Minden

PreZero und KAVG testen Transport auf dem Wasserweg

Henning Wandel

Brennstoff für Heizkraftwerke: Was beim Recycling auf der Pohlschen Heide übrig bleibt, wird zum Teil im Sachsen-Anhalt verwertet. Der Transport soll jetzt auf den Wasserweg verlagert werden.?MT- - © Foto: Henning Wandel
Brennstoff für Heizkraftwerke: Was beim Recycling auf der Pohlschen Heide übrig bleibt, wird zum Teil im Sachsen-Anhalt verwertet. Der Transport soll jetzt auf den Wasserweg verlagert werden.?MT- (© Foto: Henning Wandel)

Minden (mt). Mehr als 1.000 Tonnen der weißen Ballen passen auf die Heitmann I. Es sind verpackte Reste aus der Abfallaufbereitung auf der Pohlschen Heide. Verbund-Kunststoffe etwa, die nicht mehr recycelt werden können. Auch Holz, kann dabei sein, Textilien oder Windeln. Etwa 60.000 Tonnen dieser Reste fallen jedes Jahr bei der kommunalen Kreisabfallverwertungsgesellschaft (KAVG) an, sagt deren Geschäftsführer Henning Schreiber. Nicht alles kann im eigenen Heizkraftwerk an der Karlstraße verbrannt werden, wo daraus Dampf und Strom entstehen.

Die Kooperation mit dem Entsorgungsunternehmen PreZero kommt da gerade recht. Auch die Portaner betreiben in Bernburg eine Anlage für die sogenannte thermische Verwertung. Dorthin, etwas südlich von Magdeburg, sollen die Ersatzbrennstoffe jetzt überwiegend auf dem Wasserweg transportiert werden. Das erste Schiff wurde gestern am Westhafen bei der Firma Heitmann beladen.

Für Maik Gronau ist das ein spannender Test. Er ist bei PreZero für die Logistik verantwortlich. Für die Menge, die jetzt auf dem Mittellandkanal in Richtung Magdeburg schippern soll, müssten mehr als 40 Lkw über die A2 rollen. Der Klimaaspekt ist nicht zuletzt wegen des gerade beschlossenen CO2-Preises wichtig, PreZero möchte sich insgesamt als Umweltdienstleister positionieren, sagt Gronau. Der Wechsel aufs Schiff hat aber auch ganz handfeste Gründe: Die Suche nach Lkw-Fahrern fällt in der gesamten Branche immer schwerer. Auch deswegen hat Frank Heitmann für sein Unternehmen zwei eigene Schiffe gekauft. Aktuell zahlt PreZero für den Transport auf dem Wasserweg noch drauf, Gronau erwartet aber deutliche Preissteigerungen im Lkw-Verkehr. Schon innerhalb der kommenden Jahre soll sich der Wechsel auch finanziell rechnen.

Bis dahin ist aber noch einiges zu tun. Für einen regelmäßigen Betrieb müssen zum Beispiel noch zusätzliche Genehmigungen bei der Bezirksregierung eingeholt werden, sagt Heitmann. Der Transport von Ersatzbrennstoffen sei bisher nicht üblich, so Gronau. Dann aber hätte die Verbindung von Minden nach Magdeburg viel Potenzial. Jede Woche könnte sich ein Schiff auf den Weg machen, ein weiteres ist vom PreZero-Standort in Hannover aus denkbar. Macht jede Woche 90 Lkw weniger auf der Autobahn.

Tarifeinigung bei PreZero

Das Entsorgungsunternehmen PreZero und die Gewerkschaft Verdi haben sich über wesentliche Inhalte eines Tarifvertrags geeinigt. Wie beide Seiten gegenüber dem MT erklären, soll es ab dem nächsten Jahr sowohl einen Manteltarif als auch einen Vergütungstarifvertrag geben.

Der künftige Einstiegslohn liegt demnach bei mehr als zwölf Euro und soll deutlich transparenter sein als bisher, sagt der bei Verdi für die Entsorgungsbranche zuständige Gerd Walter.

Die Einigung gebe dem Unternehmen die nötige Flexibilität und sorge gleichzeitig für gerechtere Gehälter, sagt auch PreZero-Personalleiter Oliver Vossenberg. Beide Seiten zeigten sich sehr zufrieden.

