Minden/Berlin

Große Manöver mit Mindener Beteiligung

Henning Wandel

Minden/Berlin (mt/dpa). Beim Kampf über ein Gewässer machen die Mindener Pioniere den Weg frei. Gerade in diesem Jahr passt die Lehrübung besonders gut: Noch bis zum Ende des Jahres steht die Bundeswehr an der Spitze der schnellen Eingreiftruppe der Nato – und damit auch die in der Herzog-von-Braunschweig-Kaserne stationierten Soldaten.

Zwei Wochen waren neben den Pionieren auch ganz unterschiedliche Bundeswehreinheiten zuletzt an der Weser beschäftigt, damit bei den Vorführungen jetzt jeder Handgriff sitzt. Im Vergleich zu den Vorbereitungen für die Nato-Speerspitze war das eher überschaubar. Fast genau vor einem Jahr waren insgesamt 5.000 Soldaten zu einer Großübung in Norwegen, darunter 400 aus Minden. Dort sollte die Einsatzbereitschaft der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) getestet werden. Auch die Lehrübung in Minden stand jetzt unter der Überschrift der schnellen Nato-Truppe.

Angriff über ein Gewässer (Plus-Inhalt)
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Die Gründung der VJTF war eine Reaktion auf die russische Annexion der Krim und bedeutete auch für die Bundeswehr eine spürbare Veränderung. War die deutsche Beteiligung an internationalen Auslandseinsätzen zumeist auf Ausbildung, Stabilisierung oder Verwaltungsaufgaben zugeschnitten, steht in der eigenen Ausbildung auch wieder das Gefecht stärker im Fokus. So gab es im vergangenen Jahr auch groß angelegte Übungen mit Kriegsbrückenbau, Panzergefechten oder Häuserkampf. Auch der Blick auf Russland hat sich geändert. Aus dem Partner ist zumindest theoretisch wieder ein Gegner geworden.

Großübungen wie die in Norwegen, vor allem aber auch in Osteuropa, sind in diesem Zusammenhang ein deutliches Zeichen in Richtung Moskau. Etwa die Manöverreihe „Sabre Strike" (Säbelhieb). Zuletzt hatten im Baltikum und in Polen im vergangenen Jahr etwa 18.000 Nato-Soldaten ein Gefecht nach einem russischen Angriff auf die Suwalki-Lücke simuliert. Gemeint ist damit die Grenze zwischen Litauen und Polen, die die russische Enklave Kaliningrad von Weißrussland trennt. Die Region gilt als militärisch besonders heikel. Auch deshalb gibt und gab es immer wieder Stimmen, die vor einer Provokation warnen. Schon 2016 hatte der damalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier das Manöver „Sabre Strike" kritisiert. Die Nato sei gut beraten, keine Vorwände für eine neue Konfrontation zu liefern.

Unterdessen kündigen die US-Streitkräfte einen weiteren, deutlich größeren Aufmarsch an der östlichen Natogrenze an. Im kommenden Jahr plant sollen bei der Großübung „Defender 2020" 37.000 Soldaten nach Polen und ins Baltikum verlegt werden. Wie die US-Streitkräfte gestern mitteilten, handelt es sich um die umfangreichste Verlegung von Soldaten aus den USA nach Europa in den vergangenen 25 Jahren. So würden 20.000 Soldaten über den Atlantik geschickt. Ziel sei, die Einsatzbereitschaft innerhalb der Nato zu erhöhen und mögliche Gegner abzuschrecken, erklärte das US-Militär. Deutschland wird logistische Drehscheibe bei der von den US-Streitkräften geführten Übung, an der sich insgesamt 19 Staaten beteiligen.

Die Pioniere in Minden

Der Mindener Pionierstandort wächst: 950 Soldaten sind hier stationiert, ihre Zahl soll auf 1100 steigen. Hinzu kommen demnächst rund 180 britische Pioniere, derzeit sind es etwa 130.

Mit der Amphibie M3 ist in Minden Spezialgerät stationiert, dass neben der britischen Armee keine andere Nato-Truppe besitzt. Weil die Bedingungen hier günstig sind, entsteht nun ein deutsch-britisches Bataillon.

