Minden

Zwei Australier reisen von Ring zu Ring

Ursula Koch

Barbara und Andrew Fergusson sind aus Adelaide nach Minden gekommen, um den „Ring“-Zyklus zu erleben. Seit 2004 reisen sie jedes Jahr zu einer Aufführung des Wagnerschen Mammutwerks. MT-Foto: Ursula Koch - © Ursula Koch
Barbara und Andrew Fergusson sind aus Adelaide nach Minden gekommen, um den „Ring“-Zyklus zu erleben. Seit 2004 reisen sie jedes Jahr zu einer Aufführung des Wagnerschen Mammutwerks. MT-Foto: Ursula Koch (© Ursula Koch)

Minden (mt). Wagner-Fan ist Andrew Fergusson bereits seit mehr als 50 Jahren. So richtig gepackt hat es ihn und seine Frau Barbara aber erst, als 1989 zum ersten Mal überhaupt ein „Ring“-Zyklus in Australien aufgeführt wurde. Eine französische Produktion war in ihrer Heimatstadt Adelaide damals zu sehen. Seitdem beschäftigen sich beide sehr ernsthaft mit Richard Wagners Opern-Tetralogie. Und seit 2004 schließlich, als in Adelaide der erste „australische“ Ring Premiere feierte, besucht das Ehepaar möglichst jedes Jahr eine Zyklus-Aufführung.

So haben sie sich vor mehr als einer Woche im Hotel Lindgart einquartiert und sind von der Mindener Produktion nicht enttäuscht worden. Schon nach „Rheingold“ ist ihr Eindruck überaus positiv. „Terrific“ lautet das Adjektiv, das sie verwenden – also hervorragend, fantastisch. Es sei das erste Mal, dass sie den Ring in einem „kleinen Theater“ sehen. Das sei sehr intelligent umgesetzt, finden der Mathematiker und die pensionierte Verwaltungsangestellte der Universität. Es sei schön, dass das Orchester zu sehen sei, wenn szenisch auf der Bühne nichts geschehe. Das lenke den Fokus noch zusätzlich auf die Musik. Technik werde in Minden sehr intelligent eingesetzt, kommentieren sie die Video-Einspielungen. Vor allem aber hätten sie die Nähe zu den Sängern sehr genossen.

Im Opernhause in Sydney sei der Orchestergraben ebenfalls zu klein für ein Wagner-Orchester. Dort sei aber niemand auf die Idee gekommen, das Orchester auf die Bühne zu setzen, sondern dort spielte das Orchester an einem anderen Ort und wurde in den Saal übertragen, merkt Barbara Fergusson an.

In Deutschland hat das Paar bislang Ring-Zyklen in Bayreuth und in Hamburg gesehen. Hamburg war sozusagen ein „Muss“, weil die Australierin Simone Young dirigierte. Außerdem haben sie Aufführungen in Linz und in Wien gesehen, zwei Mal sind sie auch in Melbourne gewesen.

Ihre Heimatstadt, einer der Unesco-Musikstädte, verfüge über ein exzellentes Orchester, erzählen die Fergussons. Dort gibt es die Co-Opera, ein Tournee-Unternehmen, das 2009 auch bereits mit der „Zauberflöte“ in Minden gastiert habe. Dort arbeitet Barbara Fergusson ehrenamtlich in der Verwaltung mit. Die Tournee damals habe sie leider nicht begleiten können.

Die Aufführungen in Minden wollen sie nutzen, um diese Region Deutschlands genauer zu erkunden. Besuche in Hannover und in Hameln stehen neben den Aufführungen auf ihrem Programm. Nach der Götterdämmerung wollen sie nach Berlin weiterreisen. Und die Zyklus-Aufführung für das nächste Jahr haben sie auch schon gebucht: Dann gibt es in Queensland eine digitale Produktion unter der Regie von Chen Shi-Zheng.

Der Mindener Zyklus:

Zwei Zyklus-Aufführungen von Richard Wagners Mammutwerk „Der Ring des Nibelungen“ sind über die Bühne des Stadttheaters gegangen. Damit ist eindrucksvoll zum Finale geführt worden, was die drei Produktionspartner Mindener Wagner-Verband, Nordwestdeutsche Philharmonie und Stadttheater vor fünf Jahren wagemutig in Angriff genommen hatten. Noch nie hatte sich ein Theater ohne eigenes Ensemble an diese Großproduktion gewagt.

An insgesamt acht Abenden haben mehr als 4150 Zuschauer die jeweils zwei Aufführungen von Rheingold, Walküre, Siegfried und Götterdämmerung gesehen. Nach der Götterdämmerung des ersten Zyklus und damit 14,5 Stunden Nettospieldauer vor zwei Wochen gipfelte der Schlussapplaus von 13 Minuten in einen Jubelsturm.

