Minden

Pioniere demonstrieren den Angriff über ein Gewässer

Patrick Schwemling

Mit Hilfe der M3-Amphibien überqueren Panzer der Bundeswehr die Weser. Bei der Übung „Angriff über ein Gewässer“ waren mehr als 400 Soldaten aus drei Nationen am Wasserübungsplatz am Sommerbad im Einsatz. MT-Fotos: Alexander Lehn
Mit Hilfe der M3-Amphibien überqueren Panzer der Bundeswehr die Weser. Bei der Übung „Angriff über ein Gewässer“ waren mehr als 400 Soldaten aus drei Nationen am Wasserübungsplatz am Sommerbad im Einsatz. MT-Fotos: Alexander Lehn

Minden (mt). Langsam pirscht sich die Besatzung des Spähwagens Fennek mit ihrem Fahrzeug Richtung Weser vor. Kurz darauf nähern sich schon Helikopter im Tiefflug von der Porta Westfalica. Dann dauert es nicht mehr lange, bis der mehr als 60 Tonnen schwere Kampfpanzer Leopard 2 aus dem Hintergrund angeschossen kommt. Was sich nach einem bedrohlichen Szenario anhört, war gestern nur eine Übung – aber eine durchaus realistische. Auch heute und am Mittwoch findet die Ausbildungslehrübung „Angriff über ein Gewässer" auf dem Wasserübungsplatz am Sommerbad mit mehr als 400 Soldaten aus drei Nationen statt.

Mindener Pioniere demonstrieren Angriff über die Weser from Mindener Tageblatt on Vimeo.

Angriff über ein Gewässer (Plus-Inhalt)

Dabei werden die Phasen eines Sturmangriffs über ein Gewässer – in diesem Fall die Weser – geübt. „Das haben wir allerdings auch schon in vergleichbaren Gebieten in Rumänien, oder Litauen gemacht. Es lässt sich also auch ganz einfach auf andere Orte übertragen", erklärt Oberstleutnant Helge Lammerschmidt, Kommandeur des Panzerpionierbataillons 130 aus Minden, das die Übung federführend organisiert hat. Das Ziel: Künftige Generalstabsoffiziere sollen lernen, welche Fähigkeiten die Pioniertruppen haben und wie die verschiedenen Truppengattungen auf multinationaler Ebene zusammenarbeiten. Von einer extra errichteten Zuschauertribüne beobachten sie die Übung.

Zur Aufklärung haben gleich zu Beginn der Übung die Taucher der Bundeswehr beigetragen.
Zur Aufklärung haben gleich zu Beginn der Übung die Taucher der Bundeswehr beigetragen.

Die beginnt mit der Annäherung an den imaginären Feind. Es folgt das Bilden eines Brückenkopfs, ehe Übergangsmöglichkeiten mit der Amphibie M3 gebildet werden. Zum Abschluss wird dann ein Brückenschlag durchgeführt, über den die gesamte Truppe die Weser überquert. Ein beeindruckendes Bild bietet sich aber auch, wenn ein Leopard 2 mit hoher Geschwindigkeit auf das Gewässer zuprescht, hineinfährt und die rund 70 Meter breite Weser durchquert.

„Wir demonstrieren das Ganze in zeitlich geraffter Form", sagt Pressestabsoffizier Major André Burdich im Vorfeld der Übung, die rund zwei Stunden später schon zu Ende sein wird. Normalerweise dauert ein vergleichbarer Einsatz von Anfang bis zum Ende acht bis 48 Stunden. „Plus x", wie Burdich anfügt. Denn je nach feindlicher Gegenwehr kann sich das Ganze weiter in die Länge ziehen.

Auch aus der Luft gab es Unterstützung – unter anderem von diesem Helikopter, der über der Weser kreiste.
Auch aus der Luft gab es Unterstützung – unter anderem von diesem Helikopter, der über der Weser kreiste.

„In diesem konkreten Fall sind wir davon ausgegangen, dass das Gewässer feindfrei ist. Von den ersten Maßnahmen bei der Befehlsausgabe, bis die Brigade in das Angriffsziel eindringen kann, sind wir hier von 14 Stunden ausgegangen", erklärt Lammerschmidt, der sich nach der Übung hochzufrieden mit der Leistung der Soldaten zeigt.

„Der Ablauf hat harmonisch geklappt, wir haben alle Marken eingehalten", resümiert Lammerschmidt. Froh ist er besonders, weil auch die internationale Komponente – im Einsatz sind neben Bundeswehrsoldaten auch Kräfte aus Großbritannien und den USA – gut geklappt hat. „Im Militär haben wir immer Kräfte, Raum und Zeit in Einklang zu bringen, und das muss regelmäßig geübt werden. Das ist national eine Herausforderung und international noch einmal eine größere Herausforderung."

Nach dem erfolgreichen Brückenschlag können Fahrzeuge jeglicher Art die Weser problemlos passieren.
Nach dem erfolgreichen Brückenschlag können Fahrzeuge jeglicher Art die Weser problemlos passieren.

