Minden

Jacob Karlzon gastiert im Jazz Club

Kerstin Rickert

Minden (kr). Wie kleine Tropfen, die sanft auf eine Wasseroberfläche rieseln und eine Weile auf ihr hin und her hüpfen, bevor sie sich in der Weite des Meeres verlieren, plätschert Jacob Karlzons Klavierspiel in „Open Waters“ dahin. Kaum hörbar, wie ein leises Rauschen, streichen im Hintergrund Besen über die Trommelfelle des Schlagzeugs. Die Melodie schwillt an und ebbt wieder ab, wellenartig und unvorhersehbar. „Open Waters“ ist Eröffnungs- und Titelstück auf dem neuen Album des schwedischen Pianisten Jacob Karlzon. Am Samstag, 21. September, stellt der 48-Jährige es mit seinen Trio-Partnern Morten Ramsbøl (Bass) und Rasmus Kihlberg (Schlagzeug) im Jazz Club Minden vor.

„Open Waters“ ist ein Stück, das den Kopf frei macht und dazu einlädt, sich Gedanken verloren der Musik hinzugeben. Musik, die ohne viel Tamtam auskommt und in der akzentuiert gesetzte Basslinien und die gefühlvolle Besenarbeit des Schlagzeugers mit den sanften Pianoklängen von Jacob Karlzon verschmelzen. Mit seinem unverkennbaren Klavierstil gilt der im schwedischen Jönköping geborene Karlzon als einer der herausragenden Jazz-Pianisten in der Nachfolge des 2008 im Alter von 44 Jahren tödlich verunglückten Esbjörn Svensson.

- © Picasa
(© Picasa)

Mit einem hohen Maß an Virtuosität und Kreativität gelingt es Karlzon, zugleich lyrisch sowie lebendig und energiereich zu spielen und in seinen Stücken eine intensive Spannung aufzubauen. Mal ist es wie im Titelstück eine kleine Melodie mit Sogwirkung, die an Dynamik gewinnt, mal wie in „Look What You Made Me Do“ die reinste Wucht, die es schwer machen, sich „Open Waters“ zu entziehen.

Jacob Karlzon ist in der Klassik ebenso zu Hause wie im Heavy Metal und lässt die Grenzen von Jazz, Pop und Rock in seiner Musik miteinander verschmelzen. Er selbst sieht sich als „alternativen Musiker“ und nicht als reinen Jazzer. Was das für seine Musk bedeutet, dokumentiert er auf „Open Waters“ eindrucksvoll in neun atmosphärisch dichten und stimmungsvollen, manchmal auch hochenergetischen Klangepisoden.

Der Name des Albums und des gleichnamigen Stückes zum Einstieg hat dabei durchaus einen tieferen Sinn. Er wolle seine Hörer „tatsächlich emotional aufs offene Meer ziehen, in diese Situation bringen, in der man sich entscheiden muss, in welche Richtung man schwimmen will“, sagt Jacob Karlzon selbst über sein neuestes Werk. Ähnlich sei auch das Album entstanden: Durch intuitives Musizieren, dem jedoch ein langer Gedankenprozess vorausgegangen sei.

Wie bereits bei seinen vorherigen Alben lässt Jacob Karlzon seinen Hörern auch diesmal viel Freiraum für eigene Bilder und Gedanken. Er selbst liefert die Musik dazu. Zusammen mit seinen beiden Begleitern nimmt er seine Zuhörer mit in geheime Räume („Secret Rooms“), wo sie ihre ganz persönlichen Stimmungsbilder entdecken können. Er serviert ihnen mit „Motion Picture“ den passenden Soundtrack zum Film im eigenen Kopf und schafft in „How it ends“ eine wunderbar emotionale Atmosphäre, in der sie sich fallen und treiben lassen können. Mit „Panorama“ öffnet er ihre Ohren für Klanglandschaften von grenzenloser Weite, und er nimmt sie in „Note To Self“ mit in seine eigenen Gedanken und Gefühle, die in seiner Musik ihren Ausdruck finden oder auch erst von ihr angetrieben werden.

Er habe „die Dinge manchmal einfach passieren lassen“, sagt Karlzon über die Aufnahmen zu „Open Waters“ im Nilento Studio in Göteborg. Das Ergebnis überzeugt: Mit Morten Ramsbøl am Bass und Rasmus Kihlberg am Schlagzeug bildet Karlzon eine Einheit, die keinen Ton zu viel und nicht einen zu wenig ins musikalische Geschehen einbringt. Mit hörbarem Gefühl füreinander und Respekt voreinander begegnen sich die drei Musiker und kreieren Klangbilder, die sich im Miteinander entwickeln und mit immer wieder neuen Überraschungen aufwarten.

