Minden

Der Kreis bleibt dabei: Die Alternativen für die Kampa-Halle heißen Schließung oder Sanierung

Marcus Riechmann

In einer ausführlichen Pressekonferenz am Monatnachmittag stellte Landrat Dr. Ralf Niermann noch einmal klar, dass es zwei Alternativen für die Kampa-Halle gibt: eine Schließung oder eine Sanierung. MT- - © Foto: Alex Lehn
In einer ausführlichen Pressekonferenz am Monatnachmittag stellte Landrat Dr. Ralf Niermann noch einmal klar, dass es zwei Alternativen für die Kampa-Halle gibt: eine Schließung oder eine Sanierung. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Minden (mt). Die Zukunft der Mindener Kampa-Halle rollt der Entscheidung entgegen. Am Montag, 7. Oktober, werden die Mitglieder des Kreistages ihre Wahl treffen müssen. Die Alternativen lauten Sanierung zum Beginn des Jahres 2021 oder Schließung der Veranstaltungsarena zum 1. November 2019. Diesen Fahrplan bekräftigte heute in einem ausführlichen Pressegespräch die Verwaltungsspitze des Kreises Minden-Lübbecke um Landrat Dr. Ralf Niermann. Zugleich wies die Verwaltung drauf hin: Selbst wenn die Sanierung beschlossen würde, sei das keine Garantie dafür, dass die Kampa-Halle geöffnet bleibt. Die Voraussetzungen für eine provisorische Öffnung bis zur Großsanierung müssten erst noch geprüft werden.

Der Landrat machte deutlich: Die Schließung der Halle würde sämtlichem Betrieb umfassen – vom Heimspiel des Handball-Bundesligisten GWD Minden bis zum Schulsport oder zum Vereinstraining, neben dem Hallen-Innenraum wären auch die Laufbahn und der Schießkeller betroffen. Zudem gab Niermann an, zwei Dinge richtigstellen zu wollen. Erstens: Das aktuell in der Diskussion stehende Brandschutzgutachten sei nicht geheim. Zweitens: Man habe das Gutachten nicht beauftragt, um die Kreispolitik unter Druck zu setzen. Beides sei unwahr, so Niermann. Bereits am 9. September habe man dem Ältestenrat „wesentliche Inhalte“ des Gutachtens vorgestellt. Jedes Mitglied des Kreistages könne das Gutachten einsehen. Diesen Wunsch habe aber noch niemand geäußert. Von sich aus vorgelegt hat man das Gutachten in Gänze allerdings auch nicht. Ob das Gutachten auch Personen außerhalb des Kreistages offengelegt werden soll, darüber müsse man noch befinden.

Gemeinsam mit Baudezernent Lutz Freiberg, dem Amtsleiter für Gebäude und Liegenschaften, Gerd Schake, sowie dessen Mitarbeitern Burkhard Ernsting und Jens Netzeband, beschrieb der Landrat die Abläufe, die zur aktuellen Situation geführt haben. Zugleich äußerte sich Niermann zum Projekt Multifunktionshalle, das er bereits im Jahr 2014 angestoßen habe. „Ich war ein entschiedener Befürworter der Multihalle und bin es heute noch“, sagte Niermann, der den Bau einer neuen Arena auch dann für möglich hält, wenn die zwölf bis 15 Millionen Euro teure Sanierung der Kampa-Halle durchgeführt wird. Das sei eine Frage des politischen Willens. „Wir sollten die Situation nutzen“, sagte Niermann. Die Rolle des Kreises in einem Projekt Multihalle beschrieb er als die eines „Juniorpartners“ und spielte den Ball des Handelns zur Stadt Minden und zu der Unterstützergruppe der Wirtschaft. „Mein Wunsch“, so Niermann: Die Kampa-Halle sanieren, „weil sie saniert werden muss, und zugleich die Chancen für die Multihalle wahren. Über die Wirtschaftlichkeit eines eventuell jahrelangen Parallelbetrieb zweier Veranstaltungshalle wollte Niermann nichts sagen: „Das ist noch so weit weg.“

Der Kreis beschrieb die zeitlichen Abläufe der seit 2013 laufenden Brandschutz-Untersuchungen rund um die Kampa-Halle. Zunächst sei das Gutachten des TÜVs erstellt worden. Dort habe sich die einstige Bewertung von „geringe Mängel“ zu „wesentliche Mängel“ verändert. Daraufhin habe man, so erläuterte Baudezernent Lutz Freiberg, sich entschieden eine Risikobetrachtung vorzunehmen. Dies sei durch das so genannte Schlomann-Gutachten erfolgt. Mit diesem Gutachten sei der Umfang der Sanierung erfasst worden. Die Mängelbeseitigungspflicht habe ohnehin bis zum 31.10.2019 gegolten. Das habe man bereits im vergangenen Jahr der Kreispolitik mitgeteilt. Mit Ablauf der Mängelbeseitigungspflicht stehe man als Betreiber in der Haftung, das Betreiber-Risiko sei nicht mehr vertretbar. Deshalb müsse man nun handeln. Bislang habe man rund 1,4 Millionen Euro in kleinere Sanierungsmaßnahmen im laufenden Betrieb investiert.