Lesen Sie dazu auch: Großes Manöver mit Mindener Beteiligung

Die Mindener Pioniere

Der Mindener Pionierstandort wächst: 950 Soldaten sind hier stationiert, ihre Zahl soll auf 1100 steigen. Hinzu kommen demnächst rund 180 britische Pioniere, derzeit sind es etwa 130.

Mit der Amphibie M3 ist in Minden Spezialgerät stationiert, das neben der britischen Armee keine andere Nato-Truppe besitzt. Weil die Bedingungen hier günstig sind, entsteht nun ein deutsch-britisches Bataillon.

Seit 1959 sind in Minden Pioniere beheimatet – zunächst die Pionierbrigaden 20, dann 100, dann das Pionierregiment 100. 2015 wurde dann aus dem schweren Pionierbataillon 130 das Panzerpionierbataillon 130. (jhr)

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MindenPioniere demonstrieren den Angriff über ein GewässerPatrick SchwemlingMinden (mt). Langsam pirscht sich die Besatzung des Spähwagens Fennek mit ihrem Fahrzeug Richtung Weser vor. Kurz darauf nähern sich schon Helikopter im Tiefflug von der Porta Westfalica. Dann dauert es nicht mehr lange, bis der mehr als 60 Tonnen schwere Kampfpanzer Leopard 2 aus dem Hintergrund angeschossen kommt. Was sich nach einem bedrohlichen Szenario anhört, war gestern nur eine Übung – aber eine durchaus realistische. Auch heute und am Mittwoch findet die Ausbildungslehrübung „Angriff über ein Gewässer" auf dem Wasserübungsplatz am Sommerbad mit mehr als 400 Soldaten aus drei Nationen statt. Mindener Pioniere demonstrieren Angriff über die Weser from Mindener Tageblatt on Vimeo. Dabei werden die Phasen eines Sturmangriffs über ein Gewässer – in diesem Fall die Weser – geübt. „Das haben wir allerdings auch schon in vergleichbaren Gebieten in Rumänien, oder Litauen gemacht. Es lässt sich also auch ganz einfach auf andere Orte übertragen", erklärt Oberstleutnant Helge Lammerschmidt, Kommandeur des Panzerpionierbataillons 130 aus Minden, das die Übung federführend organisiert hat. Das Ziel: Künftige Generalstabsoffiziere sollen lernen, welche Fähigkeiten die Pioniertruppen haben und wie die verschiedenen Truppengattungen auf multinationaler Ebene zusammenarbeiten. Von einer extra errichteten Zuschauertribüne beobachten sie die Übung. Die beginnt mit der Annäherung an den imaginären Feind. Es folgt das Bilden eines Brückenkopfs, ehe Übergangsmöglichkeiten mit der Amphibie M3 gebildet werden. Zum Abschluss wird dann ein Brückenschlag durchgeführt, über den die gesamte Truppe die Weser überquert. Ein beeindruckendes Bild bietet sich aber auch, wenn ein Leopard 2 mit hoher Geschwindigkeit auf das Gewässer zuprescht, hineinfährt und die rund 70 Meter breite Weser durchquert. „Wir demonstrieren das Ganze in zeitlich geraffter Form", sagt Pressestabsoffizier Major André Burdich im Vorfeld der Übung, die rund zwei Stunden später schon zu Ende sein wird. Normalerweise dauert ein vergleichbarer Einsatz von Anfang bis zum Ende acht bis 48 Stunden. „Plus x", wie Burdich anfügt. Denn je nach feindlicher Gegenwehr kann sich das Ganze weiter in die Länge ziehen. „In diesem konkreten Fall sind wir davon ausgegangen, dass das Gewässer feindfrei ist. Von den ersten Maßnahmen bei der Befehlsausgabe, bis die Brigade in das Angriffsziel eindringen kann, sind wir hier von 14 Stunden ausgegangen", erklärt Lammerschmidt, der sich nach der Übung hochzufrieden mit der Leistung der Soldaten zeigt. „Der Ablauf hat harmonisch geklappt, wir haben alle Marken eingehalten", resümiert Lammerschmidt. Froh ist er besonders, weil auch die internationale Komponente – im Einsatz sind neben Bundeswehrsoldaten auch Kräfte aus Großbritannien und den USA – gut geklappt hat. „Im Militär haben wir immer Kräfte, Raum und Zeit in Einklang zu bringen, und das muss regelmäßig geübt werden. Das ist national eine Herausforderung und international noch einmal eine größere Herausforderung." Lesen Sie dazu auch: Großes Manöver mit Mindener Beteiligung Die Mindener Pioniere Der Mindener Pionierstandort wächst: 950 Soldaten sind hier stationiert, ihre Zahl soll auf 1100 steigen. Hinzu kommen demnächst rund 180 britische Pioniere, derzeit sind es etwa 130. Mit der Amphibie M3 ist in Minden Spezialgerät stationiert, das neben der britischen Armee keine andere Nato-Truppe besitzt. Weil die Bedingungen hier günstig sind, entsteht nun ein deutsch-britisches Bataillon. Seit 1959 sind in Minden Pioniere beheimatet – zunächst die Pionierbrigaden 20, dann 100, dann das Pionierregiment 100. 2015 wurde dann aus dem schweren Pionierbataillon 130 das Panzerpionierbataillon 130. (jhr)