Minden

Stadt verleiht Heimatpreis

Carsten Korfesmeyer

Zur Premiere des Mindener Heimatpreises gibt es gleich zwei zweite Plätze. Sabine Schulz vom Projekt Stolpersteine nimmt die Auszeichnung für einen dieser beiden Plätze aus den Händen von Bürgermeister Michael Jäcke entgegen. MT- - © Foto: Lehn
Zur Premiere des Mindener Heimatpreises gibt es gleich zwei zweite Plätze. Sabine Schulz vom Projekt Stolpersteine nimmt die Auszeichnung für einen dieser beiden Plätze aus den Händen von Bürgermeister Michael Jäcke entgegen. MT- (© Foto: Lehn)

Minden (mt). Die Preisträger von der Kulturgemeinschaft Minderheide kümmern sich seit vielen Jahren um den Franzosenfriedhof. Sie pflegen die Denkmäler, Gräber oder Gedenkkreuze – und Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) spricht in seiner Laudatio von einem sehr guten Beispiel für das Thema Erinnerungskultur. Das Areal war in jüngster Zeit mehrfach von Vandalismus betroffen. Das Franzosenkreuz auf dem Alten Friedhof wurde im Sommer bereits zum dritten Mal mutwillig zerstört. So sehr, dass eine Reparatur laut Jäcke womöglich nicht mehr möglich ist. „Ich weiß nicht, was in den Köpfen der Täter vorgeht“, sagt er am Donnerstag vor rund 50 Gästen im Foyer vor dem Sitzungssaal im Kreishaus.

2.500 Euro bekommt die Kulturgemeinschaft Minderheide, die mit Veranstaltungen und Aktionen rund um den Friedhof an die Schrecken beider Weltkriege erinnert. In Eigenleistung haben die Mitglieder das Denkmal auf der Großen Heide saniert und zum Gedenken auch einen Friedensbaum gepflanzt. „Das alles hat die Jury überzeugt“, sagt der Bürgermeister.

Anfang des Jahres hat der Rat beschlossen, den vom Land geförderten Heimatpreis in Minden zu vergeben. Gleich zur Premiere gibt es mit zwei zweiten Plätzen eine Besonderheit, weil nach der Abstimmung Punktgleichheit herrschte. So gehen die Auszeichnungen an den Arbeitskreis Stolpersteine und nach Kutenhausen, wo die Kooperation zwischen dem Heimatverein und dem Förderverein Friedhofskapelle läuft. Diese beschäftigt sich mit dem Projekt Pflege und Aufwertung des Kutenhauser Friedhofs und mit der Unterhaltung der Friedhofskapelle.

Das Projekt Stolpersteine trage dazu bei, dass Minden auch in Zukunft eine weltoffene Stadt ist, die neuen Mitmenschen eine Heimat bietet, erklärt Jäcke. „Die Steine geben den früheren Nachbarn aus der Weserstadt einen Namen und verdeutlichen, was den Frauen, Männern und Kindern zugestoßen ist. Die Stolpersteine seien wichtig, weil sie an die Schicksale erinnern. Am Rande der Preisverleihung erklärt ein Projektmitglied gegenüber dem MT, dass damit alle Opfer der Nazi-Schreckensherrschaft gemeint sind.

Als „herausragendes Kooperationsprojekt“ bezeichnet Jäcke das, was Ehrenamtliche auf dem Kutenhauser Friedhof leisten. Sie sanierten das Hochkreuz und erneuerten die Inschrift mit Blattgold, renovierten den Fußboden in der Kapelle und polsterten die Bänke. „Außerdem wurde ein neues Eingangstor geschmiedet und eine Sonnenuhr angelegt“, sagt der Bürgermeister. Das alles sichere den Friedhof langfristig als Parkanlage und einen Ort der Erinnerung.

Jäcke sagt in seiner Rede deutlich, dass der Begriff Heimat sehr unterschiedlich interpretiert werde. Er könne ein Ort, ein Gefühl oder auch ein ganz bestimmter Duft sein. „Heimat ist für viele Menschen das, womit man sich vertraut fühlt“, sagt der Verwaltungschef. Auch Geborgenheit und Vertrautheit gehören nach seinen Worten dazu. Für jeden Menschen bedeute Heimat etwas anderes und: Der Begriff sei gerade in jüngster Zeit wieder stärker in die Öffentlichkeit gelangt.