Vor allem die Problematik der „Entfluchtung“ habe sich verschärft. Zu Deutsch: Die Evakuierung der Halle im Brandfall. Man sei überzeugt, dass eine kleine Sanierung nicht ausreiche. Alte Anlagen raus, neue Anlagen rein – so laute der einzig sinnvolle Weg. Auch daraus sei der ursprüngliche angesetzte Sanierungsbetrag von rund sechs Millionen nun auf das doppelte plus einer Sicherheitsreserve von rund drei Millionen Euro angewachsen.

Gleichsam garantierten die Mitglieder der Kreisverwaltung gestern für die Sicherheit der Besucher für die verbleibenden Veranstaltungen, die unter anderem wie bisher auch durch den Einsatz von Brandschutzwachen gewährleistet werden soll.

Falls die Sanierung beschlossen wird, soll frühestens Anfang 2021 oder im zweiten Quartal des Jahres 2021 mit den Arbeiten begonnen werden. Aufgrund der erforderlichen europaweiten Ausschreibungen sei kein früherer Beginn möglich. Die Dauer der Maßnahmen schätzte die Verwaltung auf rund ein Jahr ein – spätestens zum Ende der Sommerferien 2022 wolle man fertig sein. Danach sei die 50 Jahre alte Halle für weitere 20 Jahre betriebsbereit.

Falls die Sanierung nicht vom Kreistag beschlossen wird, werde man die Halle schließen. Einer weiteren Übergangslösung erteilte man klar eine Absage. Zudem werde dann – um den Schulsport zu gewährleisten – der Bau einer neuen Sporthalle vorangetrieben, die die bisher in der Kampa-Halle vorgehalten Angebote bieten soll. Die Kosten für eine solche Kreissporthalle beziffert man mit rund zehn Millionen Euro, die Realisierung werde mehrere Jahre zählen und stünde vorbehaltlich einer Zustimmung des Kreistags.

Keine Folgen soll die Brandschutz-Frage übrigens für die Büros von Kreissportbund und 1. VC Minden haben, die beide in der Halle untergebracht sind. Für die Büroräume gebe es ausreichende Fluchtwege.

