Kommentar zur Zukunft der Kampa-Halle: Nicht nur der Landratverliert

Henning Wandel

Es braucht schon viel Fantasie, sich vorzustellen, wie diese Kuh noch einmal vom Eis geholt werden soll. Mit seinem politisch nicht abgestimmten Ultimatum hat Landrat Ralf Niermann allen Beteiligten die Pistole auf die Brust gesetzt – und das völlig ohne Not. Denn die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Besteht in der fast 50 Jahre alten Halle eine konkrete Gefahr für Leib und Leben? Wenn ja, müsste sie längst geschlossen sein. Da sie es aber nicht ist, gibt es offenbar noch Spielraum. Dass nicht einmal das Mindener Bauamt als Aufsichtsbehörde offiziell über den aktuellen Zustand der Halle informiert ist, verstärkt diesen Eindruck.

Wie schon in der Auseinandersetzung um eine Neuausrichtung der Mühlenkreiskliniken hat Niermann auch jetzt die Chance verpasst, ein kritisches Thema im Vorfeld breit zu diskutieren und so für einen Konsens zu sorgen. Stattdessen stehen Minden und auch der Kreis vor einer Zerreißprobe. Denn der Kreistag kann nur falsch entscheiden: Stimmt er für die Sanierung, ist die Multihalle erledigt. Stimmt er dagegen, steht GWD vor einem Scherbenhaufen.

Es gibt neben Niermann aber noch einen weiteren Verlierer in diesem Konflikt: die SPD. Anstatt gemeinsam mit dem Landrat nach einer Lösung zu suchen, betreibt sie selbst dessen Demontage. So wie die Kreistagsfraktion mit ihrer öffentlichen Resolution. Oder der Kreisvorstand, der einen Kandidaten sucht, der sich explizit um die Mühlenkreiskliniken kümmern soll – ein Affront, den Niermann sehr wohl verstehen wird. Ein Jahr vor der Kommunalwahl geben die Genossen hier kein gutes Bild ab.

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Kommentar zur Zukunft der Kampa-Halle: Nicht nur der LandratverliertHenning WandelEs braucht schon viel Fantasie, sich vorzustellen, wie diese Kuh noch einmal vom Eis geholt werden soll. Mit seinem politisch nicht abgestimmten Ultimatum hat Landrat Ralf Niermann allen Beteiligten die Pistole auf die Brust gesetzt – und das völlig ohne Not. Denn die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Besteht in der fast 50 Jahre alten Halle eine konkrete Gefahr für Leib und Leben? Wenn ja, müsste sie längst geschlossen sein. Da sie es aber nicht ist, gibt es offenbar noch Spielraum. Dass nicht einmal das Mindener Bauamt als Aufsichtsbehörde offiziell über den aktuellen Zustand der Halle informiert ist, verstärkt diesen Eindruck. Wie schon in der Auseinandersetzung um eine Neuausrichtung der Mühlenkreiskliniken hat Niermann auch jetzt die Chance verpasst, ein kritisches Thema im Vorfeld breit zu diskutieren und so für einen Konsens zu sorgen. Stattdessen stehen Minden und auch der Kreis vor einer Zerreißprobe. Denn der Kreistag kann nur falsch entscheiden: Stimmt er für die Sanierung, ist die Multihalle erledigt. Stimmt er dagegen, steht GWD vor einem Scherbenhaufen. Es gibt neben Niermann aber noch einen weiteren Verlierer in diesem Konflikt: die SPD. Anstatt gemeinsam mit dem Landrat nach einer Lösung zu suchen, betreibt sie selbst dessen Demontage. So wie die Kreistagsfraktion mit ihrer öffentlichen Resolution. Oder der Kreisvorstand, der einen Kandidaten sucht, der sich explizit um die Mühlenkreiskliniken kümmern soll – ein Affront, den Niermann sehr wohl verstehen wird. Ein Jahr vor der Kommunalwahl geben die Genossen hier kein gutes Bild ab.