Der Bürgermeister sieht Heimat als etwas Positives und verbindet damit Weltoffenheit, Toleranz, Verantwortungsgefühl und Gemeinsinn. „Das alles schafft einen starken gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagt Jäcke. Dabei spiele es keine Rolle, ob diese Heimat in den großen Städten des Ruhrgebiets oder im eher ländlich geprägten OWL liege. In Minden werde man weiter darauf achten, für einen liebens- und lebenswerten Ort zu sorgen. Auch 2020 werde es einen Heimatpreis geben.

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MindenStadt verleiht HeimatpreisCarsten KorfesmeyerMinden (mt). Die Preisträger von der Kulturgemeinschaft Minderheide kümmern sich seit vielen Jahren um den Franzosenfriedhof. Sie pflegen die Denkmäler, Gräber oder Gedenkkreuze – und Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) spricht in seiner Laudatio von einem sehr guten Beispiel für das Thema Erinnerungskultur. Das Areal war in jüngster Zeit mehrfach von Vandalismus betroffen. Das Franzosenkreuz auf dem Alten Friedhof wurde im Sommer bereits zum dritten Mal mutwillig zerstört. So sehr, dass eine Reparatur laut Jäcke womöglich nicht mehr möglich ist. „Ich weiß nicht, was in den Köpfen der Täter vorgeht“, sagt er am Donnerstag vor rund 50 Gästen im Foyer vor dem Sitzungssaal im Kreishaus. 2.500 Euro bekommt die Kulturgemeinschaft Minderheide, die mit Veranstaltungen und Aktionen rund um den Friedhof an die Schrecken beider Weltkriege erinnert. In Eigenleistung haben die Mitglieder das Denkmal auf der Großen Heide saniert und zum Gedenken auch einen Friedensbaum gepflanzt. „Das alles hat die Jury überzeugt“, sagt der Bürgermeister. Anfang des Jahres hat der Rat beschlossen, den vom Land geförderten Heimatpreis in Minden zu vergeben. Gleich zur Premiere gibt es mit zwei zweiten Plätzen eine Besonderheit, weil nach der Abstimmung Punktgleichheit herrschte. So gehen die Auszeichnungen an den Arbeitskreis Stolpersteine und nach Kutenhausen, wo die Kooperation zwischen dem Heimatverein und dem Förderverein Friedhofskapelle läuft. Diese beschäftigt sich mit dem Projekt Pflege und Aufwertung des Kutenhauser Friedhofs und mit der Unterhaltung der Friedhofskapelle. Das Projekt Stolpersteine trage dazu bei, dass Minden auch in Zukunft eine weltoffene Stadt ist, die neuen Mitmenschen eine Heimat bietet, erklärt Jäcke. „Die Steine geben den früheren Nachbarn aus der Weserstadt einen Namen und verdeutlichen, was den Frauen, Männern und Kindern zugestoßen ist. Die Stolpersteine seien wichtig, weil sie an die Schicksale erinnern. Am Rande der Preisverleihung erklärt ein Projektmitglied gegenüber dem MT, dass damit alle Opfer der Nazi-Schreckensherrschaft gemeint sind. Als „herausragendes Kooperationsprojekt“ bezeichnet Jäcke das, was Ehrenamtliche auf dem Kutenhauser Friedhof leisten. Sie sanierten das Hochkreuz und erneuerten die Inschrift mit Blattgold, renovierten den Fußboden in der Kapelle und polsterten die Bänke. „Außerdem wurde ein neues Eingangstor geschmiedet und eine Sonnenuhr angelegt“, sagt der Bürgermeister. Das alles sichere den Friedhof langfristig als Parkanlage und einen Ort der Erinnerung. Jäcke sagt in seiner Rede deutlich, dass der Begriff Heimat sehr unterschiedlich interpretiert werde. Er könne ein Ort, ein Gefühl oder auch ein ganz bestimmter Duft sein. „Heimat ist für viele Menschen das, womit man sich vertraut fühlt“, sagt der Verwaltungschef. Auch Geborgenheit und Vertrautheit gehören nach seinen Worten dazu. Für jeden Menschen bedeute Heimat etwas anderes und: Der Begriff sei gerade in jüngster Zeit wieder stärker in die Öffentlichkeit gelangt. Der Bürgermeister sieht Heimat als etwas Positives und verbindet damit Weltoffenheit, Toleranz, Verantwortungsgefühl und Gemeinsinn. „Das alles schafft einen starken gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagt Jäcke. Dabei spiele es keine Rolle, ob diese Heimat in den großen Städten des Ruhrgebiets oder im eher ländlich geprägten OWL liege. In Minden werde man weiter darauf achten, für einen liebens- und lebenswerten Ort zu sorgen. Auch 2020 werde es einen Heimatpreis geben.