Minden

„Phantastisches Sängerensemble“: FAZ-Kritiker Josef Oehrlein lobt die Mindener Ring-Inszenierung

Ursula Koch

Minden (mt). Für die „Ring“-Inszenierung findet Dr. Josef Oehrlein, als Kritiker für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in Minden, viele lobenden Worte. „Das Tolle an der Inszenierung ist die kammerspielartige Situation“, sagt der Feuilleton-Redakteur, der bis vor fünf Jahren, als er in Ruhestand ging, 15 Jahre lang für die FAZ Korrespondent in Argentinien war. „Wagner kann man besser kaum erleben“, hatte er 2018 nach der „Götterdämmerung“ getitelt. Dieser Eindruck habe sich mit den aktuellen Aufführungen bestätigt.

Josef Oehrlein schreibt für die FAZ über den „Ring“. MT- - © Foto: Koch
Josef Oehrlein schreibt für die FAZ über den „Ring“. MT- (© Foto: Koch)

Der Vorteil in Minden, mit dem Orchester auf der Bühne sei ein schöner Breitwandklang. Dazu trete ein „phantastisches Sängerensemble“ auf, allen voran „Dara Hobbs ist unglaublich“. Oehrlein nennt Thomas Mohr, der alle Tenor-Partien in den vier Opern singt, von Loge über Siegmund zu den beiden Siegfried-Rollen, ein „Phänomen“. Als Siegfried habe er ihn auch in Leipzig gehört: „Dort passte das Stimmvolumen“. In dieser Aussage klingt die kritische Anmerkung Oehrleins an den Mindener Aufführungen an: „Die Sänger singen zu laut.“ Das liege vermutlich daran, dass sie das Orchester im Rücken haben und glauben, gegen das Orchester ansingen zu müssen. Dabei forciere keiner der Sänger, bemerkt Oehrlein.

Sein Urteil über die Regie von Gerd Heinz fällt ebenso positiv aus: „Die Produktion ist hochoriginell.“ Eine solche Personenführung sei leider sehr selten zu erleben. In Minden würden auch die Emotionen gespielt. „Vielen Regisseuren fällt nach dem Rheingold nichts mehr ein.“ Hier gebe es dagegen „viele kleine Gesten, die sehr viel Aussage beinhalten.“ Der Auftritt des Waldvogels (Julia Bauer) „ist sehr niedlich“.

Oehrlein hat reichlich Vergleichsmöglichkeiten. In den 80er und 90er Jahren sei er jedes Jahr bei den Bayreuther Festspielen gewesen. Darüber hinaus sammelt er Aufzeichnungen. „Allein von Rheingold besitze ich 20 bis 30 Tonaufnahmen“, erzählt Oehrlein. Er hat nicht nur Christoph Schlingensiefs „Parsifal“-Inszenierung in Bayreuth erlebt, sondern auch dessen „Fliegenden Holländer“ in Manaus und hat dort zwei lange Gespräche mit ihm geführt. „Er bezeichnete Parsifal als den Beginn seiner Krankheit. Er führte das auf den Streit mit Wolfgang Wagner zurück“, erinnert sich der Kritiker, der seit seiner Rückkehr nach Deutschland in Erftstadt in der Nähe von Köln lebt. Mit Wagner habe er sich zwar intensiv beschäftig, als seinen Lieblingskomponisten nennt er jedoch Bernd Alois Zimmermann, der in Erftstadt geboren wurde. Ihn habe er dort „entdeckt“.

Zwischen Rheingold und Walküre war Oehrlein nach Weikersheim gereist, um die neue Tauberphilharmonie kennenzulernen. Die zwei Tage zwischen Siegfried und Götterdämmerung hat er mit seiner Frau in Minden verbracht, um Ausflüge etwa zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal zu machen, aber auch zum Hermann.

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