares. So war es gleich mehrfach, seitdem die Idee für eine moderne Veranstaltungshalle geboren war. Kreis und Stadt sitzen seit Jahren voreinander und sind sich offenbar nicht ganz sicher, wer das Kaninchen ist und wer die Schlange. Wenn jedoch der eine auf den anderen wartet, sich aber niemand bewegt, ist das Ergebnis ziemlich frustrierend. Wenn das Ultimatum und die folgenden Volten des Landrates für etwas gut waren, dann dafür, endlich alle Beteiligten aus dieser Starre herauszuholen. Sicher, im Hintergrund waren viele Akteure aktiv: beim Kreis, bei der Stadt und vor allem in der Wirtschaft. Allen, die nicht Teil dieser Zirkel sind, blieb aber nur das Lesen im Kaffeesatz, weil zwar ein Modell inklusive einer möglichen Finanzierung auf dem Tisch liegt, sich aber trotzdem niemand zu einem klaren politischen Beschluss durchgerungen hat. Der aber ist notwendig, damit es endlich voran geht. Die Richtung ist klar: Der Neubau einer Arena am Bahnhof ist teuer. Und er bleibt ein Wagnis. Vor allem ist die Halle aber eine einzigartige Chance, der Stadt und dem Kreis ein neues, attraktives Aushängeschild zu verpassen. Die Kampa-Halle zu sanieren ist dabei immer weniger eine Option. Einen Klotz am Bein zu vergolden, macht das Fortkommen nicht leichter.