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MindenJacob Karlzon gastiert im Jazz ClubKerstin RickertMinden (kr). Wie kleine Tropfen, die sanft auf eine Wasseroberfläche rieseln und eine Weile auf ihr hin und her hüpfen, bevor sie sich in der Weite des Meeres verlieren, plätschert Jacob Karlzons Klavierspiel in „Open Waters“ dahin. Kaum hörbar, wie ein leises Rauschen, streichen im Hintergrund Besen über die Trommelfelle des Schlagzeugs. Die Melodie schwillt an und ebbt wieder ab, wellenartig und unvorhersehbar. „Open Waters“ ist Eröffnungs- und Titelstück auf dem neuen Album des schwedischen Pianisten Jacob Karlzon. Am Samstag, 21. September, stellt der 48-Jährige es mit seinen Trio-Partnern Morten Ramsbøl (Bass) und Rasmus Kihlberg (Schlagzeug) im Jazz Club Minden vor. „Open Waters“ ist ein Stück, das den Kopf frei macht und dazu einlädt, sich Gedanken verloren der Musik hinzugeben. Musik, die ohne viel Tamtam auskommt und in der akzentuiert gesetzte Basslinien und die gefühlvolle Besenarbeit des Schlagzeugers mit den sanften Pianoklängen von Jacob Karlzon verschmelzen. Mit seinem unverkennbaren Klavierstil gilt der im schwedischen Jönköping geborene Karlzon als einer der herausragenden Jazz-Pianisten in der Nachfolge des 2008 im Alter von 44 Jahren tödlich verunglückten Esbjörn Svensson. Mit einem hohen Maß an Virtuosität und Kreativität gelingt es Karlzon, zugleich lyrisch sowie lebendig und energiereich zu spielen und in seinen Stücken eine intensive Spannung aufzubauen. Mal ist es wie im Titelstück eine kleine Melodie mit Sogwirkung, die an Dynamik gewinnt, mal wie in „Look What You Made Me Do“ die reinste Wucht, die es schwer machen, sich „Open Waters“ zu entziehen. Jacob Karlzon ist in der Klassik ebenso zu Hause wie im Heavy Metal und lässt die Grenzen von Jazz, Pop und Rock in seiner Musik miteinander verschmelzen. Er selbst sieht sich als „alternativen Musiker“ und nicht als reinen Jazzer. Was das für seine Musk bedeutet, dokumentiert er auf „Open Waters“ eindrucksvoll in neun atmosphärisch dichten und stimmungsvollen, manchmal auch hochenergetischen Klangepisoden. Der Name des Albums und des gleichnamigen Stückes zum Einstieg hat dabei durchaus einen tieferen Sinn. Er wolle seine Hörer „tatsächlich emotional aufs offene Meer ziehen, in diese Situation bringen, in der man sich entscheiden muss, in welche Richtung man schwimmen will“, sagt Jacob Karlzon selbst über sein neuestes Werk. Ähnlich sei auch das Album entstanden: Durch intuitives Musizieren, dem jedoch ein langer Gedankenprozess vorausgegangen sei. Wie bereits bei seinen vorherigen Alben lässt Jacob Karlzon seinen Hörern auch diesmal viel Freiraum für eigene Bilder und Gedanken. Er selbst liefert die Musik dazu. Zusammen mit seinen beiden Begleitern nimmt er seine Zuhörer mit in geheime Räume („Secret Rooms“), wo sie ihre ganz persönlichen Stimmungsbilder entdecken können. Er serviert ihnen mit „Motion Picture“ den passenden Soundtrack zum Film im eigenen Kopf und schafft in „How it ends“ eine wunderbar emotionale Atmosphäre, in der sie sich fallen und treiben lassen können. Mit „Panorama“ öffnet er ihre Ohren für Klanglandschaften von grenzenloser Weite, und er nimmt sie in „Note To Self“ mit in seine eigenen Gedanken und Gefühle, die in seiner Musik ihren Ausdruck finden oder auch erst von ihr angetrieben werden. Er habe „die Dinge manchmal einfach passieren lassen“, sagt Karlzon über die Aufnahmen zu „Open Waters“ im Nilento Studio in Göteborg. Das Ergebnis überzeugt: Mit Morten Ramsbøl am Bass und Rasmus Kihlberg am Schlagzeug bildet Karlzon eine Einheit, die keinen Ton zu viel und nicht einen zu wenig ins musikalische Geschehen einbringt. Mit hörbarem Gefühl füreinander und Respekt voreinander begegnen sich die drei Musiker und kreieren Klangbilder, die sich im Miteinander entwickeln und mit immer wieder neuen Überraschungen aufwarten.