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MindenZwei Australier reisen von Ring zu RingUrsula KochMinden (mt). Wagner-Fan ist Andrew Fergusson bereits seit mehr als 50 Jahren. So richtig gepackt hat es ihn und seine Frau Barbara aber erst, als 1989 zum ersten Mal überhaupt ein „Ring“-Zyklus in Australien aufgeführt wurde. Eine französische Produktion war in ihrer Heimatstadt Adelaide damals zu sehen. Seitdem beschäftigen sich beide sehr ernsthaft mit Richard Wagners Opern-Tetralogie. Und seit 2004 schließlich, als in Adelaide der erste „australische“ Ring Premiere feierte, besucht das Ehepaar möglichst jedes Jahr eine Zyklus-Aufführung. So haben sie sich vor mehr als einer Woche im Hotel Lindgart einquartiert und sind von der Mindener Produktion nicht enttäuscht worden. Schon nach „Rheingold“ ist ihr Eindruck überaus positiv. „Terrific“ lautet das Adjektiv, das sie verwenden – also hervorragend, fantastisch. Es sei das erste Mal, dass sie den Ring in einem „kleinen Theater“ sehen. Das sei sehr intelligent umgesetzt, finden der Mathematiker und die pensionierte Verwaltungsangestellte der Universität. Es sei schön, dass das Orchester zu sehen sei, wenn szenisch auf der Bühne nichts geschehe. Das lenke den Fokus noch zusätzlich auf die Musik. Technik werde in Minden sehr intelligent eingesetzt, kommentieren sie die Video-Einspielungen. Vor allem aber hätten sie die Nähe zu den Sängern sehr genossen. Im Opernhause in Sydney sei der Orchestergraben ebenfalls zu klein für ein Wagner-Orchester. Dort sei aber niemand auf die Idee gekommen, das Orchester auf die Bühne zu setzen, sondern dort spielte das Orchester an einem anderen Ort und wurde in den Saal übertragen, merkt Barbara Fergusson an. In Deutschland hat das Paar bislang Ring-Zyklen in Bayreuth und in Hamburg gesehen. Hamburg war sozusagen ein „Muss“, weil die Australierin Simone Young dirigierte. Außerdem haben sie Aufführungen in Linz und in Wien gesehen, zwei Mal sind sie auch in Melbourne gewesen. Ihre Heimatstadt, einer der Unesco-Musikstädte, verfüge über ein exzellentes Orchester, erzählen die Fergussons. Dort gibt es die Co-Opera, ein Tournee-Unternehmen, das 2009 auch bereits mit der „Zauberflöte“ in Minden gastiert habe. Dort arbeitet Barbara Fergusson ehrenamtlich in der Verwaltung mit. Die Tournee damals habe sie leider nicht begleiten können. Die Aufführungen in Minden wollen sie nutzen, um diese Region Deutschlands genauer zu erkunden. Besuche in Hannover und in Hameln stehen neben den Aufführungen auf ihrem Programm. Nach der Götterdämmerung wollen sie nach Berlin weiterreisen. Und die Zyklus-Aufführung für das nächste Jahr haben sie auch schon gebucht: Dann gibt es in Queensland eine digitale Produktion unter der Regie von Chen Shi-Zheng. Der Mindener Zyklus: Zwei Zyklus-Aufführungen von Richard Wagners Mammutwerk „Der Ring des Nibelungen“ sind über die Bühne des Stadttheaters gegangen. Damit ist eindrucksvoll zum Finale geführt worden, was die drei Produktionspartner Mindener Wagner-Verband, Nordwestdeutsche Philharmonie und Stadttheater vor fünf Jahren wagemutig in Angriff genommen hatten. Noch nie hatte sich ein Theater ohne eigenes Ensemble an diese Großproduktion gewagt. An insgesamt acht Abenden haben mehr als 4150 Zuschauer die jeweils zwei Aufführungen von Rheingold, Walküre, Siegfried und Götterdämmerung gesehen. Nach der Götterdämmerung des ersten Zyklus und damit 14,5 Stunden Nettospieldauer vor zwei Wochen gipfelte der Schlussapplaus von 13 Minuten in einen Jubelsturm. Lesen Sie dazu auch: Jubelsturm in Minden FAZ-Kritiker Josef Oehrlein Der Ring zum Ring Veranstaltungen rund um den "Ring" Tenor mit Humor: Jeff Martin Ausstellung Wagnis Wagner