Seit 1959 sind in Minden Pioniere beheimatet – zunächst die Pionierbrigaden 20, dann 100, dann das Pionierregiment 100. 2015 wurde dann aus dem schweren Pionierbataillon 130 das Panzerpionierbataillon 130. (jhr)

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Minden/BerlinGroße Manöver mit Mindener BeteiligungHenning WandelMinden/Berlin (mt/dpa). Beim Kampf über ein Gewässer machen die Mindener Pioniere den Weg frei. Gerade in diesem Jahr passt die Lehrübung besonders gut: Noch bis zum Ende des Jahres steht die Bundeswehr an der Spitze der schnellen Eingreiftruppe der Nato – und damit auch die in der Herzog-von-Braunschweig-Kaserne stationierten Soldaten. Zwei Wochen waren neben den Pionieren auch ganz unterschiedliche Bundeswehreinheiten zuletzt an der Weser beschäftigt, damit bei den Vorführungen jetzt jeder Handgriff sitzt. Im Vergleich zu den Vorbereitungen für die Nato-Speerspitze war das eher überschaubar. Fast genau vor einem Jahr waren insgesamt 5.000 Soldaten zu einer Großübung in Norwegen, darunter 400 aus Minden. Dort sollte die Einsatzbereitschaft der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) getestet werden. Auch die Lehrübung in Minden stand jetzt unter der Überschrift der schnellen Nato-Truppe. Die Gründung der VJTF war eine Reaktion auf die russische Annexion der Krim und bedeutete auch für die Bundeswehr eine spürbare Veränderung. War die deutsche Beteiligung an internationalen Auslandseinsätzen zumeist auf Ausbildung, Stabilisierung oder Verwaltungsaufgaben zugeschnitten, steht in der eigenen Ausbildung auch wieder das Gefecht stärker im Fokus. So gab es im vergangenen Jahr auch groß angelegte Übungen mit Kriegsbrückenbau, Panzergefechten oder Häuserkampf. Auch der Blick auf Russland hat sich geändert. Aus dem Partner ist zumindest theoretisch wieder ein Gegner geworden. Großübungen wie die in Norwegen, vor allem aber auch in Osteuropa, sind in diesem Zusammenhang ein deutliches Zeichen in Richtung Moskau. Etwa die Manöverreihe „Sabre Strike" (Säbelhieb). Zuletzt hatten im Baltikum und in Polen im vergangenen Jahr etwa 18.000 Nato-Soldaten ein Gefecht nach einem russischen Angriff auf die Suwalki-Lücke simuliert. Gemeint ist damit die Grenze zwischen Litauen und Polen, die die russische Enklave Kaliningrad von Weißrussland trennt. Die Region gilt als militärisch besonders heikel. Auch deshalb gibt und gab es immer wieder Stimmen, die vor einer Provokation warnen. Schon 2016 hatte der damalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier das Manöver „Sabre Strike" kritisiert. Die Nato sei gut beraten, keine Vorwände für eine neue Konfrontation zu liefern. Unterdessen kündigen die US-Streitkräfte einen weiteren, deutlich größeren Aufmarsch an der östlichen Natogrenze an. Im kommenden Jahr plant sollen bei der Großübung „Defender 2020" 37.000 Soldaten nach Polen und ins Baltikum verlegt werden. Wie die US-Streitkräfte gestern mitteilten, handelt es sich um die umfangreichste Verlegung von Soldaten aus den USA nach Europa in den vergangenen 25 Jahren. So würden 20.000 Soldaten über den Atlantik geschickt. Ziel sei, die Einsatzbereitschaft innerhalb der Nato zu erhöhen und mögliche Gegner abzuschrecken, erklärte das US-Militär. Deutschland wird logistische Drehscheibe bei der von den US-Streitkräften geführten Übung, an der sich insgesamt 19 Staaten beteiligen. Die Pioniere in Minden Der Mindener Pionierstandort wächst: 950 Soldaten sind hier stationiert, ihre Zahl soll auf 1100 steigen. Hinzu kommen demnächst rund 180 britische Pioniere, derzeit sind es etwa 130. Mit der Amphibie M3 ist in Minden Spezialgerät stationiert, dass neben der britischen Armee keine andere Nato-Truppe besitzt. Weil die Bedingungen hier günstig sind, entsteht nun ein deutsch-britisches Bataillon. Seit 1959 sind in Minden Pioniere beheimatet – zunächst die Pionierbrigaden 20, dann 100, dann das Pionierregiment 100. 2015 wurde dann aus dem schweren Pionierbataillon 130 das Panzerpionierbataillon 130. (jhr)