Kommentar zum Thema Demokratiekonferenz: Was Demokraten alles müssen

veröffentlicht

Von Nadine Conti

Manchmal hat man den Eindruck, man könnte den hiesigen AfD-Vertretern dabei zusehen, wie sie sich radikalisieren. Der Vorwurf, alle – außer der AfD selbst – würden gemeinsame Sache mit Judenhassern machen, ist so abstrus, dass man erst einmal sprachlos ist.

Und es ist schwer zu ertragen, wie hier eine kleine radikale Minderheit Diskussionsprozesse an sich reißt, verdreht und damit oft verhindert, dass die wirklich wichtigen Fragen, überhaupt gestellt und diskutiert werden können.

Und das ist es, was die AfD an dieser Stelle eigentlich tut: Statt ernsthaft zu diskutieren, wie man Hassverbrechen aller Art konsequenter erfasst und bestraft – und zwar unabhängig davon, ob jemand eine Kippa, ein Kreuz oder ein Kopftuch trägt –, versucht die AfD eine religiöse Gruppe gegen die andere auszuspielen.

Natürlich gibt es etliche Kritikpunkte an der Ditib, über die man reden muss – aber eben genau dies: reden. Die Forderung, den Dialog einfach abzubrechen – mit einer so großen und so wichtigen Bevölkerungsgruppe wie den türkischen Muslimen, die nun einmal überwiegend über Ditib-Gemeinden organisiert sind, ist verantwortungslos. Es sei denn, man möchte ganz dringend, dass dieses Land vor die Hunde geht – was bei der AfD ja auch nicht ausgeschlossen ist.

Den Dialog trotz allem nicht abreißen zu lassen: Das gilt dann allerdings auch für die AfD. Es erfordert immer wieder eine schwierige Gratwanderung. Die aber ist notwendig. Keine Demokratie kann funktionieren, wenn sie ganze Gruppen pauschal ausschließt.

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Kommentar zum Thema Demokratiekonferenz: Was Demokraten alles müssenVon Nadine Conti Manchmal hat man den Eindruck, man könnte den hiesigen AfD-Vertretern dabei zusehen, wie sie sich radikalisieren. Der Vorwurf, alle – außer der AfD selbst – würden gemeinsame Sache mit Judenhassern machen, ist so abstrus, dass man erst einmal sprachlos ist. Und es ist schwer zu ertragen, wie hier eine kleine radikale Minderheit Diskussionsprozesse an sich reißt, verdreht und damit oft verhindert, dass die wirklich wichtigen Fragen, überhaupt gestellt und diskutiert werden können. Und das ist es, was die AfD an dieser Stelle eigentlich tut: Statt ernsthaft zu diskutieren, wie man Hassverbrechen aller Art konsequenter erfasst und bestraft – und zwar unabhängig davon, ob jemand eine Kippa, ein Kreuz oder ein Kopftuch trägt –, versucht die AfD eine religiöse Gruppe gegen die andere auszuspielen. Natürlich gibt es etliche Kritikpunkte an der Ditib, über die man reden muss – aber eben genau dies: reden. Die Forderung, den Dialog einfach abzubrechen – mit einer so großen und so wichtigen Bevölkerungsgruppe wie den türkischen Muslimen, die nun einmal überwiegend über Ditib-Gemeinden organisiert sind, ist verantwortungslos. Es sei denn, man möchte ganz dringend, dass dieses Land vor die Hunde geht – was bei der AfD ja auch nicht ausgeschlossen ist. Den Dialog trotz allem nicht abreißen zu lassen: Das gilt dann allerdings auch für die AfD. Es erfordert immer wieder eine schwierige Gratwanderung. Die aber ist notwendig. Keine Demokratie kann funktionieren, wenn sie ganze Gruppen pauschal ausschließt.