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MindenDer Kreis bleibt dabei: Die Alternativen für die Kampa-Halle heißen Schließung oder SanierungMarcus RiechmannMinden (mt). Die Zukunft der Mindener Kampa-Halle rollt der Entscheidung entgegen. Am Montag, 7. Oktober, werden die Mitglieder des Kreistages ihre Wahl treffen müssen. Die Alternativen lauten Sanierung zum Beginn des Jahres 2021 oder Schließung der Veranstaltungsarena zum 1. November 2019. Diesen Fahrplan bekräftigte heute in einem ausführlichen Pressegespräch die Verwaltungsspitze des Kreises Minden-Lübbecke um Landrat Dr. Ralf Niermann. Zugleich wies die Verwaltung drauf hin: Selbst wenn die Sanierung beschlossen würde, sei das keine Garantie dafür, dass die Kampa-Halle geöffnet bleibt. Die Voraussetzungen für eine provisorische Öffnung bis zur Großsanierung müssten erst noch geprüft werden. Der Landrat machte deutlich: Die Schließung der Halle würde sämtlichem Betrieb umfassen – vom Heimspiel des Handball-Bundesligisten GWD Minden bis zum Schulsport oder zum Vereinstraining, neben dem Hallen-Innenraum wären auch die Laufbahn und der Schießkeller betroffen. Zudem gab Niermann an, zwei Dinge richtigstellen zu wollen. Erstens: Das aktuell in der Diskussion stehende Brandschutzgutachten sei nicht geheim. Zweitens: Man habe das Gutachten nicht beauftragt, um die Kreispolitik unter Druck zu setzen. Beides sei unwahr, so Niermann. Bereits am 9. September habe man dem Ältestenrat „wesentliche Inhalte“ des Gutachtens vorgestellt. Jedes Mitglied des Kreistages könne das Gutachten einsehen. Diesen Wunsch habe aber noch niemand geäußert. Von sich aus vorgelegt hat man das Gutachten in Gänze allerdings auch nicht. Ob das Gutachten auch Personen außerhalb des Kreistages offengelegt werden soll, darüber müsse man noch befinden. Gemeinsam mit Baudezernent Lutz Freiberg, dem Amtsleiter für Gebäude und Liegenschaften, Gerd Schake, sowie dessen Mitarbeitern Burkhard Ernsting und Jens Netzeband, beschrieb der Landrat die Abläufe, die zur aktuellen Situation geführt haben. Zugleich äußerte sich Niermann zum Projekt Multifunktionshalle, das er bereits im Jahr 2014 angestoßen habe. „Ich war ein entschiedener Befürworter der Multihalle und bin es heute noch“, sagte Niermann, der den Bau einer neuen Arena auch dann für möglich hält, wenn die zwölf bis 15 Millionen Euro teure Sanierung der Kampa-Halle durchgeführt wird. Das sei eine Frage des politischen Willens. „Wir sollten die Situation nutzen“, sagte Niermann. Die Rolle des Kreises in einem Projekt Multihalle beschrieb er als die eines „Juniorpartners“ und spielte den Ball des Handelns zur Stadt Minden und zu der Unterstützergruppe der Wirtschaft. „Mein Wunsch“, so Niermann: Die Kampa-Halle sanieren, „weil sie saniert werden muss, und zugleich die Chancen für die Multihalle wahren. Über die Wirtschaftlichkeit eines eventuell jahrelangen Parallelbetrieb zweier Veranstaltungshalle wollte Niermann nichts sagen: „Das ist noch so weit weg.“ Der Kreis beschrieb die zeitlichen Abläufe der seit 2013 laufenden Brandschutz-Untersuchungen rund um die Kampa-Halle. Zunächst sei das Gutachten des TÜVs erstellt worden. Dort habe sich die einstige Bewertung von „geringe Mängel“ zu „wesentliche Mängel“ verändert. Daraufhin habe man, so erläuterte Baudezernent Lutz Freiberg, sich entschieden eine Risikobetrachtung vorzunehmen. Dies sei durch das so genannte Schlomann-Gutachten erfolgt. Mit diesem Gutachten sei der Umfang der Sanierung erfasst worden. Die Mängelbeseitigungspflicht habe ohnehin bis zum 31.10.2019 gegolten. Das habe man bereits im vergangenen Jahr der Kreispolitik mitgeteilt. Mit Ablauf der Mängelbeseitigungspflicht stehe man als Betreiber in der Haftung, das Betreiber-Risiko sei nicht mehr vertretbar. Deshalb müsse man nun handeln. Bislang habe man rund 1,4 Millionen Euro in kleinere Sanierungsmaßnahmen im laufenden Betrieb investiert. Vor allem die Problematik der „Entfluchtung“ habe sich verschärft. Zu Deutsch: Die Evakuierung der Halle im Brandfall. Man sei überzeugt, dass eine kleine Sanierung nicht ausreiche. Alte Anlagen raus, neue Anlagen rein – so laute der einzig sinnvolle Weg. Auch daraus sei der ursprüngliche angesetzte Sanierungsbetrag von rund sechs Millionen nun auf das doppelte plus einer Sicherheitsreserve von rund drei Millionen Euro angewachsen. Gleichsam garantierten die Mitglieder der Kreisverwaltung gestern für die Sicherheit der Besucher für die verbleibenden Veranstaltungen, die unter anderem wie bisher auch durch den Einsatz von Brandschutzwachen gewährleistet werden soll. Falls die Sanierung beschlossen wird, soll frühestens Anfang 2021 oder im zweiten Quartal des Jahres 2021 mit den Arbeiten begonnen werden. Aufgrund der erforderlichen europaweiten Ausschreibungen sei kein früherer Beginn möglich. Die Dauer der Maßnahmen schätzte die Verwaltung auf rund ein Jahr ein – spätestens zum Ende der Sommerferien 2022 wolle man fertig sein. Danach sei die 50 Jahre alte Halle für weitere 20 Jahre betriebsbereit. Falls die Sanierung nicht vom Kreistag beschlossen wird, werde man die Halle schließen. Einer weiteren Übergangslösung erteilte man klar eine Absage. Zudem werde dann – um den Schulsport zu gewährleisten – der Bau einer neuen Sporthalle vorangetrieben, die die bisher in der Kampa-Halle vorgehalten Angebote bieten soll. Die Kosten für eine solche Kreissporthalle beziffert man mit rund zehn Millionen Euro, die Realisierung werde mehrere Jahre zählen und stünde vorbehaltlich einer Zustimmung des Kreistags. Keine Folgen soll die Brandschutz-Frage übrigens für die Büros von Kreissportbund und 1. VC Minden haben, die beide in der Halle untergebracht sind. Für die Büroräume gebe es ausreichende Fluchtwege. Lesen Sie zu diesem Thema auch Neues Brandschutz-Gutachten: Mindener Kampa-Halle steht vor der baldigen Schließung Auslaufmodell: 15 Millionen für die Kampa-Halle? 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