Einen Flächentarifvertrag gibt es in der Branche nicht mehr, nachdem sich immer mehr Unternehmen aus der Tarifbindung zurückgezogen haben. (hwa)

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MindenPreZero und KAVG testen Transport auf dem WasserwegHenning WandelMinden (mt). Mehr als 1.000 Tonnen der weißen Ballen passen auf die Heitmann I. Es sind verpackte Reste aus der Abfallaufbereitung auf der Pohlschen Heide. Verbund-Kunststoffe etwa, die nicht mehr recycelt werden können. Auch Holz, kann dabei sein, Textilien oder Windeln. Etwa 60.000 Tonnen dieser Reste fallen jedes Jahr bei der kommunalen Kreisabfallverwertungsgesellschaft (KAVG) an, sagt deren Geschäftsführer Henning Schreiber. Nicht alles kann im eigenen Heizkraftwerk an der Karlstraße verbrannt werden, wo daraus Dampf und Strom entstehen. Die Kooperation mit dem Entsorgungsunternehmen PreZero kommt da gerade recht. Auch die Portaner betreiben in Bernburg eine Anlage für die sogenannte thermische Verwertung. Dorthin, etwas südlich von Magdeburg, sollen die Ersatzbrennstoffe jetzt überwiegend auf dem Wasserweg transportiert werden. Das erste Schiff wurde gestern am Westhafen bei der Firma Heitmann beladen. Für Maik Gronau ist das ein spannender Test. Er ist bei PreZero für die Logistik verantwortlich. Für die Menge, die jetzt auf dem Mittellandkanal in Richtung Magdeburg schippern soll, müssten mehr als 40 Lkw über die A2 rollen. Der Klimaaspekt ist nicht zuletzt wegen des gerade beschlossenen CO2-Preises wichtig, PreZero möchte sich insgesamt als Umweltdienstleister positionieren, sagt Gronau. Der Wechsel aufs Schiff hat aber auch ganz handfeste Gründe: Die Suche nach Lkw-Fahrern fällt in der gesamten Branche immer schwerer. Auch deswegen hat Frank Heitmann für sein Unternehmen zwei eigene Schiffe gekauft. Aktuell zahlt PreZero für den Transport auf dem Wasserweg noch drauf, Gronau erwartet aber deutliche Preissteigerungen im Lkw-Verkehr. Schon innerhalb der kommenden Jahre soll sich der Wechsel auch finanziell rechnen. Bis dahin ist aber noch einiges zu tun. Für einen regelmäßigen Betrieb müssen zum Beispiel noch zusätzliche Genehmigungen bei der Bezirksregierung eingeholt werden, sagt Heitmann. Der Transport von Ersatzbrennstoffen sei bisher nicht üblich, so Gronau. Dann aber hätte die Verbindung von Minden nach Magdeburg viel Potenzial. Jede Woche könnte sich ein Schiff auf den Weg machen, ein weiteres ist vom PreZero-Standort in Hannover aus denkbar. Macht jede Woche 90 Lkw weniger auf der Autobahn. Tarifeinigung bei PreZero Das Entsorgungsunternehmen PreZero und die Gewerkschaft Verdi haben sich über wesentliche Inhalte eines Tarifvertrags geeinigt. Wie beide Seiten gegenüber dem MT erklären, soll es ab dem nächsten Jahr sowohl einen Manteltarif als auch einen Vergütungstarifvertrag geben. Der künftige Einstiegslohn liegt demnach bei mehr als zwölf Euro und soll deutlich transparenter sein als bisher, sagt der bei Verdi für die Entsorgungsbranche zuständige Gerd Walter. Die Einigung gebe dem Unternehmen die nötige Flexibilität und sorge gleichzeitig für gerechtere Gehälter, sagt auch PreZero-Personalleiter Oliver Vossenberg. Beide Seiten zeigten sich sehr zufrieden. Einen Flächentarifvertrag gibt es in der Branche nicht mehr, nachdem sich immer mehr Unternehmen aus der Tarifbindung zurückgezogen haben. (hwa)